Flashmob

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Szene eines Flashmobs vor dem Musikvereinssaal in Wien
Szene eines Flashmobs vor dem Musikvereinssaal in Wien

Der Begriff Blitzauflauf, meist jedoch englisch Flashmob (flash – Blitz; mob – Pöbel von mobilis – beweglich) bezeichnet einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer üblicherweise persönlich nicht kennen. Flashmobs werden über Weblogs, Nachrichtengruppen, E-Mail-Kettenbriefe oder per Mobiltelefon organisiert. Obwohl die Ursprungsidee explizit unpolitisch war, gibt es mittlerweile auch Flashmobs mit politischem Hintergrund.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ablauf

Einem Aufruf aus dem Internet folgend treffen sich die Teilnehmer an einem Ort, an dem sie weitere Instruktionen über den eigentlichen Aktionsort und Ablauf des Flashmobs bekommen. Typisch für Flashmobs sind die blitzartige Bildung des Mobs aus dem Nichts, das identische Handeln im Mob (z. B. applaudieren, telefonieren mit gleichen inhaltlichen Texten), und die schlagartige Auflösung nach wenigen Minuten.

Die Beteiligten, "Blitzaufläufer", "Smart Mobber" oder "Flash Mobber" genannt, tauchen am vereinbarten Ort zur vereinbarten Zeit auf, um dort kurz und für die unwissenden Passanten völlig überraschend einer gänzlich sinn- und inhaltslosen Tätigkeit nachzugehen.

So schnell wie die Menschen zusammengekommen sind, löst sich ihre Gruppe vor den Augen der verdutzten Zuschauer dann auch wieder auf. Dieses merkwürdige Verhalten wird vor allem durch die immer schnelleren zwischenmenschlichen Kommunikationsmöglichkeiten beeinflusst und unterstützt.

Eine verwandte Aktionsform ist der Smart Mob, der mit dem öffentlichen Auftritt einem politischen oder gesellschaftlichen Ziel zu Aufmerksamkeit verhelfen will. Der Begriff geht auf einen Bestseller des amerikanischen Psychologen Howard Rheingold aus dem Jahr 2003 zurück.

Eine technische Variante ist das Radioballett, eine im Jahre 2002 in Leipzig erstmals aufgeführte Form des Straßenprotestes oder der gewollten Irritation von Passanten. Die Akteure führen ein Radio mit sich und erhalten durch dieses Anweisungen, wie sie sich zu verhalten haben. So werden die Teilnehmer etwa aufgefordert zu winken, zu tanzen, gebückt umherzulaufen, sich auf den Boden zu legen oder zu sammeln.

Flashmobs gelten als spezielle Ausprägungsformen der virtuellen Gesellschaft (virtual community, Online-Community), die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzen, um kollektive Aktionen zu organisieren.

[Bearbeiten] Geschichte

Als erster Flashmob gilt eine Aktion des Journalisten Bill Wasik am 3. Juni 2003 in New York. Mehr als hundert Teilnehmer versammelten sich in einem Kaufhaus um einen Teppich. Kaufhaus-Mitarbeitern teilten sie mit, dass sie einen „Liebes-Teppich“ suchten und Kaufentscheidungen grundsätzlich gemeinsam träfen. Danach versammelte sich eine noch größere Gruppe in einer Hotel-Lobby und applaudierte exakt 15 Sekunden, schließlich strömten die Teilnehmer in ein Schuhgeschäft und gaben sich dort als Touristen aus.[1] Bill Wasik hat in einem Artikel im März 2006 bekundet, seine Absicht sei gewesen, hippe Leute vorzuführen, die in einer Atmosphäre der Konformität nur danach strebten, Teil der „nächsten großen Sache“ zu werden, egal, wie sinnfrei diese sei.[2]

Die Freude an den sinnfreien Aktionen und der öffentlichen Aufmerksamkeit dafür führte rasch zu Nachahmungen ohne den ironischen Hintergrund. Bald darauf schwappte eine Flashmob-Welle von den USA auch nach Europa über, wo es Ende Juli 2003 erste Aktionen in Zürich, Rom und Wien gab. Das Phänomen erlangte für einige Monate große Medienaufmerksamkeit, bis im Herbst 2003 das Interesse zurückging.

Seit Sommer 2007 wurde die Idee wiederbelebt, anfänglich von Organisationen, die mit Aktionen auf gesellschaftliche Ziele aufmerksam machen wollen. Durch die neue Berichterstattung in den Medien wurden auch wieder reine Spaßaktionen inspiriert.

Am 13. April 2008 wurde Brooke Oberwetter nachts am Jefferson Memorial des US-Verfassungsvaters Thomas Jefferson in Washington, D.C. das lautlose Flashmob-Tanzen verboten. Als Ruhestörerin, die Widerstand gegen die Staatsgewalt verübte, wurde sie von Polizisten in Handschellen abgeführt. Sie soll die erste Person sein, die wegen der Teilnahme an einem Flashmob rechtliche Konsequenzen erfährt. [3][4][5]

[Bearbeiten] Beispiele

  • Am 9. Dezember 2005 um 13:06 Uhr (MEZ) veranstaltete der Sportsender Eurosport gemeinsam mit Swatch in mehreren europäischen Großstädten, wie München oder Paris, FlashMobs anlässlich der Fußball-WM-Gruppenauslosung. Dieser FlashMob sollte symbolisch für das größte Fußballtraining aller Zeiten stehen.
  • Im Rahmen der europaweiten „European Tour for Global Responsibility“ von Eurizons, einer globalisierungskritischen Bewegung, fanden im August und September 2006 auf acht verschiedenen Veranstaltungen in Riga, Kaunas, Krakau, Olomouc, Bratislava, Sopron, München und Straßburg verschiedene Flashmobs statt. Hier wurden die Flashmobs als politische Kampagnenmethode genutzt.
  • Am 8. September 2007 fand ein solcher bundesweiter Flashmob gegen Bahnprivatisierung statt. In mehr als 50 Städten nahmen insgesamt mehr als 2000 Menschen teil, teilte das Bündnis Bahn für Alle mit. [6]
  • Am 5. Oktober 2007 trafen sich ca. 300 Schüler im hessischen Friedberg und kauften in einem Kaufhaus je einen Niedrigpreisartikel, bezahlten jedoch alle mit einem 5-€-Schein.
  • Am 20. Januar 2008 versammelten sich ca. 700 Menschen auf dem Odeonsplatz in München, stürmten die Filiale einer Fastfood-Kette am Stachus und kauften dort auf einmal 4385 Hamburger. Auf diese Art wurden bereits in vielen deutschen Großstädten Flashmobs veranstaltet. Bei einer ähnlichen Aktion am 29. März 2008 wurden in einer Berliner Filiale von McDonalds in einer Bestellung 10.355 Cheeseburger gekauft. [7]

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Flashmob-Revival: Die Verhaftung der lautlosen Ruhestörerin, Spiegel Online, 16. April 2008
  2. My Crowd, or, Phase 5: A report from the inventor of the flash mob, Harper's Magazine, März 2006 (zahlungspflichtig)
  3. Spiegel-Online Artikel zur Verhaftung von Brooke Oberwetter, 16.04.2008
  4. Fotodokumentation der Verhaftung von Brooke Oberwetter auf der Jefferson Dance Party
  5. ars technica Artikel zu den Umständen der Verhaftung von Brooke Oberwetter
  6. Mit Lärm gegen Bahn-Privatisierung, Associated Press, 8. September 2007
  7. Bestellung von 10.355 Cheeseburgern - Foto des Kassenbons
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