Flateyri

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flateyri
Flateyri im Önundarfjörður
Hauptstraße mit Kirche
Fenster des isländischen Künstlers Leifur Breiðfjörð in der Kirche von Flatey
Links die Gedenktafel für die Lawinenopfer, hinten die neuen Lawinenverbauungen. An den Seiten Lupinen
Breiðadalsheiði

Flateyri ist ein Dorf in der Gemeinde Ísafjarðarbær in den Westfjorden von Island.

Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt am Nordufer des Önundarfjörður auf einer Halbinsel im Fjord und hatte am 1. Jan.2011 237 Einwohner[1]. Das Dorf wird überragt vom 660 Meter hohen Berg Eyrarfjall.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Die Verkehrsanbindung nach Flateyri war in früheren Zeiten im Winter nicht einfach. Sie erfolgte dann hauptsächlich über See, der Pass der Breiðadalsheiði Richtung Ísafjörður galt zu dieser Jahreszeit als schwierig befahrbar.

Jedoch ist Flateyri seit 1996 durch den insgesamt über 9 km langen Tunnel Vestfjarðagöng, den längsten Tunnel Islands, an die nördlich gelegene Stadt Ísafjörður angeschlossen, welche inzwischen auch zur selben Gemeinde gehört. [2] Nach Süden verbinden die Straßen 64 und 60 über den Pass der Gemlufallsheiði Flateyri mit dem Fischerort Þingeyri am Dýrafjörður.

Name[Bearbeiten]

Der Name Flateyri bedeutet flache Sandbank[3] und bezieht sich auf dieselbe, auf der das Dorf errichtet wurde. Zahlreiche Orte in den Westfjorden Islands führen eyri im Namen und wurden auf Sandbänken unterhalb der oft sehr steilen Bergwände in den Fjorden errichtet vgl. auch Hesteyri, Þingeyri, Hrafnseyri etc.

Die Sandbank, auf der Flateyri liegt, besteht aus Geschiebemergel und Moränenresten der Eiszeitgletscher und wurde anschließend vom Meer erodiert und weiter geformt.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1792 wurde Flateyri als Handelsplatz und Außenstelle des größeren Handelsplatzes Þingeyri gegründet.[4]

Haifischfang[Bearbeiten]

Erst ca. 100 Jahre später allerdings formte sich ein richtiges Dorf. Dies geschah im Zusammenhang mit der Fischerei, vor allem des Haifischfangs. Wie in anderen Orten an Islands Nord- und Westküste fuhr man in Ruderbooten und kleinen Segelbooten hinaus, um den Grönlandhai zu fangen, der in Island noch heute als besondere Delikatesse gilt. Um 1900 waren daraufhin ca. 200 Menschen in Flateyri ansässig[5].

Walfang[Bearbeiten]

Etwa zur selben Zeit, genauer 1889, gründete der Norweger Hans Ellefsen in Flateyri eine Station für Walfang und -verarbeitung. Diese Fabrik brannte jedoch 1901 ab und die Firma wurde daraufhin in die Ostfjorde Islands verlegt.[6]

1912 fing eine deutsche Firma an, Fischverarbeitung auf dem ehemaligen Gelände Ellefsens zu betreiben. Später wurde dies von Isländern übernommen.[6]

Das Haus des Norwegers H. Ellefsen[Bearbeiten]

Sein großes Haus verkaufte Ellefsen zu dieser Zeit an Hannes Hafstein, Islands ersten internen Regierungschef, damals noch unter dänischer Oberherrschaft. Hannes Hafstein ließ das Haus abreißen, nach Reykjavík transportieren und in der Tjarnargata in Reykjavíks Stadtzentrum wieder aufbauen. Dort steht es noch heute und wird von der jeweiligen isländischen Regierung unter dem Namen Ráðherrabústað für Sitzungen des Ministerrats etc. genutzt.[6]

Lawinengefahr[Bearbeiten]

Der Winter des Jahres 1995 erwies sich als besonders schneereich. Daraus ergaben sich einige schwere Lawinenunfälle in Island. So löste sich am 26. Oktober 1995 aus dem Eyrarfjall oberhalb des Ortes Flatey eine große Lawine. Unter ihr wurden 45 Menschen begraben, von denen 25 unter schwierigen Umständen gerettet werden konnten, 20 jedoch starben. Zahlreiche Häuser waren zerstört.[7][8] Ein Dokumentarfilm von Einar Þór Gunnlaugsson von 2010 über die Ereignisse und die Rettungsaktion erwähnt auch, dass wegen der schwierigen Wetterverhältnisse und Verkehrsanbindung - eine Verbindung nach Ísafjörður durch einen Tunnel gab es noch nicht -, die Leute in Flateyri zunächst 5 Stunden lang auf sich selbst gestellt waren.[9]

Jetzt sollen Lawinenverbauungen weitere Lawinen vom Dorf ableiten. Auf den Verbauungen befindet sich eine Aussichtsplattform.[7]

Wirtschaft und Dienstleistungen[Bearbeiten]

Der Hafen wurde nach und nach ausgebaut, und die Bewohner von Flateyri leben noch heute hauptsächlich von der Fischerei. Nachdem sich diese aber immer weniger rentiert, pendeln auch etliche durch Tunnel nach Ísafjörður zur Arbeit.

In Flateyri gibt Kindergarten und Gesamtschule sowie ärztliche Versorgung, Tankstelle, Restaurant, Gästehaus sowie Sportanlagen mit Schwimmbad.[7]

Kirche[Bearbeiten]

Die Kirche des Ortes wurde 1936 geweiht und besteht aus Beton. Bemerkenswert sind die bunten Glasfenster von Leifur Breiðfjörð. Das Hauptaltargemälde stammt von Brynjólfur Þórðarson.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flateyri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hagstofa (Stat. Amt Islands) (isländisch); Zugriff: 18. September 2011
  2. Tíu ár frá opnun Vestfjarðagangnanna, Önfirðingafélagið í Reykjavík (isländisch); Zugriff: 18. September 2011
  3. H. U. Schmid: Wörterbuch Isländisch - Deutsch. Buske, Hamburg, 67 u.55
  4. a b Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 244
  5. Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 244f.
  6. a b c d Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 245
  7. a b c Vegahandbókin. Hg. Landmælingar Íslands, 2006, 293
  8. s. auch: [http://www.visir.is/15-ar-fra-snjoflodinu-a-flateyri/article/2010549320386 15 ár frá snjóflóðinu á Flateyri, Vísir, 26. Oktober 2010
  9. http://www.kvikmyndamidstod.is/islenskar-kvikmyndir/heimildamyndir/2010/nr/2383 NORÐ VESTUR, BJÖRGUNARSAGA - EINAR ÞÓR GUNNLAUGSSON, Kvikmyndarmiðstöð Íslands] (isländisch); Zugriff: 18. September 2011

66.052777777778-23.516111111111Koordinaten: 66° 3′ N, 23° 31′ W