Flensburger Schiffbau-Gesellschaft

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Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH & Co. KG
Flensburger-Schiffbau-Gesellschaft-Logo.svg
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1872
Sitz Flensburg, Schleswig-Holstein
Leitung Peter Sierk (CEO bis 31. Dezember 2014), Frank Bywater (CTO), Markus Bartsch (CEO ab 2015)
Mitarbeiter 750
Branche Werft
Produkte RoRo-Schiff
Ro-Pax Fähre
Einsatzgruppenversorger
TenderVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website http://www.fsg-ship.de/

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH & Co. KG (kurz FSG) ist eine deutsche Schiffswerft mit Sitz in Flensburg an dessen Hafen.

Geschichte[Bearbeiten]

1872 wurde von fünf Flensburger Unternehmern die Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft[1], kurz FSG als Aktiengesellschaft gegründet. An der Westseite des Flensburger Hafens wurde ein Gelände von 27.135 m² erworben und Helgen für bis zu 100 Meter große Schiffe errichtet. Der erste Neubau, ein Vollschiff aus Stahl, die Doris Brodersen, wurde 1875 in Dienst gestellt. 1892 erfolgte der Bau eines Schwimmdocks von 2300 Tonnen Tragfähigkeit. Um 1900 hatte die FSG bereits über 2000 Beschäftigte.[2]

Die Helgenanlage wurde für den Bau der immer größer werdenden Schiffe bald zu klein, daher erwarb die Werftleitung fünf große Villengrundstücke vor dem Ostseebad Flensburg, auf denen fünf Hellinge von je 150 m Länge und 20 m Breite Platz fanden, die den Bau von Seeschiffen bis zu 8.000 BRT ermöglichten. 1903 wurde auf der neuen Werft das erste Schiff gebaut; der alte Betrieb wurde für Ausrüstung und Reparaturen weiter verwendet. 1912 war die Belegschaft auf 2989 Mann gewachsen, die in jenem Jahr zwölf Dampfer mit zusammen 615.000 BRT bauten. Einer der Hauptabnehmer war die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, die zwischen 1889 und 1914 allein 36 Schiffe aus Flensburg erhielt.

Während des Ersten Weltkrieges konnte die FSG den Handelsschiffbau weiter betreiben und war zusätzlich mit dem Bau der Druckkörper für die Handels-U-Boote vom Typ U 151 Deutschland und Bremen sowie eines weiteren U-Kreuzers dieses Typs befasst (Bau-Nr. 381–383).

Nach Ende des Krieges konnten zunächst 1920 wieder vier größere Frachtdampfer gebaut und das Gelände vergrößert werden. Finanziell erfolgreich war das Unternehmen in den 1920er Jahren nicht. Nach der Weltwirtschaftskrise ab 1929 sank die Belegschaft auf nur noch 200 Mann und in den Jahren 1930–1934 musste die Werft aufgrund der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Lage ihren Betrieb ganz einstellen.[3] Zum Erhalt der Werft kaufte die Stadt Flensburg 25 % der Aktien auf. Anschließend gelang es der Firma, langsam wieder Fuß zu fassen. 1938 bestanden Aufträge für 20 Schiffe mit insgesamt 108.900 tdw, einen Schwimmkran und zwei Schwimmdocks für das Oberkommando der Marine.

Schiffbauhalle und Ausrüstungskai der FSG mit Neubau Coastal Renaissance (BC Ferries), 2007

Von 1941 bis 1945 wurden 28 U-Boote abgeliefert.[4] Zu diesem Zweck war ein neues Werftgelände mit drei Helgen gebaut worden, das nach dem Krieg für den zivilen Schiffbau genutzt wurde, als das Unternehmen seinen Standort auf das neue Gelände verlegte. Ab Mitte 1943 wurden nur noch die bereits begonnenen Boote fertiggestellt, von denen das letzte im Januar 1945 abgeliefert wurde. Zusätzlich musste die FSG fünf bei Blohm & Voss in Hamburg begonnene Boote fertigstellen (U 1025 bis 1030, davon nur U 1025 noch in Dienst gestellt). Der Betrieb konzentrierte sich bis Ende des Krieges wieder auf den Bau von Überwasserschiffen, wie etwa die Einheitsfrachter für die DDG Hansa. Fünf Luftangriffe konnten den Betrieb nicht wesentlich stören; der letzte und schwerste war am 19. Mai 1943, als 22 Bomben auf die Ausrüstungswerft fielen und die Bauwerft 48 Treffer verzeichnete.

Im Jahr 1982 wurde eine 275 m lange Schiffbauhalle erbaut, die zwei der drei Hellingen ersetzte. Diese enthält ihrerseits eine Helling, von der ab diesem Zeitpunkt alle Stapelläufe bei der FSG stattfanden. Es erfolgte auch eine Grundsanierung der Werft, bei der ein neues Gebäude mit Verwaltungs- und Konstruktionsbüros errichtet wurde.

Im Jahr 1990 erwarb der Reeder Egon Oldendorff das Unternehmen.

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Nachdem die Werft bis heute über 700 Schiffe unterschiedlichster Bauart fertiggestellt hat, ist eine Spezialisierung auf RoRo-Schiffen erfolgt. Auch wenn weiterhin andere Schiffstypen angeboten werden, so hat sich die Werft dennoch in diesem Segment eine gewisse Reputation erworben.

Das 750 Mitarbeiter starke Unternehmen hat 2007 von der finnischen Reederei Rettig Group einen Auftrag über zwei Fähren im Wert von 100 Millionen Euro erhalten.[5]

Ende Dezember 2008 hat das Unternehmen den Besitzer gewechselt. Der seit 2005 tätige Geschäftsführer Herr Peter Sierk und Investoren um die Münchener Orlando Management GmbH erwarben die Geschäftsanteile der FSG im Rahmen eines sogenannten Management-Buy-out (MBO).[6][7]

Zurzeit stehen bei der Werft neben Frachtfähren für die türkischen Ulusoy Sealines ein ConRo-Schiff für Oceanex (Kanada) und zwei Schwerlast-Transportschiffe in den Auftragsbüchern, die eine Auslastung bis Mitte 2014 ergeben.[8]

Gebaute Schiffe (Auswahl)[Bearbeiten]

Neubau 731 Pauline vor dem Stapellauf in der Schiffbauhalle
Werfthalle mit Neubau 731 Pauline für die belgische Reederei Cobelfret

bis 1990[Bearbeiten]

ab 1990[Bearbeiten]

Marine-Einheiten[Bearbeiten]

Tender Klasse 404

Einsatzgruppenversorger Klasse 702

Flottendienstboot Klasse 423

Anmerkung[Bearbeiten]

Heutige Schiffe bekommen den Slogan „Built by Flensburger“ verpasst, um den Wiedererkennungswert und die Qualität zu kennzeichnen.

Quellen und weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eberhard Rössler: Die deutschen Uboote und ihre Werften. Bernard & Graefe, Koblenz, 2. Auflage 1990, ISBN 3-7637-5879-8
  • Gert Uwe Detlefsen: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft 1872–1982 · 110 Jahre Schiffbau in Flensburg und ihre Werften. Verlag Karl-Heinz Butziger, Schröderstraße 35a, Hamburg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. FSG-Aktie von 1891
  2. Ausstellung zur FSG
  3. flensburg.de Stadtgeschichte
  4. uboat.net
  5. Bericht NDR1
  6. www.oldendorff.com/company/news
  7. www.orlandofund.com
  8. Stapellauf Seatruck Precision. In: Schiff & Hafen, Heft 5/2012, S. 7, Seehafen-Verlag, Hamburg 2012, ISSN 0938-1643
  9. Schiff und Hafen Spezial 50 Jahre Ernst Jacob