Fliegerdenkmal (Wasserkuppe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe in der Rhön wurde 1923 errichtet und erinnert an die im Ersten Weltkrieg (1914–1918) gefallenen Feldpiloten. Es wird oft fälschlich für ein Denkmal für alle verstorbenen Flieger gehalten.

An jedem zweiten Sonntag im August findet jedoch eine Gedenkfeier für alle verstorbenen Flieger aller Nationen statt, diese Feier war ursprünglich auf den 9. August festgelegt worden.

Blick über das Fliegerdenkmal Richtung Nordwesten

Die Lage[Bearbeiten]

Das Fliegerdenkmal steht am Westhang der Wasserkuppe oberhalb von Abtsroda (Koordinaten: 50° 29′ 53″ N, 9° 55′ 59″ O50.4980555555569.9330555555556Koordinaten: 50° 29′ 53″ N, 9° 55′ 59″ O). Es wurde errichtet auf einem Vulkanschlot, früher Lerchenhügel, später „Loessl Steine“ genannt. Carl Oskar Ursinus hatte diesen Ort für eine jährliche Gedenkfeier bestimmt, da während des ersten Rhönwettbewerbs Eugen von Loessl am 9. August 1920 von hier zu seinem letzten Flug gestartet war. Am 14. August 1921 starb hier auch der Weltkriegspilot Wilhelm Leusch, der zweite Tote des Segelflugs, durch Flächenbruch aufgrund einer Fehlkonstruktion seines Segelflugzeuges Weltensegler.

Die Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Denkmal mit Radom im Hintergrund

Nach Ende des Ersten Weltkrieges waren verschiedene kameradschaftliche Vereinigungen entstanden, die sich später im Ring der Flieger e. V. vereinigten. Vermutlich 1922 entstand die Idee einer Deutschen Flieger-Gedenkstätte. Diese sollte ursprünglich im Harz errichtet und all jenen geweiht werden, „die im Frieden und im Kriege im Kampf um die Eroberung der Luft ihr Leben gewagt und eingesetzt, mit ihrem Tode ihr Streben besiegelt haben.“[1]

Die Verbindung zur Rhön ergibt sich durch die Entwicklung des Segelflugs auf der Wasserkuppe, der Harz war hierzu weniger geeignet. Namhafte Weltkriegspiloten hatten beachtliche Erfolge bei den ersten Segelflugwettbewerben.

Reichswehr-Oberleutnant Ottfried Fuchs, der Geschäftsführer des Ring der Flieger e. V. und der Münchner Architekt Johannes Moßner, ebenfalls ein Weltkriegspilot, führten die Verhandlungen wegen des Bauauftrages.

Die Adlerskulptur[Bearbeiten]

Adlerskulptur

Die Skulptur schuf der Bildhauer und Tierplastiker Prof. August Gaul (* 22. Oktober 1869 in Großauheim bei Hanau, † 18. Oktober 1921 in Berlin). Zwei weitere Exemplare befinden sich in der Hamburger Kunsthalle und der Nationalgalerie Berlin. Gegossen wurde sie in der Kunstgießerei Noack in Berlin.

Das Exemplar des Fliegerdenkmals war ursprünglich für die Toreinfahrt der Villa von Albert Ballin, des Generaldirektors der HAPAG, in Hamburg bestimmt (heute: UNESCO Institut für Pädagogik). Nach Ballins Tod am 11. November 1918 vermachte seine Witwe 1923 die Plastik und einen erheblichen Geldbetrag an Reichswehr-Oberleutnant Ottfried Fuchs, den Geschäftsführer des Rings der Flieger e. V. Sie war davon überzeugt, im Namen ihres verstorbenen Mannes und getreu seiner vaterländischen Gesinnung zu handeln.

Im Bestandskatalog der Skulpturenabteilung der Hamburger Kunsthalle (Die Dritte Dimension von Georg Syamken, Hamburg 1988) wird die Adlerskulptur in zeitgeistlicher Weise wie folgt beschrieben:

„Das Urbild aller nationalsozialistischen Adler mit allen Paraphernalia des Raubtiers, seiner wehrhaften Schönheit und seiner diskret unter seinem wohlig gespannten Gefieder verborgenen Energie. Angesichts des Klimas vor dem Ersten Weltkrieg ein nicht mehr unschuldiges Symbol monumental zur Schau gestellten Machtbewußtseins und dennoch ein Werk, das wegen seiner Originalität Respekt abnötigt. Es ist – allein von seinem Format her – mehr als eine bildhauerische Skizze tierischen Seins und Verhaltens, aber es hütet sich, jede anthropomorphe Parallele über das naturalistische Maß hinaus zu strapazieren. Die Sinnbelastung ergibt sich aus der Heraldik: Die Nähe zum Wappentier des Deutschen Reiches ist in dieser Größe nicht mehr zu übersehen; das wartende Spähen zu sehr auf die geopolitische Einsamkeit des Reiches zu beziehen, die irrtümlicherweise noch als aussichtsreich galt ….“

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Adler wahrscheinlich Zielscheibe der Besatzungssoldaten. Bei einer Instandsetzung durch die Fuldaer Firma Pfeifer (1954) wurden 68 Durchschüsse geflickt.

Die Bronzetafeln[Bearbeiten]

Bronzetafel

Die ovale Bronzetafel auf der Vorderseite trägt den von Oberleutnant Ottfried Fuchs verfassten Text:

„WIR
TOTEN FLIEGER BLIEBEN
SIEGER
DURCH UNS ALLEIN.
VOLK,
FLIEG DU WIEDER
UND DU WIRST
SIEGER
DURCH DICH
ALLEIN.“

Die Worte müssen aus dem Geist jener Zeit verstanden werden, die nach dem Ersten Weltkrieg durch Entbehrungen, Reparationszahlungen und Inflation geprägt waren.

Auf der kleinen, rechteckigen Tafel auf der Rückseite ist kurz vermerkt: „Errichtet vom Ring der Flieger e. V. 1923“.

Die Einweihungsfeier[Bearbeiten]

Das Denkmal wurde am Donnerstag, dem 30. August 1923, einem Werktag, mit einem Festakt eingeweiht. Trotz eines normalen Werktages wohnten nach Schätzung des Berichterstatters der Fuldaer Zeitung 100.000 Menschen der Feier bei. Die Zahl muss sicher relativiert werden, es war aber die größte Besucherzahl einer Großveranstaltung auf der Wasserkuppe überhaupt. Grund war sicher auch, dass die Einweihungsfeier im Rahmen eines Rhönsegelflugwettbewerbs stattfand. Die Reichsbahn hatte insgesamt sechs Züge von Fulda nach Gersfeld eingesetzt.

Die Ehrengäste[Bearbeiten]

Berichtet wird von zahlreichen, namhaften Ehrengästen, z. B.:

Außerdem zählte man 34 Pour le Mérite-Frontflieger, sowie zahlreiche Generäle aller Waffengattungen, in Uniform und mit Orden und Ehrenzeichen, sowie unzählige Träger von Kriegsfahnen und Ordensbannern.

Die Teilnehmer sahen ihre Anwesenheit auch als stillschweigenden Protest gegen die im Vertrag von Versailles vom 28. Juni 1919 ausgesprochenen Flugbeschränkungen gegen Deutschland.

Der Festakt[Bearbeiten]

Denkmal mit Blick in das Tal

Der Musikzug des Infanterieregiments 21 (Würzburg) spielte Siegfrieds Totenklage. Ein Herren-Quartett der Frankfurter Oper trug das Gebet von Goltermann (Herr, den ich tief im Herzen trage) und das Volkslied vom Guten Kameraden vor.

Der Vorsitzende des Rings der Flieger e. V., Generalleutnant a. D. Walter von Eberhardt hielt die Weiherede. Unter anderem führte er aus: „Wie der Basalt des Denkmals in deutschem Boden wurzelt, so soll unsere Kraft in deutschem Boden wurzeln. Und eigene deutsche Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen. Die Inschrift des Denkmals sei unser Wahlspruch“.

Es folgte eine Unzahl von Kranzniederlegungen. Bemerkenswert ist die Schleife des Kranzes vom Bund der Jagdflieger, sie trug den sinnigen Vers: „Adler, Du halte Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. Siehe dort hinter dem Rhein schlummert der Brüder Gebein bis einst der Morgen erwacht. Adler Du, halte die Wacht!“

Das gemeinsam gesungene Niederländische Dankgebet („Wir treten zum Beten vor Gott den Herrn, ihn droben zu loben mit Herz und Mund; und machet groß seines lieben Namens Ehren, der jetzo unsern Feind warf auf den Grund“) und das Deutschlandlied bildeten den feierlichen Abschluss.

Der anschließende Flugtag[Bearbeiten]

Nachbau eines historischen Gleiters beim Start mit Gummiseil im Jahre 2005

Bereits am 29. August landete gegen 19.30 Uhr im dichten Nebel ein Motorflugzeug des Deutschen Aero-Lloyd, das drei Stunden vorher mit dem Piloten Piper und einem Passagier in Berlin-Staaken gestartet war, auf der Wasserkuppe. Es war das erste Motorflugzeug, das auf der Wasserkuppe landete. Ein weiteres Motorflugzeug von Breslau landete in der Nähe von Fulda.

Der 30. August 1923 war ein stürmischer Tag mit Windgeschwindigkeiten von 15 m/s und orkanartigen Böen bis zu 36 m/s, die Motorflieger für die Ehrenrunden während der Feier blieben daher am Boden. Trotzdem starteten später mutige Piloten, es gab zahlreiche Unfälle.

  • Fritz Stamer flog an diesem Tag mit seinem schweren Segler „Bremen“ einen 35 Minuten-Flug vorbei an der Eube und den Dreierhöfen bis in die Schwalmbach.
  • Hans Hackmack stürzte mit einem Messerschmitt-Eindecker S-14 beim Roten Moor ab, er wurde leicht verletzt.
  • Richard Tracinski mit dem Eindecker „Galgenvogel“ verlor über Abtsroda die Kontrolle und stürzte ebenfalls ab. Er erlitt Kopfverletzungen und eine Gehirnerschütterung.
  • Max Standfuß, ebenfalls ein Weltkriegspilot, schlug vor dem Westhang auf. Er starb abends im Tanner Krankenhaus und war das dritte Todesopfer des Segelflugs.

Gegenstandpunkte[Bearbeiten]

Der „martialische Festakt“, die „heroischen Reden“ und das „vaterländiche Getue“ fand nicht nur Zustimmung. Rhönvater Oskar Ursinus widmete dem Spektakel in seiner Zeitschrift Flugsport [2] lediglich knappe 16 Zeilen.

Die Gedenkfeier 1951[Bearbeiten]

Am 26. August 1951, nach sechsjähriger Verbotszeit und Wiederzulassung des motorlosen Flugsports nach dem Zweiten Weltkrieg fand ebenfalls eine Feierstunde statt. In einer schlichten Zeremonie wurde der toten Fliegerkameraden aller Nationen gedacht. Presseagenturen nannten 50.000 Besucher.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Jenrich: Die Wasserkuppe. Ein Berg mit Geschichte. Parzeller, Fulda 2007, ISBN 3-7900-0389-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fliegerdenkmal Wasserkuppe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. (Zitat aus dem Spendenaufruf)
  2. (Nummer 14–16, S. 145)