Flohsamenschalen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flohsamenschalen

Flohsamenschalen sind die Samenschalen der Pflanze Plantago ovata. Sie werden unter dem Namen Indische Flohsamenschalen als Lebensmittel und zu Heilzwecken vertrieben und zu diesem Zweck hauptsächlich in Indien und Pakistan angebaut.

Flohsamenschalen werden gelegentlich als pflanzliches Quellmittel oder Stuhlaufweicher bezeichnet und dementsprechend als Darmregulans eingesetzt,[1] wobei sie sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall helfen können: Die in den Flohsamenschalen enthaltenen pflanzlichen Ballaststoffe – sogenannte Flosine-Schleimpolysaccharide – sind in der Lage, mehr als das 50-fache an Wasser zu binden (Quellzahl >40), was zu einer Volumenzunahme des Stuhls im Darm führt, durch den entstehenden Druck auf die Darmwand die Peristaltik anregt und schließlich den Darmentleerungsreflex auslöst. Im Endeffekt wird dadurch die Motilität des Darms reguliert und die Transitzeit (Verweildauer) aufgenommenen Wassers im Darm verlängert, was auch die Wirksamkeit bei Durchfall erklärt.

Die Europäische Arzneimittelagentur in London hat die Wirksamkeit und Sicherheit von Flohsamenschalen im Oktober 2006 in Form eines „EU Herbal Monograph“[2] bescheinigt. Eine Metaanalyse von klinischen Studien aus dem Zeitraum 1966 bis 2003, die sich traditionellen Therapien der chronischen Obstipation widmete, ergab für Flohsamenschalen einen mittelguten Wirkungsnachweis (moderate evidence).[3]

Flohsamen sollen außerdem das Wachstum darmfreundlicher Bakterien fördern.[4] Durch die Dickdarmbakterien werden die löslichen Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt und diese seien dann in der Lage, die Cholesterin-Synthese in der Leber zu hemmen und somit den Cholesterinspiegel im Blut zu senken. Außerdem sollen die löslichen Ballaststoffe der Flohsamen die fäkale Gallensäure binden, wodurch es zu einer erhöhten Cholesterinausscheidung kommt. Flohsamenschalen sollen möglicherweise entzündliche Prozesse im Magen-Darm-Trakt schneller zurückbilden.[5] Flohsamenschalen werden auf Grund ihrer Quellwirkung im Magen auch zur Unterstützung der Gewichtskontrolle und Adipositasbehandlung eingesetzt.[6] Diese Wirkungen sind bislang nicht ausreichend belegt und daher überwiegend Gegenstand alternativmedizinischer Anwendungen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  • P. Layer und U. Rosien: Praktische Gastroenterologie. Urban & Fischer.
  • Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York
  • Monografie der Kommission E. Bundes-Anzeiger Nr. 223 vom 30. November 1985
  • Europäisches Arzneibuch. 4. Ausgabe, Grundwerk 2002 und 5. Ausgabe, Grundwerk 2005, Online
  • Community herbal monograph on Ispaghula husk (Plantago ovata, Tegu-mentum). European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). EMEA/HMPC/340857/2005. Draft 2005.
  • S. Shrestha et al.: A combination therapy including psyllium and plant sterols lowers LDL cholesterol by modifying lipoprotein metabolism in hypercholesterolemic individuals. J Nutr 2006, 136: 2492-2497.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hensel A et al.: Indische Flohsamenschalen. Eine alte Droge für moderne Zivilisationserkrankungen. DAZ 2001; 01/36: 55.
  2. COMMUNITY HERBAL MONOGRAPH ON PSYLLIUM SEED (PLANTAGO AFRA ET PLANTAGO INDICA, SEMEN) (PDF-Datei; 80 kB)
  3. D. Ramkumar, S. S. Rao: Efficacy and safety of traditional medical therapies for chronic constipation: systematic review. In: American Journal of Gastroenterology. Band 100, Nummer 4, April 2005, S. 936–971, ISSN 0002-9270. doi:10.1111/j.1572-0241.2005.40925.x. PMID 15784043. (Review).
  4. D. Damaskos, G. Kolios: Probiotics and prebiotics in inflammatory bowel disease: microflora 'on the scope'. In: British journal of clinical pharmacology. Band 65, Nummer 4, April 2008, S. 453–467, ISSN 1365-2125. doi:10.1111/j.1365-2125.2008.03096.x. PMID 18279467. PMC 2291386 (freier Volltext). (Review).
  5. B. Singh: Psyllium as therapeutic and drug delivery agent. In: International Journal of Pharmaceutics. Band 334, Nummer 1–2, April 2007, S. 1–14, ISSN 0378-5173. doi:10.1016/j.ijpharm.2007.01.028. PMID 17329047. (Review).
  6. L.A. Moreno et al.: Psyllium fibre and the metabolic control of obese children and adolescents. J Physiol Biochem. 2003, 59: 235–242.
  7. Dónal O'Mathúna: Alternative Medicine. Zondervan, 1. Januar 2007, ISBN 978-0-310-26999-1, S. 425 (Zugriff am 17. Januar 2012).
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!
 Commons: Psyllium seed husks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien