Flora (Köln)

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Haupthaus der Flora
Neubau Schaugewächshäuser

Die Flora ist der im Kern 1864 eingeweihte Kölner Botanische Garten. Auch die hierin befindliche Flora Gaststätte wird kurz Flora genannt.

Vorgängeranlage[Bearbeiten]

Die Stadt Köln besaß für ihre alte städtische Universität einen Botanischen Garten am Dom, der auch nach Aufhebung der Universität Bestand hatte. Als die Stadt aber für den neuen Kölner Zentralbahnhof ein Gelände nahe der ebenfalls neuen Dombrücke brauchte, stellte sie das Gelände des Botanischen Gartens für den Bau zur Verfügung. Danach begannen die Pläne für einen neuen Botanischen Garten.

Entstehung/Geschichte[Bearbeiten]

Kaiserin Augusta war Schirmherrin der Kölner Flora
Wasserterrassen

Im September des Jahres 1862 beschlossen ein Dutzend einflussreiche Herren der Kölner Wirtschaft, darunter Eduard von Oppenheim und Adolph Rautenstrauch, das Statut einer Aktien-Gesellschaft zur Anlage eines Botanischen Zier- und Lustgartens. Mit dieser Idee, einen Ersatz für den drei Jahre zuvor in der Innenstadt geschlossenen alten Botanischen Garten zu schaffen, entsprachen sie auch dem Verlangen großer Teile der Bevölkerung, die sich eine derartige Einrichtung wünschte. Der offizielle Gründungsakt zur Aktien-Gesellschaft erfolgte am 3. März 1863 und wurde durch „allerhöchsten Erlass“ des damaligen preußischen Königs Wilhelm gebilligt. Seine Gemahlin Augusta lobte diese auch dem Gemeinnutz dienende Gründung und übernahm im Mai 1863 mit einem Schreiben die Schirmherrschaft.

Die nun gegründete „Flora AG“ erwarb zu einem Preis von 22.130 Talern das zur Bürgermeisterei Longerich gehörende „Pilgramsche“ Grundstück. Das zwischen den damaligen Dörfern Riehl und Nippes gelegene Grundstück umfasste ein Areal von 22 Morgen Ackerland, dessen Ausbau zu einem Garten Julius Nieprasck, ein Schüler Peter Joseph Lennés, nach dessen Entwurf durchführte. Nieprasck wurde erster Gartendirektor der Kölner Flora.

Mittelpunkt der neuen Anlage wurde der sogenannte „Glaspalast“, ein von dem Architekten Max Nohl geschaffener palastartiger Wintergarten aus Eisen und Glas, der sich an den Beispielen des Pariser Jardin d’hiver oder des Londoner Crystal Palace orientierte.[1] Das Bauwerk war 57 Meter lang, 22,5 Meter breit und 18 Meter hoch. Es diente anfangs als Palmenhaus.

Der älteste Teil der Grünanlage ist die 1862 nach Plänen des aus Bonn stammenden, seit 1816 in Berlin wirkenden preußischen Gartenarchitekten Lenné angelegte und am 14. August 1864 eingeweihte eigentliche Flora. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kölner Zoo. Beide Anlagen wurden zur Erbauung des gehobenen Bürgertums durch Mäzenatentum von ebendiesen Bürgern in Form von Aktiengesellschaften finanziert. Einer der wichtigsten Förderer der Anlagen war der in der Nähe wohnhafte Kölner Bankier Eduard Baron von Oppenheim. Zentral in diesem symmetrisch angelegten Blumengarten mit Skulpturen an den Hauptwegen steht die gleichzeitig erbaute Gaststätte, ursprünglich in Form eines Glaspalasts. Mit ihrem Tanzsaal und der Gartenterrasse wird sie auch heute noch für Veranstaltungen genutzt. Die Flora Köln wurde – in Anlehnung an die ursprüngliche Form – generalsaniert und erhielt wieder ein Kuppeldach. Die Wiedereröffnung ist für das Juli 2014 geplant.[2]

Im 19. Jahrhundert wurde die Flora auch als Ausstellungsgelände genutzt; 1875 und 1888 fanden Gartenbau-Ausstellungen statt, 1889 eine Industrie-Ausstellung. Für die „Deutsche Kunstausstellung“ 1906 wurden im Parkgelände mehrere von namhaften Architekten wie Peter Behrens entworfene Ausstellungsgebäude erbaut, die aber schon wenige Jahre später wieder abgebrochen wurden. An der Stelle des „Frauenrosenhofs“ von Joseph Maria Olbrich, eines künstlerisch wertvollen Sandsteinbaus im Jugendstil, steht heute ein moderner Neubau.

Nach Finanzproblemen musste die Stadt die Aktien 1909 übernehmen. 1912 bis 1914 wurde die Parkanlage der Flora durch Peter Hans Heinrich Esser erweitert zum Botanischen Garten mit Gewächshäusern für tropische und subtropische Pflanzen und Orchideen. Beide Teile wurden 1920 zusammengefasst zu einer 11,5 ha großen Anlage. Die Gewächshäuser waren im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Die Wiedereröffnung nach dem Krieg erfolgte am 29. Dezember 1949. Das Palmenhaus wurde 1954 errichtet. Der weitere Garten ist im Stil eines Englischen Landschaftsparks angelegt.

Jubiläum[Bearbeiten]

Flora und Botanischer Garten feiern 2014 ihr hundertfünfzigjähriges Jubiläum. Bis dahin stehen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an. Die Schaugewächshäuser sind mittlerweile so stark gealtert, dass sie nicht zu sanieren sind. Für einen Neubau werden circa drei Millionen Euro benötigt, die durch Spenden und Sponsoren aufgebracht werden sollen. Aus eigener Aufzucht durch Sämlinge der 1975 im "tropischen" Innenhof der Gewächshäuser angepflanzten relativ winterharten Chinesischen Hanfpalme wurden in Kübeln 30 mittlerweile 2,50 m hohe Pflanzen gezogen, die 2008 als Deutschlands erste Palmenallee auf der Nord-Süd-Achse des Gartens ins Freiland ausgepflanzt wurden.

Auch die Sanierung das Flora-Gebäudes wird bis zum Jubiläum fertiggestellt sein. Dabei wird die Dachgestaltung wieder dem Originalzustand mit einem Kuppeldach angepasst. Der Kostenrahmen beträgt rund 36 Millionen Euro [3]

Aufgabe[Bearbeiten]

Die Flora zeigt über 10.000 Pflanzenarten im Freien und in den Gewächshäusern in ihrer Vielfalt und ihrer Bedeutung für den Gartenbau und die Gartengestaltung, für Technik, Ernährung, Medizin sowie für Bau- und Textilwesen, sowohl zur Bildung als auch zur Erholung. Schulklassen aller Stufen können in der Grünen Schule Flora Unterricht zu mehr als 25 Themen erhalten, je nach Jahreszeit und Alter. Auch der WDR, Studio Köln, betreibt hier einen Mustergarten.[4] Die historische Anlage ist zugleich auch Denkmal für den Zeitgeist in der Gartenkunst.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Kölner Flora wurde 2005 als bedeutender Botanischer Garten in die Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas einbezogen. 2012 erhielt der Botanische Garten von der Internationalen Kameliengesellschaft für seine jährlich über 600 Sorten und Arten umfassende Kamelienausstellung den Titel International Camellia Garden of Excellence, der weltweit nur an 30 Gärten vergeben wird.[5]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Besonders erwähnenswert ist die Sommernacht in Zoo und Flora, die einmal die Möglichkeit bietet, Tiere auch bei Nacht zu beobachten, die aber besonders attraktiv ist durch das künstlerische Begleitprogramm mit Musik und Gaukeleien an beiden Orten.

Verbindungen und Zugang[Bearbeiten]

Der Eintritt in den Garten ist frei, auch wenn die Kölner Stadtverwaltung dies schon einige Male ändern wollte.

Zoo und Flora liegen eng eingepasst zwischen dem Stadtteil Köln-Riehl und dem Rhein. Obwohl in der Nähe eine begrenzte Zahl von kostenpflichtigen Parkplätzen vorhanden sind, empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln (U-Bahn Linie 16 bis Haltestelle Kinderkrankenhaus oder U-Bahn Linie 18 bis Haltestelle Zoo/Flora).

Zoo und Flora sind durch die Kölner Seilbahn mit dem Kölner Rheinpark auf der anderen Seite des Rheins verbunden. Der Park (und die Kabinenseilbahn) wurden anlässlich der Bundesgartenschau 1957 angelegt. Er ist eine Ergänzung zum Angebot der Flora.

Freundeskreis Botanischer Garten Köln[Bearbeiten]

Der Freundeskreis gründete sich 1982. Er hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Flora und deren Unterhalt durch Beiträge, Spenden und Sponsorentum und auch mittels eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms in und für die Flora zu unterstützen, wie dies auch bei der Gründung durch Kölner Bürger bereits der Fall war.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gartenkultur im Rheinland. Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Amt für Denkmalpflege (Hg), Arbeitshefte der Rheinischen Denkmalpflege, Bd. 60 / 2003
  • Ronald Clark, Angelika Weißmann: Garten Reiseführer 2004/2005, 400 private und 900 öffentliche Gärten und Parks in Deutschland, Callwey Verlag, (September 2005)

Medien[Bearbeiten]

  • Reinhard Zeese: Historische Parks und öffentliche Gärten in Köln 1801 bis 1932, CD, LEB - Brühl, 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerd Bernbach, „Flora und Botanischer Garten in Riehl“: In Joachim Bauer und Carmen Kohls: Köln unter französischer und preußischer Herrschaft. In: Werner Adams und Joachim Bauer (Hrsg.): Vom Botanischen Garten zum Großstadtgrün – 200 Jahre Kölner Grün (Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 30), S. 76 f
  2. Endphase der Sanierung bei rundschau-online vom 8. April 2014
  3. Kölner Stadtanzeiger vom 9. Oktober 2013
  4. Flickr-Bild
  5. Flora auf Seiten der internationalcamellia.org

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flora (Köln) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

50.9611111111116.9708333333333Koordinaten: 50° 57′ 40″ N, 6° 58′ 15″ O