Florett

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Dieser Artikel erläutert die Fechtwaffe Florett. Für andere Bedeutungen des Begriffs Florett siehe Florett (Begriffsklärung).
Florett
Florett mit italienischem Griff.
Angaben
Waffenart: Klingenwaffe
Bezeichnungen: Florett
Verwendung: Sportwaffe, Übungswaffe
Entstehungszeit: ca. 1800
Einsatzzeit: bis aktuell
Ursprungsregion/
Urheber:
Frankreich
Verbreitung: weltweit
Gesamtlänge: max. 110 cm
Klingenlänge: max. 90 cm
Gewicht: ca. 550 g
Griffstück: Holz, Metall, Kunststoff
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Das Florett ist eine Fechtwaffe.

Geschichte[Bearbeiten]

Historisch war das Florett eine reine Übungswaffe. Es entstand aus gewöhnlichen scharfen Degen, die für den Übungsgebrauch entschärft wurden, indem eine stumpfe sog. Knospe (frz. fleuret → Florett) über die Spitze gestülpt und die Klinge mit einer Folie umwickelt wurde. Obwohl in der Vergangenheit Blankwaffen-Duelle meist mit Degen oder Säbeln ausgetragen wurden, gab es in Frankreich auch Duelle mit scharfen Floretten, bei denen nur die Treffer auf den Rumpf der Duellanten berücksichtigt wurden. Ein scharfes Florett zählt zu den Stichwaffen, ein stumpfes Florett ist den Stoßwaffen zuzuordnen.

Gegenwart[Bearbeiten]

Heute ist das Florett eine von drei gebräuchlichen Waffen im Sportfechten. Es ist 110 cm lang, wovon die Klingenlänge maximal 90 cm ausmachen darf, und maximal 550 g schwer. Für Fechter bis 11 Jahre wird eine kleinere Version, das Mini-Florett, verwendet, dessen Klingenlänge ca. 77 cm beträgt. Es gibt drei unterschiedliche Griffarten: den – kaum noch gebräuchlichen – „italienischen“ Griff (ein langer rauer Stab mit Parierstange, Quart- und Terzbügel, siehe Foto rechts oben), den „französischen“ Griff (ein simpler gerader glatter Griff) und den „belgischen“ oder „orthopädischen“ Griff, auch „Pistolengriff“ genannt. Die Klinge wird aus Maraging-Stahl gefertigt und ist sehr biegsam. Obwohl in einem heutigen Gefecht extreme Kräfte auf die Sportwaffen einwirken, splittern diese fast nie und stellen somit für die Fechter kaum noch eine Gefahr dar. Gleichwohl handelt es sich um Sportgeräte, mit denen auch im intakten Zustand ohne spezielle Schutzkleidung und Regeln erhebliche Verletzungen verursacht werden können. Entsprechend wird den Sportfechtern der respektvolle Umgang mit der Klinge gelehrt.

Manuelles Sportflorett mit Pistolengriff (orthopädischer Griff, hier für Linkshänder).

Vom Degenfechten unterscheidet sich das Florettfechten durch das Treffervorrecht (siehe unten) und die Trefferfläche, die beim Sportfechten mit Florett lediglich aus dem Rumpf besteht. Hier werden Treffer vorne nur bis zur Leistenbeuge und hinten bis zur Hüfte gewertet. Kopf, Arme und Beine zählen nicht. Zum Säbelfechten besteht der Unterschied, dass das Florett eine reine Stoßwaffe ist und daher nur Treffer mit der Klingenspitze gelten.

Optisch unterscheidet sich das Sportflorett vom Degen durch den quadratischen Klingenquerschnitt und die kleinere, eher scheibenförmige Glocke, wie der aus Metall bestehende Handschutz genannt wird. Degen besitzen einen V-förmigen Querschnitt und eine halbkugelförmige Glocke.

Sportfechten erfordert neben sehr guter Kondition die Fähigkeit, Aktionen des Gegners rechtzeitig zu durchschauen und taktisch zu nutzen. Ferner bedarf es ausgezeichneter Reflexe und bis zur Automation eingeübte Aktionen. Fechter haben in sportmedizinischen Tests neben den Tischtennisspielern die kürzesten Reaktionszeiten bewiesen. Turniere mit dutzenden Gefechten stellen eine große Herausforderung an die Kondition und Konzentration der Fechter dar. Ungeübte Beobachter können den Klingenbewegungen insbesondere eines Spitzenfechters nur schlecht folgen.

Regeln des Florettfechtens (vereinfacht)[Bearbeiten]

Florettfechter, die erlaubte Trefferfläche ist rot markiert.

Beim Florettfechten gelten der Rumpf und seit dem 1. Januar 2009 auf FIE-Ebene auch der Maskenlatz als Trefferfläche. Es sind nur Treffer mit der Klingenspitze gültig.

Gefochten wird auf einer 14 Meter langen und 1,5 Meter breiten Bahn (Planche), meistens auf 5, 10 oder 15 Treffer. Die Trefferanzahl ist von der Kategorie abhängig. Ein Kampfrichter (genannt Obmann) leitet das Gefecht, bei Turnieren immer auf französisch. Ein Gefecht dauert gewöhnlich 3 oder 9 Minuten (reine Kampfzeit, Unterbrechungen nicht mitgerechnet).

Die Trefferanzeige erfolgt elektronisch, wobei Übungsgefechte nicht selten manuell ausgetragen werden. Die Fechter tragen über ihrer Schutzkleidung eine elektrisch leitende E-Weste; in die Florettklinge ist eine Leitung eingezogen, die in der Spitze endet, wo sich ein Federmechanismus befindet. Übt das Florett mit seiner Spitze entlang seiner Klingenachse eine Kraft von mindestens etwa 4,9 N (0,5 Kilopond) aus, wird der sonst permanent geschlossene Stromkreis unterbrochen, und es leuchtet die Trefferanzeige auf. Trifft die Spitze die E-Weste, wird damit ein zweiter Stromkreis geschlossen, und es leuchtet die Trefferanzeige „gültig“; trifft die Spitze auf andere Körperteile oder sonstige Flächen, leuchtet die Trefferanzeige „ungültig“. Treffer auf die Fechtbahn lösen hingegen überhaupt keine Anzeige aus, denn diese leitet ebenfalls den Strom des primären Klingenstromkreislaufs.

Jeder Treffer, auch ein ungültiger, unterbricht das Gefecht. Die Fechter gehen danach an der Stelle der letzten Aktion wieder in Position (Auslage, frz. en garde), und das Gefecht geht weiter. Werden beide Fechter zeitgleich getroffen (gültig oder ungültig), entscheidet das Angriffsrecht, ob bzw. wer den Treffer angerechnet bekommt. Bei einem Doppeltreffer erhält der Fechter den Punkt, der das Angriffsrecht hat.

Das Angriffsrecht hat der, der zuerst angreift. Ein Angriff ist dadurch gekennzeichnet, dass der Fechter seinen Waffenarm ausstreckt, in Linie bringt. Im Falle eines gleichzeitigen Treffers beider Fechter punktet derjenige, der das Angriffsrecht innehat. Er behält diese Priorität allerdings nur solange, bis sein Angriff durch eine Parade beendet ist. Bei der Parade muss der Verteidiger mit dem starken Teil seiner Waffe den schwachen, nahe der Spitze befindlichen Teil der Waffe seines Gegners abwehren. Dabei muss er die Waffe des Angreifers wirklich seitlich ausschlagen, ein Aneinandergleiten wie bei einem Klingenangriff gilt nicht als Parade. Nach erfolgreicher Verteidigung hat nun der Verteidiger seinerseits die Priorität und kann zur Riposte ansetzen. Greifen beide Fechter gleichzeitig an, strecken sie also gleichzeitig den Arm aus; treffen beide (egal ob gültig oder ungültig), erhält keiner den Treffer. Dies bezeichnet man als Simultané. Zweck dieser Regel war wohl, den Fechtern beizubringen, zuerst zu parieren und erst dann anzugreifen, was bei einem Duell überlebenswichtig ist.

Wer die Fechtbahn verlässt, etwa durch Zurückweichen, wird zunächst verwarnt. Weitere Verstöße werden mit Straftreffern belegt, das absichtliche, insbesondere seitliche Verlassen der Bahn auch mit Strafen bis hin zur Disqualifikation.

Bei Turnieren gibt es sowohl Runden mit mehreren Fechtern, bei denen jeder gegen jeden ficht und mehrere in die nächste Runde aufsteigen, als auch Runden mit direkter Elimination, bei denen jeder Fechter nur einen Gegner hat und nur der Gewinner aufsteigt. Üblicherweise folgt auf ein Vorrundensystem die Direktausscheidung, teils mit „Hoffnungslauf“.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwerter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Florett – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen