Flucht nach Ägypten

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Die sieben Schmerzen Mariä, Mitteltafel, Szene: die Flucht nach Ägypten (Albrecht Dürer, 1494/97)
Die Flucht nach Ägypten, Melker Altar von Jörg Breu dem Älteren, 1502

Die Flucht nach Ägypten ist ein Ereignis aus der Kindheit Jesu, beschrieben im Matthäusevangelium (Mt 2,13 ELB). Apokryphe Schriften wie das Pseudo-Matthäus-Evangelium und das Arabische Kindheitsevangelium berichten darüber hinaus von Wundertaten des jungen Jesus. Ähnliches erwähnt die Legenda aurea.

Die Flucht ist eine der Sieben Schmerzen Mariens, derer im katholischen liturgischen Kalender am 15. September gedacht wird.[1] Ausweislich überlieferter Martyrologien wurde der Rückkehr aus Ägypten spätestens seit dem 9. Jahrhundert am 7. Januar gedacht.[2]

Matthäusevangelium[Bearbeiten]

Nachdem die Weisen aus dem Morgenland abgereist waren, erschien Josef ein Engel im Traum. Dieser befahl ihm, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, da Herodes das Kind töten wolle. Dort solle er weitere Nachrichten abwarten. Nach dem Tod des Herodes erschien der Engel wieder und befahl Josef zurückzukehren. Da aber nun Herodes‘ Sohn Archelaus Herrscher über Judäa war, fürchtete sich Josef. Nach einer göttlichen Weisung zog er mit seiner Familie nach Nazareth in Galiläa.

Der Evangelist bringt die Rückkehr Jesu in Zusammenhang mit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten: Und er war dort bis zum Tod des Herodes; damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ (Mt 2,15 ELB). Gemeint ist ein Vers im Buch Hosea: Als Israel jung war, gewann ich es lieb, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. (Hos 11,1 ELB) Ursprünglich ist mit „Gottes Sohn“ also das Volk Israel gemeint.[3]

Außerbiblische Berichte[Bearbeiten]

Nach dem apokryphen Pseudo-Matthäusevangelium wurde Josef auf der Flucht von drei Knaben begleitet und Maria von einem Mädchen. Der kindliche Jesus soll während und nach der Flucht zahlreiche Wunder vollbracht haben: Drachen fielen huldigend vor ihm nieder und eine Dattelpalme beugte sich vor Maria und gab danach an ihrem Stamm eine Quelle frei. Als die Familie in der ägyptischen Stadt Sotinen eintraf, wusste sie nicht, wo sie Obdach finden sollte. Als Maria mit dem Jesuskind deshalb einen Tempel betrat, stürzten 365 Götterbilder um. Der Priester und das Volk der Stadt bekehrten sich nach diesem Zeichen.[4]

Nach dem Arabischen Kindheitsevangelium suchte die Familie ein Krankenhaus auf, das dem höchsten ägyptischen Gott geweiht war. Die Erde wankte und der Gott verkündete den erschrockenen Ägyptern, dies geschehe, weil ein wahrer Gott gekommen sei, dem sich alle unterwerfen müssten. Danach stürzte das sprechende Götterbild zusammen.[4]

Nach der Legenda aurea (Kapitel: „Von den unschuldigen Kindlein“) habe sich in Hermopolis in der Thebais ein heilkräftiger Baum namens Persidis vor den Herrn geneigt. Überdies lag in jedem ägyptischen Tempel ein zerbrochenes Götterbild.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ökumenisches Heiligenlexikon aufgerufen am 21. Februar 2012
  2. Ferdinand Pieper, Die Kalendarien und Martyrologien der Angelsachsen, Berlin 1862, Seite 14 (online).
  3. Henning Graf Reventlow: Epochen der Bibelauslegung Band I: Vom Alten Testament bis Origenes C.H.BECK 1990. ISBN 978-3-406-34663-7 S. 70
  4. a b Pseudo-Matthäusevangelium (aufgerufen am 17. Februar 2012)
  5. Jacobus de Voragine – Die Legenda Aurea, übersetzt von Richard Benz. Gütersloher Verlagshaus 2007 15. Auflage ISBN 978-3-579-02560-5 Kapitel: Von den unschuldigen Kindlein (S. 58)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flucht nach Ägypten – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien