Flughafen Beja

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Aeroporto de Beja
Base Aérea de Beja
BejaAB.jpg
Kenndaten
ICAO-Code LPBJ
IATA-Code BYJ
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 10 km nordwestlich von Beja
Straße 6 km zur IP2
Basisdaten
Eröffnung 1964
Betreiber ANA
FAP
Start- und Landebahnen
01L/19R 3450 m × 60 m Beton
01R/19L 2951 m × 30 m Beton

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Der Flughafen Beja (port.: Aeroporto de Beja) ist ein zivil mitgenutzter Militärflugplatz der portugiesischen Luftstreitkräfte Força Aérea Portuguesa (FAP), die ihn als Base Aérea Nº11 (BA11) bzw. Base Aérea de Beja bezeichnet. Er liegt nordwestlich von Beja und wird hauptsächlich zum Flugtraining genutzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Militärflugplatz Beja wurde am 21. Oktober 1964 eröffnet. Er war aufgrund des begrenzten Luftraums und ungünstigerer Witterungsbedingungen als Flugschulzentrum der westdeutschen Luftwaffe entstanden. Die Luftwaffe nutzte Beja in den folgenden Jahrzehnten insbesondere zum Waffentraining. Im Jahre 1993 endete die Nutzung durch die Luftwaffe.

Die portugiesischen Luftstreitkräfte begannen Beja ab 1987 zu Trainingszwecken zu nutzen und verlegten hierzu die bis dato in Montijo beheimatete 103. Staffel nach Beja. Diese war zu diesem Zeitpunkt mit Lockheed T-33 und Northrop T-38 ausgerüstet. In Folge der Ankunft der ersten Jettrainer wurde Beja zur Basis einer Reihe verschiedener Schulflugzeuge und -helikopter sowie später auch von Seefernaufklärern.

Im Notfall wäre Beja auch als Notlandeplatz der US-amerikanischen Raumfähren in Frage gekommen.

Eine zivile Mitbenutzung wurde durch den Bau eines Abfertigungsgebäudes im Jahre 2011 möglich; die Idee dahinter war die Aufnahme in das Flugnetz von Billigfluggesellschaften. Der Eröffnungsflug fand am 13. April 2011 statt, Ziel war Praia auf den Kapverdischen Inseln. Nach einigen Flügen zu Werbezwecken im Jahr 2011 nahm jedoch keine Fluglinie Beja in ihr Streckennetz auf.

Die Zukunft der zivilen Mitbenutzung ist heute (Stand September 2012) ungewiss; die Behörden prüfen die Nutzung für Frachtflüge.

Beja und die Luftwaffe[Bearbeiten]

Der Flugplatz Beja entstand innerhalb von fünf Jahren und kostete damals über 140 Millionen DM. Der Plan sah vor, Beja insbesondere als militärisches Flugschulzentrum zu nutzen. Hierzu gehörte auch die Umschulung auf die damals in der Beschaffung stehende F-104 Starfighter. Daneben sollte ein logistisches Zentrum bzw. Ersatzteillager für alle damaligen Luftfahrzeugtypen entstehen und sowohl Kampfjets als auch Transporter gewartet werden. Wegen Geldmangel, geändertem Verteidigungskonzept und Nichtberücksichtigung von die Nutzung einschränkenden Faktoren konnte er diese Rolle jedoch nie voll erfüllen.

Die Idee der Etablierung des Flugzentrums fiel in die Amtszeit von Franz Josef Strauß als Bundesverteidigungsminister. Dieses sollte zunächst in Spanien entstehen, wo Jahrzehnte später mit dem Tactical Leadership Programme (TLP) ein internationales Trainingsprogramm für Kampfflugzeugbesatzungen entstand.

Es wurde versäumt, sich von Spanien rechtzeitig vertraglich ein generelles Überflugrecht zusichern zu lassen. So musste später jeder Flug 14 Tage vorher einzeln angemeldet werden und es bestand das Risiko, dass Spanien Überflüge im Konfliktfall nicht genehmigen würde. Nach dem Austritt Frankreichs aus der militärischen Struktur der NATO waren darüber hinaus auch die Überflugrechte über Frankreich nicht mehr garantiert. Trotzdem wurde der Ausbau fortgesetzt. Hierzu zählten unter anderem zwei 4000 bzw. 3200 m lange Start- und Landebahnen, drei transportflugzeugtaugliche Wartungshangars sowie ein Komplex für die Starfighter-Wartung.

Aufgrund der neuen NATO-Strategie der „Flexible Response“ anstelle der „massiven Vergeltung“ war eine Dislozierung der Kräfte weit entfernt vom potentiellen Hauptkriegsschauplatz Mitteleuropa nicht mehr zeitgemäß. Die neue Strategie erforderte die Verfügbarkeit aller Streitkräfte in der Bundesrepublik.

Darüber hinaus kam es zu Budgetproblemen im Verteidigungshaushalt, und um US-amerikanischen Devisenforderungen nachzukommen, sah sich die Bundesregierung gezwungen, die komplette Kampfpiloten-Ausbildung von der Grundschulung bis zur Umschulung auf das Einsatzmuster (damals die F-104 und später die F-4) in die Vereinigten Staaten zu verlegen. Dort findet sie bis zum heutigen Tag statt.

Zu einer Revision der deutsche Pläne für Beja kam es aber erst während der Großen Koalition. Noch nicht begonnene Bauten wurden gestrichen und der Innenausbau der F-104 Wartungs-Halle erfolgte nicht mehr. Alternative Nutzungen wurden erwogen, waren aber letztendlich nicht von Erfolg gekrönt.

In Beja wurde letztendlich einige Kampfflugzeuge zunächst der Typen G.91 und später Alpha Jet stationiert, die dem Deutschen Luftwaffenkommando Beja, so der Name bis 1980, in Portugal unterstanden. Der menschenleere Alentejo bot sich insbesondere für Tiefflüge an. Zuletzt sah der Vertrag 4000 Flugstunden vor.

Im Vorfeld des Auslaufens des Nutzungsvertrages drängte die portugiesische Regierung 1989 die Bundesregierung, ihr 50 der von der Luftwaffe zur Außerdienststellung vorgesehenen Alpha Jets kostenlos zu überlassen. Portugal erhielt die gewünschten Alpha Jets, mit Außerdienststellung dieser durch die Luftwaffe entfiel jedoch auch der Bedarf der weiteren Nutzung Bejas durch die Deutschen, so dass 1993 die Luftwaffe die seit 1986 als Taktisches Ausbildungskommando der Luftwaffe in Portugal bezeichnete Einheit auflöste und aus Portugal abzog.

Militärische Nutzung[Bearbeiten]

Alpha-Jet in Sonderlackierung zum 50. Geburtstag der Esquadra 103 (Luftwaffe ex 40+37), dahinter eine Alouette III, 2005

Die Basis wird zur Zeit (2013) wie folgt genutzt:

  • Esquadra 103, ausgerüstet mit Alpha Jet A
  • Esquadra 552, ausgerüstet mit Alouette III Hubschraubern
  • Esquadra 601, ausgerüstet mit P-3C Orion Patrouillenflugzeugen.

Daneben gibt es weitere, nichtfliegende Einheiten.

Zivile Nutzung[Bearbeiten]

Abfertigungsgebäude, 2010

Der zivile Teil des Flughafens wurde für 33 Millionen Euro errichtet und 2011 eröffnet. Seither wird er nur von Charterflügen genutzt, darunter Flüge im Rahmen des Jagdtourismus der Region. Die Zahlen der abgefertigten Flüge blieben weit hinter den Erwartungen zurück. So wurden im ersten Jahr lediglich 104 Flüge mit 2.568 Passagieren abgefertigt. Zwischenzeitliche Gespräche zu Vereinbarungen über regelmäßige Flugverbindungen, insbesondere mit der kapverdischen Fluglinie TACV und der Billigfluglinie Ryanair, waren ergebnislos geblieben. Als Gründe wurden von der Presse zumeist zu hohe Gebühren des Flughafens genannt. Eine Verbesserung der Auslastung wird von den Verantwortlichen ab 2017 erwartet.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel vom 13. April 2012 in der Wochenzeitung Sol, abgerufen am 11. Januar 2014