Flughafen Devau

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Flughafen Devau
Hauptgebäude Flughafen Devau, 2006
Kenndaten
Koordinaten
Basisdaten
Eröffnung 1921
Start- und Landebahn
X 1400 m Schotter

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Der Flughafen Devau bei Königsberg war der erste deutsche zivile Verkehrs-Flughafen und einer der ersten Verkehrs-Flughäfen der Welt. Heute gehört er zum russischen Kaliningrad. Er wird seit dem Bau des Flughafens Kaliningrad-Chrabrowo bei Chrabrowo (Powunden) nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch von Sportfliegern benutzt. Die Reste des ehemaligen Verwaltungsgebäudes nutzt der Kaliningrader Sportfliegerklub.

Name[Bearbeiten]

Der Name Devau leitet sich vom prußischen „deywis“ (Gott) ab und weist auf eine alte heidnische Kultstätte hin.

Lage[Bearbeiten]

Der Flughafen ist nach dem Ort Devau, heute Rischskoje (Рижское), benannt. Er liegt 2,5 km nordöstlich von Königsberg an der früheren Labiauer Straße, heute Juri-Gagarin-Straße (Ул. Юрия Гагарина / Uliza Jurija Gagarina), welche die Ausfallstraße von Königsberg (Kaliningrad) in Richtung Labiau, heute Polessk (Полесск), und Tilsit, heute Sowjetsk (Советск), ist.

Devau oder Dewau war ein Stadtteil von Königsberg. Das Dorf lag außerhalb des Walles nordöstlich der Königsberger Stadtteile Sackheim und Kalthof.

Lage und sonstige Angaben aus „Nachrichten für Luftfahrer (NfL)“:

Ostpreußen im Luftverkehr, 1930

„Nachrichten für Luftfahrer, herausgegeben vom Reichsverkehrsministerium (Abteilung für Luft- und Kraftfahrwesen) Jahrgang 4, Nr. 10, Berlin 11. März 1923 - Flughafen Königsberg-Devau“ Lage: 54°43' N - 20° 36' O, 23 m ü. M., 2,5 km nordöstlich Königsberg. Fläche: 1500 × 1000 m, ebener fester Boden, glatte Grasnarbe, ständig trocken. Umgelände: ebener Exerzierplatz. Ein Teil des Geländes ist zwecks Grasnutzung verpachtet. Nord- und Westseite: Drahtzaun, Kasernen, Schuppen, Ställe. Ansteuerungspunkte: große dreimastige FL-Anlage 1 km südwestlich des Platzes, nordwestlich am Platz ehemalige Kaserne mit Türmchen. Landezeichen liegt ständig aus. Anlage: 1 neue Halle aus Eisenkonstruktion für 12–15 Flugzeuge, 24 × 22 m, 2 Tore mit je 27 m Spannweite. Werkstätten der Luftverkehrsgesellschaften (Deruluft und Junkers) in festen Anbauten an der Halle, ferner Werkstätten der Devauer Automobilgesellschaft am Platze. 2 Betriebsstoffbehälter (Martini und Heineke) für 7500 Liter. Sanitätswache, Verwaltung und Auskünfte: Luftverkehrsbüro Meyhöfer, Flughafen Devau, Fernsprecher 1856. Empfangsantenne der Landeswetterwarte im Verwaltungsgebäude. FL-Station in der Stadt.

Unweit des Flughafens lag der Kleinbahnhof Devau der 1900 eingeweihten Königsberger Kleinbahn (KKB) nach Schaaksvitte, heute Kaschirskoje (Каширское) und Possindern, heute Roschtschino (Рощино). Von Kleinbahnhof und Kleinbahn existieren heute in Devau keine Spuren mehr.

Geschichte[Bearbeiten]

Flughafen Devau 1929
Devau auf einer Karte 1937

Dewau war ein auf einem Berg gelegener Königlicher Erbpachtskrug „nebst einigen Gärtnerhäusern, welche auch die Bleichhäuser genannt werden“. [1] Das kleine Dorf hatte sechs Feuerstellen (Haushalte) und gehörte 1785 zum landrätlichen Kreis Schaaken. Die Bewohner waren in die Alt Roßgärt’sche Kirche zu Königsberg eingepfarrt. Westlich von Devau befand sich die Siedlung Borkenhof, nordwestlich die Ziegelei und der III. Sackheimer Friedhof.

Die schöne Aussicht vom Berg, an dessen Fuß sich ein großer Teich befand, machte diese Gastwirtschaft und das Dorf zu einem beliebten Ausflugsziel, zumal einer der Besitzer einen Terrassengarten angelegt hatte. Devau war wie Kalthof immer militärisch geprägt und mit Kasernen bebaut. Devauer Platz hieß das „Revuefeld“ im Vorwerk Kalthof. Es war der älteste Übungsplatz der preußischen Armee, wo 1740 auch die Huldigungsfeierlichkeiten für den König stattfanden. Devau und der „Große Exerzierplatz“ wurden erst 1914 in Königsberg eingemeindet. Auf diesem Platz fand 1910 die Kaiserparade statt

Die 1910 gegründete „Brauerei Ostmark“ wird heute wieder unter diesem Namen von einer russisch-amerikanischen Investorengruppe geführt. Hier wird auch das früher bekannte Ponarther Bier gebraut und den Gästen als „deutsches Bier“ angeboten.

Bereits während des Ersten Weltkrieges existierte in der Garnison Königsberg eine Flieger-Beobachter-Schule (kurz FBS). Als erster ziviler Flughafen Deutschlands wurde Devau von 1919 bis 1921 angelegt; das ursprüngliche Empfangsgebäude entstand 1922/1923 nach Entwürfen des Königsberger Architekten Hanns Hopp. Am 30. April 1922 wurde die Fluglinie Königsberg–RigaMoskau eröffnet, die erste internationale Linienflugverbindung Sowjetrusslands. Die Flüge wurden von der deutsch-russischen Fluggesellschaft Deruluft durchgeführt.

1931 wurde der Flughafen Devau Zollflughafen I. Ordnung und 1938 auch Industrieflughafen der Deutschen Lufthansa (DLH) mit DLH-Werkstätten.

1939 wurde Devau von 1173 Flugzeugen angeflogen.

Die folgende Tabelle zeigt die vollständige Auflistung aller fliegenden aktiven Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht die hier zwischen 1939 und 1945 stationiert waren.

Von Bis Einheit[2]
August 1941 August 1941 Kurierstaffel 2
April 1943 April 1943 Flugbereitschaft Luftgaukdo. I.
Juli 1943 März 1944 Stab/KG 77 (Stab des Kampfgeschwaders 77)

Neben dem Flughafen wurde 2012 mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen, obwohl keine behördliche Genehmigung vorlag. Im Generalplan der Stadt Königsberg ist der Flughafen als Sportgelände ausgewiesen, so dass durch die Nähe der Schotter-Startbahn zu den Häusern eine Einstellung des Sportflugbetriebes droht.[3][4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Baczko, Ludwig von: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg, Königsberg 1804
  • Hans Behrendt: Luftkreuz Königsberg-Devau, 1954
  • Biolik, Maria: Hydronymia Europaea, Die Namen der fließenden Gewässer im Flußgebiet des Pregel, Stuttgart 1996
  • Blažiene, Grasilda: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen im Samland, Wolfgang Schmid Hrsg., Steiner Verlag, Stuttgart 2000
  • Gause, Fritz: Königsberg in Preußen, Rautenberg Leer 1987
  • Gerullis, Georg: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922
  • Heinz J. Nowarra: 60 Jahre deutsche Verkehrsflughäfen. Hoffmann, Mainz 1969.
  • Roland Jaeger (Hrsg.): Hanns Hopp. Ein Architekt in Ostpreußen. (mit einem Nachwort von Gabriele Wiesemann) Gebr. Mann, Berlin 1998, ISBN 3-7861-1835-3.
  • Gabriele Wiesemann: Hanns Hopp (1890–1971). Schwerin 1999, ISBN 3-931185-61-3.
  • Karl Ries/Wolfgang Dierich: Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1993.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Goldbeck, Johann: Volständige Topographie vom Ost=Preußischen Cammer=Departement, Königsberg und Leipzig 1785, Nachdruck Hamburg 1990, S. 35
  2. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Germany (1937 Borders), S. 356–357, abgerufen am 29. August 2014
  3. Devau von Bauspekulanten gefährdet, Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-12 vom 21. Juli 2012
  4. Ein Flughafen mit großer Vergangenheit, Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-12 vom 21. Juli 2012