Flughafen Erfurt-Weimar

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Flughafen Erfurt-Weimar
Logo Flughafen Erfurt-Weimar.svg
Luftbild Flughafen Erfurt.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDDE, bis 1995: ETEF
IATA-Code ERF
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum ca. 5 km westlich von Erfurt
Straße B 7 bzw. A 71
(Anschlussstelle 11 E.-Bindersleben)
Nahverkehr Stadtbahnlinie 4
zum Hbf
Basisdaten
Eröffnung 1935
Betreiber Flughafen Erfurt GmbH
Fläche 324 ha
Terminals 2 (A und B)
Passagiere 226.586[1] (2014)
Luftfracht 3075 t[1] (2014)
Flug-
bewegungen
9259[1] (2014)
Kapazität
(PAX pro Jahr)
1.000.000
Beschäftigte 125[2]
Start- und Landebahn
10/28 2600 m × 50 m Asphalt



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Der Flughafen Erfurt-Weimar (bis März 2011 Flughafen Erfurt, IATA: ERF, ICAO: EDDE [bis 1995 ETEF noch als DDR-Flughafen]) ist ein internationaler Verkehrsflughafen in Erfurt. Er wird von der Flughafen Erfurt GmbH betrieben, die zu 95 % dem Freistaat Thüringen und zu 5 % der Stadt Erfurt gehört.

Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Der Flughafen liegt etwa sechs Kilometer westlich des Erfurter Stadtzentrums im Ortsteil Bindersleben. Die Anschlussstelle Erfurt-Bindersleben der Bundesautobahn 71 befindet sich in etwa drei Kilometern Entfernung, ebenso die südlich verlaufende Bundesstraße 7. Bis zum Zentrum von Weimar sind es etwa 30 Kilometer.

Mit der Stadtbahnlinie 4 der Erfurter Verkehrsbetriebe ist der Flughafen aus dem Stadtzentrum sowie vom Erfurter Hauptbahnhof mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste Erfurter Flughafen am Roten Berg[Bearbeiten]

Der erste Erfurter Flughafen wurde 1925 am südlichen Rand des Roten Bergs am Nordrand der Stadt eröffnet. Wie für die damalige Zeit üblich, verfügte er über eine Graspiste von 730 Metern Länge und 430 Metern Breite. Der Flugverkehr am Roten Berg erreichte 1928 seinen Höhepunkt. Damals gab es 14 Starts und Landungen pro Tag, die alle von der Lufthansa durchgeführt wurden. Sie verbanden Erfurt unter anderem mit Berlin, Zürich, Frankfurt am Main, München, Dresden, Hannover und Essen. Der zivile Luftverkehr am Roten Berg endete 1939 zugunsten einer rein militärischen Nutzung.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeigten die sowjetischen Streitkräfte kein Interesse am Flughafen, weshalb er zunächst geschlossen, 1956 jedoch für die Sportfliegerei wieder eröffnet wurde.

Nach dem Umzug der Sportflieger nach Alkersleben wurde der Flughafen 1974 geschlossen und auf seinem Gelände das Wohngebiet Roter Berg errichtet.

Der heutige Flughafen in Bindersleben[Bearbeiten]

Ein Passagierflugzeug der Interflug und der Tower und die Abfertigungshalle des Flughafens Erfurt 1979
Empfangshalle 2011
Tower
Gesamtansicht

1935 wurde der Fliegerhorst der Luftwaffe Erfurt-Bindersleben eröffnet und als solcher bis 1945 genutzt.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die sowjetischen Luftstreitkräfte den Platz.

1956 erfolgte zur Nutzung für den zivilen Luftverkehr die Übernahme des Flughafens durch die 1955 in der DDR gegründete Deutsche Lufthansa der DDR, die 1963 in der Interflug aufging. Regelmäßige Linienflüge gab es zunächst nach Berlin-Schönefeld, Dresden, Heringsdorf und Barth. Zeitweilig wurde auch der alte Flughafen von Karl-Marx-Stadt angeflogen, hier kam ausschließlich die Antonow An-2 zum Einsatz. Die Inlandsflüge wurden jedoch schrittweise und am 10. April 1980 nach einer Ölkrise in der DDR endgültig eingestellt. Die Interflug bediente anschließend nur noch regelmäßig die Ziele Budapest, Warna, Burgas und Tatry (Poprad). Zeitweilig versuchte sich die sowjetische Aeroflot an Strecken nach Moskau und Leningrad. Diese wurden jedoch nach einigen Wochen wegen Unrentabilität eingestellt.

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung wurde am 3. Oktober 1990 der Linienverkehr, zunächst nach Berlin-Tempelhof und Frankfurt am Main wiederaufgenommen.

In den darauf folgenden Jahren erhielt der Flughafen ein neues Abfertigungsgebäude (Terminal B), das an zwei Gates ein Boarding über eine Fluggastbrücke ermöglicht, einen neuen Kontrollturm und neue Flugsicherungstechnik. Auch eine Verlängerung der Start- und Landebahn, sowie der Bau eines neuen Rollweges und eine großflächige Neuversiegelung des Vorfeldes wurden vorgenommen. Es entstanden auch ein großer Hangar und diverse Frachthallen.

Seit 1998 besitzt der Flughafen eine Autobahnanbindung über die A71-Anschlussstelle Erfurt-Bindersleben.

Entwicklung seit 2000[Bearbeiten]

Von 1989 bis 2004 wurden rund 220 Millionen Euro öffentliche Gelder in den Erfurter Flughafen investiert. 2005 wurde ein Landtagsuntersuchungsausschuss eingesetzt[4], der Landesrechnungshof kritisierte daraufhin die Subventionsvergabe.

Flughafen Erfurt-Weimar – Verkehrszahlen
Betriebsjahr Fluggastaufkommen Luftfracht incl. Luftpost (t) Flugbewegungen
1997 [5] 353.018 17.604
1998 [6] 324.266 17.268
1999 [7] 366.793 117 18.628
2000 [8] 481.573 389 17.355
2001 [9] 471.624 1.593 16.574
2002 [10] 445.504 3.369 16.877
2003 [11] 464.681 3.934 16.148
2004 [12] 526.241 4.039 15.839
2005 [13] 438.912 4.855 14.017
2006 [14] 356.378 4.817 13.119
2007 [15] 315.769 4.438 12.992
2008 [16] 308.228 3.468 13.299
2009 [17] 270.267 2.794 11.208
2010 [18] 322.073 2.628 9.494
2011 [19] 280.918 2.543 10.552
2012 [20] 183.999 2.592 9.372
2013 [1] 214.939 2.695 9.079
2014 [1] 226.586 3.075 9.259

Die Steigerung der Passagierzahlen im Jahr 2004 war im Wesentlichen der täglichen Ryanair-Verbindung nach London-Stansted zu verdanken. Die Verbindung wurde allerdings im Januar 2005 wieder eingestellt. Danach wurden erstmals 2010 die Fluggastzahlen wieder deutlich gesteigert und damit die Fluggastzahlen von 2007 übertroffen. Im Jahr 2012 fielen die Passagierzahlen erneut wegen des Rückzugs von Air Berlin und dem Einstellen der Linienverbindung nach München.

Seit dem 21. Juni 2005 ist der Flughafen durch die Fertigstellung einer neuen Stadtbahntrasse schneller und komfortabler mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Innenstadt aus erreichbar.

Tower und Empfangsgebäude von der Rollbahn aus

Der ehemalige Geschäftsführer des Flughafens, Gerd Ballentin, wurde am 13. Januar 2006 vorübergehend festgenommen, nachdem er bereits wenige Tage zuvor zurückgetreten war. Er ist zwischenzeitlich wegen Fälschung der Verkehrszahlen rechtskräftig zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.[21][22][23]

Am 5. Juni 2009 landete in Erfurt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama in der Air Force One, einer umgebauten Boeing 747-200, zu einem Besuch des ehemaligen KZ Buchenwald.

Am 21. März 2011 wurde der Flughafen in Flughafen Erfurt-Weimar umbenannt. Von der Umbenennung versprechen sich die Erfurter mehr Aufmerksamkeit. In einem Beschluss des Stadtrates hieß es, die Klassikerstadt Weimar sei mit Goethe, Schiller, dem Bauhaus und der Weimarer Republik weltweit bekannt. Davon wolle Erfurt profitieren. Die gesamte Umbenennung kostet rund 180.000 Euro.[24][25]

Air Berlin kündigte am 18. August 2011 überraschend an, sich vom Flughafen Erfurt zum Winterflugplan 2011/2012 komplett zurückzuziehen. Nun ist der Flughafen auf der Suche nach neuen Fluggesellschaften, die diese Strecken größtenteils abdecken. Laut Flughafenmanagement habe man bereits mit einigen Airlines verhandelt, ob sich jedoch eine neue Gesellschaft findet, bleibt abzuwarten. Im Dezember 2011 wurde bekannt, dass Air Berlin ihre Station in Erfurt Ende Oktober 2012 schließen und die 33 hier beschäftigten Mitarbeiter versetzen wird.[26][27] Insgesamt wurden zwischen 1991 und 2011 etwa 200 Millionen Euro an Fördermitteln in den Flughafen investiert, ohne dass er sich fest etablieren konnte.[28]

Am 23. September 2011 landete Papst Benedikt XVI. mit einer Sondermaschine der Bundesregierung (A340-313X „Konrad Adenauer“) auf dem Flughafen Erfurt-Weimar und wurde von der damaligen Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Christine Lieberknecht, und einer großen Abordnung von Ministern und Bischöfen begrüßt.[29]

Am 23. Dezember 2011 stellte die in Saarbrücken beheimatete Fluggesellschaft Cirrus Airlines die Linienflüge nach München ein. Grund dafür ist, dass das Land die Subventionen – bis zu 50 % des Preises jedes verkauften Tickets – gestrichen hat.

Seit dem Sommerflugplan 2013 hat die Berliner Fluggesellschaft Germania wieder ein Flugzeug (Boeing 737-700) in Erfurt fest stationiert. Mit dieser Stationierung hat sich die Anzahl der wöchentlichen Flüge weitaus vergrößert und die Passagierzahl ist im Jahr 2014 auf 226.586 gestiegen.

Militärischer Flugbetrieb[Bearbeiten]

Neben dem zivilen Luftverkehr werden gelegentlich auch Militärflüge der Bundeswehr über den Flughafen abgefertigt.

Ausstattung[Bearbeiten]

Die Start- und Landebahn ist 2600 Meter lang und für die Allwetterflugbetriebsstufe CAT IIIb zugelassen. Aufgrund der in Deutschland vorherrschenden Windverhältnisse erfolgen die Starts auf der in Ost-West-Richtung verlaufenden Bahn meistens in Richtung Westen (Gotha) und die Landungen aus Richtung Osten (Weimar). In der Nacht werden Anflüge jedoch bis zu einer bestimmten Windstärke auch mit Rückenwind in Richtung Osten (aus Richtung Gotha kommend) auf die Landebahn 10 durchgeführt, um die Erfurter Bevölkerung vor Fluglärm zu schützen. Die Landebahn ist in östlicher Richtung direkt auf die Innenstadt ausgerichtet, sodass eine stärkere Auslastung des Flughafens zu einer erheblichen Lärmbelastung für das Stadtzentrum führen würde. Bei der Anlage der Bahn in den 1930er Jahren war Fluglärm durch wesentlich kleinere und leisere Propellermaschinen noch kein Problem; für den heutigen Betrieb mit Strahlentriebwerken ist die Ausrichtung aus Lärmschutzsicht jedoch recht ungünstig.

Ein Flugfeldlöschfahrzeug des Flughafens Erfurt-Weimar

Der Flughafen verfügt über eine Flughafenfeuerwehr mit insgesamt 55 Mitarbeitern (20 davon hauptamtlich) mit unter anderem drei Flugfeldlöschfahrzeugen Ziegler Z8. Er ist in die ICAO-Brandschutzkategorie 7 eingeordnet, auf Anfrage kann diese bis auf Kategorie 9 erhöht werden.[30]

An den Flughafen wurde ein Gewerbegebiet mit dem Namen Büropark Airfurt angelegt. Weiterhin existiert am Flughafen ein MRO-Betrieb, die Firma Haitec, mit Hauptsitz auf dem Flughafen Hahn. Sie wird hier Geschäftsreiseflugzeuge warten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flughafen Erfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e ADV – Monatsstatistik. 12/2014. In: adv.aero. Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen), 5. Februar 2015, S. 12, abgerufen am 5. Februar 2015 (PDF).
  2. Jahresbilanz 2014. Abgerufen am 5. Februar 2015.
  3. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Germany (1937 Borders), S. 160–161, abgerufen am 14. September 2014
  4. Drucksache 4/1388. Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. In: parldok.thueringen.de. Thüringer Landtag, 30. November 2005, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF).
  5. Regionale Statistiken 1997. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 2, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 31 kB).
  6. Regionale Statistiken 1998. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 2, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 30 kB).
  7. Regionale Statistiken 1999. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 1, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 23 kB).
  8. Regionale Statistiken 2000. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 1, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 19 kB).
  9. Statistiken IVF 2001. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 46, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 1,5 MB).
  10. Statistiken IVF 2002. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 47, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 2,3 MB).
  11. Statistiken IVF 2003. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 3, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 145 kB).
  12. Statistiken IVF 2004. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 3, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 26 kB).
  13. Statistiken IVF 2005. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 3, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 151 kB).
  14. Statistiken IVF 2006. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 3, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 152 kB).
  15. Statistiken IVF 2007. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 3, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 152 kB).
  16. Statistiken IVF 2008. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 4, 5, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 136 kB).
  17. Statistiken IVF 2009. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 4, 5, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 342 kB).
  18. Statistiken IVF 2010. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 9, 10, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 130 kB).
  19. Statistiken IVF 2011. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 9, 10, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 187 kB).
  20. Statistiken IVF 2012. In: adv.aero. Flughafenverband ADV, S. 9, 10, abgerufen am 31. Juli 2013 (PDF; 103 kB).
  21. Airliners.de: [1] 30. September 2009
  22. Land der Pisten, Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 17. Januar 2006 zur Entwicklung des Flughafens und der Ballentin-Affäre
  23. Eike Kellermann: Fingerhakeln um den Vorzeige-Airport des Landes, Artikel über die Flughafenprobleme und den Prozess gegen Gerd Ballentin, Freies Wort (Suhl) vom 30. Oktober 2007
  24. airliners.de: Flughafen Erfurt soll umbenannt werden 4. Juni 2010
  25. airliners.de – Flughafen Erfurt erhält Zusatz «Weimar» 21. März 2011
  26. airliners.de – Air Berlin schließt Stationen Erfurt und Dortmund 7. Dezember 2011
  27. Flughafen Erfurt-Weimar überrascht von Air Berlin Entscheidung. Abgerufen am 20. August 2011.
  28. Das teure Sorgenkind der Landesregierung – MDR.de
  29. thueringen.de – Rückblick auf Papstbesuch 2011
  30. Die Feuerwehr des Flughafens Erfurt-Weimar. In: flughafen-erfurt-weimar.de. Flughafen Erfurt GmbH, abgerufen am 1. Mai 2013.