Flughafen Heringsdorf

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Flughafen Heringsdorf
Flughafen Herginsdorf Logo.svg
Port lotniczy Heringsdorf.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDAH
IATA-Code HDF
Koordinaten
53° 52′ 43″ N, 14° 9′ 8″ O53.87870555555614.15234722222222Koordinaten: 53° 52′ 43″ N, 14° 9′ 8″ O
22 m ü. MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 8 km südlich von Seebad Heringsdorf
Straße B 110
Basisdaten
Eröffnung 1925
Betreiber Flughafen Heringsdorf GmbH
Passagiere 33.264 (2011)
Start- und Landebahnen
10/28 2305 m × 35 m Asphalt
10R/28L 600 m × 30 m Gras

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Der Regionalflughafen Heringsdorf ist ein deutscher Flughafen auf der Insel Usedom. Er ist als Verkehrsflughafen klassifiziert und liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Garz und Zirchow. Zum Flugangebot zählen innerdeutsche Linienflüge, Charterflüge zu ausländischen Zielen für Urlauber und Geschäftsreisende sowie Rundflüge in der Region. Die Zahl der Fluggäste lag 2011 bei 33.264.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Abflug nach Süden

Der Heringsdorfer Regionalflughafen ist einer der ältesten deutschen Luftzielorte und galt nach dem bis 1972 im Linienverkehr und bis 1991 als Verkehrslandeplatz betriebenen Flughafen Leipzig-Mockau als der zweitälteste Flughafen auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Der damalige Exerzierplatz der Garnison Swinemünde wurde bereits 1911 durch die Rumpler Taube des kaiserlichen Heeres angeflogen. Im Jahr 1919 begann die Geschichte des Flughafens als „Landflugplatz Swinemünde“ der benachbarten Stadt. Der Platz wurde durch die Sablatnig-Flugzeugbau GmbH nach dem Ersten Weltkrieg ausgebaut. Die ersten Verkehrsmaschinen, die den heutigen Flughafen Heringsdorf anflogen, waren SAB P III für sechs Passagiere. In den 1930er Jahren trainierten hier auch Segelflieger.

Im Jahre 1935 übernahm die Luftwaffe der Wehrmacht den Flugplatz und ließ ihn in den folgenden Jahren zum Fliegerhorst Garz ausbauen. Ab 1936 wurde hier die Küstenjagdstaffel 3/136 stationiert. Diese war mit Flugzeugen vom Typ Heinkel He 51 ausgerüstet. In dieser Zeit wurde auch eine Kunstflugstaffel aufgebaut, die mit Maschinen vom Typ Bücker Jungmeister flog. 1937 erhielt die Einheit zunächst Jagdflugzeuge des Typs Bf 109 und kurze Zeit später auch Bf 110. Für die Ausbildung an der Bf 110 wurde östlich des Flugplatzes in Richtung Kamminke ein Schießplatz angelegt. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde das Rollfeld ausgebaut, um größere Maschinen wie die Langstreckenbomber He 177 aufnehmen zu können. Während die umliegenden Dörfer am 4. Mai 1945 Luftangriffen durch die Rote Armee ausgesetzt waren, blieb der bereits geräumte Flugplatz unbeschädigt und wurde am folgenden Tag durch sowjetische Truppen besetzt.

Die folgende Tabelle zeigt die vollständige Auflistung aller fliegenden aktiven Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht die hier zwischen 1937 und 1945 stationiert waren.

Von Bis Einheit[2]
Februar 1938 Oktober 1938 I.(J)/Lehrgeschwader Greifswald (I. (Jagd-) Gruppe des Lehrgeschwader Greifswald)
November 1938 September 1939 Stab, I.(J)/LG 2 (Stab und I. (Jagd-) Gruppe des Lehrgeschwader 2)
Januar 1940 März 1940 I./ZG 52 (I. Gruppe des Zerstörergeschwaders 52)
Februar 1940 März 1940 II./ZG 76
März 1940 April 1940 II./ZG 1
Mai 1941 Juni 1941 II./SKG 210 (II. Gruppe des Schnellkampfgeschwaders 210)
November 1941 Februar 1942 Versuchsstaffel d.Lw. 293
März 1942 April 1943 Lehr- und Erprobungskdo. 15
August 1942 Januar 1943 Lehr- und Erprobungskdo. 21
April 1943 Juli 1943 Stab, II./KG 100
August 1943 Dezember 1944 Lehr- und Erprobungskdo. 36
August 1944 September 1944 III./KG 100
Dezember 1944 April 1945 Versuchskdo./KG 200
Februar 1945 April 1945 Stab, II./JG 1 (Stab und II. Gruppe des Jagdgeschwaders 1)
Februar 1945 April 1945 II./JG 3
April 1945 April 1945 IV./JG 51

Nach dem Krieg wurden hier das 12. und 314. Jagdfliegerregiment (IAP), der Stab der 601. Schlachtfliegerdivision (SchAD)[3] sowie Panzertruppen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) stationiert. Ab 1960 nutzte das Transportflieger-Ausbildungsgeschwader 14 (TFAG-14) der Nationalen Volksarmee (NVA) den westlichen Teil des Geländes.[4] Nach dessen Auflösung 1962 diente das Areal als Ausweichflugplatz für verschiedene Verbände der Luftstreitkräfte der DDR. Bis Anfang der 1960er Jahre war die Start- und Landebahn eine Gliederrollbahn aus Patent-Stahlsegmenten. 1962 wurde ein Teil des Flugplatzes zur zivilen Nutzung durch die DDR-Fluggesellschaft Interflug umgebaut und der Fliegerhorst Garz erhielt seinen heutigen Namen: „Flughafen Heringsdorf“. Um schwereren Flugzeugen wie der Iljuschin Il-14 die Landung zu ermöglichen, musste eine neue Start- und Landebahn gebaut werden. 1973 wurde ein Abfertigungsgebäude für den Saisonflugverkehr der Interflug in Betrieb genommen. Flugverbindungen bestanden unter anderem nach Berlin, Dresden, Erfurt und Leipzig. Bereits sechs Jahre später stellte die Interflug den regulären Inlandsflugbetrieb von und nach Heringsdorf jedoch wieder ein. Ein Jahr danach wurden die Panzertruppen der GSSD abgezogen. Bis 1992 blieb noch eine Pionierabteilung stationiert. Nach der Auflösung der NVA 1990 endete die militärische Nutzung des Geländes. Im überwiegenden Teil der ehemaligen Kasernen sind heute soziale Einrichtungen der Diakonie Züssow untergebracht.

Von 1993 bis 1996 erfolgte die Grundsanierung der Flugbetriebsflächen, die Installation einer Instrumentenanflugbefeuerung und der Aufbau einer Wetterstation. Unter dem ehemaligen Flughafendirektor Ralf Giebener kam es in Jahren 1996 und 1997 zum Charterflugverkehr nach Istanbul und Antalya mit Maschinen der Typen A320 und MD 88, im Jahr 1998 zur Fortsetzung der Linienflüge und zum Charterflugverkehr nach Tunesien.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Angesichts geringer Fluggastzahlen im Linienverkehr schlossen im Jahr 2007 Hoteliers und ein kommunales Tourismusmarketing-Unternehmen eine Öffentlich-Private Partnerschaft über die Organisation des Linienflugverkehrs auf die Insel. Dadurch konnten Fluggesellschaften gewonnen werden, die durch eine Ticket-Abnahmegarantie Usedom in der Sommersaison einmal wöchentlich im Linienverkehr anfliegen. Im Jahr 2008 flog somit die damalige OLT zu vier deutschen Zielen mit Saab 340 oder Saab 2000. [5] 2009 flog OLT in der Sommersaison samstags jeweils einmal nach Bremen, Köln/Bonn, Dortmund, Frankfurt am Main, Zürich, München und jeden Sonntag nach Düsseldorf. Air Berlin nahm am 1. Mai 2010 neue Verbindungen nach Dortmund, Düsseldorf und Stuttgart auf. Die geplante Verbindung nach Nürnberg kam aufgrund zu geringer Nachfrage nicht zustande. Die Flüge nach Heringsdorf werden durch die Air Berlin Regionalflugtochter LGW mit 76-sitzigen Q 400-Turbopropmaschinen betrieben. Im Jahr 2012 flogen erstmals auch die schweizerische Helvetic Airways zu Zielen in die Schweiz (Bern, Zürich) und die polnische Eurolot zu Zielen in Polen (Warschau, Krakau) bzw. ab 2013 auch nach Dortmund und Köln/Bonn. [6]

Heringsdorf wird nur saisonal von Germanwings [7] und Eurolot [8] bedient. Für die Flüge der Germanwings werden nur Flugzeuge vom Typ Bombardier CRJ900 mit 86 Sitzen (betrieben durch Eurowings) und Airbus A319 eingesetzt.

Airline Logo Flugziele
Germanwings

Germanwings Logo 2013.svg

  1. DeutschlandDeutschland Düsseldorf
  2. DeutschlandDeutschland Frankfurt
  3. DeutschlandDeutschland Stuttgart
  4. DeutschlandDeutschland Dortmund
  5. DeutschlandDeutschland Köln/Bonn
Eurolot

EuroLOT Logo.svg

  1. DeutschlandDeutschland München
  2. PolenPolen Krakau
  3. PolenPolen Warschau
  4. SchweizSchweiz Zürich
  5. SchweizSchweiz Bern
  6. OsterreichÖsterreich Wien

Verkehrszahlen[Bearbeiten]

Jahr Fluggastaufkommen Flugbewegungen Fracht
(Tonnen)
1997 25.076 9.928 -
1998 23.246 8.724 -
1999 21.624 9.560 -
2000 19.496 8.682 -
2001 22.280 9.346 -
2002 26.490 8.942 -
2003 21.450 9.180 -
2004 18.850 8.376 -
2005 31.051 8.740 -
2011 33.264[1]  ? -
Quelle: ADV[9]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Der Flughafen Heringsdorf ist über die Bundesstraßen 110 und 111 an das Straßennetz angebunden und rund zehn Kilometer von Ahlbeck sowie rund 18 Kilometer von Bansin entfernt. Die Entfernung bis zu den nächsten größeren Städten der Region, Greifswald und Stralsund, beträgt rund 50 beziehungsweise 90 Kilometer, bis zum Anschluss an die A 20 etwa 60 Kilometer. Über den rund 9 Kilometer vom Flughafen entfernten Bahnhof Ahlbeck und die Verbindungen der Usedomer Bäderbahn (UBB), die den Bahnnahverkehr auf der Insel Usedom und bis zum Festlandbahnhof Züssow betreibt, besteht darüber hinaus eine Anbindung an das Regional- und Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn. Ein Busanschluss zum Bahnhof besteht ein bis zwei Mal täglich. Die Stammstrecke der Bahn soll darüber hinaus bis 2012 über Świnoujście bis zum Flughafen verlängert werden.[10][11]

Hangar 10[Bearbeiten]

Unweit des Abfertigungsgebäudes befindet sich die Freizeiteinrichtung „Hangar 10“. Sie besteht aus einem kleinen Flugzeugmuseum, einer Schauwerkstatt, Flugsimulatoren, einer Spielewelt und gastronomischen Einrichtungen. Im Museum werden folgende Flugzeuge gezeigt:

Jak-9 im Hangar 10

Mit Ausnahme der Bf 109 sind alle ausgestellten Exemplare flugfähig. Die Ausstellung wird ergänzt durch Darstellungen zu den Luftwaffen Deutschlands, der USA, Großbritanniens und der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Neben den Flugzeugen sind auch einige Fahrzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ausgestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Edmund Kracht: Von Gridiz bis Garz. Geschichte und Geschichten aus meiner Heimat. Hrsg: Heimatverein Garz e.V. Garz 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flughafen Heringsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Angelika Gutsche: Insel-Airport braucht Partner. In: Ostsee-Zeitung. 22. Dezember 2011, abgerufen am 29. Juli 2012.
  2. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Germany (1937 Borders), abgerufen am 29. August 2014
  3. Stefan Büttner: Rote Plätze: Russische Militärflugplätze in Deutschland 1945–1994. 1. Auflage. AeroLit-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 82.
  4. Thomas Bußmann: Stahlbeton, Gras und Bahnbefeuerung – Die militärisch genutzten Flugplätze der DDR. MediaScript, Cottbus/ Berlin 2011, ISBN 978-3-9814822-0-1, S. 195.
  5. Helmut Heigert: Schleswig-Holstein Usedomer Hoteliers retten Airport. DEHOGA-Kreisverband Lübeck will „Heringsdorfer Modell“ kopieren. In: Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung. 15. September 2012, abgerufen am 19. Januar 2013.
  6. Arbeitsgemeinschaft der Hoteliers am Flughafen Heringsdorf. Abgerufen am 19. Januar 2013.
  7. germanwings Adds Heringsdorf Service in S14. Airline Route.net, 8. November 2013, abgerufen am 20. November 2013 (englisch).
  8. Wracamy do Heringsdorfu. Eurolot S.A., 19. Dezember 2013, abgerufen am 30. Dezember 2013 (polnisch).
  9. Verkehrszahlen. ADV, abgerufen am 29. Juli 2012.
  10. Peter Neumann: Die Bahn will in zwei Stunden nach Usedom. In: Berliner Zeitung. 14. Mai 2007.
  11. Unternehmensgeschichte Ab 1995 - die Usedomer Bäderbahn GmbH