Flughafen Wien AG

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Flughafen Wien AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000911805
Gründung 1953
Sitz Office Park 1 - Flughafen Wien (Schwechat)
Leitung Julian Jäger, Günther Ofner
Mitarbeiter 4.399 (2013)
Umsatz EUR 622,0 Mio. (2013)
Branche Flughafenbetreiber
Website www.viennaairport.com

Die Flughafen Wien AG mit Sitz in Schwechat (Niederösterreich) ist der börsennotierte Betreiber des Flughafens Wien.

Allgemeines[Bearbeiten]

Am 11. Dezember 1953 wurde die Wiener Flughafenbetriebsgesellschaft gegründet und übernahm am 1. Jänner 1954 Verwaltung und Abfertigung. Gesellschafter der heutigen Flughafen Wien AG waren bis 1992 die Republik Österreich (50 %) und die Länder Niederösterreich und Wien (je 25 %). Am 29. April 1992 wurde das bis dahin als GmbH geführte Unternehmen in die Flughafen Wien AG umgewandelt und teilweise privatisiert.[1] Die Republik Österreich zog sich als Gesellschafter zurück, die Länder Niederösterreich und Wien blieben mit je 20 % Anteilseigner. 10 %-Aktionär ist eine Stiftung der Flughafenmitarbeiter. Durch die Mitarbeiterstiftung sind die Beschäftigten am Dividendenertrag des Unternehmens beteiligt. 2013 wurden rückwirkend für das Geschäftsjahr 2012 rund 2,2 Millionen Euro an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Die Verteilung erfolgt dabei auf Basis der jährlichen Bruttobasisbezüge.[2] Die restlichen 50 % werden an der Wiener Börse gehandelt. Seit 24. März 2014 ist die Flughafen Wien AG wieder im ATX gelistet. Ausschlaggebend dafür war ein beträchtlicher Anstieg im Kursniveau und folglich im Börsenwert des Unternehmens. (Streubesitzkapitalisierung)[3]

Die Flughafen Wien AG leitet als Entwickler, Errichter und Komplettbetreiber das Unternehmen, den operativen Flughafenbetrieb, die Bodenabfertigungsdienste, die Sicherheitsdienstleistungen und die kommerziellen Aktivitäten. Die Flughafen-Wien-Gruppe hat ihre Geschäftstätigkeit in vier Segmente unterteilt: Airport (u.a. der Flugplatzbetrieb), Handling (u.a. die Luftfahrzeugabfertigung), Retail & Properties (u.a. die Shops und Immobilien) und Sonstiges (u.a. die Haustechnik und das Besucherzentrum).[4]

Kennzahlen[Bearbeiten]

Unternehmenszentrale im Office Park 1 am Flughafen

Der Umsatz der Flughafen Wien AG betrug im Jahr 2013 622,0 Mio. € (+2,4 %), wobei davon 331,4 Mio. (+5,1 %; 53,3 % des Gesamtumsatzes) dem Flugbetrieb selbst, 151,9 Mio. (-2,6 %; 24,4 % des Gesamtumsatzes) dem Handling, 121,2 Mio. (+1,4 %; 19,5 % des Gesamtumsatzes) dem Segment Retail & Properties und 17,5 Mio. (+5,4 %; 2,8 % des Gesamtumsatzes) dem Segment Sonstiges zuzurechnen sind.

Jahr Umsatz Gewinn Änderung des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr
2005[5] 410,00 Mio. €
2006[5] 463,89 Mio. € 77,55 Mio. € +13,1 %
2007[5] 521,42 Mio. € 87,45 Mio. € +12,4 %
2008[5] 548,06 Mio. € 91,14 Mio. € +05,1 %
2009[5] 501,69 Mio. € 73,35 Mio. € 08,5 %
2010[5] 533,83 Mio. € 75,69 Mio. € +06,4 %
2011[6] 582,0 Mio. € +09,0 %
2012[7] 607,4 Mio. € +04,4 %
2013[8] 622,0 Mio. € +02,4 %

Für das Geschäftsjahr 2014 wird ein Umsatz von über 630 Millionen Euro erwartet.[9]

Diversifizierung[Bearbeiten]

Die Flughafen Wien AG hält außerdem Beteiligungen an folgenden internationalen Flughäfen:

  • Flughafen Luqa in Malta mit einer Beteiligung von rund 33 % der Aktien.
  • Flughafen Letisko Košice in Košice, Slowakei mit einer indirekten Beteiligung von 66 % über eine Holding.

Jüngste Geschichte[Bearbeiten]

Große Probleme bei der Errichtung der Terminalerweiterung Terminal 3 (Skylink) führten im Juni 2009 zum Wunsch des Rechnungshofes, die Flughafen Wien AG zu prüfen. Die Länder Niederösterreich und Wien besitzen 40 % der Aktien; der Rechnungshof ist zuständig, wenn die öffentliche Hand über 50 % des Unternehmens besitzt oder eine bestimmende Rolle im Unternehmen ausübt.

Der Rechnungshof ging von dieser bestimmenden Rolle der beiden Bundesländer in der Flughafen Wien AG aus. Er verwies auf den Syndikatsvertrag zwischen Wien und Niederösterreich, der die beiden Bundesländer in der Hauptversammlung der AG zu gemeinsamem einheitlichen Stimmverhalten verpflichtet. Damit soll erreicht werden, dass Vorstandsmitglieder der AG jedenfalls das Vertrauen dieser beiden Aktionäre der öffentlichen Hand besitzen. Der Rechnungshof verwies weiters darauf, dass die beiden Bundesländer wegen der Abwesenheit vieler anderer Aktionäre in den Hauptversammlungen der Flughafen Wien AG regelmäßig die Mehrheit haben.

Vom Rechnungshof zitiertes Indiz für den starken öffentlichen Einfluss bei der Flughafen Wien AG war unter anderem, dass der „Austausch“ des der ÖVP zugerechneten Vorstandsdirektors Christian Domany (eines früheren Generalsekretärs der Wirtschaftskammer Österreich) gegen den bis dahin der Niederösterreichischen Landesregierung angehörenden Ernest Gabmann per 1. März 2009[10] am 18. Februar von Landeshauptmann Erwin Pröll bekanntgegeben wurde, bevor der Aufsichtsrat des Flughafens am 20. Februar 2009 mit der Sache befasst wurde. (Domany schied formal am 30. September 2009 aus dem Unternehmen aus.)

Weitere (vom Rechnungshof nicht erwähnte) Indizien für die bestimmende Rolle der öffentlichen Hand in der AG waren, dass Vorstandssprecher Herbert Kaufmann zuvor SPÖ-Nationalratsabgeordneter und Vorstandsmitglied Gerhard Schmid zuvor Assistent des Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk gewesen war. Im Ausgleich dazu, dass zwei von drei Vorstandsmitgliedern Wien und somit der SPÖ zuzurechnen waren, besaß der Vorsitzende des Aufsichtsrats das Vertrauen Niederösterreichs und somit der ÖVP: Johannes Coreth wurde im August 2009 auf Vorschlag Niederösterreichs durch den Wiener Rechtsanwalt Christoph Herbst ersetzt. Coreth hat den Komplikationen bei der Errichtung der Terminalerweiterung anscheinend nach Meinung Niederösterreichs und Wiens zu wenig Aktivität und Kontrolle entgegensetzt.

Der Rechnungshof kündigte am 10. Juli 2009 an, den Prüfauftrag demnächst fertigzustellen. Die drei parlamentarischen Oppositionsparteien stellten im Juli 2009 die Zulassung der Prüfung durch den Rechnungshof als Bedingung für die von ihnen erwartete Zustimmung zu einem Bundesverfassungsgesetz betreffend das Bankgeheimnis bei nicht in Österreich wohnhaften Personen, das bis September 2009 erlassen sein muss, um Sanktionen der G-20-Staaten bzw. der OECD zu vermeiden. Die Flughafen Wien AG lehnte laut Medienberichten vom 21. Juli 2009 gemäß Aufsichtsratsbeschluss die Prüfung durch den Rechnungshof ab; die Mitarbeiterstiftung lehnte diese Prüfung als Aktionär ebenfalls ab. Der Rechnungshof kündigte an, den Verfassungsgerichtshof heranzuziehen, wenn die AG diesen Standpunkt beibehält. Der Aufsichtsrat beschloss jedoch eine aktienrechtliche Sonderprüfung.

Laut ORF-Website vom 10. Juli 2009 befasste sich die Staatsanwaltschaft Korneuburg ebenfalls mit dem Vorgang. Ein anonymer Anzeiger habe die Vorstandsmitglieder Kaufmann und Schmid und den abgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden Coreth der Untreue im Sinne des StGB bezichtigt.

In der letzten Augustwoche 2009 wurde bekannt, dass sich Vertreter der Bundesregierung, der Grünen und des BZÖ darauf geeinigt haben, dem Rechnungshof auch die Prüfung tatsächlich von der öffentlichen Hand beherrschter Unternehmen zu ermöglichen, auch wenn die öffentliche Hand formal nicht die Aktienmehrheit besitzt. Die legislative Durchführung der politischen Vereinbarung erfolgte ab Oktober 2009.

Nach einer 14-stündigen Aufsichtsratssitzung wurde am 15. Dezember 2010 bekannt, dass die Funktionsdauer der drei Vorstandsmitglieder vorzeitig beendet wird: Der bisherige Vorstandsvorsitzende Herbert Kaufmann legte nach einer mit ihm erzielten einvernehmlichen Lösung per 31. Dezember 2010 seine Vorstandsfunktion zurück. An seiner Stelle wurde interimistisch - für längstens ein Jahr - der bisherige Aufsichtsratschef Christoph Herbst operativ tätig. Die Vorstandsmandate von Ernest Gabmann und Gerhard Schmid endeten per 31. Dezember 2011. Die drei Vorstandsfunktionen wurden im Laufe des Jahres 2011 ausgeschrieben.

Seit September 2011 bilden Julian Jäger und Günther Ofner das neue Vorstandsteam.[11] Ihre Funktionsperiode endet am 4. September 2016.[12]

Nach Medienberichten vom 5. November 2014 sind die Ermittlungen gegen den damaligen Vorstandschef Herbert Kaufmann (von 1999 bis 2010), Ex-Finanzvorstand Christian Domany und seinen Nachfolger Ernest Gabmann, sowie gegen den Technik-Vorstand Gerhard Schmid zur Gänze eingestellt worden. Dieses Urteil wurde auch von der Staatsanwaltschaft Korneuburg bestätigt. Der Vorwurf, die ehemaligen Manager hätten die Verhältnisse der Gesellschaft unrichtig bzw. verschleiert wiedergegeben, konnte nicht erhärtet werden. Strafprozesse für 25 weitere Verdächtige in der Causa folgen 2015.[13][14]

Die Flughafen Wien AG verkaufte Ende Juli 2014 ihre Anteile am Flughafen Friedrichshafen zu gleichen Teilen an den Landkreis Bodensee und die Stadt Friedrichshafen. Die Beteiligung von 25,15 % bestand seit 2007, wurde 2011 zur Gänze abgeschrieben und nun um 2,25 Millionen Euro verkauft.[15]

Mitte Oktober 2014 wurde bekannt, dass der australische Pensionsfonds IFM Interesse an einer Minderheitsbeteiligung (zwischen 20 % und 29,9 %) am Flughafen Wien habe. Am 7. November 2014 wurde daraufhin ein öffentliches Angebot an die Aktionäre der FWAG gelegt. Um 80 Euro pro Aktie kann das Offert bis 12. Dezember desselben Jahres von Interessenten angenommen werden.

Ziel ist der Ankauf von bis zu 6.279.000 Stückaktien und ein langfristiges Engagement am Flughafen Wien. IFM möchte allerdings derzeit keinen Einfluss auf die Strategie des Luftfahrtdrehkreuzes bzw. auf das Tagesgeschäft nehmen.[16][17]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 2, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 340
  2. Nachhaltigkeitsbericht 2004 S.67
  3. UNIQA Insurance Group und Flughafen Wien neu im ATX ,vom 4.März 2014
  4. GB 2011
  5. a b c d e f Geschäftszahlen des Flughafens
  6. GB 2011 S.77
  7. GB 2012 S.3
  8. GB 2013 S.4
  9. GB 2013 S.11
  10. Nachrichtenmagazin profil, Wien, Nr. 28, 6. Juli 2009, S. 41
  11. Facts & Figures FWAG ,abgerufen am 14.Mai 2012
  12. GB 2013 S.61
  13. Skylink: Kein Prozess für Ex-Flughafen-Vorstände vom 5. November 2014
  14. Skylink-Skandal: Verfahren gegen ex-VIE-Vorstände eingestellt vom 5. November 2014
  15. Flughafen Wien stößt Anteil an Friedrichshafen ab vom 22. Juli 2014
  16. Flughafen Wien: Das (Teil-)Übernahmeangebot ist da vom 7. November 2014
  17. Flughafen Wien: IFM-Angebot von Übernahmekommission genehmigt vom 7. November 2014