Flugplan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Flugplan, den der Pilot vor einem Flug bei der Flugsicherung aufgibt. Der Fahrplan („Kursbuch“) einer Fluggesellschaft wird auch als Flugplan bezeichnet und im Artikel Flugplan (Fluggesellschaft) erörtert.
Formular für einen internationalen Flugplan

Ein Flugplan ist die Ankündigung und Beschreibung eines Fluges. Je nach Verwendungszweck unterscheidet man IFR-Flugpläne (Flüge nach Instrumentenflugregeln), VFR-Flugpläne (Flüge nach Sichtflugregeln) und gemischte Flugpläne, die mit VFR oder IFR beginnen und während des Fluges die Flugregeln wechseln.

Der Flugplan enthält Daten über das Luftfahrzeug, den Zweck des Fluges, den Abflugplatz, den geplanten Zielflugplatz, die geplante Flughöhe, die geplante Flugroute und Ankunftszeit sowie eventuelle Ausweichflugplätze und die durch den Treibstoffvorrat bedingte maximale Flugzeit.

Die Deutsche Flugsicherung und die Schweizer Flugsicherung Skyguide bieten die Möglichkeit, Flugpläne über das Internet aufzugeben. Europaweit können Flugpläne mit EuroFPL oder über das Integrated Initial Flight Plan Processing System (IFPS) aufgegeben werden.

Flugplan in Deutschland[Bearbeiten]

Der Pilot gibt seinen Flugplan gewöhnlich vor Antritt eines Fluges auf.

Ein Flugplan wird von den Flugsicherungsorganisationen verwendet, um Flüge im Voraus zu planen sowie um im Notfall (z. B. Funkausfall) Anhaltspunkte für das Verhalten eines Luftfahrzeugführers zu haben. Auch die Aktivierung des Such- und Rettungsdienstes geschieht anhand von Angaben aus dem Flugplan.

Er besteht aus einem einseitigen Formular, welches 20 Felder hat, die zumeist mit Abkürzungen und numerischen Daten gefüllt werden. Der Flugplan selbst und die in diesen eingetragenen Informationen sind so abgefasst, dass sie international verständlich sind und deshalb keine Angaben in Landessprache enthalten.

Flugplanpflicht[Bearbeiten]

Flugplanpflicht besteht für:

Einreichen des Flugplanes[Bearbeiten]

Der Flugplan muss zwischen frühestens 5 Tagen und spätestens eine Stunde, bei Gebieten mit Verkehrsflussregelung drei Stunden, vor dem planmäßigen Flugantritt an die Flugsicherungsbehörde per Telefon oder Telefax bzw. über das Internet aufgegeben werden. Daraufhin wird er von der Flugsicherung bestätigt.

Änderung des Flugplanes[Bearbeiten]

Vor Inkrafttreten des Flugplanes kann der Pilot die voraussichtliche off-block-Zeit bei der Flugsicherung nach hinten verschieben.

Aktivierung des Flugplanes[Bearbeiten]

Bei Flugantritt auf kontrollierten Flugplätzen (Luftraum D CTR) wird der Flugplan automatisch aktiviert. Weitere Möglichkeiten sind die telefonische Startmeldung durch den Flugleiter eines unkontrollierten Startflugplatzes sowie per Funk durch einen so genannten Inflight Pick-Up, den der Pilot bei der zuständigen Flugverkehrskontrollstelle anfragt.

Schließen des Flugplanes[Bearbeiten]

Nach der Landung oder wenn diese sichergestellt ist, muss der Flugplan durch die Landemeldung geschlossen werden. Bei Flugplätzen mit Flugverkehrskontrolle wird das automatisch erledigt.

Überfällige Flüge[Bearbeiten]

Erfolgt nun innerhalb einer bestimmten Zeit zum Beispiel keine Landemeldung, löst die Flugsicherung einen Alarmzustand aus, der Such- und Rettungsmaßnahmen zur Folge hat. Zunächst wird jedoch während der Unsicherheitsphase durch Nachfrage versucht sicherzustellen, dass nicht einfach die Landemeldung vergessen wurde.

Dauerflugpläne[Bearbeiten]

Für regelmäßige Flüge besteht die Möglichkeit der Aufgabe eines Dauerflugplans. Diese sind bei Eurocontrol, genauer über das Integrated Initial Flight Plan Processing System einzureichen.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Ein Flugplanformular sieht fast überall auf der Welt gleich aus, da es von der ICAO normiert wurde. Folgende Felder sind in einem Flugplanformular vorhanden:

  • Anschrift(en): Dieses Feld beinhaltet AFTN-Adressen und wird vom Flugberatungsdienst ausgefüllt.
  • Aufgabezeit: "
  • Aufgeber: "
  • Besondere Anschriften und/oder Aufgeber: "
  • Lfz.-Kennung: Hier wird die Luftfahrzeugkennung ohne Bindestrich eingetragen, also beispielsweise DAIHC für D-AIHC.
  • Flugregeln: Hier wird mit einem I bzw. einem V vermerkt, ob es sich um einen Flug nach Instrumenten- oder Sichtflugregeln handelt. Ein Y bezeichnet einen Flug, der mit IFR beginnt und nach VFR wechselt, ein Z bezeichnet einen Flug, der mit VFR beginnt und nach IFR wechselt. Für Sichtflüge bei Nacht trägt man im Feld „Andere Angaben“ zusätzlich den Ausdruck RMK/N VFR NIGHT ein.
  • Art des Fluges: Ein G steht für General Aviation, ein X für Ausbildungs-, Test- und Erprobungsflüge und ein N für nichtplanmäßige Flüge im gewerblichen Luftverkehr.
  • Anzahl: Hier trägt man die Anzahl der am Flug beteiligten Flugzeuge ein, was nur bei Verbandsflügen eine Rolle spielt.
  • Muster d. Lfz.: Hier wird die ICAO-Abkürzung des Luftfahrzeuges eingetragen, zum Beispiel C172 für den Typ Cessna 172.
  • Wirbelschleppenkategorie: Sie richtet sich nach der maximalen Startmasse des Luftfahrzeuges. Ein L (light) steht für ein MTOW bis 7.000 kg einschließlich, ein M (medium) für ein MTOW von mehr als 7.000 kg und weniger als 136.000 kg und ein H (heavy) steht für ein MTOW von 136.000 kg oder mehr.
  • Ausrüstung: Ein N steht für keinerlei vorhandene beziehungsweise benutzbare Radionavigationsausrüstung, ein S steht für die Standardausrüstung (VHF, ADF, VOR und ILS).
  • Startflugplatz: Hier wird der ICAO-Code des Startflugplatzes eingetragen.
  • Zeit: Hier wird die Estimated off-block time (EOBT), die voraussichtliche Abblockzeit, zu der das Flugzeug mit der Bewegung zum Abflug beginnt, eingetragen. Sie wird als vierstellige Zahl in UTC angegeben.
  • Geschwindigkeit: Sie ist mit dem Buchstaben N und einer vierstelligen Zahl anzugeben, zum Beispiel steht N0100 für eine Reisegeschwindigkeit von 100 Knoten.
  • Reiseflughöhe: Bei einem VFR-Flug am Tag wird hier einfach VFR eingetragen, mit einem A und drei Ziffern legt man die Reiseflughöhe in Hundertern Fuß über dem Meeresspiegel fest und mit einem F und drei Ziffern wird die Flugfläche angegeben.
  • Route: Hier wird die Route, zum Beispiel eine Liste von ATS-routes eingetragen.
  • Zielflugplatz: In dieses Feld kommt der ICAO-Code des Zielflugplatzes.
  • Vorauss. Gesamtflugdauer: Hier wird die geschätzte Flugzeit in Stunden und Minuten als vierstellige Zahl angegeben.
  • Ausweichflugplatz: Hier trägt man den ICAO-Code des Ausweichflugplatzes ein, der angeflogen wird, falls der eigentliche Zielflugplatz geschlossen oder nicht anfliegbar ist.
  • 2. Ausweichflugplatz: Hier trägt man den ICAO-Code des zweiten Ausweichflugplatzes ein, der angeflogen wird, falls der erste Ausweichflugplatz geschlossen oder nicht anfliegbar ist.
  • Andere Angaben: Hier trägt man nötige Ergänzungen, zum Beispiel zum Luftfahrzeugtyp ein.

Ergänzende Angaben

  • Höchstflugdauer: Die Flugdauer, für deren Überbrückung genügend Treibstoff mitgeführt wird.
  • Pers. an Bord
  • Notfunkfrequenz: Hier trägt man ein, über welche Notfunkfrequenz(en) man im Notfall zu erreichen ist bzw. Funksprüche absetzen würde.
  • Rettungsausrüstung: Hier wird die Art der mitgeführten Rettungsausrüstung eingetragen.
  • Schwimmwesten: Hier wird die Art der mitgeführten Schwimmwesten eingetragen.
  • Schlauchboote: Hier trägt man Anzahl und Kapazität der mitgeführten Schlauchboote ein.
  • Farbe und Markierung d. Lfz.
  • Bemerkungen: In dieses Feld werden ggf. ergänzende Angaben zur Rettungsausrüstung gemacht.
  • Verantwortlicher Lfz.-Führer: Hier trägt man ein, wer für die Durchführung des Fluges verantwortlich ist (Pilot in Command).
  • Unterschrift d. Lfz.-Führers oder Berechtigten
  • Unterschrift FB: In dieses Feld gehört die Unterschrift der Person, die den Flugplan entgegengenommen hat.
  • Bemerkungen nicht zu übermitteln

Zusätzliche Angaben sofern erforderlich

  • Erreichbarkeit bis EOBT - Tel.
  • Erreichbarkeit bis EOBT - Fax
  • Bitte Beratung: Hier stehen zwei Felder zur Verfügung. Wird das linke angekreuzt, erhält man eine schriftliche Flugberatung, die Informationen enthält, die innerhalb der letzten 90 Tage in Kraft getreten sind. Wird das rechte Feld angekreuzt, welches mit dem Vermerk "3+" gekennzeichnet ist, erhält der Flugplanaufgeber Informationen über die 90 Tage hinaus.[2]

Flugplan in den USA[Bearbeiten]

In den USA können Piloten ihren Flugplan über ein Computersystem direkt bei der FAA einreichen: Direct User Access Terminal (Abkürzung DUAT).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Franzen: Kompaktlernprogramm BZF. Kuppenheim 2006, S. 194.
  2. Franzen: BZF. S. 184 ff.