Flugplatz Altes Lager

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Sonderlandeplatz „Altes Lager“
BW
Flugplatz Altes Lager (Brandenburg)
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Kenndaten
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 6,5 km westlich von Jüterbog
Basisdaten
Betreiber Drachenflieger Club Berlin e. V.
Start- und Landebahn
10/28 1600 m Beton

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Der Flugplatz Altes Lager war bis 1994 ein sowjetischer Militärflugplatz in Niedergörsdorf nahe Jüterbog.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Beim Schießplatz Jüterbog wurde in der Nähe von Altes Lager im Ersten Weltkrieg ein Luftschiffhafen errichtet. Dazu sind 1916 zwei Luftschiffhallen („Albrecht“ und „Baer“[2]) einschließlich der notwendigen Infrastruktur, wie Kasernen und einer Wasserstofferzeugungsanlage, gebaut worden. Nach dem Ersten Weltkrieg musste gemäß alliierter Bestimmungen die Nutzung aufgegeben werden. Eine Halle stürzte infolge unsachgemäßer Abrissarbeiten ein, wobei es Tote gab. Die andere wurde darauf hin von einem Fachbetrieb demontiert. Sie kam als Kriegsbeute an Japan und wurde in Kasumigaura wieder aufgebaut.

1933 wurde im Rahmen eines reichsweiten Aufrüstungsprogramms an dieser Stelle ein Fliegerhorst angelegt. Er lief unter der Tarnbezeichnung „Waldlager“. Der Luftwaffenstandort umfasste neben dem Flugplatz das Luftzeugamt 1/III, den Teil-Luftpark A Luftgau III, die Sanitäts-Lehr- und Versuchsabteilung der Luftwaffe und die Fliegertechnische Schule der Luftflotte 1 der deutschen Luftwaffe.[3] Erster Leiter und Kommandeur der Schule war Kurt Student. Als die Fliegertechnische Schule 1940 nach Warschau verlegt wurde, zog die inzwischen in Berlin gegründete Höhere Fliegertechnische Schule ins Waldlager. Die Wartung von Flugzeugen wurde bis 1943 eingestellt.[4] Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung ausgesuchter fliegender aktiver Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe die hier zwischen 1935 und 1945 stationiert waren.

Von Bis Einheit[5]
November 1943 Mai 1944 I./JG 302 (I. Gruppe des Jagdgeschwaders 302)
September 1944 Oktober 1944 Wekusta 51
November 1944 April 1945 II./NJG 11 (II. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 11)
Dezember 1944 April 1945 Stab, III./JG 300
März 1945 April 1945 I./LG 1

Am 20. April 1945 besetzten sowjetische Einheiten den Platz, nachdem sich die Belegschaft der Höheren Fliegertechnischen Schule als letzter deutscher Truppenteil zurückgezogen hatte, ohne jedoch die zur Sprengung vorbereiteten Gebäude zu zerstören. Die sowjetischen Luftstreitkräfte nutzten das Gelände anschließend noch bis Kriegsende als Frontflugplatz. Nach 1945 waren in Jüterbog verschiedene Einheiten stationiert, so das 196. Gardetransportfliegerregiment (1946–1947), der Stab der 4.  Gardejagdflieger- und der 114. Gardeschlachtfliegerdivision (1947–1949 bzw. 1949–51), das 779. und 985. Bombenfliegerregiment (1951) sowie das 886. selbstständige Aufklärungsfliegerregiment (1952–1953).[6]

Von 1953 bis 1994 wurde der Flugplatz als Standort des sowjetischen 833. Jagdfliegerregimentes[2] (833. IAP) der 16. Luftarmee, von der Westgruppe der Sowjetarmee betrieben und kontinuierlich ausgebaut[7]. Von 1966 bis Mitte der 1980er-Jahre waren hier Kampfflugzeuge vom Typ MiG-21 stationiert.[1] Ab 1984 wurden diese durch MiG-23 ergänzt[8]. Ab 1966 nutzten verschiedene Hubschrauber- bzw. Kampfhubschraubereinheiten ebenfalls den Platz.

Ab 1996 wurde das Fluggelände vom Drachenfliegerclub Berlin von der Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung angemietet und 1999 schließlich käuflich erworben.[9]. Das Fluggelände wird seitdem hauptsächlich von Drachen- und Gleitschirmpiloten genutzt.

Interessantes und Bemerkenswertes[Bearbeiten]

Möglicherweise wurde der Flugplatz auf dem Gelände der Nellis Air Force Range in Nevada mehrfach als Übungsziel nachgebaut . Im Bereich der Tolicha Peak Electronic Combat Range befinden sich zwei als Flugplätze erkennbare Bodenzielanlagen (37° 21′ 50″ N, 116° 49′ 46″ W37.363847-116.829557 und 37° 25′ 50″ N, 116° 51′ 14″ W37.430433-116.853805), die in den charakteristischen Merkmalen (Anordnung der Rollwegschleifen, Anordnung und Ausrichtung der drei Großhangaranlagen im nördlichen Teil) mit dem Flugplatz „Altes Lager“ übereinstimmen.[1] Ein besonderes Merkmal des Flugplatzes war die große Anzahl von Parkflächen für Helikopter und Kampfflugzeuge südlich der Start- und Landebahn.

Literatur[Bearbeiten]

  • Henrik Schulze: Geschichte der Garnison Jüterbog 1864–1994. 'Jammerbock'. Biblio-Verlag, Osnabrück 2000, ISBN 3-7648-2550-2.
  • Lutz Freundt, Stephan Büttner: Rote Plätze. Russische Militärflugplätze. Deutschland 1945–1994. AeroLit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4.
  • Lutz Freundt: Sowjetische Fliegerkräfte Deutschland 1945–1994. Flugplätze (Teil 2) und Truppenteile. Eigenverlag, Diepholz 1998, ISBN 3-00-002665-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Military Airfields (Jüterbog/Altes Lager)
  2. a b Garnisongeschichte Jüterbog St. Barbara e.V. - Baer
  3. Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 1. Berlin & Brandenburg. VDM, Zweibrücken 2001, ISBN 3-925480-52-8, S. 187–188.
  4. Garnisongeschichte Jüterbog St. Barbara e.V. - HFS
  5. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Germany (1937 Borders), S. 315–317, abgerufen am 18. September 2014
  6. Lutz Freundt, Stephan Büttner: Rote Plätze. Russische Militärflugplätze. Deutschland 1945–1994. Fliegerhorste, Aerodrome, Militärbrachen. AeroLit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 166.
  7. Garnisongeschichte Jüterbog St. Barbara e.V. - Geschichte
  8. Unit History, United States Military Mission, declassified intelligence report
  9. Chronologie eines Vereins. Abgerufen am 16. Juli 2011.