Flugplatz Cottbus-Nord
| Flugplatz Cottbus-Nord | |
|---|---|
| Kenndaten | |
| ICAO-Code | ETHT |
| Koordinaten |
51° 46′ 7″ N, 14° 17′ 43″ O51.76861111111114.29527777777867Koordinaten: 51° 46′ 7″ N, 14° 17′ 43″ O
67 m ü. MSL |
| Verkehrsanbindung | |
| Entfernung vom Stadtzentrum | 2 km nordwestlich von Cottbus |
| Basisdaten | |
| Betreiber | Flugplatzmuseum Cottbus |
| Start- und Landebahn | |
| 08/26 | 2360 m × 60 m Beton |
Der Flugplatz Cottbus-Nord ist ein ehemaliger Militärflugplatz im Nordwesten der Stadt Cottbus. In den 1920er Jahren zur zivilen Nutzung errichtet, wurde er ab den 1930er Jahren nachfolgend von der Wehrmacht, der Roten Armee, der NVA, und der Bundeswehr genutzt.
Die Bauten aus der nationalsozialistischen Zeit auf dem Flugplatz Cottbus wurden nach dem Zweiten Weltkrieg weiterverwendet, Neubauten in der DDR-Zeit errichtet und nach der Wiedervereinigung ebenfalls genutzt.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Erster Weltkrieg und 1920er Jahre [Bearbeiten]
Bereits im Ersten Weltkrieg war ein östlich der Burger Chaussee befindliches Gelände von Februar 1917 bis Juli 1919 von der FEA 12 (Fliegerersatzabteilung) zur Schulung von Flugzeugführern verwendet worden. Auf Betreiben der ILÜK musste der Flugbetrieb nach Kriegsende jedoch eingestellt und die Flugplatzgebäude abgerissen werden.
Im Dezember 1925 wurde die Errichtung eines Verkehrsflugplatzes im Norden von Cottbus beschlossen. Eine erste fliegerische Nutzung des Areals erfolgte ab dem 23. Mai 1927 als Verkehrslandeplatz der „Riesengebirgslinie“ der Luft Hansa.
1930er Jahre und Zweiter Weltkrieg [Bearbeiten]
Ab Mai 1933 entstanden erste Pläne zur militärischen Nutzung des Flugplatzes und ab dem Herbst wurden im nördlichen Teil die ersten Unterkünfte und Wartungshallen durch den Deutschen Luftsportverband errichtet, nachdem der zivile Luftverkehr am 30. September offiziell eingestellt worden war. Aus Verschleierungsgründen, Deutschland war zu dieser Zeit der Besitz einer Luftwaffe verboten, agierte die im Februar 1934 aufgestellte Flugzeugführerschule als „Deutsche Verkehrsfliegerschule Cottbus“ oder „Fliegerübungsstelle Cottbus des Deutschen Luftsportverbandes“. Am 15. Mai 1934 war der Ausbau abgeschlossen und es erfolgte die Aufstellung einiger Auklärungseinheiten. 1938 entstanden weitere Gebäude auf dem ehemaligen FEA-12-Areal. Im Oktober 1938 wurde in Cottbus aus Teilen der Schlachtgruppe 40 die I. Gruppe des KG 252 aufgestellt und mit Do-17M-Bombern ausgerüstet. Auch erfolgte die Verlegung der mit Ju 87 ausgerüsteten I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders Immelmann. Beide Einheiten verlegten im Mai bzw. August 1939 auf andere Plätze. Stattdessen wurde in Vorbereitung des Polenfeldzugs die I. Gruppe des Sturzkampfgeschwader 76 stationiert, die wenige Tage später am 15. August 1939 beim Neuhammer Stuka-Unglück 13 ihrer Sturzkampfflugzeuge samt Besatzungen verlor. 1939 wurden die drei sternförmig angelegten Start- und Landebahnen befestigt.
Vom 1. November 1939 bis zum 1. Oktober 1941 lag das Fluganwärterregiment 82 am Platz und bildete Piloten aus. Im Rahmen der Vorbereitungen zum Überfall auf die Sowjetunion diente Cottbus zur Zwischenstationierung und Auffüllung wiederum von Stuka-Einheiten. Ab Anfang Juni 1941 waren das die III./StG 1 sowie Stab und I./StG 2.
1941 siedelte sich die Focke-Wulf GmbH am Platz an und betrieb bis Kriegsende mit etwa 4000 Beschäftigten die Montage des Fernaufklärers Fw 200C und des Jagdflugzeuges Fw 190 sowie dessen Nachfolgemodells Ta 152. 1944 wurde der Platz am 11. April und am 25. Mai zweimal durch US-amerikanische Flugzeuge angriffen, jedoch nur gering beschädigt. Allerdings wurden die Produktionsanlagen zu 50 % zerstört. Der Ausstoß konnte jedoch nach kurzer Zeit auf 60 % seines Anfangsstandes hochgefahren werden. Im Februar 1945 wurde die Fertigung aufgrund des nahen Frontverlaufs eingestellt.
Mit dem Näherrücken der sowjetischen Truppen wurde Cottbus-Nord ab Januar 1945 Frontflugplatz und von verschiedenen Einheiten genutzt, hauptsächlich durch Teile des Schlachtgeschwaders 77, die mit Schlachtflugzeugen Ju 87G Einsätze gegen die Rote Armee flogen.
Am 23. April 1945 besetzten Einheiten der Roten Armee das Gelände.
Nutzung durch die Rote Armee [Bearbeiten]
Nach der Einnahme des Flugplatzes nutzten die sowjetischen Luftstreitkräfte diesen in den letzten Kriegstagen als Einsatzflugplatz. Stationiert waren verschiedene mit Jak-3, Jak-9 und La-5 ausgerüstete Jagdfliegerregimenter. Anschließend waren bis 1949 Schlachtfliegereinheiten stationiert, die durch Bomberverbände abgelöst wurden. Diese blieben bis 1952. Das 20. Gardejagdfliegerregiment kam im gleichen Jahr nach Cottbus und übernahm die Ausbildung der ersten KVP-Angehörigen. Die letzten sowjetischen MiG-15-Jäger verlegten bis Oktober 1953 auf andere Plätze der GSBT und der Flugplatz wurde unter deutsche Verwaltung gestellt.
Nutzung durch die NVA [Bearbeiten]
Ab 1950 waren die Kriegsschäden beseitigt und der Flugplatz durch Ankauf von Land im Westteil vergrößert worden. Die in Ost-West-Richtung verlaufende Start- und Landebahn wurde 1950/51 verlängert. Die beiden anderen wurden nicht mehr genutzt, sind aber heute noch erkennbar. Am 16. August 1952 wurden in Cottbus das 1. Jagdfliegerregiment aufgestellt und ab 1. Oktober die ersten Piloten für die KVP-Luft – anfangs noch durch sowjetische Lehrer – ausgebildet. Cottbus-Nord gilt somit als Wiege der NVA-Luftstreitkräfte. 1956 musste die Start- und Landebahn wegen des Einsatzes von Strahlflugzeugen der im selben Jahr gegründeten NVA in westlicher Richtung verlängert werden. 1970 wurde Cottbus-Nord nochmals modernisiert und ausgebaut. Von 1956 bis 1982 war das aus dem 1. Jagdfliegerregiment hervorgegangene Jagdfliegergeschwader 1 der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee in Cottbus stationiert. Auch das Jagdfliegergeschwader 2 der 1. LVD wurde in Cottbus aufgestellt und 1961 zum heutigen Fliegerhorst Trollenhagen verlegt. Für Mitte der 1970er Jahre waren weitere Ausbaustufen vorgesehen, die jedoch nicht verwirklicht wurden. Der Einstellung der Baumaßnahmen vorausgegangen war ein Flugzeugabsturz am 14. Januar 1975 über dem Stadtgebiet von Cottbus, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen[1] (siehe unten), was schließlich zur Beendigung der Nutzung des Platzes für Flächenflugzeuge führte. Das JG-1 wurde am 23. November 1982 auf den Flugplatz Holzdorf verlegt. Stattdessen erfolgte ab dem 1. Dezember die Stationierung des neu gebildeten KHG-67 (Kampfhubschraubergeschwader, 1986 in KHG-3 umbenannt).
Flugzeugabsturz vom 14. Januar 1975 [Bearbeiten]
Am 14. Januar 1975 stürzte eine MiG-21PFM/SPS des JG-1 mit der taktischen Nummer 849 (Seriennummer 94 5115, Indienststellung im März 1966) über Cottbus ab. Während des Landeanfluges waren nach einem routinemäßigen Werkstattflug beim Ausfahren des Fahrwerkes Schwierigkeiten aufgetreten. Während das Flugzeug anschließend über der Stadt kreiste, versuchte der Pilot Peter Makowicka das Fahrwerk auszufahren. Dies gelang ihm schließlich, dadurch wurde aber eine nicht ordnungsgemäß verschlossene Wartungsklappe zum Vorverdichter im Fahrwerksschacht abgerissen – sie war wahrscheinlich mit nur vier statt der vorgeschriebenen 36 Schrauben befestigt –, was zu einer Störung der Luftströmung zum Triebwerk hin führte und es schließlich ausfallen ließ.[2] Peter Makowicka blieb trotz dreimaliger Aufforderung des Flugleiters, sich zu katapultieren, in der Maschine und versuchte, diese vom dichtbesiedelten Cottbuser Stadtgebiet wegzusteuern, schaffte es jedoch nicht. Schließlich stürzte das Flugzeug etwa 1500 Meter vor der Landebahn im Stadtteil Altschmellwitz in ein Haus in der Schmellwitzer Straße und blieb in der Traufseite stecken. Fünf polnische Gastarbeiterinnen, die sich zu diesem Zeitpunkt in dem als Wohnheim des Cottbuser Textilkombinates dienenden Gebäude befanden, kamen ums Leben. Makowicka fand ebenfalls den Tod. Da weitere Abstürze aufgrund der über dem Norden der Stadt verlaufenden Einflugschneise für die Zukunft nicht auszuschließen waren, war dieser Unfall letztendlich der Auslöser dafür, dass 1982 das Jagdgeschwader 1 aus Cottbus verlegt wurde. Stattdessen wurde das Kampfhubschraubergeschwader 3 bis zur Auflösung der NVA dort stationiert.
Nachwendezeit und Wiedervereinigung [Bearbeiten]
Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurden aus dem KHG-3 ab März 1991 die Heeresfliegerstaffeln Ost und 70 der Bundeswehr gebildet, die im Oktober 1993 die Heeresfliegerverbindungs- und Aufklärungsstaffel 400 bildeten und bis 2002 in Cottbus blieben. Besondere logistische Bedeutung erlangte der Standort während des Oderhochwassers 1997. Im April/Mai 2003 verlegte die mittlerweile in Heeresfliegerstaffel 1 umbenannte Einheit zum Fliegerhorst Holzdorf und bildete dort quasi die Grundlage für eine noch heute bestehende militärische Nutzung des Areals in Holzdorf.
In den 1990er Jahren gab es Bestrebungen, Cottbus-Nord als Verkehrslandeplatz zu etablieren und auch die Bundeswehr dachte über eine Nutzung als Wartungsplatz für die von der NVA übernommenen MiG-29-Kampfflugzeuge nach, doch scheiterten alle Pläne am Widerstand der Cottbuser Stadtverwaltung, die Cottbus-Drewitz trotz seiner ungünstigeren Lage als regionalem Zivilflugplatz den Vorzug gab. Seit dem 11. Juni 2003 ist der Flugplatz geschlossen. Im Südteil des Geländes befindet sich heute ein Luftfahrtmuseum. Die teils historischen Gebäude werden entweder von ansässigen Unternehmen genutzt oder sind, insofern sie leerstehen, dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Auf einem Teil des Areals wurde eine Solaranlage errichtet. Zurzeit entsteht auf dem Gelände ein „Technologie- und Industriepark“.
Gebäude- und Anlagenbestand [Bearbeiten]
Der Gebäude- und Anlagenbestand des Flugplatzes kann in drei Bereiche unterteilt werden. Der erste Bereich besteht aus den Flugbetriebsflächen mit der im südlichen Teil des Flugplatzgeländes gelegten betonierten Start- und Landebahn, der einstigen Vorstartlinie und des ehemaligen Hubschrauberlandeplatzes sowie den erforderlichen Freiflächen.
Der benachbarte zweite Bereich ist durch die technischen Anlagen und Gebäude für den Flugbetrieb gekennzeichnet, insbesondere durch die Flugzeughallen, den Tower, Kfz-Garagen und anderen technischen, für den Flugbetrieb notwendige Funktionsbauten. Dieser Bereich erstreckt sich am Flugfeld entlang bis zur Burger Chaussee.
Im dritten Bereich, der sich dem technischen Bereich anschließt, befinden sich Betriebsgebäude, Wirtschaftsgebäude, die Stabs- und Unterkunftsgebäude, sowie die Flugplatzhaupteinfahrt mit der Wache. Überdies sind hier eine Turnhalle und ein Sportplatz vorhanden. Dieser Bereich ist durch eine ungeordnete, aufgelockerte Bauweise gekennzeichnet.
Denkmalwert des Flugplatzes [Bearbeiten]
Auf der Basis des Gutachtens des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalschutz vom 13. November 2000 zum Denkmalwert des Flugplatzes Cottbus-Nord, insbesondere den Bestandteilen der ehemaligen „Flugzeugführerschule Cottbus“, erfolgte die Denkmaleintragung in die Denkmalschutzliste des Landes Brandenburg.
Die Gesamtanlage besteht aus den erhaltenen Gebäude der ehemaligen Fliegerstation von 1914/16, der ehemaligen Flugzeugführerschule Cottbus von 1933/35 und den Erweiterungsbauten von 1938/40. Die Vollständigkeit des erhaltenen Militärkomplexes aus den Jahren 1933/35 und 1938/40 mit seiner nationalsozialistischen Kasernenarchitektur dokumentiert ausdrucksvoll die Entfaltung des Kasernenbaues in den 1930er Jahren. Zugleich zeigen diese Bauten die traditionsreiche Vergangenheit der Garnisonstadt Cottbus. Dadurch ist der Flugplatz Cottbus-Nord von wissenschaftlicher Bedeutung bei der Erforschung der Militärgeschichte des Landes Brandenburg und der Stadt Cottbus.
Die Gesamtanlage in ihrer Struktur, in Wohn- und Verwaltungsbauten einerseits sowie technischen Zweckbauten anderseits, das Flugfeld und die Gestaltung und Gliederung von Freiflächen besitzen raumbildende Wirkung. Dadurch kommt dem Gesamtkomplex der gewachsenen Anlage mit der Stellung der einzelnen Baukörper zueinander und der unterschiedlich strukturierten Bauten städtebaulicher und baugeschichtlicher Wert zu.
Die Bauart des Nationalsozialismus hatte kein geschlossenes Architekturprogramm. In den Bauten der Flugzeugführerschule Cottbus spiegeln sich die „Modernen Bauformen“ der 1920er Jahre wider. Diese Bauformen sind durch einfache Grundrisse und Proportionen, eine schlichten Gestaltung mit Flachdächern und Fensterreihungen gekennzeichnet. Es wurde Wert auf eine repräsentative Wirkung gelegt, die der Nutzung entspricht. Zugleich bewirkt die Verwendung von sich wiederholenden Gestaltungsdetails wie Verklinkerungselementen die Einheit des Gebäudekomplexes.
Ein bestimmtes „Elite- und Standesdenken“ sollten die Kasernenbauten der Fliegerhorste hervorrufen. Diese Repräsentationsabsicht wird in der Gestaltung der Eingangsbereiche der Unterkunftsbauten recht eindeutig, indem die Architekturströmung des „Monumentalklassizismus“ realisiert wurde. In den Gebäuden wird in der vorhandenen Originalität die Einflussnahme des „Neuen Bauens“ in der Militärarchitektur der 1930er Jahre dokumentiert. Dadurch kommt diesen Bauten eine architekturgeschichtliche und baukünstlerische Bedeutung zu. Die technischen Zweckbauten wie die Flugzeughallen, der Tower und der Motorenprüfstand mit ihrer erhaltenen großen Originalität sind einzigartig im Land Brandenburg. Folglich kommt diesen Bauten militär-, verkehrs- und bauhistorischer Wert zu. Die Bauten nach 1938 werden als Massenarchitektur typisiert und funktional sowie preisgünstig betrachtet. Sie sind ein Bestandteil der Gesamtanlage, demnach sind sie von architektur- und militärgeschichtlichem Interesse.
Literatur [Bearbeiten]
- Thomas Bußmann: Stahlbeton, Gras und Bahnbefeuerung – Die militärisch genutzten Flugplätze der DDR. MediaScript, Cottbus, Berlin 2011, ISBN 978-3-9814822-0-1.
- Hans-Peter Arlt: Der Heeresflugplatz Cottbus und dessen Umnutzung. Masterarbeit, Studiengänge Bauen & Erhalten und World Heritage Studies, Lehrstuhl Denkmalpflege, BTU-Cottbus, 2001.
- Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 1: Berlin & Brandenburg. VDM Heinz Nickel, Zweibrücken 2001, ISBN 3-925480-52-8.
Weblinks [Bearbeiten]
- Seite des Museums
- Webseite zum Flugplatz
- Webseite zum geplanten Industriegebiet
- Luftaufnahme des Flugplatzes vom 19. April 2009
- Seite zur LSK/LV NVA
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Flieger Revue Nr. 5/2000, S. 62
- ↑ Details zum MiG-21-Absturz