Flugplatz Fürstenfeldbruck

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Flugplatz Fürstenfeldbruck
Fürstenfeldbruck Airfield Aerial.jpg
Kenndaten
ICAO-Code ETSF
IATA-Code FEL
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 4 km nördlich von Fürstenfeldbruck,
23 km westlich von München
Straße B 471
Nahverkehr S-Bahn-Station Maisach
Basisdaten
Eröffnung 1936
Betreiber Flugplatz Fürstenfeldbruck Betriebsgesellschaft mbH
Fläche 250 ha
Start- und Landebahn
09/27 2744 m × 46 m Beton



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Der Flugplatz Fürstenfeldbruck ist ein ehemaliger Fliegerhorst der Luftwaffe der Wehrmacht und später der Luftwaffe der Bundeswehr. Bis zu seiner rechtskräftigen Entwidmung wurde er für zivile Kleinflugzeuge bis zu einem Maximalgewicht von 2000 kg genutzt.

Lage[Bearbeiten]

Der Flugplatz liegt verkehrsgünstig an der Bundesstraße 471 hauptsächlich auf dem Gelände der Gemeinde Maisach und zum kleinen Teil auf dem der Stadt Fürstenfeldbruck. Somit kann man die Bundesautobahn 8 innerhalb von 10 km und die A 96 in 16 km erreichen. Die S-Bahn-Station Maisach der S-Bahn München liegt in direkter Nähe des Flugplatzareals.

Geschichte[Bearbeiten]

1935 begannen im Zuge der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung der Wehrmacht die Bauarbeiten für die Luftkriegsschule (LKS) 4 der Luftwaffe. Die LKS gehörte zu den militärischen Prestigeobjekten in Bayern. Mit einem Umfang von 40 Millionen Reichsmark sollte auf dem Fliegerhorst die größte Fliegerschule des Deutschen Reichs errichtet werden. Den Repräsentationsbauten lagen Pläne von Ernst Sagebiel zu Grunde, die Unterrichts- und Unterkunftsgebäude wurden von Robert Roskothen entworfen. Auch bei den Luftwaffenbauten der LKS 4 setzte sich der Stil der Bayerischen Postbauschule, die von Robert Vorhoelzer geprägt wurde, fort, da viele Architekten aus der Bauabteilung der Oberpostdirektion ab 1935 in die Bauämter der Luftwaffe überwechselten. Architektonische Besonderheiten auf dem Fliegerhorst bilden der 998 Meter lange sogenannte „Kilometerbau“ und der Turmbau am Schulungsgebäude.

Im Fahnensaal befinden sich noch heute Wandmalereien von Albert Burkart mit Motiven aus dem Nibelungenlied. Der LKS angeschlossen war der Flugplatz mit vier Flugzeughallen, Werfthalle und Waffenmeisterei. 1937 übernahm die Luftwaffe den neuen Fliegerhorst. 1943 wurde eine Betonbahn angelegt, die 1945 für den Me-262-Einsatz hergerichtet wurde. Am 9. April 1945 zerstörten amerikanische Bomber die Startbahn.

Die folgende Tabelle zeigt die vollständige Auflistung aller fliegenden aktiven Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht die hier zwischen 1939 und 1945 stationiert waren.

Von Bis Einheit[1]
August 1939 Oktober 1939 JG 71 (Jagdgeschwader 71)
Oktober 1939 Oktober 1939 II./JG 51 (II. Gruppe des Jagdgeschwaders 51)
Oktober 1939 Februar 1940 III./KG 27 (III. Gruppe des Kampfgeschwaders 27)
März 1940 April 1940 I./KG 55
November 1944 April 1945 Erprobungskdo. Kolb
März 1945 April 1945 II./KG(J) 54
April 1945 April 1945 III./JG 53
16. April 1945 28. April 1945 Sonderkommando “Bienenstock”

Im April 1945 besetzten amerikanische Truppen den Fliegerhorst, die ihn fortan zunächst als Airfield R.72 bezeichneten. Die USAAF übernahmen das Gelände und nutzten es als Militärflugplatz. Während der Berlinkrise verlegte im Sommer 1948 kurzzeitig die mit Langstreckenbombern B-29 ausgerüstete 301st Bombardment Group nach Fürstenfeldbruck. Das Jagdgeschwader 36th Fighter Wing der USAF war hier bis 1952 stationiert, danach das Ausbildungsgeschwader 7330th Flying Training Wing. In den Jahren 1952/1953 diente Fürstenfeldbruck als Ausweichplatz für RF-80, deren Heimatbasis bei Toul sich noch im Ausbau befand. Bis 1957 baute die US-Luftwaffe den Fliegerhorst „Fursty“ aus.

Ab 1956 erfolgte der Aufbau der Luftwaffe der Bundeswehr, Fürstenfeldbruck wurde unter anderem durch Aufstellung der Flugzeugführerschule „B“ zur „Wiege der Luftwaffe“. Am 24. September 1956 erhielten dort die ersten zehn deutschen Flugzeugführer ihr Flugzeugführerabzeichen. Am 13. November 1956 wurden die ersten 20 Einsatzflugzeuge vom Typ F-84 F in „Fursty“ der Luftwaffe übergeben. Am 14. Dezember 1957 übernahm die Luftwaffe den Fliegerhorst.

Im Juli 1958 nutzte die US Air Force im Zusammenhang mit der Libanonkrise 1958 den Flugplatz zur Verlegung von US-Kräften (US Army Task Force 210) zum Luftwaffenstützpunkt Adana in der Türkei und von dort aus nach Beirut.

1961 befanden sich 19 selbstständige Dienststellen auf dem Fliegerhorstgelände.

1962 wurde außerhalb des militärischen Bereichs nach einem Entwurf des Architekten Ernst Zinsser in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Kurt Lehmann das Ehrenmal der Luftwaffe für die Toten der Luftstreitkräfte und der Luftfahrt errichtet.

1964 verlegte die Waffenschule der Luftwaffe 50 vom Fliegerhorst Erding nach Fürstenfeldbruck.

1967 waren Flugzeuge, die sich im Landeanflug befanden, Auslöser des sogenannten Pasinger Knödelkriegs, der schließlich zu anderen Flugrouten jenseits des nahe gelegenen Pasing führte.

Denkmal vor dem Fliegerhorst für die Opfer der missglückten Befreiung bei der Geiselnahme von München 1972

Während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München scheiterte auf dem Flugplatz die Befreiung von als Geiseln genommenen israelischen Athleten. 1974 begannen die Bauarbeiten für einen neuen Gebäudekomplex für die Offizierschule der Luftwaffe, die 1977 von Neubiberg nach Fürstenfeldbruck umzog.

1978 wurde die Waffenschule der Luftwaffe 50 in Jagdbombergeschwader 49 umbenannt. 1994 wurde der Verband außer Dienst gestellt und zeitgleich als Fluglehrgruppe Fürstenfeldbruck neu aufgestellt. Am 30. Juni 1997 endete mit deren Auflösung der Flugbetrieb mit dem platzeigenen Luftfahrzeugmuster Alpha Jet. Endgültig stellte die Luftwaffe den militärischen Flugbetrieb in Fürstenfeldbruck am 30. September 2003 ein und löste die für den Flugbetrieb notwendigen Teileinheiten auf. 2007 wurde der nördliche Teil des Flugplatzes mit der Start- und Landebahn vom Flugbetriebs- und Kasernenbereich abgetrennt und am 1. April 2008 aus dem Zuständigkeitsbereich des Bundesministers der Verteidigung an das Finanzressort abgegeben. Den verbleibenden südlichen Teil des Geländes nutzen weiterhin zahlreiche Dienststellen der Bundeswehr bis die am 28. Oktober 2011 durch das Stationierungskonzept der Bundeswehr bekanntgegebene Aufgabe des Standorts umgesetzt wird. Die Schließung der Basis ist für 2019 festgelegt worden.[2]

Zivile Nutzung[Bearbeiten]

Der private Betreiber bemühte sich um eine Genehmigung für die zivile Nachfolgenutzung für Flugzeuge der allgemeinen Luftfahrt bis 5,7 t Gesamtgewicht und hat dazu am 13. Juni 2006 einen Antrag bei der Regierung von Oberbayern eingereicht. Das für Flugbetrieb genutzte Gelände verkleinert sich damit um 65 %, der Fluglärm reduziert sich um bis zu 95 % im Vergleich zum militärischen Flugbetrieb.

Es gibt verschiedene Konzepte für die weitere Zukunft des Flugplatzes:

  1. das von der FFB Betriebsgesellschaft[3] im Auftrag der Staatsregierung verfolgte Konzept eines Verkehrslandeplatzes für den Ballungsraum München, der seit 1994 als Ersatz für die Aussperrung der Allgemeinen Luftfahrt vom Verkehrsflughafen München vorgesehen war. Ungeklärt ist hier der Ausgang von Gerichtsverfahren (u. a. Kündigung des Mitbenutzungsvertrags) und die Investorensuche.
  2. Das Konzept der Gemeinde Maisach, zusammen mit der BMW Group, ein Fahrtrainingszentrum zu errichten, wurde inzwischen realisiert. Nach entsprechend umfangreichen Bauarbeiten wurde die BMW und Mini Driving Academy Maisach im nordöstlichen Teil des ehemaligen Flugbetriebsbereich der Luftwaffe eröffnet.
  3. Das Konzept der Bürgerinitiative Aufsteigen mit Fürsty e. V.[4] von 2008, das naturschutz-verträglich ist, den Flugbetrieb erhält und Fahrtraining zugleich möglich macht. Damit ist es im Sinne des Landtagsbeschlusses von 2008 dasjenige Konzept, das für die Ansiedlung der meisten Arbeitsplätze im Kreis Fürstenfeldbruck dem – wirtschaftlich gesehen – Schlusslicht in der Region mit einem Pendleranteil von 85 %. Ungeklärt ist auch hier der Ausgang von Gerichtsverfahren (u. a. Kündigung des Mitbenutzungsvertrags) und die Investorensuche. Auch dieses Konzept enthält den Betrieb der Rundkurse und Teststrecken an sieben Tagen pro Woche von 8 bis 22 Uhr. Zusätzlich zu dieser Lärmbelastung haben Anwohner mit dem Fluglärm niedrig fliegender Kleinflugzeuge zu rechnen.

Im Jahr 2008 kündigte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben den Mitbenutzungsvertrags der FFB GmbH zum 14. April 2009, eine entsprechende Räumungsklage ruhte.[5]

2009 strich die Staatsregierung die Umwandlung des Militärflugplatzes Fürstenfeldbruck in einen Zivilflugplatz aus dem Landesentwicklungsplan.[6] Die Wehrbereichsverwaltung Süd gab die Entwidmung des Flugplatzes zum 31. Januar 2010 bekannt. Die Betriebsgesellschaft hatte jedoch der Entwidmung widersprochen. Dieser Widerspruch hatte aufschiebende Wirkung.

Im Jahr darauf stieg die Industrie- und Handelskammer als Gesellschafter der Flugplatz Fürstenfeldbruck Betriebsgesellschaft mbH aus. Als Grund wurden die mangelnden Erfolgsaussichten einer Errichtung eines Verkehrslandeplatzes genannt. Der 10-%-Anteil an der Gesellschaft wurde an die AOPA-Germany abgetreten.[7] Im Juni wurde für das Gelände durch die Wehrbereichsverwaltung Süd der Sofortvollzug der Entwidmung als Flugplatz angeordnet.[8] Damit wurde auch dem aufschiebenden Widerspruch der Betriebsgesellschaft nicht stattgegeben. Am 22. Juni wurde der Flugbetrieb aufgrund des Sofortvollzugs der Entwidmung eingestellt. Im Juli wurde dem Widerspruch der Betriebsgesellschaft gegen die Entwidmung nicht stattgegeben. Gegen diesen Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs gibt es kein Rechtsmittel.[9] Damit endete die zivile Mitbenutzung und die Planungshoheit ging an die Gemeinde Maisach über.

Konzept zur zukünftigen Nutzung[Bearbeiten]

Das Maisacher Nutzungskonzept sieht eine Teilverlegung des FFH-Gebietes auf dem Flugplatzgelände vor. Stattdessen soll das BMW-Fahrertrainingszentrum (Umzug im September 2012 von Erding), eine Trabrennbahn, ein Fahrtraining für die Polizeischule und eine Umgehungsstraße von Gernlinden/Maisach angelegt werden. Eine fliegerische Nutzung des freigewordenen Flugplatzgeländes durch die Flugsportgruppe der Bundeswehr[10] mit ca. 10.000 Bewegungen pro Jahr ist angestrebt und wird von CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen unterstützt.

Literatur[Bearbeiten]

  • hrsg. für den Standort Fürstenfeldbruck: 50 Jahre Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Flugtag. Tag der offenen Tür, Samstag, 12. Oktober 1985. Mönch, Waldesch 1985.
  • John Zimmermann: Der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck im „Dritten Reich“. In: Ferdinand Kramer, Ellen Latzin (Hrsg.): Fürstenfeldbruck in der NS-Zeit. Eine Kleinstadt bei München in den Jahren 1933 bis 1945 (= Fürstenfeldbrucker Historische Studien, Band 1). Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2233-2, S. 385–435.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Germany (1937 Borders), S. 197–198, abgerufen am 28. August 2014
  2. www.sueddeutsche.de Süddeutsche Zeitung: „Abzugspläne werden konkret Luftwaffe bleibt bis 2019“, 12. Juni2012.
  3. http://www.flugplatz-fursty.de
  4. http://www.aufsteigen-mit-fuersty.de
  5. www.landesentwicklung.bayern.de (PDF)
  6. http://www.bayern.de/Pressemitteilungen-.1255.10125201/index.htm
  7. IHK-Vollversammlung März 2010
  8. merkur-online.de abgerufen am 21. Juni 2010.
  9. http://www.vgh.bayern.de/BayVGH/documents/PM-20100726.pdf
  10. fursty.de