Flugplatz Mainz-Finthen

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Flugplatz Mainz-Finthen
Flugplatz Mainz-Finthen Luftbild Verkehrslandeplatz EDFZ Foto 2008 Wolfgang Pehlemann Wiesbaden IMG 0296.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDFZ
Koordinaten
49° 58′ 8″ N, 8° 8′ 54″ O49.9689305555568.1483361111111232Koordinaten: 49° 58′ 8″ N, 8° 8′ 54″ O
232 m ü. MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 9 km südwestlich von Mainz
Basisdaten
Eröffnung 1939
Betreiber Flugplatz Mainz-Finthen Betriebs GmbH
Start- und Lande-Bahnen
08/26 1000 m × 22 m Asphalt
08R/26L 1000 m × 80 m Gras

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Der Flugplatz Mainz-Finthen, Funkrufzeichen Mainz-Info, Frequenz 122.925, (ICAO-Code EDFZ) ist ein Verkehrslandeplatz ohne Kontrollzone in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Betreiber ist die Flugplatz Mainz Finthen Betriebs GmbH im Auftrag des früheren Betreibers, des Luftfahrtverein Mainz e. V.. Der Flugplatz war der einzige Verkehrslandeplatz in Deutschland, der in der Zeit von 1993 bis zum 1. August 2008 von einem gemeinnützigen Verein betrieben wurde.

Geschichte des Flugplatzes[Bearbeiten]

Zerstörtes Flugzeug im April 1945

Das Besondere am Flugplatz Mainz Finthen ist, dass er im Zweiten Weltkrieg als runder Grasplatz für Nachtjagdflugzeuge (→ Nachtjagdgeschwader 5) gebaut wurde und auf seiner gesamten Fläche über ein effizientes Entwässerungs- und Drainagensystem verfügt - dieses ist kreisförmig mit einem Durchmesser von etwa 1,2 km auf dem gesamten Flugplatz angelegt. Hierzu wurden sowohl der Reichsarbeitsdienst (von 1939 bis 1942) als auch männliche Zwangsarbeiter zweier Außenstellen (Finthen 1 und Finthen 2) des SS-Sonderlager Hinzert (vor allem von 1942 bis 1945) eingesetzt. In die Oberfläche des Flugplatzes wurden sehr große Mengen Hochofenschlacke (mehr als 60 Eisenbahnwaggonladungen) eingegraben und dazwischen ein netzartiges Drainagensystem verlegt, das die schnelle Entwässerung des gesamten Flugplatzgeländes, auch der inzwischen ungenutzten Flächen, bewirkt. Für die Anlage des Flugplatzes wurde der gesamte Finther Wald gerodet.

Nach dem Krieg übernahm zunächst die französische Armee den Flugplatz und baute die 1000 m lange Asphaltbahn für ihre Heeresflieger Aviation légère de l’armée de terre. Ein Nutzer in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre war die Ecole de Spécialisation de l’Aviation Légère d’Observation d’Artillerie, eine Ausbildungseinrichtung für Artilleriebeobachter.

Nach deren Abzug übernahmen die Amerikaner den Flugplatz, der fortan als Finthen Army Airfield (FAA Mainz-Finthen) bezeichnet wurde. Die US Army stationierte ab Mitte der 70er Jahre die 205th Assault Support Helicopter Company (ASHC) "Geronimos" mit etwa 20 Hubschraubern, wobei es sich mehrheitlich um CH-47C Chinooks handelte. Ab 1988 wurde diese Einheit nach Mannheim verlegt und hier durch die 295th ASHC "Cyclones" abgelöst. Im Zusammenhang mit der Reorganisation der US Streitkräfte wurde das Finthen Army Airfield in der Zeit vom Dezember 1991 bis September 1992 stillgelegt und nach der Räumung durch die US Army im November 1992 an die Bundesrepublik Deutschland bis auf eine Radarstation und ein kleines Trainingsgelände zurückgegeben.

Am 16. und 17. November 1980 feierte Papst Johannes Paul II. im Rahmen seines ersten großen Pastoralbesuchs in Deutschland auf dem Airfield mit tausenden Gläubigen die Heilige Messe.

Im Zuge der Operation El Dorado Canyon der USA gegen Libyen wurde das Gelände 1986/87 wegen des erhöhten Sicherheitsbedürfnisses eingezäunt und militärisch abgeriegelt. Diese Umzäunung ist zum größten Teil noch intakt.

Die US-Armee gab den Flugplatz 1992 auf. Im Anschluss wurde am 30. September 1993 der erste zwischen der Bundesrepublik und den USA geschlossene Mitbenutzervertrag unterzeichnet. Damit erhielt das Land Rheinland-Pfalz das Recht, den Flugplatz ab 1. Januar 1994 zivil mitzubenutzen. Der Verkehrslandeplatz wird seit dem vom Luftfahrtverein Mainz betrieben, der den Betrieb am 1. August 2008 der neugegründeten Flugplatz Mainz-Finthen Betriebs GmbH übergab.

2003 erweiterte die amerikanische Armee, die dort noch immer eine Radarstation und ein Häuserkampf-Übungsgelände betreibt, die Einzäunung im Osten des Gebietes.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Tower-Gebäude vom früheren US-Stützpunkt Finthen Army Airfield (FAA)
links Betankungsanlage - Feuerwehrfahrzeug des Flugplatzes
altes Tower-Gebäude vom Flugplatz Mainz-Finthen
Hangar und Tower-Bereich
Arbeitsplätze in Betrieben rund um den Flugplatz
Parking Positions in Mainz-Finthen

Technische Daten[Bearbeiten]

Der Verkehrslandeplatz mit zwei Start- und Landebahnen liegt rund vier nm südwestlich vom Mainzer Stadtzentrum, ca. ein Kilometer westlich des Mainzer Stadtteils Finthen in einer Höhe von 232 Metern. Nachtflug (PPR) und Sichtflug sind erlaubt. Bei den beiden Landebahnen handelt es sich um eine Asphaltbahn mit Befeuerung und eine Grasbahn von jeweils 1000 m Länge in der Ausrichtung 08/26. Der Flugplatz ist Arbeitgeber zweier fest angestellter Beauftragter für Luftaufsicht (BfL). Der Flugplatz ist für Luftfahrzeuge (incl. Hubschrauber) bis 14 t MTOW, Segelflugzeuge und Luftsportgeräte zugelassen. An der flugplatzeigenen Tankstelle auf dem Vorfeld kann während der Öffnungszeiten AVGAS, Jet-A1 und Superbenzin getankt werden. Zusätzlich zum betreibenden Verein gibt es mehrere verschiedene kommerzielle Flugschulen am Flugplatz bei denen das Fliegen mit diversen Luftsportgeräten und Kleinflugzeugen erlernt werden kann. Außerdem gibt es am Platz auch noch eine Flugzeugwerft mit drei festen Mitarbeitern.

Die Platzrundenhöhe beträgt 1700ft MSL (bei 760 ft ELEV, nur Südplatzrunde) und liegt nur über unbesiedeltem Gebiet. Zu beachten ist vor allem der Luftraum C des Frankfurter Flughafens (EDDF), der über dem Platz in 3500 ft MSL beginnt und etwa 0,5 km östlich des Platzes bereits auf 1500 ft MSL abgesenkt ist. Die Grasbahn ist auch noch nach starken Niederschlägen schnell wieder benutzbar.

Tankstelle[Bearbeiten]

Der Flugplatz verfügt über eine moderne Betankungsanlage. Verfügbar sind folgende Treibstoffarten: AvGas, Jet-A1 und Superbenzin.

Schulung[Bearbeiten]

Am Flugplatz ist die Schulung bzw. Ausbildung für Hubschrauber, Ultraleicht-Flugzeuge und Tragschrauber möglich. Motorflug- und Segelflugschulung wird ebenfalls angeboten.

Flugplatz-Gaststätte[Bearbeiten]

Im Zuge des Neubaus des Towergebäudes wurde die frühere clubeigene Kantine in eine professionell geführte Gaststätte umgewandelt. Seit 3. März 2012 hat das Restaurant Tower-One geöffnet. Von der vergrößerten Aussichtsterrasse hat man einen guten Überblick auf das Vorfeld und den Flugbetrieb.

Motorsport[Bearbeiten]

Der Flugplatz wurde regelmäßig für Motorsportveranstaltungen genutzt. 1964 fand das Internationale HMSC-Flugplatz-Rennen statt.[1] Die Formel 3 hielt hier auch 1967 ein Rennen auf einer 2,1 km langen Strecke ab.[2] Die Deutsche Rennsport-Meisterschaft gastierte von 1972[3] bis 1983.[4][5]

Von 1984 bis 1990 wurde hier im Rahmen der DTM das Flugplatzrennen Mainz Finthen ausgetragen.[6]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

200 m entfernt vom Flugplatz befindet sich die Haltestelle Layenhof des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Die Zufahrt mit Kraftfahrzeugen ist nur über den Layenhof gestattet. Durch den Flugplatz verläuft am nordöstlichen Rand ein privater Radweg zwischen dem Layenhof, dem Ober-Olmer Wald und Finthen, der während der Betriebszeiten genutzt werden darf.

Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Mainz-Finthen der Bundesautobahn 60 (19).

Ökologische Besonderheiten[Bearbeiten]

Dank der Umzäunung dient gerade der südliche Bereich des Geländes als Rückzugsort für Zugvögel, wie z. B. Kiebitze. Sogar der Wiedehopf wurde auf dem Gelände schon gesichtet. Auch vom Aussterben bedrohte Insekten, wie z. B. die blauflüglige Ödlandschrecke, sind auf dem Flugplatzgelände in großer Zahl zu finden. Obwohl der Flugplatz überwiegend aus Trockenrasenflächen besteht, ist er aus politischen Gründen als Bauerwartungsland ausgewiesen, da die Stadt Mainz und die Gemeinde Wackernheim den Flugbetrieb auf lange Sicht einstellen lassen und das Gelände überbauen wollen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Formel 3 1964
  2. Statistik Formel 3 1967
  3. Results DRM 1972 (englisch)
  4. Results Classic Cars 1981 (englisch)
  5. Statistik DRM 1982
  6. DTM Statistik
Blick auf einen Teil des Rollfeldes, 2007