Flugboot

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Dornier Do X aus dem Jahr 1929, zu seiner Zeit das weltweit größte Flugzeug
Martin Chinaclipper Typ 130
Flugboot der 1930er Jahre
Hughes H-4 das größte jemals gebaute Flugboot. Da sie nie außerhalb des Bodeneffektes geflogen wurde, ist ihre Flugfähigkeit zweifelhaft.
Flugbootkonstruktionsmerkmale
Beispiel: Saro London
Shin Meiwa US-1A
Shin Meiwa US-2
Berijew Be-12P-200
Eine Sikorsky S-40 im Flug über eine Martin M-130

Ein Flugboot, gelegentlich auch Flugschiff genannt, ist ein Flugzeug, dessen Rumpf schwimmfähig ist und das auf dem Wasser starten und landen kann. Dadurch unterscheidet es sich von anderen Seeflugzeugen oder Wasserflugzeugen mit meist starr montierten Landegestellen (Schwimmwerk). Flugboote, die zusätzlich ein Fahrwerk haben, nennt man auch Amphibienflugzeuge.

In Deutschland ist der Betrieb von Flugbooten durch die Flugplatzpflicht nur eingeschränkt möglich. Es gibt nur wenige Gelände für Wasserflugzeuge und Flugboote.

Aufbau und Konstruktion[Bearbeiten]

Ein Flugboot hat gegenüber einem Schwimmerflugzeug den Vorteil des geringeren Gewichts, konstruktiven Aufwands und Luftwiderstands, da nicht neben dem Rumpf auch noch voluminöse Schwimmer vorhanden sind. Kleine Seeflugzeuge werden jedoch gerne als Schwimmerflugzeuge ausgeführt, weil dadurch bei Start und Landung Triebwerk und Cockpit weniger dem Spritzwasser ausgesetzt sind.

In den Anfangsjahren des kommerziellen Flugverkehrs, nach dem Ersten Weltkrieg, wurden Flugboote eingesetzt, da sie auch Orte ohne Flugplatz anfliegen konnten. Auch Langstrecken, die mit den damaligen Flugzeugen nicht non-stop geflogen werden konnten, ließen sich mit einem Flugboot etappenweise überwinden, ohne dass an jeder Zwischenlandestation extra ein Flugplatz angelegt werden musste. Flugboote werden seit den 1940er Jahren im kommerziellen Linienverkehr nur noch selten eingesetzt.[1]

In den 1930er Jahren war bei der deutschen Lufthansa neben einer Pilotenlizenz auch ein Kapitänspatent für die Seefahrt zum Führen der Flugboote üblich.[2]

Solche Flugboote boten einige Vorteile:

  • sehr lange verfügbare Start- und Landestrecken auf Gewässern,
  • gut ausgebaute Infrastruktur von Seehäfen.

In der Praxis zeigten sich aber verschiedene Probleme:

  • Das Abheben von der Wasseroberfläche gestaltete sich schwieriger, als man dachte. Die ersten Flugbootrümpfe orientierten sich an den bestehenden Bootstypen Flachboot und Kielboot. Es hat einige Jahre und viele Versuche gebraucht, um festzustellen, dass der Schwimmkörper des Flugzeugs eine „Stufe“ benötigt, um den Saugeffekt des Wassers zu überwinden.
  • Das Heckleitwerk der Flugboote war oft zu niedrig angesetzt. Dies führte beispielsweise bei der Do X zum Abriss des Leitwerks. Spätere Konstruktionen haben daher in der Regel ein deutlich erhöhtes Leitwerk.
  • Schon ein leichter Wind macht aus der spiegelglatten See eine raue Oberfläche, auf der eine Wasserung recht ungemütlich werden konnte. Der Wasserschlag des wassernden Flugboots war auch für die Triebwerke gefährlich. Der Seegang auf hoher See machte eine Notwasserung beinahe unmöglich.
  • Auch bei niedrigem Seegang stellt die Wasserung die Piloten vor Herausforderungen: Zum Beispiel kann dieser die Flughöhe des Flugboots über dem Wasser nur schlecht einschätzen, da hier Merkmale wie Bäume, Gebäude oder ähnliches normalerweise fehlen. Relativ steil anschweben und kurz vor der Landung/Wasserung das Flugzeug abzufangen, wie es mit Landflugzeugen möglich ist, ist mit einem Flugboot gefährlich (Wasserschlag).
  • Die notwendige Form des Schwimmkörpers war aerodynamisch nicht besonders günstig; mit wachsenden Fluggeschwindigkeiten wurde dieser Nachteil gegenüber den Landflugzeugen immer größer.

Es gab aber auch positive Überraschungen. Der Bodeneffekt beispielsweise erlaubt dem Flugzeug – in geringer Höhe über der Oberfläche fliegend – eine viel größere Reichweite. Es wurden sogar sogenannte Bodeneffektfahrzeuge gebaut (auch genannt „Ekranoplan“), die sich diesen Effekt zunutze machen.

Einsatz im Passagierverkehr[Bearbeiten]

Mit dem Einsetzen des Passagierverkehrs machte man sich Gedanken, wie die zukünftigen großen Passagierflugzeuge starten und landen sollten. Da zu der Zeit Auftriebshilfen, Lande- und Fowlerklappen noch nicht entwickelt waren, errechneten die Konstrukteure für diese Flugzeuge immens lange Start- und Landestrecken; Landestrecken, die damals auf Land nicht realisierbar erschienen. Deshalb lag es nahe, auf das Wasser auszuweichen. Sikorsky und die PanAm taten es sehr erfolgreich auf den pazifischen Strecken (San FranciscoHonoluluWakeManilaHongkong); die Deutschen, Franzosen und Italiener auf den Südamerika-Routen. Die Briten verwendeten neben Landflugzeugen auch Flugboote, um das Empire luftverkehrstechnisch zu erschließen.

Passagierkabine einer S-42

PanAm hatte drei Stück Sikorsky S-40 (Erstflug der S-40 im Dienste der PanAm am 19. November 1931 von Miami nach Barranquilla (Kolumbien)). Die S-40 wurde auf Linienflügen nach Mexiko, Kuba und zu den Bahamas eingesetzt, bis sie von ihrem Nachfolgemodell - Sikorsky S-42 - abgelöst wurde. Die S-42 läutete zusammen mit den anderen Clipper-Flugbooten Boeing 314 und Martin M-130 eine neue Ära des Langstreckenfluges ein.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg kamen Flugboote bereits 1915 zum Einsatz, etwa die Lohner-Flugboote oder die Grigorowitsch M-5. Die Briten bauten verschiedene Typen des Felixstowe zur Luftaufklärung über der Nordsee.

Das führte sogar dazu, dass zu dem renommiertesten Geschwindigkeitsrennen der 1920er und 1930er Jahre, dem Schneider-Cup, nur Schwimmerflugzeuge und Flugboote zugelassen waren, die eine (relativ strenge) maritime Tauglichkeitsprüfung bestehen mussten. Ein Curtiss NC Flugboot überquerte 1919 als erstes Flugzeug den Atlantik.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden Flugboote zur Küsten- und Seeüberwachung, U-Boot-Bekämpfung und vor allem zur Seenotrettung eingesetzt. In vielerlei Hinsicht konnte man diese Zeit als den Höhepunkt der Flugbootentwicklung bezeichnen – Dornier, Blohm & Voss, Short und die Glenn L. Martin Company bauten bis dato die größten und leistungsfähigsten Flugboote. Sogar Howard Hughes versuchte sich an einer Konstruktion (Hughes H-4).

Noch nach dem Zweiten Weltkrieg bauten einige britische Flugzeugkonstrukteure extrem große Flugboote wie die Saunders-Roe Saro Princess, die über zehn Turboprop-Triebwerke verfügte und ein Fluggewicht von 156 t besaß – eines der größten Wasserflugzeuge, das je gebaut wurde. Mehr als doppelt so groß wäre die P.192 mit 24 Strahltriebwerken und Platz für 1.000 Passagiere auf fünf Flugdecks gewesen. Sie war fertig konstruiert, ist jedoch nie realisiert worden. Die große Zeit der Flugboote waren die 1920er und 1930er Jahre, vor allem geprägt durch die Konstruktionen von Claude Dornier mit dem berühmten Dornier-Wal.

Während der Berliner Luftbrücke landeten britische Catalina- und Sunderland-Flugboote auf der Havel und versorgten die Stadt mit Lebensmitteln, insbesondere Salz (Flugboote mit ihren salzwasserresistenten Rümpfen waren für diese Art Ladung besonders geeignet).

Heute[Bearbeiten]

Auch heute gibt es noch die großen Flugboote – die riesige Martin Mars löscht in Kanada Waldbrände und die Catalina dient vielen maritimen Forschungseinrichtungen. Die Canadair CL-215 und CL-415 sind erfolgreiche, weltweit eingesetzte Wasserlöschflugzeuge, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurden.

Aktuell werden Flugboote von Shin Meiwa in Japan und von Berijew in Russland entwickelt oder gefertigt.

Am etwa 3000 m × 300 m kleinen oberösterreichischen Nordost-Teil des Wolfgangsees findet alljährlich, zuletzt Juli 2013, das Flugboot- und Wasserflugzeugtreffen Scalaria Air Challenge bewilligt statt.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flugboote – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Robert L. Gandt: China Clipper - The Age of the Great Flying Boats. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland, USA 1991, ISBN 0-87021-209-5.
  2.  Günter Stauch (Hrsg.): Das Große Buch der Lufthansa. GeraMond Verlag, München 2003, ISBN 3-7654-7248-4.
  3. Tausende bei Wasserflugzeug-Show, ORF.at vom 14. Juli 2013 - Bildserie