Flugstrecke

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Die Boeing 737, das meistgebaute Verkehrsflugzeug der Welt, bestimmt für Mittelstrecken

Als Flugstrecke bezeichnet man die Distanz (Luftlinie) zwischen Start- und Landeplatz, die ein Luftfahrzeug während eines Fluges überwindet. Dabei kann die tatsächlich geflogene Strecke je nach Auswahl der Flugroute deutlich länger sein als die theoretische Flugstrecke: Warteschleifen, das Umfliegen von Gewittern oder Kontrollzonen und das beim Segelfliegen nötige Suchen von Aufwinden sind nicht Teil der eigentlichen Flugstrecke.

Linienflüge[Bearbeiten]

Der sich noch in der Entwicklung befindliche Airbus A350 wird als Ultralangstreckenflugzeug konstruiert.

Bei Linienflügen der Kommerziellen Luftfahrt unterscheidet man zwischen Kurz- Mittel- und Langstreckenflügen, für besonders lange Strecken wird gelegentlich auch der Begriff Ultralangstreckenflug verwendet. Es gibt keine international gültige Definition, die festlegt ab welcher Anzahl geflogener Kilometer ein Flug als Mittel-, Lang- oder Ultralangstreckenflug klassifiziert wird. Das liegt unter anderem daran, dass das Gefühl für die Länge einer Strecke von den geographischen Gegebenheiten abhängt.[1] So kann beispielsweise „[…] eine Kurzverkehrsstrecke im weiträumigen China in Westeuropa entfernungsmäßig einer Mittelstrecke oder Langstrecke entsprechen […]“.[2]

In der Fluggastrechteverordnung der EU werden Flugstrecken wie folgt klassifiziert:[3]

  • Strecken bis 1500 km
  • Strecken über 1500 bis 3500 km
  • Strecken über 3500 km

Andere Definitionen beziehen auch die Dauer des Fluges mit ein, wie das folgende Beispiel aus dem Handbuch der Luftfahrt[1] zeigt:

  • Kurzstrecke: bis 1000 km und 2 h
  • Mittelstrecke: bis 3000 km und 3,5 h
  • Langstrecke: über 3000 km und 3,5 h

Flugzeuge[Bearbeiten]

Ähnlich wie bei der Klassifizierung von Strecken unterscheidet man auch bei den Fluggeräten grob zwischen Kurz-, Mittel- oder Langstreckenflugzeugen. Die Wahl des Flugzeuges für einen Flug hängt jedoch nicht nur von der zurückzulegenden Distanz, sondern auch von der gewählten Route ab (siehe z.B. Extended-range Twin-engine Operation Performance Standards).

Kurzstrecke[Bearbeiten]

Eine Bombardier Dash-8 ist ein häufig eingesetztes Kurzstreckenflugzeug

Hierbei werden kleine Flugzeuge eingesetzt, so zum Beispiel die BAe 146, die Fokker 100 oder die Bombardier Canadair Regional Jet. Diese sind treibstoffsparend, wartungsarm und daher für kurze Strecken einwandfrei einsetzbar. Sie haben oftmals sehr wenige Sitzplätze und sind daher nur bedingt rentabel. Mit den neuen Plänen der Lufthansa CityLine beispielsweise sollen nur noch sparsame Flugzeuge mit hoher Sitzplatzanzahl eingesetzt werden; ein solches Flugzeug denkt man mit der neuen Bombardier CSeries gefunden zu haben.[4]

Mittelstrecke[Bearbeiten]

Diese Flugzeuge haben in der Regel nur einen Gang und sechs Sitze pro Reihe in der Economy-Class. Diese Flugzeuge sind besonders bei Billigfluggesellschaften sehr beliebt, da sie universell einsetzbar und oftmals sehr treibstoffsparend sind. Normalerweise handelt es sich um Standardrumpfflugzeuge. Großraumflugzeuge konnten sich auf Mittelstrecken nicht durchsetzen.

Langstrecke[Bearbeiten]

Der Airbus A340 ist ein großes Langstreckenflugzeug.

Um auf langen Strecken möglichst hohen Komfort zu erreichen, werden meist Großraumflugzeuge eingesetzt, die in der Regel zwei Gänge und daher mehr Platz haben. Durch die erhöhte Sitzplatzanzahl können so mehr Passagiere befördert werden, womit sie sehr gewinnbringend sind. Langstreckenflugzeuge haben zum Großteil ein Fuel Dumping-System, um bei einem Notfall sofort notlanden zu können. Hierbei wird ein Teil des Treibstoffes aus dem Tanks entlassen, da die Flugzeuge für die lange Strecke sehr hohe Treibstoffkapazitäten besitzen.

Ultralangstrecke[Bearbeiten]

Die Ultralangstrecke kann nur von sehr wenigen Flugzeugtypen, wie z. B. dem Airbus A340-500 oder der Boeing 777-200LR (die auch Worldliner genannt wird), geflogen werden. Singapore Airlines betreibt unter anderem die Ultralangstrecken von Singapur (SIN) nach Los Angeles (LAX) und Newark (EWR).

Allgemeine Luftfahrt[Bearbeiten]

Mit dem GlobalFlyer legte Steve Fossett 2006 eine Flugstrecke von 41.467 km zurück

In der Allgemeinen Luftfahrt werden Flugrouten individuell je nach Zweck des jeweiligen Fluges geplant. Die maximal mögliche Flugstrecke ist dabei theoretisch nur von der Reichweite des verwendeten Flugzeugtypes abhängig.

Die tatsächliche Flugstrecke kann hier wenige Kilometer (z. B. bei Rundflügen) bis hin zu mehreren Tausend Kilometern (z. B. bei Reisen mit Geschäftsreiseflugzeugen) betragen. Im Extremfall einer Nonstop-Weltumrundung können Flugstrecken jenseits der 40.000 km erreicht werden. Ein Beispiel dafür ist der Rekordflug der Voyager, die im Dezember 1986 eine Strecke von 40.212 km zurücklegte.[5]

Von größerer Relevanz ist die Flugstrecke für die Ausbildung von Piloten: Je nach angestrebter Fluglizenz müssen innerhalb der Ausbildung Überlandflüge mit festgelegter Mindestflugstrecke durchgeführt werden. Für den Privatpilotenschein muss in Deutschland beispielsweise am Ende der Ausbildung ein Überlandflug von mindestens 270 km im Alleinflug absolviert werden.[6]

Segelfliegen[Bearbeiten]

Ein Logger zur Dokumentation und Auswertung von Segelflügen
Hauptartikel: Streckenfliegen

Beim Streckenfliegen mit Segelflugzeugen, Gleitschirmen oder Hängegleitern versucht der Pilot, allein durch die Nutzung von Aufwinden, also ohne Motorunterstützung, eine möglichst große Flugstrecke zurückzulegen. Dabei sind Start- und Zielflugplatz in der Regel identisch. Während die Bestimmung der Flugstrecke früher anhand während des Fluges gemachter Fotos zuvor festgelegter Wendepunkte (Landmarken) erfolgte, wird dazu heute auf die Aufzeichnungen des mitgeführten Loggers zurückgegriffen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Heinrich Mensen: Handbuch der Luftfahrt. 2., neu bearbeitete Auflage Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-34401-5, S. 15, doi:10.1007/978-3-642-34402-2.
  2.  Wilhelm Pompl: Luftverkehr. Eine ökonomische und politische Einführung. Fünfte, überarbeitete Auflage Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg, New York 2007, ISBN 978-3-540-32752-3, S. 43.
  3. VERORDNUNG (EG) Nr. 261/2004 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295/91 (online verfügbar)
  4. Flug Revue Ausg. 04/2010
  5. Daten des Fluges der Voyager in der Rekord-Datenbank der FAI, Abgerufen am 17. August 2010
  6. Baden-Württembergischer Luftfahrtverband e.V.: Ausbildung zum Piloten auf Motorgetriebenen Flugzeugen, Abgerufen am 17. August 2010