Flugzeugabsturz

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Absturzstelle von American-Airlines-Flug 587

Flugzeugabsturz bezeichnet je nach Sprachgebrauch verschiedene Arten von Flugunfällen. Der Begriff ist im Gegensatz zu Flugunfall nicht offiziell definiert. In amtlichen Veröffentlichungen, insbesondere der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), werden mit Absturz Flugunfälle bezeichnet, bei denen die Maschine ihre Flugfähigkeit verliert und nicht mehr kontrolliert gelandet werden kann. Der Flugzeugabsturz unterscheidet sich damit von Start- oder Rollunfällen, von der Bruchlandung (bei der es während einer normalen Landung oder Notlandung zu Beschädigungen gekommen ist) sowie vom Controlled flight into terrain (CFIT), bei dem ein voll funktionsfähiges Flugzeug mit Gelände kollidiert. Das Schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) verwendet den Begriff jedoch auch für CFIT. In deutschsprachigen Medien wird der Begriff zudem häufig auch für Flugunfälle verwendet, bei denen weder ein Kontrollverlust noch ein CFIT vorliegt.

Entgegen der häufig anzutreffenden Befürchtung führt der Ausfall sämtlicher Triebwerke, etwa infolge von Treibstoffmangel, nicht zwangsläufig zu einem Absturz. Flugzeuge sind generell auch ohne den Schub der Triebwerke flugfähig, müssen dann aber zur Geschwindigkeitserhaltung im Gleitflug Höhe abbauen.[1] Zur Notversorgung der technischen Systeme besitzen einige Großflugzeuge ein spezielles, ausklappbares Windrad (RAT), das vom Fahrtwind angetrieben wird.

Flugzeugabstürze mit den meisten Opfern[Bearbeiten]

Diese Liste enthält Flugzeugabstürze mit 200 oder mehr Todesopfern.

Siehe auch Liste von Katastrophen der Luftfahrt (dort sind auch Unglücke aufgeführt, die keine Abstürze waren).

Datum Fluggesellschaft Flugzeugtyp Opfer Unglücksverlauf
3. März 1974 Turkish Airlines McDonnell Douglas DC-10 346 Die Maschine verlor kurz nach dem Start vom Flughafen Paris-Orly die nicht ordnungsgemäß geschlossene hintere Frachttür. Die folgende rasche Dekompression des Frachtraums bewirkte einen teilweisen Einbruch des Kabinenbodens und zerstörte darin liegende zur Steuerung notwendige Leitungen (siehe Turkish-Airlines-Flug 981).
1. Januar 1978 Air India Boeing 747-200B 213 Kurz nach dem Nachtstart vom Flughafen Bombay fiel der künstliche Horizont aus. Die Piloten verloren die Orientierung und das Flugzeug stürzte ins Meer (siehe Air-India-Flug 855).
25. Mai 1979 American Airlines McDonnell Douglas DC-10 273 Das Flugzeug verlor während des Starts vom Flughafen Chicago O’Hare infolge eines Wartungsfehlers ein Triebwerk, wodurch Hydraulikleitungen für die Steuerung beschädigt wurden. Die Maschine stürzte 30 Sekunden später unkontrollierbar ab, wobei außer den 271 Insassen auch zwei Menschen am Boden ums Leben kamen (siehe American-Airlines-Flug 191).
1. September 1983 Korean Air Boeing 747 269 Die sowjetische Luftwaffe schoss bei Sachalin eine vom Kurs abgekommene Boeing 747 ab, in der Annahme, es handele sich um ein US-amerikanisches Spionageflugzeug (siehe Korean-Airlines-Flug 007).
23. Juni 1985 Air India Boeing 747-200 329 Absturz nach einer Bombenexplosion infolge eines Terroranschlags 180 km westlich von Cork, Irland in den Atlantik (siehe Air-India-Flug 182).
10. Juli 1985 Aeroflot Tupolew Tu-154B 200 Durch zu geringe Geschwindigkeit kam es in großer Höhe zum Strömungsabriss und zum Flammabriss. Der Absturz konnte von den Piloten nicht mehr verhindert werden (siehe Aeroflot-Flug 5143).
12. August 1985 Japan Airlines Boeing 747-100 520 Das Flugzeug flog nordwestlich von Tokio unkontrolliert gegen einen Berghang. Zuvor war ein fehlerhaft repariertes Schott geborsten, worauf eine Druckwelle das Seitenleitwerk der Maschine abgerissen hatte. Vier Passagiere überlebten (siehe Japan-Airlines-Flug 123).
12. Dezember 1985 Arrow Air McDonnell Douglas DC-8-63 256 Die aus Kairo kommende Maschine stürzte nach einer Zwischenlandung auf dem Flughafen Gander unmittelbar nach dem Start in einen Wald. Alle 256 Insassen, überwiegend amerikanische Soldaten, kamen ums Leben.
3. Juli 1988 Iran Air Airbus A300 290 Der Airbus wurde durch die Besatzung des US-amerikanischen Kriegsschiffs USS Vincennes (CG-49) über iranischen Hoheitsgewässern abgeschossen, da er vom automatisierten Aegis-Kampfsystem mit einer F-14 Tomcat verwechselt worden war (siehe Iran-Air-Flug 655).
21. Dezember 1988 Pan Am Boeing 747-100 270 Absturz nach einer Bombenexplosion infolge eines Terroranschlags auf die schottische Ortschaft Lockerbie. Die 259 Insassen der Maschine sowie 11 Bewohner der Ortschaft kamen ums Leben (siehe Lockerbie-Anschlag).
26. Mai 1991 Lauda Air Boeing 767-300 223 Im Steigflug nach dem Start vom Flughafen Bangkok schaltete sich die Schubumkehr des linken Triebwerks selbsttätig ein. Durch den plötzlichen Strömungsabriss wurde das Flugzeug unkontrollierbar, brach auseinander und stürzte ca. 7500 Meter in die Tiefe (siehe Lauda-Air-Flug 004).
11. Juli 1991 Nationair Canada McDonnell DC-8-61 261 Das Flugzeug, das im Auftrag der Nigeria Airways eingesetzt wurde, stürzte nahe dem Flughafen Dschidda ab, weil ein Feuer an Bord wichtige Hydraulikleitungen zerstört hatte (siehe Nigeria-Airways-Flug 2120).
26. April 1994 China Airlines Airbus A300 264 Absturz beim Anflug auf den Flughafen Nagoya, da der Autopilot versehentlich in den Modus für das Durchstarten geschaltet worden war und es bei den anschließenden Versuchen, die Maschine abzufangen, zu einem Strömungsabriss kam. Sieben Passagiere überlebten.
17. Juli 1996 TWA Boeing 747-100 230 Die Maschine explodierte nach dem Start vom New Yorker John F. Kennedy International Airport, nachdem ein Kurzschluss stark erhitzte Kerosindämpfe entzündet hatte. Sie stürzte vor der Küste Long Islands ins Meer (siehe Trans-World-Airlines-Flug 800).
12. November 1996 Saudi Arabian Airlines und Air Kazakhstan Iljuschin-76 und
Boeing 747-100
349 Die Iljuschin hatte ihre zugewiesene Flughöhe verlassen und kollidierte in der Luft über Indien frontal mit der Boeing (siehe Flugzeugkollision von Charkhi Dadri).
6. August 1997 Korean Air Boeing 747-300 228 Absturz[2] am 6. August 1997 beim Landeanflug auf den Flughafen Antonio B. Won Pat auf Guam. Bei dem Unfall kamen 228 Personen ums Leben, 26 weitere wurden verletzt (siehe Korean-Air-Flug 801).
26. September 1997 Garuda Indonesia Airbus A300 234 Absturz im Anflug auf den Flughafen Medan-Polonia bei sehr schlechten Sichtbedingungen. Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten in der Region Waldbrände mit starker Rauchentwicklung (siehe Garuda-Indonesia-Flug 152).
16. Februar 1998 China Airlines Airbus A300 203 Beim Durchstarten am Flughafen Taipeh-Chiang Kai-shek kam es zum Strömungsabriss und dadurch zum Absturz der Maschine (siehe China-Airlines-Flug 676).
2. September 1998 Swissair McDonnell Douglas MD-11 229 Absturz nahe dem Flughafen Halifax auf dem Flug von New York nach Genf, nachdem hinter einer Cockpitverkleidung ein Feuer durch einen Kurzschluss ausgebrochen war (siehe Swissair-Flug 111).
12. November 2001 American Airlines Airbus A300 265 Der Airbus verlor nach starken Ruderausschlägen infolge einer Fehlbedienung sein Seitenleitwerk und stürzte in den New Yorker Stadtteil Queens. Alle 260 Insassen kamen ums Leben, zudem wurden fünf Personen am Boden getötet (siehe American-Airlines-Flug 587).
25. Mai 2002 China Airlines Boeing 747-200 225 Die Maschine brach auf Flug 611 auf dem Weg von Taipeh nach Hongkong, wahrscheinlich aufgrund von Materialermüdung, auseinander.
1. Juni 2009 Air France Airbus A330-200 228 Der Airbus stürzte auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über dem Atlantik ab (siehe Air-France-Flug 447). Erste materielle Reste wurden erst nach gut 2 Monaten, das Wrack-Hauptteil wurde erst nach 20 Monaten in 4000 m Tiefe in zerklüftetem Untersee-Gebirge gefunden.
17. Juli 2014 Malaysia Airlines Boeing 777-200ER 298 Die Maschine wurde auf dem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur über dem Gebiet der Ostukraine Nachrichtenmeldungen zufolge im Rahmen des dortigen Krieges von einer Boden-Luft-Rakete getroffen (siehe Malaysia-Airlines-Flug 17).

Siehe auch[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Am 24. August 2001 gelang einem Airbus A330-200 der Air Transat ein 19-minütiger Gleitflug. Aufgrund eines Leitungslecks war Kraftstoff unbemerkt auf dem gesamten Flug über den Atlantik ausgetreten. Air-Transat-Flug 236 flog nach dem Ausfall aller Triebwerke im Gleitflug weiter und absolvierte schließlich eine erfolgreiche Notlandung auf dem portugiesischen Militärflugplatz Lajes Field auf den Azoren. Sämtliche 306 Personen überstanden die Landung unversehrt, zu Verletzungen kam es erst beim Verlassen des Flugzeugs.
  2. nach Schweizer Begriffsverwendung; Unfallart ist CFIT

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Flugzeugabsturz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikinews: Flugzeugabsturz – in den Nachrichten