Flugzeugabsturz

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Controlled Impact Demonstration, Crashtest einer ferngesteuerten Boeing 720

Als Flugzeugabsturz oder allgemein als „Absturz“ bezeichnet man einen Flugunfall, bei dem die Maschine ihre Flugfähigkeit verliert und nicht mehr kontrolliert gelandet werden kann. Der Flugzeugabsturz unterscheidet sich damit von der Bruchlandung, bei der es bei einer kontrollierten Landung oder Notlandung zu Beschädigungen gekommen ist, sowie vom CFIT, bei dem ein voll funktionsfähiges Flugzeug mit Gelände kollidiert.

Ursachen[Bearbeiten]

Flugzeugabsturz – Korean-Airlines-Flug 801 am 6. August 1997 (228 Menschen starben, 26 überlebten)

Nur sehr selten ist ein singuläres Ereignis für den Absturz einer Maschine verantwortlich, fast immer ist es eine Kombination aus mehreren Ursachen. Diese lassen sich in Gruppen unterteilen:

  • Menschliche Fehler: Sie sind die häufigste Ursache. Dazu zählen nicht nur solche der Flugzeugbesatzung, sondern beispielsweise auch jene von Fluglotsen, Herstellungs- und Wartungspersonal sowie Managern der Luftfahrtindustrie bzw. der Fluggesellschaften.
  • Eingeschränkte Sicht: Bei der überwiegenden Mehrheit der Flugzeugabstürze war die Sicht zum Zeitpunkt des Unfalls stark oder erheblich eingeschränkt.
  • Witterungsbedingte Einflüsse: Hierzu zählen Einflüsse durch Starkregen, Hagelschlag, Stürme, Windscherungen sowie Auf- und Abwinde.[1]
  • Technisches Versagen: Technische Defekte zum Beispiel an den Primärstrukturen eines Fluggerätes oder Ausfall eines Triebwerkes.
  • Äußere Einflüsse: Diese treten zum Beispiel nach einem Bombenanschlag oder nach Zusammenstößen auf.
  • Zusammenstöße in der Luft: Hier ist vor allem Vogelschlag zu nennen, andere Zusammenstöße sind eher ein mögliches Ergebnis als eine Ursache.

Entgegen der häufig anzutreffenden Befürchtung führt der Ausfall sämtlicher Triebwerke, etwa infolge von Treibstoffmangel, nicht zwangsläufig zu einem Absturz. Flugzeuge sind generell auch ohne den Schub der Triebwerke flugfähig, müssen dann aber zur Geschwindigkeitserhaltung im Gleitflug Höhe abbauen.[2] Zur Notversorgung der technischen Systeme besitzen einige Großflugzeuge ein spezielles, ausklappbares Windrad (RAT), das vom Fahrtwind angetrieben wird.

Eine weitere Ursache für einen Flugzeugabsturz ist ein Abschuss, wie etwa im Fall Kaleva (1940), Libyan-Airlines-Flug 114 (1973), Itavia-Flug 870 (1980) oder der Polar 3 (1985).

Untersuchung der Unfallursachen[Bearbeiten]

Nach einem Flugunfall werden die Ursachen von den zuständigen Behörden untersucht. Zuständig sind die Behörden des Landes, in dessen Hoheitsgebiet sich der Absturz ereignete. In der Regel werden jedoch weitere Kreise in die Ermittlungen miteinbezogen oder haben Einsicht. Hierzu gehören:

  • Vertreter des Herstellers und ggf. Vertreter des Herstellers von Komponenten
  • Vertreter des Betreibers (Fluggesellschaft, Halter des Flugzeugs, etc.)
  • Vertreter des Landes, in dem die Maschine registriert war

Die Zuständigkeit der Untersuchungsbehörden ist geregelt im ICAO-Artikel 26, Annex 13.

In Deutschland ist gemäß Flugunfall-Untersuchungs-Gesetz (FlUUG) die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die verantwortliche Behörde. Der Untersuchungszweck ist in § 3 FlUUG definiert:

(1) Unfälle und Störungen unterliegen einer Untersuchung mit dem ausschließlichen Zweck, nach Möglichkeit die Ursachen aufzuklären, mit dem Ziel, künftige Unfälle und Störungen zu verhüten. [...]
(2) Die Untersuchungen dienen nicht der Feststellung des Verschuldens, der Haftung oder von Ansprüchen.

In der Schweiz ist das Büro für Flugunfalluntersuchungen und in Österreich die Unfalluntersuchungsstelle des Bundes für die Flugunfalluntersuchung zuständig.

Die Strafverfolgungsbehörde (Staatsanwaltschaft/Polizei) ist keine Untersuchungsstelle, untersucht aber parallel neben der BFU. Diese beauftragt erforderlichenfalls Luftfahrtsachverständige um zu prüfen, ob ein Anfangsverdacht besteht.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Gemessen am weltweit sehr hohen, kontinuierlich zunehmenden Flugaufkommen und einer Transportleistung allein im Passagierbereich von mehr als zwei Milliarden Menschen pro Jahr sind Flugzeugabstürze im Bereich der zivilen Luftfahrt äußerst seltene Ereignisse. Pro Jahr sterben ca. 500 Menschen bei schweren Flugzeugunglücken weltweit (ca. 500 im Jahr 2003, 466 2004, 1059 2005 und 888 2006,[3] 829 im Jahr 2010 und 498 im Jahr 2011,[4] 496 im Jahr 2012 und 251 (nach anderen Angaben 265) im Jahr 2013).[5] In Deutschland ereignet sich etwa alle 588.000 Flugstunden ein Flugunfall mit Todesfolge.

Flugzeugabstürze mit den meisten Opfern[Bearbeiten]

Siehe auch Liste von Katastrophen der Luftfahrt (dort sind auch Unglücke aufgeführt, die keine Abstürze waren).

Datum Fluggesellschaft Opfer Unglücksverlauf
27. März 1977 KLM und Pan Am 583 Bei der Flugzeugkatastrophe von Teneriffa kollidierte auf Grund einer Verkettung unglücklicher Umstände eine Boeing 747-200 der KLM während des Startvorgangs mit einer Boeing 747-100 der Pan Am, die sich noch auf derselben Startbahn befand, und stürzte sofort ab.
12. August 1985 Japan Airlines 520 Eine Boeing 747-100 stürzte unkontrolliert gegen einen Berghang. Zuvor war ein fehlerhaft repariertes Schott geborsten, worauf eine Druckwelle das Seitenleitwerk der Maschine abgerissen hatte. Vier Passagiere überlebten (siehe Japan-Airlines-Flug 123).
12. November 1996 Saudi Arabian Airlines und Air Kazakhstan 349 Eine Boeing 747-100 und eine Iljuschin-76, die ihre zugewiesene Flughöhe verlassen hatte, kollidierten frontal in der Luft (siehe Flugzeugkollision von Charkhi Dadri).
3. März 1974 Turkish Airlines 346 Eine McDonnell Douglas DC-10 verlor kurz nach dem Start die hintere Frachttür. Die folgende rasche Dekompression des Frachtraums bewirkte einen teilweisen Einbruch des Kabinenbodens und zerstörte darin liegende zur Steuerung notwendige Leitungen (siehe Turkish-Airlines-Flug 981).
23. Juni 1985 Air India 329 Eine Boeing 747-200 stürzte nach einer Bombenexplosion infolge eines Terroranschlags bei Irland in den Atlantik (siehe Air-India-Flug 182).
17. Juli 2014 Malaysia Airlines 298 Eine Boeing 777-200ER wurde auf dem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur über dem Gebiet der Ukraine ersten Meldungen zufolge im Rahmen der dortigen Krise von einer Boden-Luft-Rakete getroffen (siehe Malaysia-Airlines-Flug 17).
3. Juli 1988 Iran Air 290 Ein Airbus A300 wurde durch das US-amerikanische Kriegsschiff USS Vincennes (CG-49) abgeschossen, da er vom Aegis-Kampfsystem mit einer angreifenden F-14 Tomcat verwechselt worden war (siehe Iran-Air-Flug 655).
25. Mai 1979 American Airlines 273 Eine McDonnell Douglas DC-10 verlor während des Starts infolge eines Wartungsfehlers ein Triebwerk, wodurch Hydraulikleitungen beschädigt wurden. Die Maschine stürzte 30 Sekunden später unkontrollierbar ab, wobei außer den 271 Insassen auch zwei Menschen am Boden ums Leben kamen (siehe American-Airlines-Flug 191).
21. Dezember 1988 Pan Am 270 Eine Boeing 747-100 stürzte nach einer Bombenexplosion infolge eines Terroranschlags auf die schottische Ortschaft Lockerbie. Die 259 Insassen der Maschine sowie 11 Bewohner der Ortschaft kamen ums Leben (siehe Lockerbie-Anschlag).
1. September 1983 Korean Air 269 Die sowjetische Luftwaffe schoss bei Sachalin eine vom Kurs abgekommene Boeing 747 ab, in der Annahme es handle sich um ein US-amerikanisches Spionageflugzeug (siehe Korean-Airlines-Flug 007).
12. November 2001 American Airlines 265 Ein Airbus A300 verlor nach starken Ruderausschlägen infolge einer Fehlbedienung sein Seitenleitwerk und stürzte in den New Yorker Stadtteil Queens. Alle 260 Insassen kamen ums Leben, zudem wurden fünf Personen am Boden getötet (siehe American-Airlines-Flug 587).
26. April 1994 China Airlines 264 Ein Airbus A300 stürzte bei der Landung ab, da der Autopilot versehentlich in den Modus für das Durchstarten geschaltet worden war und es bei den anschließenden Versuchen, die Maschine abzufangen, zu einem Strömungsabriss kam. Sieben Passagiere überlebten.
11. Juli 1991 Nationair Canada 261 Eine DC-8-61, die im Auftrag der Nigeria Airways eingesetzt wurde, stürzte in Dschidda ab, weil ein Feuer an Bord wichtige Hydraulikleitungen zerstört hatte (siehe Nigeria-Airways-Flug 2120).
12. Dezember 1985 Arrow Air 256 Eine aus Kairo kommende Douglas DC-8-63 stürzte nach einer Zwischenlandung auf dem Flughafen Gander unmittelbar nach dem Start in einen Wald. Alle 256 Insassen, überwiegend amerikanische Soldaten, kamen ums Leben.
8. März 2014 Malaysia Airlines 239 Eine Boeing 777-200ER verlor auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking etwa 40 Minuten nach dem Start den Radarkontakt und verschwand spurlos. Der Verbleib der 239 Menschen an Bord ist bis heute unbekannt (siehe Malaysia-Airlines-Flug 370).
26. September 1997 Garuda Indonesia 234 Im Anflug auf den Flughafen Medan-Polonia stürzte ein Airbus A300 bei sehr schlechten Sichtbedingungen ab. Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten in der Region Waldbrände mit starker Rauchentwicklung (siehe Garuda-Indonesia-Flug 152).
17. Juli 1996 TWA 230 Eine Boeing 747-100 explodierte nach dem Start vom New Yorker John F. Kennedy International Airport, nachdem ein Kurzschluss stark erhitztes Kerosin entzündet hatte. Die Maschine stürzte vor der Küste Long Islands ins Meer (siehe Trans-World-Airlines-Flug 800).
2. September 1998 Swissair 229 Eine McDonnell Douglas MD-11 stürzte auf dem Flug von New York nach Genf ab, nachdem hinter einer Cockpitverkleidung ein Feuer durch einen Kurzschluss ausbrochen war (siehe Swissair-Flug 111).
1. Juni 2009 Air France 228 Ein Airbus A330-200 stürzte auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über dem Atlantik ab (siehe Air-France-Flug 447). Erste materielle Reste wurden erst nach gut 2 Monaten, das Wrack-Hauptteil wurde erst nach 20 Monaten in 4000 m Tiefe in zerklüftetem Untersee-Gebirge gefunden.
25. Mai 2002 China Airlines 225 Eine Boeing 747-200 brach auf Flug 611 auf dem Weg von Taipeh nach Hongkong, wahrscheinlich aufgrund von Materialermüdung, auseinander.
26. Mai 1991 Lauda Air 223 Kurz nach der Zwischenlandung in Bangkok schaltete sich bei einer Boeing 767-300 die Schubumkehr selbsttätig ein. Durch den plötzlichen Strömungsabriss wurde das Flugzeug unkontrollierbar, brach auseinander und stürzte ca 7.500 Meter in die Tiefe (siehe Lauda-Air-Flug 004).

Flugzeugabstürze mit Kernwaffen[Bearbeiten]

Während des Kalten Krieges hielten die USA im Rahmen der Nuklearen Abschreckung mit Atombomben bestückte Bomber vom Typ Boeing B-52 in Luftbereitschaft. Bei mehreren Flugzeugabstürzen gingen einsatzfähige Kernwaffen verloren (siehe Zwischenfälle mit Kernwaffen). Beispielsweise stürzte am 17. Januar 1966 bei Palomares (Spanien) ein B-52-Bomber der US-amerikanischen Luftstreitkräfte mit vier Wasserstoffbomben ab, nachdem sie bei einer Luftbetankung mit einem Tankflugzeug vom Typ Boeing KC-135 kollidiert war. Drei der Wasserstoffbomben stürzten auf das Festland und kontaminierten 220 Hektar Felder. Die vierte fiel ins Mittelmeer und konnte später geborgen werden.[6][7]

In Spanien, und auch bei einem ähnlichen Zwischenfall in Grönland, mussten die USA kontaminierten Erdboden, beziehungsweise Eis, abtragen lassen und auf Deponien ins eigene Land bringen. Die Unfälle trugen wesentlich dazu bei, dass die fliegende Bereitschaft mit Atomwaffen am 26. Februar 1968 durch Verteidigungsminister Clark McAdams Clifford aufgehoben wurde.

Andere besondere Flugzeugabstürze[Bearbeiten]

Der Erstflug der De Havilland Express fand am 30. Januar 1934 statt. Sie konnte bis zu zwölf Passagiere befördern. Unter bestimmten Bedingungen erwies sich die D.H.86 als schwer beherrschbar, was teilweise am zu klein bemessenen Seitenleitwerk lag. Nach mehreren Abstürzen führte die Royal Air Force 1936 eine Reihe von Testflügen durch.
Die letzten der 62 gebauten Flugzeuge bekamen ein neu gestaltetes Leitwerk und hießen D.H.86B. Gleichwohl wurden keine Umbauten an den älteren Flugzeugen angeordnet bzw. durchgeführt. Die Absturzserie setzte sich daher in den nächsten Jahren fort. Der Untersuchungsbericht wurde erst vierzig Jahre später veröffentlicht.
  • Am 24. Dezember 1971 stürzte Flug 508 von Lima nach Pucallpa (Peru) in einem schweren Gewitter ab. 91 der 92 Insassen starben. Die 17-jährige Juliane Koepcke überlebte, weil sie aus dem Flugzeug geschleudert wurde. Sie überlebte 11 Tage im Dschungel, bevor sie gerettet wurde.[8]
  • Uruguayan-Air-Force-Flug 571 zerschellte am 13. Oktober 1972 in 4000 Meter Höhe an einem Berghang in den Anden. 16 der 45 Menschen an Bord wurden nach 72 Tagen im Eis gerettet. Die Geschehnisse bezeichnet man auch als das „Wunder der Anden“.
  • Am 30. Juni 1994 stürzte ein Airbus A330-321 von Airbus Industrie bei einem Testflug ab. Bei diesem wurde der Ausfall des linken Triebwerks simuliert. Der Pilot konnte die Maschine aufgrund ihrer zu geringen Flughöhe nicht mehr abfangen. Alle 7 Insassen starben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die 10 häufigsten Unfall-Ursachen bei wetterbedingten Abstürzen
  2. Am 24. August 2001 gelang einem Airbus A330-200 der Air Transat ein 19-minütiger Gleitflug. Aufgrund eines Leitungslecks war Kraftstoff unbemerkt auf dem gesamten Flug über den Atlantik ausgetreten. Air-Transat-Flug 236 flog nach dem Ausfall aller Triebwerke im Gleitflug weiter und absolvierte schließlich eine erfolgreiche Notlandung auf dem portugiesischen Militärflugplatz Lajes Field auf den Azoren. Sämtliche 306 Personen überstanden die Landung unversehrt, zu Verletzungen kam es erst beim Verlassen des Flugzeugs.
  3. Die Welt: 70 Prozent aller Flugzeugabstürze ließen sich vermeiden, 31. August 2005
  4.  Experten beurteilen Flugsicherheit: "Tickende Zeitbombe" auf Europas Flughäfen. In: Süddeutsche Zeitung. 5. Januar 2012
  5.  Fliegen ist sicher wie nie. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Januar 2014
  6. http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-37062-2.html#backToArticle=589958
  7. http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonntag;art2566,2070354
  8. Juliane Koepcke: Als ich vom Himmel fiel. Malik Verlag, 2011, ISBN 978-3890293899

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Flugzeugabsturz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikinews: Flugzeugabsturz – in den Nachrichten