Flugzeugfriedhof

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Als Flugzeugfriedhof werden Flächen bezeichnet, auf denen Flugzeuge entweder während vorübergehender Nicht-Verwendung abgestellt, oder aber ausgeschlachtet und verwertet werden.

Zweck[Bearbeiten]

Das Militär benutzt Flugzeugfriedhöfe, um einerseits eine gewisse "Reserve" an alten, aber flugfähigen Maschinen zu erhalten, und andererseits – bei Abrüstung oder Modernisierungen – begrenzte Verwertungskapazitäten langfristig auszulasten. Auch schwankende Preise (z. B. für Aluminium) spielen hier mitunter hinein. Zivile Fluggesellschaften stellen ihre Maschinen (z. B. während der Luftfahrtkrise nach dem 11. September) manchmal vorübergehend ab; die Bezeichnung "Friedhof" ist dann irreführend. Das Abstellen auf Flugzeugfriedhöfen ist dabei um ein Vielfaches günstiger als auf regulären Verkehrsflughäfen.

Anforderungen[Bearbeiten]

Eine ausgeschlachtete Boeing 767-200 der ehemaligen Ansett Australia auf dem Mojave Air & Space Port

Folgende Anforderungen sollten Flugzeugfriedhöfe für eine effektive Einlagerung erfüllen:

  • viel Platz, das heißt billiges Gelände
  • Schutz gegen Diebstahl und Vandalismus durch räumliche Abgeschiedenheit und leichte Bewachung
  • ein harter, natürlicher Untergrund, der Bewegungen von Flugzeugen ohne künstliche Flächenversiegelung (z. B. Asphaltierung) erlaubt
  • warmes und trockenes Klima, um Korrosions- und Wasserschäden zu vermeiden
  • eine stabile politische Umgebung (keine Kriegs- oder Unruhegefahr)

Diese Voraussetzungen sind beispielsweise in den Wüstengebieten der USA ideal erfüllt.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Die Aktivitäten auf Flugzeugfriedhöfen umfassen – neben der reinen Aufbewahrung und Bewachung – vier Bereiche:

Außerbetriebsetzung[Bearbeiten]

Bei der Außerbetriebsetzung sind gewisse Maßnahmen zur Konservierung und Vermeidung von Umweltschäden zu treffen. Fluggesellschaften kommunizieren die Stilllegung von Maschinen nicht gerne, da dies Rückschlüsse auf die aktuelle Marktlage des Unternehmens zulässt. Daher werden die Logos und Schriftzüge von abgestellten Maschinen übermalt. Um ein Ausbleichen der Sitzbezüge durch die Sonneneinstrahlung zu vermeiden, werden die Fenster abgeklebt. Die Treibstofftanks werden entleert und Hilfsstoffe wie Schmieröl, Hydrauliköl und Batterien entfernt. Eventuell wird die Maschine auch aufgebockt. Schließlich werden sämtliche Öffnungen (inklusive Triebwerke) versiegelt.

Eventuell können auch Maßnahmen gegen Schädlinge wie Mottenpulver oder Rattengift getroffen werden.

Verwertung[Bearbeiten]

Brauchbare Bauteile werden ausgebaut und weiterverkauft, Rohstoffe werden sortiert und der Wiederverwertung zugeführt; bei Flugzeugen sind dies vor allem große Mengen Aluminium.

Entsorgung[Bearbeiten]

Nicht mehr verwertbare Bestandteile werden gemäß den lokalen Regelungen – oder den Umweltschutzanforderungen des Kunden – entsorgt.

Wiederinbetriebnahme[Bearbeiten]

Hierbei müssen ausgefallene Sicherheitschecks der Luftfahrt nachgeholt werden, die Maßnahmen der Außerbetriebsetzung rückgängig gemacht und gegebenenfalls weitere Alterungseffekte ausgeglichen werden:

  • Betanken
  • Ausstatten mit Hilfsstoffen (Hydrauliköl, Wasser, Batterien, etc.)
  • Fahrwerkscheck, Aufpumpen oder ggf. Wechsel der Reifen
  • Reinigung und Entfernen sämtlicher Versiegelungen
  • dokumentierte Tests sämtlicher sicherheitsrelevanter Systeme, ggf. Tausch von "abgelaufenen" Komponenten wie Verbandkästen
  • ggf. Anpassung an einen neuen Besitzer (Tausch von Sitzen und Bordküchen, Lackierung usw.)

Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Infrastruktur ergibt sich aus der jeweiligen Verwendung (Zwischenlager oder Abwrackplatz):

  • Umzäunung und Bewachung
  • eine Rollbahn
  • Zugmaschinen (zum Beispiel Traktoren)
  • Vorrichtungen zum Be- bzw. Enttanken
  • Werkstätten beziehungsweise Abwrackbetriebe
  • Landverkehrsanbindung

Beispiele[Bearbeiten]