Flussdelta

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Das 45.000 km² große Flussdelta der Lena

Ein Flussdelta, auch Deltamündung oder Mündungsdelta, ist eine Flussmündung in der Form des Schwemmkegels, bei dem der Kegel zu großen Teilen oder vollständig unter dem Wasserspiegel von Seen oder Meeren liegt. Im stehenden Wasser wird die Fließgeschwindigkeit abgebremst, so dass ein Fluss das meiste Material ablagert, das Gröbere in Ufernähe, das Feinere weiter draußen. Schlick- oder Sandbänke entstehen, und der Fluss schiebt seinen Lauf immer weiter ins Meer hinaus. Schließlich muss er seine eigenen Ablagerungen umfließen, oder es kommt zur Gabelung, wenn ein Dammuferfluss seine natürlichen Uferdämme bei Hochwasser durchbricht. Bei steigendem Wasser ist es möglich, dass Flussdeltas vollständig überspült werden und bei Verlegung des deltaerzeugenden Flusses unter Wasser erhalten bleiben. Solche Unterwasserdeltas können Aufschlüsse über die einstige Höhenlage des Wasserspiegels liefern.

Wortherkunft[Bearbeiten]

Das Wort Delta ist semitischen Ursprungs. Der griechische Buchstabe Delta (Δέλτα) in der Form eines Dreiecks (Δ) wurde um die Mitte des 9. Jahrhunderts v. Chr. von der phönizischen Schrift übernommen. Der griechische Historiker Herodot verwendet Delta 14 Mal in seinen Historien als geographischen Eigennamen für das Nildelta, wobei er die Ausdehnung des Nildeltas beschreibt, aber keine Parallele zur Form des Buchstabens zieht. Wie Herodot erwähnt, war das Wort Delta für die Mündung des Nil bereits vorher bei den Griechen (Ioniern) bekannt. Erst später wandelte sich die Bedeutung und Delta ging vom Eigennamen zu einem Fachausdruck für Flussdeltas über, nun auch im Hinblick auf die Dreiecksform des Buchstabens. Die Verallgemeinerung wird in Arrians Geschichtswerk Alexandri Anabasis über Alexander den Großen Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. deutlich, wo die Mündungen von Indus, Donau und Nil verglichen und als Delta bezeichnet werden.[1]

Entstehung[Bearbeiten]

Die Entstehung des Flussdeltas ist gekennzeichnet durch die Aufschüttung von Material (Sediment), das vom Fluss transportiert wird. Die nachlassende Transportkraft des Wassers als Folge der verminderten Fließgeschwindigkeit im Bereich der Flussmündung lässt den Fluss das mitgeführte Material ablagern. Die abgelagerten Sedimente wiederum fungieren als Fließhindernis und zwingen den Fluss, seinen Lauf aufzuspalten. In größeren Deltas teilt der Fluss seine Läufe mehrfach und führt sie teilweise wie in einem Labyrinth (mit Flussinseln) fließender und nichtfließender Läufe zu- und auseinander.

Das Delta selbst besteht im Querschnitt aus flachlagernden feinkörnigen Basisschichten (engl. bottomset), die ursprünglich vor dem Delta ins Tiefwasser sedimentiert wurden. Darüber folgen die steil nach außen einfallenden untermeerischen Vorschüttschichten des Deltas (engl. foreset) und schließlich die fluviatil aufgebauten und daher waagrecht lagernden Dachschichten der Delta-Oberfläche (engl. topset).

Das Flussdelta des Rapaälv, Lappland. Blick vom Gipfel des Skierffe im Nationalpark Sarek

Delta-Arten[Bearbeiten]

Einige Flussdeltas[Bearbeiten]

Außerirdische Beispiele[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Ahnert: Einführung in die Geomorphologie. 4. Auflage, 2009, ISBN 978-3-8001-2907-2 (Ulmer)/ ISBN 978-3-8252--8103-8 (UTB), Kap. 17.2. Deltas

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flussdelta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Francis Celoria: Delta as a Geographical Concept in Greek Literature. In: Isis, Vol. 57, No. 3, Herbst 1966, S. 385–388