Flutkatastrophe
Als Flutkatastrophe bezeichnet man das Hochwasser an der Küste oder das eines Flusses, welches so hoch steigt, dass die normalen Pegelstände weit überschritten werden und die Betten und Eindeichungen das Wasser nicht mehr vor Kulturland zurückhalten können. Hohe Sachschäden an Gebäuden und Infrastruktur, Ernteschäden und im Extremfall auch Todesopfer sind die Folge. Bei einer Flut mit außerordentlich hohen Pegelständen, die nur sehr selten vorkommt, spricht man von einer Jahrhundertflut.
Fluten werden nach Art unterschieden in:
- die Sturmflut, von Starkwinden an die Küsten gepresste Wassermassen, die zu Hochwässern im Küstenland führen, und Rückstauhochwässern an den Unterläufen der Flüsse. Diese Ereignisse treten innerhalb weniger Stunden auf, ihre Gesamtdauer ist vom Abflussverhalten abhängig
- Niederschlagsbedingte Hochwässer durch Starkregenereignisse, die meist Einzugsbereiche von einem oder mehreren Flusssystem/en betreffen, und sich auch meist vom gebirgigen Oberlauf, in dem die Stauniederschläge abgehen, über Tage hinweg in die Unterläufe fortsetzen
Nicht als Flut im Sinne des Begriffs wird der Tsunami (Flutwelle) angesehen.
Die Ursachen liegen in der Begradigung und Eindeichung der Flüsse, um sie für möglichst große Frachtschiffe schiffbar zu machen, sowie in der Trockenlegung ganzer Landstriche und damit der Beseitigung der natürlichen Überflutungsflächen. Die Besiedelung bis dicht an die Deiche heran, selbst in immer wieder hochwassergefährdeten Bereichen, zieht zwangsläufig hohe Verluste bei Überflutungen nach sich. Zusammenhänge mit der Klimaveränderung werden bei beiden Ereignistypen vermutet, bei ersteren über den ansteigenden Normalwasserstand, bei beiden über vermehrte Ausnahmeereignisse in Bezug auf Wind und Niederschlag.
Inhaltsverzeichnis |
Historische Flutkatastrophen in Europa [Bearbeiten]
Niederlande [Bearbeiten]
- Erste Marcellusflut am 16. Januar 1219.
- Zweite Marcellusflut 1362
- Flutkatastrophe von 1953 (Watersnood) am 1. Februar 1953
Deutschland [Bearbeiten]
Flutkatastrophen an der Nordsee verzeichnet die Liste der Sturmfluten an der Nordsee.
Flutkatastrophen an der Ostsee sind unter Ostsee#Wasserstand und unter Sturmhochwasser näher beschrieben.
Bei folgenden Flüssen sind häufig Flutkatastrophen zu verzeichnen:
Donau, Elbe, Oder, Rhein, Mosel
- Magdalenenhochwasser 1342 an zahlreichen mitteleuropäischen Flüssen
- Zweite Marcellusflut 1362 an der gesamten deutschen Nordseeküste gilt als mit Abstand gewaltigste deutsche Flutkatastrophe
- Hochwasser von 1501
- Thüringer Sintflut 1631
- Elbhochwasser 1845
- Oderflutkatastrophe 1947 mit der Überflutung vom Oderbruch
- Hochwasser in Sachsen 1932
- Hochwasser in Sachsen 1897
- Hochwasser-Katastrophe 1946 in Hannover
- Donauhochwasser 1954
- Sturmflut 1962 in Hamburg
- Oderhochwasser 1981/82
- Rheinhochwasser 1993, gleichzeitig Hochwasser an Mosel und Maas
- Rheinhochwasser 1995
- Oderhochwasser 1997 an Oder und Nebenflüssen
- Elbhochwasser 2002 an Elbe und Nebenflüssen
- Hochwasser in den Voralpen 2005 an Isar und anderen Flüssen
- Elbhochwasser 2006
Österreich [Bearbeiten]
- Donauhochwasser 1954
- 1997 Im südlichen Niederösterreich treten zahlreiche Flüsse über die Ufer. Besonders betroffen: Pittental, Schwarzatal, Piestingtal und Triestingtal.
- 2002 In Ober- und Niederösterreich treten zahlreiche Flüsse über die Ufer, weite Landteile stehen unter Wasser. Besonders betroffen waren die Donau und der Kamp.(HQ100)
- 2005 In den westlichen Bundesländern Tirol und Vorarlberg treten nach tagelangen Regenfällen Flüsse über die Ufer. Zahlreiche Murenabgänge legen teilweise den öffentlichen Verkehr lahm (siehe Alpenhochwasser 2005).
- 2006 In Niederösterreich tritt die March aus den Ufern und die Dämme halten im Gegensatz zu jenen auf der slowakischen Seite nicht Stand. Die Orte Dürnkrut und Mannersdorf werden überschwemmt.(HQ60)
Schweiz [Bearbeiten]
- 2005 (August) In der Zentralschweiz, Graubünden und Bern sowie in vielen anderen Teilen der Schweiz werden Dörfer durch Dammbrüche oder überlaufende Seen bzw. Flüsse überschwemmt. Mehrere Straßen und Zuggleise sind nicht mehr befahrbar. Einzelne Dörfer (z. B. Engelberg) sind von der Außenwelt abgeschnitten und können nur mit dem Hubschrauber erreicht werden (siehe Alpenhochwasser 2005).
Historische Flutkatastrophen in anderen Ländern [Bearbeiten]
- 1887 China: Starke Regenfälle verursachen eine Flutkatastrophe am Gelben Fluss 1887; Über 130 000 km² werden überschwemmt (zwischen 900 000 und 2 Millionen Tote)
- 1931 China: Starke Regenfälle, gefolgt von mehreren Zyklonen, verursachten die schwerste Flutkatastrophe des 20. Jahrhunderts mit geschätzt 3,7 bis 4 Millionen Toten.
- 1953 Hollandsturmflut: Schwerste Sturmflut des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden und England (ca. 2.500 Tote)
- 1970 Bengalen: Wirbelstürme und Flutwellen (über 300 000 Tote)
- 1998 China: Der Jangtsekiang tritt über die Ufer, mehr als 3000 Menschen kommen ums Leben, etwa 14 Millionen werden obdachlos.
- 2004 Indischer Ozean: Tsunami in 15 Ländern gleichzeitig. (ca. 226.000 Tote) (siehe: Erdbeben im Indischen Ozean 2004)
- 2005 USA: New Orleans wird vom Hurrikan Katrina heimgesucht.
- 2006 Ungarn, Rumänien und Bulgarien: Die Donau tritt an vielen Stellen über die Ufer. Dämme werden geöffnet, um unbewohnte Gebiete als Rückhaltebecken zu nutzen. Diese Überflutungen verselbständigen sich aber teilweise und schwemmen ganze Dörfer weg.
- 2007 Afrika: Die Länder südlich der Sahara werden quer über den ganzen Kontinent von einer Flutkatastrophe heimgesucht. Mindestens 250 Menschen sterben.
- 2008 Ende Juli in Rumänien und Ukraine müssen über 36.000 Menschen vor einer Überschwemmung evakuiert werden.
- 2008 Ende August müssen nach wochenlangen Monsunregenfällen und einem großen Dammbruch in Nepal nach großflächigen Überschwemmungen im indischen Bundesstaat Bihar über 1,2 Millionen Menschen vor den Überschwemmungen fliehen.
- 2010 Hochwasser in Mitteleuropa im Frühjahr 2010 Hohe Schäden durch Deichbrüche, insbesondere in Polen zeichneten dieses Hochwasser aus.
- Juli und August 2010: Überschwemmungskatastrophe in Pakistan 2010 infolge außergewöhnlich starken Monsunregens. Etwa 14 Millionen Menschen sind betroffen, 6–7 Millionen davon benötigen humanitäre Hilfe, über 1000 Menschen starben (Stand 17. August 2010).
- Oktober 2010: In Benin treten durch anhaltend starke Regenfälle die Flüsse Mono und Queme über die Ufer.[1] 680.000 Menschen sind von Überschwemmungen betroffen[2], rund 100.000 Menschen werden obdachlos[1]. In der Großstadt Cotonou infizieren sich ca. 800 Menschen mit der Cholera.[1]
- 2011: Überschwemmungen in Queensland 2010/2011.
Vorgeschichtliche Flutkatastrophen [Bearbeiten]
- Vor etwa 7600 Jahren hatte sich der Wasserstand im Mittelmeer nach dem Ende der letzten Kaltzeit soweit angehoben, dass die Senke des Bosporus um ca. 100 m überflutet wurde. Danach ergoss sich ein gewaltiger Wasserfall in das Schwarze Meer, während der Kaltzeit ein Süßwassersee. Der Wassereinfall hinterließ eine bis heute erhaltene Grabenausspülung entlang der Küstenlinie.[3][4][5]
- Vor etwa 10.200 bis 9400 Jahren ereignete sich im Gebiet Minnesotas beim Abschmelzen des Gletschersees Agassiz mehrmals eine mächtige Flut.[6]
- Etwa 10.700 Jahren, zu Ende der letzten Kaltzeit, brachen sich die Wasser des Ancylussees (heute: Ostsee) Bahn in Richtung Nordsee. Das dabei entstandene und heute untermeerische grabenartige Flussbett zwischen Fehmarn und Lolland ist etwa 1 km breit. Während der Wasserstand des Ancylussees um 10 m sank, überschwemmte das Meer östlich Kiels und Lübecks das damalige Festland.[7]
- Vor 11.000 Jahren, nach Rückzug des Inn-Gletschers, war das Chiemgau durch eine Wasserfläche von etwa 200 km2 bedeckt, von der der Chiemsee als Rest erhalten blieb.[8]
- Vor etwa 14.000 Jahren ereignete sich die bislang größte bekannte Flut aufgrund Abschmelzens von Eisstauseen im Altai, im Chuja- und im Kuray-Becken.[9]
- Im Zeitraum vor 15.000 bis 13.000 Jahren ereigneten sich wiederholt die mächtigen Missoula-Fluten beim Abschmelzen der Eisstauseen des Lake Missoula in Nordamerika.
- Einer Theorie von Andrey Tchepalyga zufolge soll vor etwa 16.000 Jahren das Kaspisches Meer rasch durch Flusswasser aus abschmelzenden skandinavischen Gletschern überschwemmt und mit dem damaligen Binnensee Schwarzes Meer zusammengeflossen sein.[10]
- Vor ungefähr 425.000 und vor 225.000 Jahren, aber auch nach der letzten Kaltzeit, ereigneten sich große Wasserdurchbrüche im Bereich des damaligen Isthmus zwischen Dover und Calais, was zur Verbreiterung und Vertiefung der jetzigen Dimension des Ärmelkanals führte.[11] Damit wurde das damals wasserreichste europäische Flusssystem aus Rhein, Seine und Themse durch einen Meeresarm ersetzt.[12]
- Vor ungefähr 5,33 Millionen Jahren wurde das damals trocken liegende Mittelmeerbecken durch Wasser des Atlantik an der Straße von Gibraltar erfüllt. Vermutlich verlief diese Flutung zumindest teilweise nicht katastrophal. Der entstehende Wassergraben war etwa 200 km lang und bis zu 11 km breit und ließ etwa 100 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde einströmen. Maximal stieg der Wasserspiegel des Mittelmeeres dabei um 10 m pro Tag, innerhalb von zwei Jahren hatten sich die Wasserstände angeglichen.[13][14]
Siehe auch [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
- Darthmouth Flood Observatory. Website mit umfangreicher Datenbank zu Flutkatastrophen (Englisch)
- Selbsthilfe: Keller-Entflutung ohne Pumpe durch Anwendung des Heber-Prinzips
- Seiten des THW zum Thema Deichverteidigung und Hochwasserschutz
- Liste der Naturkatastrophen
Belege [Bearbeiten]
- ↑ a b c Überflutungen in Benin. In: http://www.dw-world.de/. Deutsche Welle, 19. Oktober 2010, abgerufen am 25. Oktober 2010.
- ↑ Benin: 680.000 von schweren Regenfällen betroffen. In: http://www.unhcr.de/. UNHCR, 22. Oktober 2010, abgerufen am 25. Oktober 2010.
- ↑ Bericht 22. April 2007 im ZDF
- ↑ Joachim Schüring: Sintflut war nicht in Spektrum der Wissenschaft 15. Juni 2002
- ↑ Valentina Yanko-Hombach: The Black Sea flood question: Changes in coastline, climate and human settlement. Springer, Dordrecht 2007.
- ↑ Timothy G. Fisher: River Warren boulders, Minnesota, USA: catastrophic paleflow indicatorsin the southern spillway of glacial Lace Agassiz. In: Boreas, Band 33, Seiten 349 - 358, 2004 [1] (PDF; 2,8 MB)
- ↑ Axel Bojanowski: Geologen entdecken Graben von Ostsee-Sintflut
- ↑ [2]
- ↑ [3]
- ↑ Andrey Tchepalyga: Late glacial great flood in the Black Sea and Caspian Sea. The Geological Society of America 2003 Seattle Annual Meeting. 2003 [4]
- ↑ Quirin Schiermeier: The megaflood that made Britain an island. Nature, 2007 [5]
- ↑ Artikel „Ärmelkanal war vor 20.000 Jahren ein Fluss“ in „Berliner Morgenpost“, Sonnabend, 16. September 2006.
- ↑ Kenneth J. Hsü: Das Mittelmeer war eine Wüste. Auf Forschungsreisen mit der Glomar Challenger. S. 112, Harnack, München 1984.
- ↑ D. Garcia-Castellanos et al.: Catastrophic flood of the Mediterranean after the Messinian salinity crisis. In: Nature Bd. 462, 10. Dezember 2009, S. 778-781, doi:10.1038/nature08555