Foederaten

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Als Foederati (Singular: foederatus) bezeichneten die Römer grundsätzlich jede Gruppe von Nichtrömern, mit denen ein Vertrag (foedus) geschlossen worden war. In der Forschung wird die Bezeichnung zumeist in Bezug auf die Spätantike (4. bis 6. Jahrhundert n. Chr.) verwendet und bezeichnet dort „barbarische“ Kontingente, also nichtrömische Krieger, die unter eigenen Anführern für die Römer kämpften und als Gegenleistung Versorgungsgüter sowie oft auch Land im Imperium Romanum zugewiesen bekamen. Der Charakter der Ansiedlung und die Rolle, die diese foederati beim Untergang des Römischen Reiches spielten, sind in der Forschung umstritten.

Ursprünge in der Republik[Bearbeiten]

Ein foedus war ein Vertrag zwischen Römern und Nichtrömern und konnte grundsätzlich unterschiedliche Inhalte haben. Als foederatus galt im Römischen Reich prinzipiell jedes Gemeinwesen, das keine römische Kolonie war und dem auch kein römisches oder latinisches Bürgerrecht bewilligt worden war (civitas), mit dem Rom aber durch die Form eines zwischenstaatlichen Vertrags (foedus) verbunden war, der in der Regel dem Römischen Reich ein Kontingent von Kriegern zusagte, falls Bedarf bestand. Die Latiner wurden dabei als Blutsverwandte betrachtet, die übrigen als Verbündete (socii).

Die Reibungen zwischen diesen vertraglichen Verpflichtungen ohne den entsprechenden Nutzen der romanitas führte zu den Kriegen zwischen den Römern und einer kleinen Gruppe enger Verbündeter auf der einen Seite, und den unzufriedenen socii auf der anderen. Ein Gesetz aus dem Jahr 90 v. Chr. (Lex Iulia) bot das römische Bürgerrecht den verbündeten Staaten an, die die Vertragsbedingungen akzeptierten. Nicht alle Städte (zum Beispiel Heraclea und Neapel) waren bereit, sich in der römischen res publica absorbieren zu lassen. Andere foederati siedelten außerhalb Italiens: Gades (Cádiz) in Hispanien oder Massilia (Marseille) in Gallien. Spätestens mit der Verleihung des römischen Bürgerrechts an fast alle freien Reichsbewohner im Jahre 212 n. Chr. verlor die Kategorie der foederati zunächst ihre Bedeutung.

Spätantike[Bearbeiten]

In der Spätantike wurde der Begriff foederati vornehmlich im Zusammenhang der römischen Praxis angewandt, foedera mit den Anführern barbarischer Gruppen zu schließen – zum Beispiel mit Franken, Sachsen, Vandalen, Alanen und vor allem Westgoten –, die im Austausch für Geld, Nahrungsmittel oder Land (?) für die Römer kämpften, ohne formal in das kaiserliche Heer integriert zu sein. Im Grunde handelte es sich also um reichsfremde Söldnertruppen.

Obwohl es Vorläufer gab, wurde dieser Typus von foederati vor allem ab dem letzten Viertel des 4. Jahrhunderts typisch: Im Jahr 376 suchte ein großer gotischer Verband mitsamt Frauen und Kindern bei Kaiser Valens um die Erlaubnis nach, am römischen Südufer der Donau siedeln zu dürfen, und wurde ins Reich aufgenommen. Ob es sich hierbei um ein "Volk" (wie man früher allgemein annahm) oder um eine Kriegergruppe mit Tross handelte, ist umstritten. Zwei Jahre später jedenfalls erhoben sich die Westgoten, die sich betrogen fühlten, und schlugen die Römer in der blutigen Schlacht von Adrianopel. Dieser ernsthafte Verlust an Soldaten, der durch Rekrutierungen kurzfristig nicht wettgemacht werden konnte, zwang das Römische Reich gleichzeitig dazu, sich stärker auf Foederaten zu stützen. Kaiser Theodosius I. schloss im Oktober 382 daher offenbar ein foedus mit den Westgoten. Dieser Gotenvertrag, dessen genauen Bestimmungen unklar sind, sah mutmaßlich die Ansiedlung der Goten in Thrakien vor; das Territorium blieb aber römisch. Die Goten sollten den Kaiser als Oberherrn anerkennen, jedoch autonom bleiben und keine römischen Bürger werden; sie sollten im Kriegsfall dem Kaiser unter eigenen Anführern dienen, jedoch unter römischem Oberbefehl stehen und für ihren Militärdienst eine relativ hohe annona erhalten.

Das Hauptinteresse der Foederaten war es, vom römischen Staat Anspruch auf regelmäßige Versorgung (annona militaris) zu erwerben. Anfangs hatte diese die Form von Nahrungsmitteln, später auch von Geld, und die foederati hatten sich vor Vertragsabschluss vermutlich dem Kaiser zu unterwerfen. Aber als das Steueraufkommen im 5. Jahrhundert nach Christus schwand und die militärische Lage Westroms sich verschlechterte, wurde den foederati gestattet, auf römischem Territorium zu siedeln, um so ihre Versorgung zu sichern. In den griechischen Quellen werden die foederati entweder direkt mit dem lateinischen Lehnwort als φοιδεράτοι oder aber, öfter, als ὑπόσπονδοι bezeichnet (siehe etwa Malchos, frg. 15).

Die Loyalität der föderierten Verbände und ihrer Anführer war zumeist, aber nicht durchgängig, zuverlässig. Eine notwendige Folge des Foederatenwesens war der Untergang Westroms daher nicht. Allerdings spricht vieles dafür, dass die foedera faktisch erloschen bzw. gekündigt werden konnten, sobald eine der beiden Personen, die sie geschlossen hatten, starb, also entweder der rex der Foederaten oder der Heermeister bzw. Kaiser. Im Jahr 395 erhoben sich so die Westgoten unter Alarich, da sich die Römer nach dem Tod von Theodosius I. offenbar nicht mehr an das foedus mit ihnen gebunden gefühlt hatten. Ähnliches wiederholte sich in späteren Jahren.

Die Anwerbung fränkischer Foederaten in Nordgallien war schließlich von großer Bedeutung für die Entstehung des fränkischen Reichs. Germanische Foederaten aus Mitteldeutschland und Böhmen trugen vielleicht entscheidend zur Entstehung des Stammes der Baiern bei, ebenso wie die Anwerbung föderierter Sachsen durch die römische Verwaltung der Beginn der germanischen Einwanderung auf die britische Hauptinsel war, um in der Folge das Sammelvolk der Angelsachsen zu bilden.

Foederaten als Rückgrat der Armee[Bearbeiten]

Im 5. Jahrhundert stützte sich das weströmische Militär zunehmend auf Foederaten, da Westrom die Kontrolle über wirtschaftlich wichtige Provinzen verloren ging und die Anwerbung von Foederaten viel billiger war als die Ausrüstung römischer Verbände. Im Jahr 451 wurde Attila auch mit Hilfe von foederati geschlagen (einschließlich der Westgoten und Alanen). Ab dem späten 5. Jahrhundert konnten mit foederati auch gemischte römisch-barbarische Verbände, die regulär besoldet wurden, gemeint sein. Die foederati trugen zum Untergang des Weströmischen Reiches insofern bei, als ihr germanischer Kommandant Odoaker 476 im Zuge einer Meuterei der Foederaten den (der traditionellen Zählung nach) letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus absetzte.

In Ostrom hingegen wurden die Foederaten, vor allem aber die Heermeister, die im Westen im 5. Jahrhundert meist größeren Einfluss als die Kaiser ausübten, weitgehend unter Kontrolle gehalten. Zudem verwischte sich der Unterschied zwischen regulären und föderierten Einheiten zusehends und war um die Mitte des 6. Jahrhunderts nach Aussage des Zeitgenossen Prokopios von Caesarea fast verschwunden (Prok. Hist. 3,11,3 f.), auch wenn man die ursprüngliche Bedeutung der Bezeichnung noch kannte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Clauss: Föderaten. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 4, Sp. 601, (dort auch weitere Literaturangaben).
  • Walter Goffart: Barbarians and Romans A.D. 418–584. The techniques of Accomodation. Princeton University Press, Princeton NJ 1988, ISBN 0-691-05303-0 (sehr einflussreiche und umstrittene Studie, die die These vertritt, den spätantiken foederati sei kein Land, sondern ein Anteil am Steueraufkommen zugesprochen worden).
  • Peter J. Heather: Fourth-Century Foedera and Foederati. In: Walter Pohl (Hrsg.): Kingdoms of the Empire. The Integration of Barbarians in late Antiquity (= The Transformation of the Roman World 1). Brill, Leiden u. a. 1997, ISBN 90-04-10845-9, S. 85–97, (in diesem Band finden sich noch weitere Beiträge zum Thema).