Fokker Dr.I

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Fokker Dr.I
Nachbau der Fokker Dr.I auf der ILA 2004 im Flug
Typ: Jagd- und Aufklärungsflugzeug
Entwurfsland: Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Hersteller: Fokker Aeroplanbau GmbH
Erstflug: 5. Juli 1917
Indienststellung: 1917
Produktionszeit: 1917–1918
Stückzahl: 420

Die Fokker Dr.I war ein Dreidecker-Jagdflugzeug der Fokker Aeroplanbau GmbH, Schwerin. Das von der Fliegertruppe des Deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg ab 1917 eingesetzte Flugzeug wurde insbesondere durch den erfolgreichsten Jagdflieger des Ersten Weltkrieges Manfred von Richthofen (der „Rote Baron“) berühmt, der 19 seiner 80 Luftsiege in ganz oder teilweise rot gestrichenen Fokker-Dreideckern erzielte und auch in einer Dr.I den Tod fand.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Dr.I entstand aus dem Wunsch nach einer Kopie des britischen Dreideckers Sopwith Triplane, dessen gute Flugleistungen und Wendigkeit die deutschen Jagdflieger beeindruckt hatten. Auch Manfred von Richthofen hatte sich anerkennend über die Sopwith Triplane geäußert. Anstatt wie von der Inspektion der Fliegertruppen erwartet eine genaue Kopie des Sopwith Triplane zu bauen, schuf Fokkers Konstrukteur Reinhold Platz einen eigenen Entwurf, der an Fokkers Fertigungstechnik angepasst war. Platz war von der Idee, einen Dreidecker zu bauen, zunächst überhaupt nicht begeistert und begann einen herkömmlichen Doppeldecker zu konstruieren. Anthony Fokker setzte Platz daraufhin unter Druck und so entstand die Fokker V.4 als Dreidecker.

Bezeichnung Bemerkung
D.VI / V.4 Dreidecker, der zur Dr.I führte; 4 Stück gebaut.
V.5 Fokker-interne Modifikationen an den Prototypen der V.4.
F.I / Dr.I F.I: frühe Serienbezeichnung des Fokker-Dreideckers, dies wurde jedoch sehr bald in Dr.I geändert.

Der Fokker-Dreidecker besaß zunächst freitragende Tragflächen, später wurden sie aufgrund des Auftretens von Flügelschwingungen um Verstrebungen am Außenflügel ergänzt. Obwohl diese Bauweise durch den Verzicht auf Verspannungsdrähte tendenziell einen geringen Luftwiderstand versprach, kam dieser Vorteil durch den hohen Widerstand dreier dicht übereinander angeordneter Tragflächen nicht zum Tragen.

Die grundlegende Konstruktion des Flugzeuges bestand aus einem Rumpfgerüst, das aus 10 – 35 mm starken Stahlrohren zusammengeschweißt wurde, und einem Holz-Tragwerk mit Metallbeschlägen und Ruderflächen aus Stahlrohr.

Bei den Holzbauteilen wurde fast ausschließlich geleimtes Sperrholz verwendet, da dieses flexibler und belastbarer ist als Bauteile aus Massivholz. Je nach Verwendungszweck und Belastung wurden Kiefer, Tanne und Birke verwendet und zum Teil miteinander verleimt. So bestanden die Rippen der Tragflächen aus Birkensperrholz, auf das außen eine Schicht Tannenholz aufgeleimt wurde. Die Flügelholme wiederum waren aus geleimtem Kiefernsperrholz. Als Holzleim wurde das Milcheiweißprodukt Kaseinleim verwendet.

Die Bespannung des Flugzeuges bestand aus einfachem Leinenstoff. Um die relativ großen Zwischenräume zwischen den Stahlrohren zu schließen, wurde der Stoff geplättet. Nach dem Beziehen des Flugzeuges wurde der Stoff mit einem Spannlack aus Celluloseacetat bestrichen und dadurch gespannt und gegen Wind und Wasser abgedichtet. An wenigen nicht tragenden Teilen, wie zum Beispiel der Motorverkleidung, wurde auch Aluminium verwendet.

Einsatz[Bearbeiten]

Der Fokker-Dreidecker, der mit einem nur 110 PS starken Umlaufmotor ausgestattet war, war im Vergleich zu anderen Jagdflugzeugen zwar relativ langsam, konnte aber dank des dicken Flügelprofils und des geringen Gewichts bei niedriger Geschwindigkeit sehr steil steigen und war in der Manövrierfähigkeit unübertroffen. Selbst die als sehr wendig geltende britische Sopwith Camel konnte mit dem Fokker-Dreidecker ausgekurvt werden. Manfred von Richthofen zur Dr.I: „…wendig wie die Teufel und klettern wie die Affen.“

Am 1. September 1917 traf die erste Dr.I an der Front ein. Zwischen Mitte September und Anfang November 1917 kam es zu mehreren tödlichen Abstürzen aufgrund einer zu schwachen Tragflächenkonstruktion, was dazu führte, dass die Dr.I vorläufig aus dem Dienst gezogen wurde. Ab Februar 1918 wurde der Dreidecker wieder an der Front eingesetzt, nachdem Fokker die Tragflächen verstärkt hatte. Die Fokker Dr.I wurde bis zum Mai 1918 in einer vergleichsweise geringen Anzahl von 420 Exemplaren produziert.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten
Motor Oberursel Ur.II 9-Zylinder-Umlaufmotor*
Hubraum 15,1 l
Leistung 110 PS
Eigengewicht 140 kg
Länge 5,75 m
Spannweite oben 7,20 m
Spannweite mittig 6,23 m
Spannweite unten 5,73 m
Höhe 2,95 m
Flügelfläche 18,70 m²
Leermasse 383 kg
Maximale Startmasse 585 kg
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h in 2800 m
140 km/h in 4200 m
Steiggeschwindigkeit 1000 m 2 min 54 sek
maximale Flughöhe 6500 m
Flugdauer 1h 30 min
Bewaffnung 2 starre, synchronisierte LMG 08/15,
durch den Propellerkreis feuernd
* Einige Maschinen wurden mit dem französischen Umlaufmotor Le Rhône 9 ausgerüstet.

Leistungsvergleich mit anderen Flugzeugtypen Anfang 1918

Name Land Motorleistung max. Geschwindigkeit Startgewicht Bewaffnung Gipfelhöhe
Fokker Dr.I Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 130 PS 160 km/h 585 kg 2 6.500 m
Albatros D.Va Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 185 PS 187 km/h 937 kg 2 6.250 m
Pfalz D.IIIa Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 180 PS 181 km/h 834 kg 2 8.000 m
Ö. Aviatik (Berg) D.I Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn Österreich-Ungarn 200 PS 185 km/h 881 kg 1-2 6.220 m
Phönix D.I Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn Österreich-Ungarn 200 PS 180 km/h 805 kg 2 6.000 m
Morane-Saulnier AI FrankreichFrankreich Frankreich 160 PS 208 km/h 674 kg 2 7.000 m
SPAD S.XIII FrankreichFrankreich Frankreich 220 PS 222 km/h 820 kg 2 6.650 m
Nieuport 28 FrankreichFrankreich Frankreich 160 PS 195 km/h 740 kg 2 5.200 m
Sopwith Camel Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 130 PS 185 km/h 659 kg 2 und vier 11,3-kg-Bomben 5.791 m
S.E.5a Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich 200 PS 222 km/h 880 kg 2 5.185 m

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Die Flugzeuge. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Falken-Verlag, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9, (Falken-Handbuch in Farbe).
  • Karlheinz Kens, Hanns Müller: Die Flugzeuge des Ersten Weltkriegs 1914 – 1918. Heyne, München 1973, ISBN 3-453-00404-3.
  • Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910 – 1918. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8.
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge. Jagd- und Schulflugzeuge 1914 – 1919. 2. neu bearbeitete Auflage. Orell Füssli Verlag, Zürich 1976, ISBN 3-280-00824-7, (Flugzeuge der Welt in Farben), S. 24, 121–122.
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914 – 1918. Lehmanns, München 1959.
  • Karl R. Pawlas: Deutsche Flugzeuge. 1914 – 1918. Pawlas, Nürnberg 1976, ISBN 3-88088-209-6, (Luftfahrt-Dokumente 20), S. 63–65.
  • A. R. Weyl: „Fokker the Creative years“, Oxford 1965.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fokker Dr.I – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]