Fokus (Linguistik)

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In der Linguistik ist der Fokus diejenige sprachliche Einheit, die in einer deklarativen Äußerung behauptet bzw. in einer interrogativen Äußerung erfragt wird.

Dabei stellt der Fokus einen der beiden primären Zustände dar, die in der Informationsstruktur sprachlicher Äußerungen möglich sind. Das Pendant dazu ist das Topik. Beide sind Untersuchungsgegenstände der Diskurspragmatik.

Der Begriff des Fokus überschneidet sich mit dem Begriff des Rhemas, der von der Prager Schule im Rahmen der Thema-Rhema-Gliederung geprägt wurde.

Fokus-Typen[Bearbeiten]

Es lassen sich prinzipiell folgende Fokus-Typen unterscheiden:

  • Konstituenten-Fokus: Die Betonung markiert einen Kontrast zwischen alternativen Möglichkeiten, einen bestimmten Satzteil anzugeben.
Frage: „Stimmt es, dass dein Motorrad kaputtgegangen ist?“
Antwort: „Nein, mein Auto ist kaputtgegangen.“
  • Prädikats-Fokus: Die Betonung markiert einen Kontrast zwischen alternativen Möglichkeiten ein Prädikat anzugeben.
Frage: „Was ist mit deinem Auto passiert?“
Antwort: „Mein Auto ist kaputtgegangen.“
  • Satz-Fokus: Der gesamte Satzinhalt ist eine neue Mitteilung (Betonung = "neutraler Satzakzent" auf der Konstituente direkt vor dem Prädikat).
Frage: „Was ist passiert?“
Antwort: „Mein Auto ist kaputtgegangen.“
  • Verum-Fokus: Betonung auf dem finiten Verb markiert einen Kontrast zwischen den Möglichkeiten, ob ein bereits gegebener Satzinhalt behauptet oder bestritten wird.
Kontext: „Ich wünschte, du wärst in meiner Mannschaft“
Antwort: „Aber ich BIN in deiner Mannschaft!“[1]

Sprachliche Kodierungsverfahren[Bearbeiten]

In den Sprachen der Welt gibt es verschiedene – häufig alternativ anwendbare – Verfahren zur Kodierung der einzelnen Fokus-Funktionen, z. B. für den Konstituenten-Fokus:

MEIN AUTO ist kaputtgegangen.“
Kuruma ga koshō shita.“ (kuruma = „Auto“)
„Kaputtgegangen ist mein Auto.“ (Wortfolge)
„Es ist mein Auto, das kaputtgegangen ist.“ (Spaltsatz)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beispiel aus Büring 2006

Quellen[Bearbeiten]

  • Daniel Büring (2006): "Intonation und Informationsstruktur" In H.Blühdorn et al. (eds): Text - Verstehen.Grammatik und darüber hinaus, Berlin, de Gruyter (= Institut für Deutsche Sprache, Jahrbuch 2005)
  • Robert Detrick Van Valin: A synopsis of Role and Reference Grammar. In: Robert D. Van Valin, Jr.: Advances in Role and Reference Grammar. Benjamins, Amsterdam u. Philadelphia 1993, S. 23–33. (speziell zu diesem Thema)

Literatur[Bearbeiten]

  • Simon C. Dik (hrsg. von Kees Hengeveld): The theory of Functional Grammar. Teil 1: The structure of the clause. 2. Aufl. Mouton de Gruyter, Berlin u. New York 1997, S. 309–338.
  • Gundel, J. K. und Fretheim, T. (2006). Topic and Focus. In Horn, L. R. und Ward, G. (Hrsg.), The Handbook of Pragmatics, Kapitel 8, S. 175–196. Blackwell, Malden, MA / Oxford. (verfügbar auf Google Books)