Fokusgruppe

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Unter einer Fokusgruppe (aus dem Englischen: „focus group“) versteht man eine Form der Gruppendiskussion, die zum Beispiel in der qualitativen Sozialforschung sowie in der Marktforschung eingesetzt wird. Es handelt sich um eine moderierte Diskussion mehrerer Teilnehmer, welche sich meist an einem Leitfaden orientiert. Aufgrund des Leitfadens mit offenen Fragen spricht man auch von einem teilstandardisierten Interview. [1] [2] Daher ist auch von Fokusgruppen-Interviews die Rede. Die Methode basiert auf den Prinzipien Kommunikation, Offenheit, Vertrautheit und Fremdheit sowie Reflexivität. [3] Ihr Einsatz ist besonders in frühen Entwicklungsstadien von Studien sinnvoll, in denen Ideen entwickelt, Konzepte erstellt und Anforderungen erfragt werden sollen. [4]

Qualitative Sozialforschung[Bearbeiten]

In der qualitativen Sozialforschung soll das Prinzip der Offenheit eingehalten werden, um das, was im Forschungsverlauf zum Vorschein kommt, nicht zu verfälschen. Annahmen im Voraus können die Sicht des Forschenden einschränken und in eine bestimmte, von ihm persönlich gewohnte Richtung drängen. Das Offenheitsprinzip soll neue und ggf. sogar überraschende Erkenntnisse ermöglichen. [5] Qualitative Forschung geht davon aus, dass eine Differenz zwischen dem Sinn besteht, den Forschende einbringen, und dem Sinn, den Befragte verleihen. [6]

Ziel[Bearbeiten]

Ziel dieser Forschungsmethode ist es, das Relevanzsystem der Teilnehmer in Erfahrung zu bringen. Die Sichtweise der Teilnehmer eines Fokusgruppen-Interviews steht im Vordergrund. [7] Sie sollen ihre eigenen Wertigkeiten setzen und innerhalb des groben Fragenrahmens das zur Sprache bringen, was ihnen wichtig ist. Die natürlichere Atmosphäre, als sie bei Einzelinterviews der Fall wäre, soll zu einer lockeren Stimmung und damit zu Redseligkeit und Offenheit der Teilnehmer führen. Um das gewonnene Material auswerten zu können, empfiehlt sich die Audioaufnahme des Fokusgruppen-Interviews.

Teilnehmer[Bearbeiten]

Fokusgruppen-Interviews sammeln qualitative Daten aus einem fokussierten Gespräch einer homogenen Gruppe. [8] Gleichzeitig ist aber auch eine gewisse Variation unter den Teilnehmern notwendig, um gegensätzliche Meinungen zu ermöglichen. [9] Die Gruppeninteraktion und die Gruppendynamik [10] können dazu führen, dass tiefergehende Informationen hervorgerufen werden, wenn Gruppenmitglieder Antworten anderer hören. [11] [12] Für Fokusgruppen-Interviews für nicht-kommerzielle Zwecke werden fünf bis acht Teilnehmer empfohlen. [13] Es findet sich aber auch die Empfehlung, sogar sechs bis 12 Teilnehmer einzuladen. [14]

Vor- und Nachteile der Methode[Bearbeiten]

Bevor mit der Forschung begonnen wird, muss gründlich überlegt werden, welche Methode dem Forschungsziel dienlich ist und zum Einsatz kommen soll.

Vorteile[Bearbeiten]

  • Inspiration zu weiteren, ausführlicheren, tiefergehenden Aussagen
  • Einbeziehung von stilleren Teilnehmern
  • Transparenz der Gedanken- und Erlebenswelt der Interviewpartner [15]
  • auch "unfertige" Produkte und Vorlagen, zum Beispiel Zeichnungen, können getestet werden
  • Gewinnung neuer Informationen
  • Entwicklung von Hypothesen über Motive der Teilnehmer

Nachteile[Bearbeiten]

  • mögliche Dominanz einzelner Teilnehmer
  • Unübersichtlichkeit bei zu vielen Teilnehmern, Schwierigkeit der koordinierten Moderation
  • aufgrund der qualitativen Methode und der kleinen Fallzahl nicht repräsentativ
  • sehr aufwändige Auswertung des Materials

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uwe Flick: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. 2010, Rowohlt, ISBN 978-3-499-55694-4, S. 222 ff.
  2. Jürgen Bortz, Nicola Döring: Forschungsmethoden und Evaluation. für Human- und Sozialwissenschaftler. 2005, Springer, ISBN 978-3540419402, S. 308.
  3. Cornelia Helfferich: Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. 2011, VS Verl. für Sozialwissenschaften, ISBN 978-3-531-17382-5, S. 24 f.
  4. Paul Holleis: Integration usability models into pervasive application development. 2008, Universität, Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik, Dissertation http://edoc.ub.uni-muenchen.de/9571/1/Holleis_Paul.pdf, S 16.
  5. Uwe Flick: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. 2010, Rowohlt, ISBN 978-3-499-55694-4, S. 133.
  6. Cornelia Helfferich: Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. 2011, VS Verl. für Sozialwissenschaften, ISBN 978-3-531-17382-5, S. 22.
  7. Uwe Flick: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. 2010, Rowohlt, ISBN 978-3-499-55694-4, S. 51.
  8. Richard A. Krueger, Mary A. Casey: 'Focus groups. A Practical Guide for Applied Research. 2009, Sage, ISBN 978-1-4129-6947-5, S. 15.
  9. Richard A. Krueger, Mary A. Casey: Focus groups. A Practical Guide for Applied Research. 2009, Sage, ISBN 978-1-4129-6947-5, S. 66.
  10. Peter Drescher: Moderation von Arbeitsgruppen und Qualitätszirkeln. Ein Handbuch. 2003, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 3-525-49070-4, S. 36.
  11. Donald O. Case: Looking for Information. A Survey of Research on Information Seeking, Needs, and Behavior. 2007, Elsevier, ISBN 978-0-12-369430-0, S. 332.
  12. Jürgen Bortz, Nicola Döring: Forschungsmethoden und Evaluation. für Human- und Sozialwissenschaftler. 2005, Springer, ISBN 978-3540419402, S. 319.
  13. Richard A. Krueger, Mary A. Casey: 'Focus groups. A Practical Guide for Applied Research. 2009, Sage, ISBN 978-1-4129-6947-5, S. 67.
  14. Donald O. Case: Looking for Information. A Survey of Research on Information Seeking, Needs, and Behavior. 2007, Elsevier, ISBN 978-0-12-369430-0, S. 332.
  15. Jürgen Bortz, Nicola Döring: Forschungsmethoden und Evaluation. für Human- und Sozialwissenschaftler. 2005, Springer, ISBN 978-3540419402, S. 279.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Bortz, Nicola Döring: Forschungsmethoden und Evaluation. für Human- und Sozialwissenschaftler. Springer, Heidelberg 2005, ISBN 978-3540419402
  • Richard A. Krueger, Mary A. Casey: Focus groups. A Practical Guide for Applied Research. Sage, Los Angeles 2009, ISBN 978-1-4129-6947-5
  • Donald O. Case: Looking for Information. A Survey of Research on Information Seeking, Needs, and Behavior. Elsevier, Amsterdam 2007, ISBN 978-0-12-369430-0
  • Peter Drescher: Moderation von Arbeitsgruppen und Qualitätszirkeln. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-49070-4
  • Cornelia Helfferich: Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. VS Verl. für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17382-5
  • Paul Holleis: Integration usability models into pervasive application development. Universität, Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik, Dissertation, München 2008 (6,52 MB).