Forces Armées et de Sécurité du Mali

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Malische Soldaten 2008
Malische Sanitäter
Der ehemalige malische Verteidigungsminister Natie Plea bei den Truppen während einer gemeinsamen Übung von malischen und US-amerikanischen Soldaten

Die Forces Armées et de Sécurité du Mali (deutsch etwa: „Bewaffnete und Sicherheitskräfte von Mali“) sind die Streitkräfte Malis. Sie bestehen aus einem Heer (Armée de terre), einer Luftwaffe (Aérienne de la République du Mali), einer kleinen Marine[1], einer Präsidentengarde und einer Gendarmerie. Im Sommer 2012 gab das malische Verteidigungsministerium an, dass der Armee ca. 4000 Soldaten zur Verfügung stünden.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Streitkräfte Malis wurden am 1. Oktober 1960 gegründet.[3] Im Jahr 1968 putschte das Militär gegen die damalige malische Regierung und setzte Moussa Traoré als neuen Präsidenten ein. In den 1960er- und 1970er-Jahren bekam das malische Militär nach Angaben der CIA Waffen von der Sowjetunion. Zudem wurden Soldaten der Sowjetarmee in Mali stationiert. Die Beziehungen zur Sowjetunion als auch zu Frankreich waren nach dem Putsch verstärkt worden. Die damals mit der Sowjetunion geschlossenen Verträge bezüglich der malischen Armee hatten ein Volumen von 21 Millionen US-Dollar.[4]

1974 gab es einen kleinen Grenzkonflikt mit Burkina Faso um den Agacher-Streifen, wobei auf malischer Seite eine MiG-17 aus bisher unbekannten Gründen abstürzte.[5] Nach einem Waffenstillstand eskalierte der Konflikt im Jahr 1985 erneut, nachdem Mali seine Truppen am 20. Dezember im Grenzgebiet zusammengezogen hatte. Am 25. Dezember brach der Krieg um den Agacher-Streifen erneut aus und dauerte nach mehreren gescheiterten Waffenstillstandsabkommen bis zum 30. Dezember.

Nachdem sich im Ostblock viele Regime nicht mehr halten konnten und sich auch in Mali die wirtschaftlichen Probleme verschlimmerten, putschte das Militär 1991 erneut und leitete einen demokratischen Wandel ein. Ab 1990 kam es im Norden Malis mehrfach zu Rebellionen von Tuareg. Der Konflikt begann schon vor Moussa Traorés Absetzung und führte 1991 zu einem ersten Abkommen mit der Fronts Unifiés de l´Azawad. 1996, nach weiteren Abkommen mit den Rebellen, konnte sogar eine Integration von Rebellen in die Armee erreicht werden. 1998 bildeten rund 70 Soldaten der US-amerikanischen 3rd Special Forces Group im Rahmen des Trainingsprogramm African Crisis Response Initiative (ACRI) ein malisches Bataillon für Friedensmissionen aus.

Bei einer Geiselnahme im Jahr 2003 halfen malische Militärs, im Norden des Landes die Spur zur entführten Gruppe aufzunehmen.[6]

Motiviert durch den Krieg gegen den Terrorismus, unterstützten die US-Streitkräfte malische Soldaten im Zuge der Pan-Sahel-Initiative, indem sie mit ihnen gemeinsame Übungen durchführten. 2006 desertierten jedoch einige vormals integrierte Tuareg-Rebellen, was zu einem mehr oder weniger offenen Bürgerkrieg führte. Hierdurch verlor die Armee in zahlreichen Gebieten die Kontrolle. Nach dem Bürgerkrieg in Libyen kehrten zahlreiche Tuareg nach Mali zurück, die zuvor als Söldner auf Seiten Muammar al-Gaddafis gekämpft hatten. Die von zurückgekehrten Tuareg-Kämpfern gegründete Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) konnte weitere Ortschaften im Grenzgebiet zu Niger und Mauretanien erobern. Die malischen Streitkräfte griffen ihrerseits die Rebellen mit in Kidal und Gao stationierten Hubschraubern an.[7]

Hubschrauber vom Typ Harbin Z-9 der Luftwaffe Malis 2005

Seit 2007 werden die malischen Streitkräfte auch von der Bundeswehr unterstützt. So wurden ausgemustertes Gerät, darunter 32 LKW, 14 kleine Boote und vier Wolf Geländewagen von der Bundeswehr nach Mali geschafft. Im Jahr 2009 ist Mali ein offizielles Partnerland der Ausstattungshilfe für ausländische Streitkräfte. Des Weiteren wurde ein Ausbildungszentrum für Pioniere in Mali gebaut.[8] 2011 wurde die malische Fallschirmjägereinheit 33e Regiment des Commandos Parachutistes von Soldaten des Canadian Special Operations Regiment (CSOR) ausgebildet.[9]

Am 21. März 2012 kam es zu einem Militärputsch. Die Putschisten begründeten den Staatsstreich mit der Unfähigkeit von Präsident Amadou Toumani Touré, den Aufstand der Tuareg im Norden des Landes unter Kontrolle zu bekommen. [10] Jedoch konnte die Armee nach dem Putsch die Gebiete im Norden nicht halten und verlor nach und nach die Städte Kidal, Gao und Timbuktu an Tuareg-Rebellen. Seitdem sich die Situation mit zunehmendem Einfluss der islamistischen Gruppe Ansar Dine bei den Tuareg weiter verschlechterte, bekam die Idee einer internationalen Intervention zusammen mit den malischen Streitkräften mehr und mehr Befürworter.[2]

Die regulären Streitkräfte hatten durch die Erfolge der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) seit Sommer 2012 mit zahlreichen Deserteuren zu kämpfen.

Seit 11. Januar 2013 unterstützt Frankreich mit der Opération Serval Mali im Kampf gegen die Islamisten.

Forces Patriotiques de Résistance (FPR)[Bearbeiten]

Nach dem Putsch im März 2012 gerieten die Streitkräfte in Unordnung und verloren ihre Kampfesstärke. Die Islamisten konnten weiter nach Süden vorrücken. Die Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (ECOWAS) forderte die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit. Zur Verteidigung der Heimat bildeten sich neben den regulären Streitkräften mehrere bewaffnete Milizen und bereiteten sich auf die Rückeroberung der von islamistischen Gruppen wie der al-Qaida im Maghreb (AQIM) besetzten Gebiete vor. Zur Koordination der einzelnen Milizen wurden auf einer Pressekonferenz in Bamako am 21. Juli die Forces Patriotiques de Résistance (FPR) bekanntgegeben.

Die FPR bildete sich aus folgenden Selbstverteidigungs-Milizen:

  • Ganda-Koy mit 2.000 Kämpfern unter Führung von Harouna Touré und überwiegend in der Region Gao im Einsatz. Rund 400 Kämpfer der Ganda-Koy sollen sich im Juli 2012 in Douentza der islamistischen Ansar Dine angeschlossen haben.
  • Ganda-Iso mit 1.300 Kämpfern unter Führung von Muhammad Attaib Maiga
  • Forces de Libération des Régions Nord du Mali (FLN)
  • Alliance des Communautés de la Cégion de Tombouctou (ACRT)
  • Force Armée Contre l'Occupation (FACO) und
  • Cercle de Réflexion et d'Action (CRA)

Ein Großteil der FPR gehört den Ethnien der Fulbe und Songhai an.

Eine weitere Miliz, die sich in Gao gründete, ist die Popular Movement Soni Ali Ber unter Führung von Al-Hadj Tandjina.

Entsendung ins Ausland[Bearbeiten]

Die Streitkräfte Malis beteiligten sich an Friedensmissionen in der Demokratischen Republik Kongo sowie in Liberia, Sierra Leone und der Zentralafrikanischen Republik.[11]

Militärische Weiterbildung[Bearbeiten]

Divisionsgeneral Mahamane Toure, Direktor der Ecole de Maintien de la Paix

Die malischen Streitkräfte unterhalten folgende Schulen:

  • École militaire interarmes de Koulikoro
  • L’école de maintien de la paix de Bamako Alioune Blondin Beye (unter der Beteiligung anderer Staaten)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Military of Mali – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Website des Verteidigungsministeriums (französisch)
  • Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung (FKRE), Universität Hamburg: Bericht über die militärischen Auseinandersetzungen seit den 1990er Jahren bis 2008 [1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Navy (Mali). 17. Oktober 2007, abgerufen am 19. Januar 2013 (englisch).
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCarsten Luther: Malis Nachbarn drängen auf Intervention. Im Süden Stillstand, im Norden zerstörte Gräber und Scharia: Mali braucht Hilfe. Ein militärisches Eingreifen gegen die Islamisten wird wahrscheinlicher. In: Zeit Online. ZEIT ONLINE GmbH, 13.07.2012, abgerufen am 14. Juli 2012.
  3. S. Konate: FETE DE L'ARMEE : BIENTÔT UN DEMI SIÈCLE D'EXISTENCE. In: L’Essor n°16365 du - 2009-01-19. 19. Januar 2009, abgerufen am 22. März 2012 (französisch).
  4. Soviet Military Policy in the World. 21. Oktober 1976, abgerufen am 22. März 2012 (englisch).
  5. Tom Cooper: Burkina Faso and Mali, Agacher Strip War, 1985. 31. Juli 2004, abgerufen am 22. März 2012 (englisch).
  6. Frank Hauke, Arno Heißmeyer: Sahara: Der Preis der Freiheit. Nach Monaten kehren 14 Touristen in ihre Heimat zurück – gegen ein Lösegeld, das niemand gezahlt haben will. In: FOCUS Magazin. Hubert Burda Media, 25. August 2003, abgerufen am 22. März 2012.
  7. Dominic Johnson: Mit Hubschraubern gegen Rebellen. Die Regierung hat die Kontrolle über große Teile des von Wüste bedeckten Nordens Malis an eine Tuareg-Rebellenarmee verloren. Zehntausende sind auf der Flucht. In: taz online. 14. Februar 2012, abgerufen am 22. März 2012.
  8. Hauke Friederichs: Die Bundeswehr ist längst in Mali. In: Zeit Online. Zeit Online Gmbh, 29. Oktober 2012, S. 1, abgerufen am 4. November 2012.
  9. http://news.nationalpost.com/2013/01/26/paratroopers-trained-in-canada-led-counter-coup-in-mali-but-presidential-guard-unit-failed-to-regain-control/
  10. Putschisten übernehmen offenbar Macht in Mali. Abgerufen am 22. März 2012.
  11. Library of Congress – Federal Research Division: Country Profile: Mali, January 2005. Abgerufen am 22. März 2012 (PDF; 138 kB).