Fordlândia

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Fordlândia (1920-1945), auch Fordlandia; von Ford, Henry, ist heute eine Geisterstadt südlich von Santarém in Amazonien. Der amerikanische Autobauer Henry Ford wollte in den 1920er Jahren preisgünstig Autoreifen herstellen. Wegen Missmanagement und technischer Weiterentwicklung bei der Gummireifenherstellung wurde das Projekt eine Fehlinvestition von 25 Millionen Dollar.

Verlassene Fabrikhalle, 2005
Fordlândia im Jahr 2005

Grund Preisgünstige Autoreifen[Bearbeiten]

In den 1920er Jahren erwarb die Ford Motor Company ein 10.000 km² großes Stück Urwald am Rio Tapajós in Amazonien, um eine Kautschukplantage zu errichten. Zu dieser Zeit wurde der Rohstoff für Autoreifen nur auf natürlichem Wege gewonnen und Ford wollte im Sinne einer vertikalen Rückwärtsintegration seines Unternehmens möglichst unabhängig von der Produktion aus dem damals britischen Malaysia werden. Eine amerikanische Kleinstadt wurde für 8.000 einheimische Arbeiter mit Kraftwerk, Schwimmbad, Kino, Feuerwehr und einem Krankenhaus errichtet. Über Tapajós und Amazonas sollten die Produkte in alle Welt verschifft werden, unter anderem nach São Paulo, wo sich eine Ford-Fabrik befand.

Fehlmanagment[Bearbeiten]

Die Landschaft ist hügelig und unfruchtbar und keiner von Fords Managern hatte die nötigen Kenntnisse in tropischer Landwirtschaft. Die Gummiplantage wurde nie ein Erfolg, nicht nur weil die Kautschukbäume zu eng beieinander standen statt, wie in Brasilien üblich, mit großem Abstand zueinander angebaut wurden. Vor allem konnten sich die einheimischen Arbeiter nicht an die Arbeitsbedingungen gewöhnen. Sie sollten wie in einer amerikanischen Kleinstadt leben, z.B. Ausweiskarten tragen, Arbeitszeiten wie in Nordamerika (von 6 bis 15 Uhr) einhalten und sich an die amerikanische Lebensweise gewöhnen, inklusive amerikanischem Essen wie Hamburger und einem Rauch- und Alkoholverbot. 1930 gab es einen Aufstand, der sich gegen die vorgeschriebenen Lebens- und Ernährungsregeln wandte. Dieser wurde von brasilianischem Militär niedergeschlagen. Die Regierung wurde gegenüber den ausländischen Investoren zunehmend misstrauisch und unterstützte das Projekt nicht weiter. Ford machte in Belterra, weiter flussaufwärts, noch einen Versuch. Die Produktion von Kautschuk lief aus verschiedenen Gründen nie richtig an und es wurden außer ein paar Proben keine nennenswerten Mengen zu Ford in die USA gesandt.[1]

Das Ende[Bearbeiten]

Bis zum Jahre 1945 wurde jedoch der synthetische Gummi entwickelt und Ford stellte sofort alle Zahlungen ein. Sein Enkel Henry Ford II verkaufte die Stadt für 250.000 US-Dollar an Brasilien, nachdem über 25 Millionen US-Dollar investiert wurden. Die Anlagen wurden eine Weile weiter gewartet, aber bald schafften es die 800 Einwohner nicht mehr, den Verfall aufzuhalten.

Noch 1944 drehte Walt Disney einen Werbefilm für das Projekt mit dem Namen „The Amazon awakens“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mary A. Dempsey: Fordlandia. In: Michigan History. Band 78, Nr. 4, 1994, S. 24–33 (mit Fotos, Digitalisat (Version vom 7. Januar 2008 im Internet Archive)).
  • Frank Thadeusz: Endzeit im Dschungel. In: Der Spiegel. 6/2010, S. 145 f.
  • Vom Urwaldtraum des amerikanischen Autokönigs blieb eine Geisterstadt: Fordlandia. In: Der Spiegel. 38/1992, 14. September 1992 (Digitalisat).
  • Eduardo Sguiglia: Fordlandia. Europa-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-203-82006-4.
  • Greg Grandin: Fordlandia - The Rise and Fall of Henry Ford's Forgotten Jungle City. Faber and Faber Ltd., New York 2010, ISBN 978-1848311473.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fordlândia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Was vom Größenwahnsinn bleibt in Frankfurter Rundschau vom 10. Juni 2013, Seiten 16 und 17

-3.831389-55.4975Koordinaten: 3° 49′ 53″ S, 55° 29′ 51″ W