Form (Kunst)

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Der Begriff Form (lat. forma) bezeichnet im Allgemeinen die äußere Gestalt, den Umriss und entwickelte sich in seiner Bedeutung in Verbindung mit dem griechischen Begriff Eidos, der die endliche Ausgestaltung von Materie ausmacht. Die inhaltlichen Anteile des Geformten werden dabei nicht berücksichtigt.

Bildende Kunst[Bearbeiten]

In der bildenden Kunst kann die Form nicht losgelöst von der Materie sowie von Inhalt und Ausdruck gesehen werden. Zudem ist zwischen den Formwahrnehmungen der Wirklichkeit und den Formdarstellungen auf Grund der künstlerischen Tätigkeit zu unterscheiden. In seinem Aufsatz Das Problem der Form in der bildenden Kunst unterschied Adolf von Hildebrand 1893 zwischen der Daseinsform (der physikalischen Form von Gegenständen), der Wirkungsform (die Erscheinungsweise von Gegenständen) und der Vorstellungsform (der aus einer Verhältnisgleichung aus Daseins- und Wirkungsform gewonnenen künstlerischen Werkform). Alle diese Werkformen sind zueinander an die vom Künstler zu realisierenden materiellen Substanzen gebunden (Ölbild, Aquarellbild) und sind aufgrund psychologischer Wirkungen niemals Inhaltsfrei zu sehen.[1]

Form und Inhalt[Bearbeiten]

Der Bezug von Form und Inhalt (Gestalt, Gehalt), ein seit dem 18. Jahrhundert wichtiges Begriffspaar in der Ästhetik sowie der Kunst- und Literaturbetrachtung,[2] werden untrennbar aufeinander bezogen und sind Korrelate ein und derselben Aufgabe, die ein Künstler sich gestellt und in einem Werk realisiert. Diese Entsprechung von Form und Inhalt ist für die Aussage und deren Qualität von ausschlaggebender Bedeutung. Solange der korrelative Zusammenhang bestehen bleibt, wird auch eine formale Bearbeitung der künstlerischen Aufgaben des Künstlers dem Werk gerecht und hat solange eine Berechtigung, wie der inhaltliche Anteil der vom Künstler geformten Formen von diesem noch gesehen wird. Interessieren aber nur noch die Formfragen alleine – würde also der Inhalt fehlen – kann durch „die verabsolutierte Formfrage die psychologische Grundkomponente negiert und eine Neigung zum Ästhetizismus erkennbar“[1] werden, wobei der Formalismus die Oberhand gewinnt, was wiederum ein solches Werk angreifbar machen würde.[1]

Malerei[Bearbeiten]

Um Kunst handelt es sich, wenn der inhaltliche Anteil, der Inhalt, in eine Gestalt gewandelt wird. Die Formgebung nun wird in der Malerei seit Paul Cézanne dem Motiv untergeordnet. Es kommt nicht mehr auf die Dinge an, sondern auf die Art, die Dinge zu sehen.[3] Cézanne war der erste Künstler, der damit begann, Objekte in einfache geometrische Formen zu zerlegen. Er schrieb in seinem häufig zitierten Brief vom 15. April 1904 an den Maler und Kunsttheoretiker Émile Bernard: „Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so daß jede Seite eines Objektes, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt […].“[4]

Abstrakte Kunst[Bearbeiten]

Innerhalb der abstrakten Kunst, somit auch der abstrakten Malerei, wird nicht mehr die Wiedergabe von Wirklichkeiten, sondern eine „im platonischen Begriffe ‚poetische‘ Kunst, die sich im geometrischen Ideogramm […] erfinderisch auslebt“, behandelt.[5] Nach Wassily Kandinsky bezeichnen abstrakte Formen keine realen Gegenstände mehr, sondern sind – wie die einfachen geometrischen Formen Platons – abstrakte Wesen mit eigenem Leben in eigenem Bereich.[6]

Musik[Bearbeiten]

Die Musik, die keinen Stoff, wohl aber Gehalt und Form besitzt, zieht ihre Kräfte aus den „Grundvorgängen psychischen Lebens“ und der „Zeitseele“.[7] Absolute Musik hat keine Gegenständlichkeit, „sie ist nur Kraft und deren Ausstrahlung in Klangstoff.“[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Redaktion für Kunst des Bibliographischen Instituts (Hrsg.): Meyers kleines Lexikon. Kunst. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1986, S. 185
  2. R. Schwinger: Form und Inhalt, in Jochim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 2. Schwabe & Co Ag, Basel 1972, S. 975
  3. R. Schwinger: Form und Inhalt, in Jochim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Basel 1972, S. 976
  4. Götz Adriani: Cézanne – Leben und Werk, S. 47 f.
  5. Leopold Ziegler, zitiert nach Joachim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.), S. 976
  6. Wassily Kandinsky: Über das Geistige in der Kunst, nach R. Schwinger: Form und Inhalt, in Jochim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.), S. 976
  7. a b Ernst Kurth, zitiert nach R. Schwinger: Form und Inhalt, in Jochim Ritter/Karlfried Gründer (Hrsg.), S. 976