Auslandskrankenschein

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Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
Europäische Krankenversicherungskarte (Rückseite eGK, Deutschland)
Europäische Krankenversicherungskarte, EKVK (Rückseite e-card, Österreich)
Carte Européenne d'Assurance Maladie, CEAM (Frankreich)

Ein Auslandskrankenschein ist die landläufige Bezeichnung für „Anspruchsbescheinigungen“ für die Inanspruchnahme von Leistungen der deutschen bzw. der österreichischen gesetzlichen Krankenversicherungen im Ausland. Für den Bereich der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sind die Auslandskrankenscheine durch die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) abgelöst worden. In bestimmten anderen Staaten sind jedoch sogenannte länderspezifische Urlaubskrankenscheine auch weiter erforderlich.

Deutsche Krankenkassen[Bearbeiten]

Territorialitätsprinzip[Bearbeiten]

In der deutschen Krankenversicherung gilt das Territorialitätsprinzip, d. h. Leistungen werden nur an Versicherte im Geltungsbereich des Gesetzes erbracht (§ 16 Abs. 1 Ziff. 1 SGB V). Das SGB V sieht hiervon Ausnahmen im Rahmen der sogenannten „Ausstrahlung“ oder „Einstrahlung“ vor. Dies betrifft insbesondere Arbeitnehmer, die für einen befristeten Zeitraum aus ihrem Arbeitsverhältnis heraus von Deutschland ins Ausland entsendet werden oder aber – umgekehrt – von ihrem ausländischen Arbeitgeber nach Deutschland entsandt werden. Sie unterliegen weiterhin ihren heimischen Rechtsvorschriften. Regelungen besonderer Sozialversicherungsabkommen bleiben hiervon jedoch unberührt.

Krankenversicherungsschutz in Ländern der EU und des EWR[Bearbeiten]

Von diesem Territorialitätsprinzip wird innerhalb der Länder der EU und des EWR auf der Grundlage der VO 1408/71 abgewichen. Auch in diesen Ländern haben Versicherte Anspruch auf Leistungen der Krankenversicherung.

Krankenversicherungsschutz in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen[Bearbeiten]

In Ländern außerhalb der EU und des EWR haben deutsche Versicherte nur dann einen Anspruch auf Leistungen der deutschen Krankenversicherung, wenn mit diesen Staaten ein Sozialversicherungsabkommen im Bereich der Krankenversicherung besteht. Die Inanspruchnahme des Versicherungsschutzes erfordert je nach Land verschiedene Urlaubskrankenscheine oder die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC).

Mit Stand Dezember 2013 bestehen mit folgenden Staaten entsprechende Abkommen:

Australien, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Chile, China (Entsendeabkommen), Indien (Entsendeabkommen), Israel, Japan, Kanada/Quebec, Kosovo, Marokko, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Republik Korea, Tunesien, Türkei, USA

Kostenbeteiligung im Ausland[Bearbeiten]

Der Umfang des Versicherungsanspruchs im Ausland richtet sich nach dem jeweiligen nationalen Recht. Dabei kann eine gegenüber dem Inland deutlich erhöhte Kostenbeteiligung anfallen. Diese kann je nach Land sowohl Festbeträge (Zuzahlungen) als auch prozentuale Anteile bis über die Hälfte der Kosten umfassen. Eine private Auslandskrankenversicherung ist deshalb auch bei Reisen in die Länder der EU, des EWR oder mit Sozialversicherungsabkommen dringend zu empfehlen.

Über den konkreten Umfang des Versicherungsschutzes informieren länderbezogene Merkblätter der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA).[1]

Krankenversicherungsschutz in Nicht-EU/EWR-Ländern ohne Sozialversicherungsabkommen[Bearbeiten]

In Ländern außerhalb der EU und des EWR, mit denen kein Sozialversicherungsabkommen besteht, haben Versicherte nur unter den sehr engen Voraussetzungen des § 18 SGB V Anspruch auf Leistungen.

Kranken-Rücktransport[Bearbeiten]

Der Krankenrücktransport aus dem Ausland in die Bundesrepublik ist grundsätzlich nicht von der Krankenkasse zu übernehmen (§ 60 Abs. 4 SGB V).

Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA)[Bearbeiten]

Die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland wurde von den Spitzenverbänden der deutschen Krankenkassen getragen und 1950 gegründet. Ihr oblag unter anderem die Durchführung von EU-Recht und die Umsetzung der zwischenstaatlichen Sozialversicherungsabkommen für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zum Beispiel bei der Kostenabrechnung mit in- und ausländischen Stellen.

Sie war eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, ihre Geschäftsstelle war in Bonn angesiedelt. Nach dem Inkrafttreten der Gesundheitsreform 2007 werden die Aufgaben nunmehr vom GKV-Spitzenverband wahrgenommen („Abteilung DVKA“).[2]

Österreichische Krankenkassen[Bearbeiten]

In Ländern außerhalb der EU und des EWR haben österreichische Versicherte nur dann einen Anspruch auf Leistungen ihrer Krankenversicherung, wenn mit diesen Staaten ein Sozialversicherungsabkommen im Bereich der Krankenversicherung besteht. Die Inanspruchnahme des Versicherungsschutzes erfordert je nach Land verschiedene Urlaubskrankenscheine. Mit folgenden Staaten bestehen bilaterale Abkommen:

Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Serbien, Türkei[3]

Am 27. Juni 2012 genehmigte der Sozialausschuss des Nationalrats ein neues Abkommen mit Serbien, dass das seinerzeit zwischen Österreich und Jugoslawien abgeschlossene und bisher pragmatisch weiter angewendete Abkommen ersetzen soll. Inhaltlich sind keine wesentlichen Änderungen vorgesehen, lediglich in einzelnen Details, etwa in Bezug auf den Datenschutz und die Versicherungspflicht für diplomatisches Personal, wurden Anpassungen an ähnliche jüngere Abkommen mit anderen Ländern vorgenommen. Gleichzeitig beschloss der Ausschuss, die Vereinbarung mit dem Kosovo über die Weiterverwendung des jugoslawischen Abkommens aufzukündigen.[4] Dadurch gibt es aktuell kein Sozialversicherungsabkommen mit dem Kosovo.

Weiters besteht auch ein Abkommen mit Mazedonien, dort gilt aber seit Jänner 2013 auch die Europäische Krankenversicherungskarte, weshalb kein Auslandskrankenschein mehr benötigt wird.

Europäische Krankenversicherungskarte[Bearbeiten]

Seit dem 1. Juni 2004 wird in den meisten Mitgliedstaaten der Europäischen Union die Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK) (siehe Fotos am Artikelanfang) ausgegeben, sie ersetzt die Vordrucke E 111. In einer späteren Phase werden dann auch andere Vordrucke durch die Europäische Krankenversicherungskarte ersetzt, nämlich

  • E110 – für das internationale Verkehrswesen
  • E119 – für die Arbeitssuche
  • E128 – für Studium und für die Entsendung von Arbeitnehmern in ein anderes Land[5]

Die EKVK ist auf der Rückseite der österreichischen e-Card und kann auf der Rückseite der deutschen elektronischen Patientenkarte oder der Krankenversicherungskarte ausgeführt sein. Sie gilt in allen EU-Mitgliedsstaaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, Mazedonien und der Schweiz.[6] Aussehen und genaue Gestaltung der EHIC hat die EU-Verwaltungskommission in einem Beschluss festgelegt, der am 27. Oktober 2003 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wurde.[7]

Aufgrund der rechtlichen Konstruktion (und der Art und Quelle der Finanzierung) wird die Europäische Krankenversicherungskarte nur von gesetzlichen Krankenkassen ausgegeben. Privatkassen geben die EKVK nicht aus.

Auch die Bundesrepublik Deutschland war verpflichtet, diese Neuregelung zum 1. Juni 2004 umzusetzen. Eine entsprechende Karte gab es zu diesem Termin aber noch nicht, vielmehr stellten die deutschen Krankenkassen eine Ersatzbescheinigung aus. Diese ist in allen Mitgliedstaaten der Union gültig. Die Karte kann mittlerweile von fast allen Kassen auch online bei Eingabe der eigenen Mitgliedsnummer und weiteren Personendaten angefordert werden bzw. wird den Versicherten bei Austausch der Krankenversicherungskarte zugesandt. Bei Bedarf kann auch weiterhin die Provisorische Ersatzbescheinigung Anwendung finden.

Die Smartphone-App „Europäische Krankenversicherungskarte“ (iOS, Android, Windows Mobile) ist ein Anleitung zur Benutzung der Europäischen Krankenversicherungskarte in den 28 EU-Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, Mazedonien und der Schweiz. Sie enthält allgemeine Informationen zur Versicherungskarte, zu Notrufnummern, den abgedeckten Behandlungen und Kosten, über das Verfahren der Kostenerstattung und Ansprechpartner für den Fall des Verlusts der EHIC. Die Anleitung steht in 24 Sprachen zur Verfügung.[8]

Besserer Schutz in der EU und dem EWR[Bearbeiten]

In der Vergangenheit konnten in anderen EU- und EWR-Staaten als dem heimischen als Leistungen nur die Erst- bzw. Notfallbehandlung in Anspruch genommen werden. Seit dem 1. Juni 2004 besteht Anspruch auf alle medizinisch notwendigen Leistungen nach den für dieses Land geltenden Vorgaben.

Seit dem 1. Juli 2004 entfällt der Umweg über die zuständige ausländische Institution vor Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Es genügt die europäische Krankenversichertenkarte bzw. die provisorische Ersatzbescheinigung als Anspruchsbescheinigung gegenüber dem Behandler.

Es kann trotzdem vorkommen, dass Behandler die Anspruchsbescheinigung bzw. die Europäische Krankenversicherungskarte nicht akzeptieren und eine sofort zu begleichende Privatrechnung ausstellen, die aufgrund überhöhter Gebührensätze von der eigenen Krankenkasse nur teilweise erstattet wird. In diesem Falle sollte man den Behandler auf geltendes Recht hinweisen, denn innerhalb der EU hat man bei Kassenärzten das Anrecht auf direkte Abrechnung. Allerdings kennen viele Ärzte dieses Recht nicht. Im Fall, dass der ausländische Kassenarzt (Privatärzte sind dazu nicht verpflichtet) nicht akzeptiert, soll man diesen bitten, sich mit seiner regionalen Krankenkasse in Verbindung zu setzen, die informiert sind. Wenn man direkt bezahlt, bekommt man dagegen als Österreicher nur 80 % der Kosten zurückerstattet, auch wenn die verrechneten Tarife nicht höher als in Österreich sind.

Diese Problematik wird auch durch vorherigen Abschluss einer privaten Auslandsreiseversicherung weitgehend ausgeschlossen. Diese sollte auch den eventuellen Krankenrücktransport einschließen, da dieser von den deutschen Krankenkasse nicht übernommen werden darf. Der vorherige Blick in den eigenen Autoschutzbrief kann einem hier jedoch Kosten ersparen, da in vielen Schutzbrief-Produkten auch bei Reisen ohne Auto der Krankenrücktransport enthalten ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ländermerkblätter der DVKA, abgerufen am 16. August 2010
  2. DVKA: Wer wir sind.
  3. Auslandsbetreuungsschein auf wgkk.at – Aufgerufen am 19. Juli 2012
  4. Parlamentskorrespondenz Nr. 548 vom 27. Juni 2012 auf parlament.gv.at
  5. Die Europäische Krankenversicherungskarte auf chipkarte.at – Aufgerufen am 19. Juli 2012
  6. Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte im Ausland. Österr. Sozialversicherungen, abgerufen am 28. Dezember 2013 (pdf).
  7. Beschluss Nr. 190 vom 18. Juni 2003 betreffend die technischen Merkmale der europäischen Krankenversicherungskarte (2003/752/EG) (PDF)
  8. Gesundheitswesen. Smartphone-App für stressfreies Reisen diesen Sommer. Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 5. Juni 2012
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