Forschungsinformationssystem

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Ein Forschungsinformationssystem (FIS) ist ein Informationssystem, meist eine Datenbank, bei dem es sich um ein fortlaufend aktualisiertes, umfassendes Verzeichnis der Forscher und Forschungsaktivitäten (z.B. Publikationen, Projekte und Patente) einer Forschungseinrichtung handelt.

Integrierte Forschungsinformationssysteme dienen akademischen und nicht-akademischen Forschungseinrichtungen (wie z. B. Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Industrieunternehmen) dazu, das Portfolio ihrer Forschungsaktivitäten zu überblicken, zu verwalten, zu bewerten, und weiterzuentwickeln. Insofern sind Forschungsinformationssysteme primär ein Werkzeug der Forschungsadministration. Zugleich sind sie auch eine Datenquelle für autoritative, strukturierte, aktuelle und umfassende Daten über Forscher, deren Zugehörigkeiten, Aktivitäten, Output und Ressourcen gegenüber Drittmittelgebern, öffentlicher Hand und allgemeiner Öffentlichkeit (Forschungsdokumentation).

Abgrenzung[Bearbeiten]

Im Unterschied zu Literaturdatenbanken und digitalen Bibliotheken dienen Forschungsinformationssysteme dazu, die Aktivitäten der (aktuellen und zurückliegenden) Mitglieder einer bestimmten Forschungseinrichtung abzubilden. Dazu können je nach Art der Einrichtung Fachaufsätze und andere typische Forschungspublikationen gehören, aber z. B. auch die Mitarbeit in Drittmittelprojekten oder die Betreuung von Promotionsarbeiten.

Im Unterschied zu kommerziellen sozialen Netzwerken für Forscher (z. B. ResearchGate, Mendeley oder academia.edu) können die öffentlichen Forscherprofile in Forschungsinformationssystemen zwar von den darin beschriebenen Personen verändert oder ergänzt werden; grundlegende Informationen (z. B. die Namen der Forscher und die Art ihrer Mitgliedschaft an der jeweiligen Forschungseinrichtung) sind jedoch vorgegeben. Die Benutzung kommerzieller sozialer Netzwerke ist demgegenüber rein freiwillig, die enthaltenen Informationen daher unvollständig.

Markt für Forschungsinformationssysteme[Bearbeiten]

Der Markt für Forschungsinformationssysteme wird in zahlreichen Ländern von den Produkten und Diensten wissenschaftlicher Großverlage dominiert:

Im angloamerikanischen Raum spielt die freie Software VIVO und die mit ihr verbundenen Linked-Open-Data-Ontologien eine prägende Rolle.

Im deutschsprachigen Raum gibt es verschiedene Forschungsinformationssysteme, die als kommerzielle Systeme (bspw. FACTScience Forschungsinformationssystem der QLEO Science GmbH) oder als freie Software zumeist von wissenschaftlichen Bibliotheken als Inhouse-Lösungen entwickelt und betrieben werden, z. B. PUB an der Universität Bielefeld sowie Invenio an der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich, am CERN, den Bibliotheken des Deutschen Elektronensynchrotrons (DESY), des Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung (GSI) und der RWTH Aachen.[1]

Standards und Vereinigungen[Bearbeiten]

  • Weltweit: euroCRIS (Entwicklung des XML-Standards CERIF)[2]
  • Deutschland: DINI-AG FIS[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • EuroCRIS Adopts DSpace-CRIS as Its Official Institutional Repository | DuraSpace. Zugriff 25. Dezember 2013. (online auf: duraspace.org)
  • Sven Bittner, Stefan Hornbostel, Frank Scholze (Hrsg.): Forschungsinformation in Deutschland: Anforderungen, Stand und Nutzen existierender Forschungsinformationssysteme. Berlin 2012. (online auf: forschungsinfo.de)
  • Frank Scholze, Friedrich Summann: Forschungsinformationen Und Open Access Repository-Systeme. In: Wissenschaftsmanagement. 15, no. 2009 (2009), S. 41–42. (online auf: wissenschaftsmanagement.de)
  • DINI-AG Forschungsinformationssysteme (AG_FIS): Forschungsinformationssysteme in Hochschulen und Forschungseinrichtungen - Request for Comments. 24. Januar 2014. doi:10.5281/zenodo.7697

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forschungszentrum Jülich - Aktuelles - Neues Publikationsportal - JuSER Löst VDB Und JUWEL Ab. Zugriff 25. Dezember 2013. (online auf: fz-juelich.de)
  2. Brigitte Jörg: Harmonisierung von Forschungsinformationssystemen und der europäische Standard CERIF. (online auf: de.slideshare.net)
  3. DINI: Forschungsinformationssysteme. Zugriff 25. Dezember 2013. (online auf: dini.de)