Forschungsschiff

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Forschungsschiffe übernehmen vielfältige Forschungsthemen auf den Meeren. Sie stellen wissenschaftliche Labore auf dem Meer dar und übernehmen Aufgaben in den verschiedenen Disziplinen: Arktis-, Antarktis-, Eis- und Polarforschung, Geologie, Meteorologie, Ozeanografie, Schiffbau, Fischereiwissenschaft, Meeresbiologie und in der Unterwasserarchäologie.

Es hat sich international eine Klasseneinteilung entsprechend der Fahrtbereiche durchgesetzt:

  • global: Schiffe, die auf allen Weltmeeren eingesetzt werden können. Mindestanforderungen: ausreichender Aktionsradius, Standzeit 40 Tage, entsprechende Kommunikationsausrüstung, Länge 65 Meter, Windenkapazität 6000 Meter, Tiefsee-Lotausrüstung, Ladekapazität für wissenschaftliche Ausrüstung 100 Tonnen, 25 Wissenschaftlerplätze
  • ozeanisch: Schiffe, die lediglich einen Ozean befahren, aus europäischer Sicht den Nordatlantik mit Nebenmeeren. Anforderungen: Länge min. 55 Meter, tiefseetaugliche Winden- und Lotausrüstung
  • regional: aus deutscher perspektive Schiffe zum Einsatz in Nord- und Ostsee, Einsatztiefe bis 1000 Meter
  • lokal: Schiffe zur Küstenforschung, Einsatztiefe bis max. 500 Meter

Historische Schiffe[Bearbeiten]

HMS Beagle

Historische bzw. früher eingesetzte Schiffe sind u. a.:

Rechtsstatus der Forschungsschiffe in ihrer historischen Entwicklung[Bearbeiten]

Das moderne Forschungsschiff ging aus den Kriegsschiffen hervor. Seine Entwicklung vollzog sich von bewaffneten Schiffen der Kriegsmarine für Expeditionsreisen in fremde Länder[3] über militärische Hilfsschiffe zur Vermessung vor allem küstennaher Gebiete bis hin zu solchen Seefahrzeugen, welche für die Meeresforschung extra umgebaut bzw. als Spezialschiff zur Erforschung der Meere neu errichtet wurden. Die Kombination von Forschungs- und Vermessungsschiff durch die seefahrenden Staaten war bereits vor beiden Weltkriegen üblich und wurde nach 1945 von den Seestreitkräften fortgesetzt.[4] Auf die Kompliziertheit der Aufstellung von völkerrechtlichen Regeln für Forschungsschiffe wurde in den 1970er Jahren durch Seerechtler im Zusammenhang mit Problemen der Meeresverschmutzung und der Meeresforschung verstärkt aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass hinter den juristischen Fragen sowohl politische und wirtschaftliche Interessen als oft auch militärische stehen, die zu Anmelde- und Genehmigungspflichten[5] für das Einlaufen in fremde Häfen durch Forschungsschiffe – gleichgültig ihres Status – führten. Die Tradition, zivile hochseefähige Spezialschiffe für die wissenschaftliche Meeresforschung einzusetzen und ausdrücklich als „Forschungsschiff“ zu bezeichnen, hat der Geograph, Geophysiker und Geodät Erich von Drygalski (1865–1949) begründet. Drygalski legte besonderen Wert darauf, dass das Forschungsschiff „Gauß“ zwar die Staatsschiffs-Eigenschaft hatte und entsprechende völkerrechtliche Immunität genoss, jedoch wegen der rein wissenschaftlichen Forschungszwecke nicht mit den Attributen eines Kriegsschiffes ausgerüstet wurde und somit keinesfalls einschränkenden Bestimmungen des Völkerrechts für Kriegsschiffe besonders beim Anlaufen fremder Häfen unterworfen war. Die Besatzung des Segelschiffs „Gauß“, einschließlich seines Kapitäns, Hans Ruser, sowie das wissenschaftliche Personal unter Leitung v. Drygalski bestand nur aus Zivilpersonen – ein Merkmal für zivile Schiffe.[6] Die 1902 für fischereibiologische Zwecke erbaute „Poseidon“ trug offiziell den Beinamen „Reichsforschungsdampfer“[7] und fuhr in der Weimarer Republik unter der Reichsdienstflagge, als dieses Forschungsschiff für die Deutsche Wissenschaftliche Kommission für Meeresforschung tätig war und Termin-Forschungsfahrten für ICES unternahm. Die Durchführung von Forschungsfahrten zu wissenschaftliche Zwecken auf dem Meeren und Ozeanen ist in der Regel von den Flaggenstaaten vielfach so organisiert worden, dass die dafür eingesetzten Seeschiffe, die völkerrechtliche Immunität von Staatschiffen genießen, die ausschließlich zu anderen als Handelszwecken bestimmt sind.[8] Die Durchführung der wissenschaftlichen Meeresforschung in der ausschließlichen Wirtschaftszone oder auf dem Festlandsockel eines Küstenstaates ist für ausländische Forschungsschiffe nach dem UN-Seerechtsübereinkommen zustimmungspflichtig und mit Auflagen verbunden.[9] Im Interesse der Förderung der internationalen Zusammenarbeit gibt es Informationspflichten über den Austausch der erzielten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse. Auch kann der Küstenstaat wunschgemäß an Bord der ausländischen Forschungsschiffe an den wissenschaftlichen Untersuchungen selbst teilnehmen oder sich dabei vertreten lassen.[10] Im Zuge der Entwicklung ihrer rechtlichen Stellung wurden deutsche Forschungsschiffe, die für wissenschaftliche Zwecke bestimmt waren, auf Namen international bekannter Wissenschaftler getauft, z. B. FS Heincke (1990), nach Friedrich Heincke (1852–1929). Auch Forschungsschiffe anderer seefahrender Nationen wurden nach ihren Wissenschaftlern benannt. Beispielsweise erhielt das von 1957 bis 1999 betriebene sowjetische, später russische Forschungsschiff Michail Lomonossow seinen Namen in Erinnerung an den international bekannten Naturwissenschaftler und Dichter Michail Wassiljewitsch Lomonossow. Norwegen benannte ihr 1990 gebautes Forschungsschiff H. U. Sverdrup II nach dem international angesehenen Ozeanaographen Harald Ulrik Sverdrup (1888–1957). Weiter sind Entdecker bzw. Seefahrer Namensgeber für Forschungsschiffe. So wurde das britische Forschungsschiff RRS James Clark Ross[11] auf den englischen Entdecker und Seefahrer James Clark Ross (1800–1862) getauft. Die Ausarbeitung der Regeln für die maritime wissenschaftliche Forschung in einem internationalen Seerechtsabkommen erfolgte im Rahmen der Vereinen Nationen bereits bis 1982. In diesem seevölkerrechtlichen Übereinkommen werden die Forschungsschiffe in den UN-Amtssprachen Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch begrifflich erwähnt, z. B. als „research vesssels“ in der englischen Fassung des Vertragswerks sowie als „navires de recherche“ in der französischen.[12] Die abgestufte Immunität für ihre staatlichen Forschungsschiffe leiten über 20 Länder aus dem Internationalen Übereinkommen zur einheitlichen Feststellung von Regeln über die Immunitäten der Staatsschiffe[13] von 1926 ab, das 1937 nach Hinterlegung der erforderlichen Ratifikationsurkunden bei der belgischen Regierung in Kraft trat, sowie aus dem allgemeinen Seevölkerrecht.[14]

Aktive deutsche Schiffe[Bearbeiten]

Polarforschungsschiff Polarstern am Anleger der britischen Station Rothera an der Antarktischen Halbinsel
BSH-Schiffe Gauss, Atair, Komet und Wega am Kirchenpauerkai in Hamburg

Aktiv in Dienst befindliche deutsche Schiffe (mit Betreiber) sind Anfang 2011:

Das unter deutscher Federführung geplante europäische polareisbrechende Forschungs- und Tiefseebohrschiff Aurora Borealis sollte 2016 fertiggestellt werden, die Verwirklichung des Projektes ist aber aufgrund mangelnder Finanzierung und einer zuletzt negativen Stellungnahme des Wissenschaftsrates vom November 2010[15] fraglich.

Forschungsschiffe anderer Nationen[Bearbeiten]

Andere in Dienst befindliche Schiffe sind u. a.:

USA[Bearbeiten]

  • Alvin, U-Boot, 1964 gebaut
  • FLoating Instrument Platform (FLIP), ein 1962 gebautes US-amerikanisches Spezialschiff ohne eigenen Antrieb, das senkrecht im Wasser aufgerichtet werden kann

Belgien[Bearbeiten]

Frankreich[Bearbeiten]

Russland[Bearbeiten]

Nicht mehr aktive Schiffe[Bearbeiten]

Sowjetunion

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Forschungsschiffe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Chun (1852–1914) and the early days of biological deep-sea research in Germany, Hjalmar Thiel & Michael Türkay; in: Historisch-Meereskundliches Jahrbuch, Band 9, Stralsund, 2002 S. 101–136; dort Abbildung eines Gemäldes des Forschungsschiffes Valdiva unter der Reichs-Dienstflagge des kaiserlichen Deutschlands auf S. 114
  2. Von der „Georgius Agricola“ zur „A. v. Humboldt“, Brosin, H.-J. in: Historisch-Meereskundliches Jahrbuch. Band 11, Stralsund 2005, (S. 7–38) S. 32
  3. Vgl. z. B. Hans-Jürgen Brosin: Von der „Challenger“ zur Weltozeanmacht. In: Deutscher Marinekalender. 1972, DNB 012781711, S. 196–207.
  4. Vgl. z. B. Hans-Jürgen Brosin: Das Forschungsschiff „Professor Albrecht Penck“ – über 50 Jahre im Dienste der Meeresforschung. In: Historisch-Meereskundliches Jahrbuch. Band 10, Stralsund 2003/04, S. 14f.
  5. Reintanz, Gerhard: Meeresverschmutzung und Meeresforschung". In: „Deutsche Aussenpolitik“, Heft5/1973, (S. 361105–1120) S. 1120, Fußnote 26
  6. Erich von Drygalski: Zum Kontinent des eisigen Südens. Berlin 1904, S. 55.
  7. Den Meeren auf der Spur: Geschichte und Aufgaben der deutschen Forschungsschiffe von Reinke-Kunze, Christine, Herford, 1986, S. 156; ISBN 3-7822-0388-7
  8. Vgl. Art. 32, 96 UN-Seerechtsübereinkommen in Verbindung mit Art. 240 Allgemeine Grundsätze für die Durchführung der wissenschaftlichen Meeresforschung vom 10. Dezember 1982. BGBl. 1994 II S. 1798; in Kraft getreten 16. November 1994.
  9. Vgl. Art. 246, 248, 252 UN-Seerechtsübereinkommen
  10. Vgl. Art. 249 UN-Seerechtsübereinkommen
  11. RRS = Royal Research Vessel, Forschungsschiff mit Staatsschiffs-Status
  12. BGBl. 1994 II S. 1798 unter Art. 248 d) Forschungsschiffe)
  13. International convention for the unification of certain rules concerning the Immunity of state-owned Ships
  14. Menzel, Eberhard: Die Immunität der Staatsschiffe, Schriften des Deutschen Vereins für Internationales Seerecht; Heft 7, Hamburg, 1961, S. 9
  15. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur zukünftigen Entwicklung der deutschen marinen Forschungsflotte (PDF; 3,2 MB)
  16. Riesige Gas- und Ölvorkommen. In: FAZ-net mobil.
  17. Kreuzfahrt-Anbieter Nautianis; abgerufen am 25. September 2010
  18. Unter Aktuelle Position im Südmeer ist die Karpinsky erwähnt; abgerufen am 25. September 2010
  19. a b Zum 100. Geburtstag von A. G. Kolesnikow. In: Morskoi Gidrofisitscheski Journal. (2007) Nr. 6, (russisch); abgerufen am 20. September 2010.
  20. Schiffsdaten zur Scholochow auf Forum-schiff unter Die Werften in der DDR und 2. Oktober 2009; abgerufen am 25. September 2010
  21. Details zur S. Wawilow auf nordland Spezial; abgerufen am 25. September 2010