Fort du Bois d’Oye

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Eingang „Fort du Bois d’Oye“

Das Fort du Bois d’Oye (bis zur militärischen Aufgabe der Liegenschaft hieß es offiziell Fort Eblé[1] - danach hat sich, wie in Frankreich oftmals üblich, die Bezeichnung nach der Ortslage durchsetzt, weswegen es auch verschiedentlich als „Fort de Bermont“ bezeichnet wird) ist ein Fort à cavalier (auch als Obere Batterie bezeichnet) im Süden der Festung Belfort. Als Teil des Befestigungsringes um Belfort gehörte es zum Système Séré de Rivières. Es liegt in einer Höhe von 420 m über NN auf dem Gebiet der Gemeinde Bermont. Seine Aufgabe war die Unterstützung des Fort Lachaux durch die Überwachung des Vallée de la Savoureuse, der Straße nach Montbéliard und nach Norden der Lücke vor Belfort. Außerdem sicherte und deckte es die Zwischenräume zu den Forts du Vézélois, de Lachaux, du Mont-Vaudois und hatte den Zugang feindlicher Kräfte auf das Plateau von Dorans-Botans zu unterbinden.

Im Jahre 1890 wurde nördlich des Forts ein Unterstand gebaut (l'abri-caverne de Dorans), der im Falle eines Angriffs auf die Festung Belfort Reservetruppen aufnehmen sollte. Hier sollten sie geschützt verbleiben, bis eine etwaige Beschiessung der Festung beendet wäre.[2]

Eingang zum Abri-caverne de Dorans

1893 wurde das Fort, wie eine Reihe anderer, an das strategische Eisenbahnnetz angeschlossen.

  • Bauzeit: 11. Juli 1883 bis 31. Dezember 1887
  • Besatzung: 17 Offiziere, 32 Unteroffiziere, 624 Mannschaften
  • Krankenrevier: 27 Betten
  • Bäckerei:
2 x Backöfen System Lamoureux mit einer Kapazität von 250 Broten täglich in der Friedenskasematte
2 x Backöfen System Lamoureux mit einer Kapazität von 250 Broten täglich in der Kriegskasematte
  • Zisternen:
1 x Zisterne zu 336,7 m³
1 x Zisterne zu 310,5 m³
1 x Zisterne zu 156,4 m³
  • 2 x Pulvermagazin zu je 80 Tonnen Schwarzpulver
  • 1 x Kartuschenmagazin

Friedensmäßig waren 598 Schlafplätze vorhanden.

Der Zugang erfolgte über eine Zugbrücke. Eine optische Verbindung per Lichtsignal zu den anderen Werken bestand nicht, jedoch war das Fort an das Telegraphennetz der Festung Belfort angeschlossen.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Plan des Forts

Das Fort hat die Form eines ungleichmäßigen Sechsecks und war mit der Front nach Südosten gerichtet. Es verfügt über zwei Facen im ausspringenden Winkel, der leicht von der Mitte nach links versetzt ist. Dadurch sind die rechte Face und die rechte der beiden Flanken jeweils länger als die beiden anderen. Die Kehle ist im einspringenden Winkel nach innen gebrochen. Die Anlage ist von einem trockenen Graben umgeben. Dieser wurde in der Spitze von einer Doppelkaponniere nach links und rechts im Frontbereich und von jeweils einer Kaponniere am Schulterpunkt im Flankenbereich gesichert. Der Zugang zu diesen Kaponnieren erfolgte durch Poternen vom Hauptbau aus. Der Kehlgraben konnte durch Grabenstreichen links und rechts des Eingangstores bestrichen werden. Der Aufbau des Forts war aus Kalksteinblöcken errichtet und frontseitig mit Erde angeschüttet. Auf dem Komplex befanden sich die Geschützstellungen, die gegeneinander durch Traversen abgetrennt waren. Später wurden im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen Betonverstärkungen angebracht und Panzerstände eingebaut. Auch wurde der rechte Flügel der Aufbauten (Friedenskaserne genannt) durch eine betonierte Anlage ersetzt. Die Kaponnieren wurden entfernt und dafür in die Contreescarpe vier Grabenstreichen eingebaut. Im linken Schulterpunkt zur Deckung des linken Flankengrabens, in der Spitze zur Deckung der linken Face, im rechten Schulterpunkt zur Deckung der rechten Face und des rechten Flankengrabens und im rechten Kehlpunkt zur Deckung des Kehlgrabens. Im zurückgezogenen Teil des Torbereichs befand sich unterhalb des Niveaus in der inneren Grabenwand eine weitere Friedenskaserne, von deren Fenster aus ebenfalls der Graben bestrichen werden konnte. Links und rechts der Zugbrücke rückten die inneren Grabenwände ein und schufen so die Kehlgrabenstreiche von der aus dieser Bereich in Kreuzfeuer genommen und auch der Kehlgraben gedeckt werden konnte. Es hatte ursprünglich den gleichen Bauplan wie das Fort de Vézelois.

Kasemattenkorps der Friedenskaserne

Vorgesehene Modernisierungen gemäß Etat von 1900[Bearbeiten]

Bau einer Unterkunft mit 200 Plätzen, Ersatz der drei Kaponnieren durch eine doppelte und drei einfache Grabenstreichen. Verstärkung des Kartuschenmagazins. (Veranschlagte Kosten: 1.563.000 Goldfranc)

Im Jahr 1908 wurden die Modernisierungsplanungen von 1900 um die folgenden Panzerteile erweitert.

  • 1 x Gepanzerte Beobachtungskuppel mit Ersatz der Zwischenraumstreiche (Casemate de Bourges) durch einen Geschützpanzerturm 75 R 05
  • Ersatz des Geschützpanzerturms 155L durch einen 155 R 07
  • Bau einer Panzerbatterie mit zwei Geschütztürmen vom Typ 155 C außerhalb der Anlage. (Diese Arbeiten waren für 1915 - 1916 vorgesehen.)

Durchgeführte Modernisierungsmaßnahmen[Bearbeiten]

  • 1890–1895: Bau eines Unterstandes mit 247 Plätzen außerhalb des Forts. Dieser wurde als „Abri de Dorans“ bezeichnet.
  • 1908–1909: Ersatz der drei Kaponnieren durch eine doppelte und drei einfache Grabenstreichen.
  • 1909–1915: Bau eines betonierten Unterstandes mit 586 Plätzen, (443 Schlafplätze und 143 Sitzplätze.) Installation einer internen Kommunikationsanlage und Bau einer Zwischenraumstreiche zum Schutz der Flanke von Fort du Mont Vaudois.
  • 1910–1911: Installation eines Geschützpanzerturms 75 R 05, von drei gepanzerten Beobachtungskuppeln und einem Geschützpanzerturm 155 R 07
  • 1912–1913: Installation von drei gepanzerten Maschinengewehrtürmen, dia m 6. Februar 1913 feuerbereit waren.
  • 1913–1914: Anschluss an das Stromnetz und Installation elektrischer Beleuchtung, Einbau von elektrisch betriebener Ventilation in den betonierten Teilen des Forts und Einrichtung eines Elektrizitätswerks zur Notstromversorgung mit zwei Motoren und zwei Dynamos.
  • 1913–1914: Die Arbeiten an der externen Geschützbatterie mit zwei Panzertürmen 155 C wurden nach Kriegsausbruch eingestellt.

Bewaffnung[Bearbeiten]

1886[Bearbeiten]

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren Externe Batterie
17 x Geschütze 155L (155 mm)

5 x Geschütze 120L

2 x Mörser 32 (320 mm)

2 x Mörser 27 (270 mm)

2 x Mörser 22 (220 mm)

6 x Canons révolver (Revolverkanonen (40 mm))[3]

4 x Geschütze „Canon de 7 Modéle 1874“ (85 mm)

noch nicht gebaut
Geschütze gesamt:38

1903[Bearbeiten]

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren Externe Batterie
6 x Geschütze 120L

10 x Geschütze „canons de 90“

2 x Mörser 27 (270 mm)

6 x Canons révolver

4 x Geschütze „canons de 12 culasse“[4]

noch nicht gebaut
Geschütze gesamt:28

1906[Bearbeiten]

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren Externe Batterie
6 x Geschütze 120L

10 x Geschütze „canons de 90“

2 x Mörser 27 (270 mm)

6 x Canons révolver

4 x Geschütze „canons de 12 culasse“

noch nicht gebaut
Geschütze gesamt:28

1907[Bearbeiten]

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren Externe Batterie
8 x Geschütze „canons de 90“

2 x Mörser 27 (270 mm)

6 x Canons révolver

4 x Geschütze „canons de 12 culasse“

noch nicht gebaut
Geschütze gesamt:20

1912[Bearbeiten]

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren Externe Batterie
3 x Geschütze „canons de 90“ (Reserve)

2 x Mörser 27 (270 mm)

3 x Gepanzerte Maschinengewehrtürme

1 x Geschützpanzerturm 155 R 07

1 x Geschützpanzerturm 75 R 05

1 x Zwischenraumstreiche (Casemate de Bourges)

4 x Gepanzerte Beobachtungskuppeln

6 x Canons révolver

5 x Geschütze „canons de 12 culasse“

noch nicht gebaut
Geschütze gesamt:24

1914[Bearbeiten]

Auf den Wällen Unter Panzerschutz Grabenwehren Externe Batterie
7 x Geschütze „canons de 90“ (Reserve)

2 x Mörser 27 (270 mm)

1 X Maschinengewehrabteilung

3 x Gepanzerte Maschinengewehrtürme

1 x Geschützpanzerturm 155 R 07

1 x Geschützpanzerturm 75 R 05

1 x Zwischenraumstreiche (Casemate de Bourges)

4 x Gepanzerte Beobachtungskuppeln

6 x Canons révolver

5 x Geschütze „canons de 12 culasse“

noch nicht gebaut
Geschütze gesamt:29

Kriegsgeschehen[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkrieges und auch des Zweiten Weltkrieges war das Fort in keine Kampfhandlungen verwickelt. Nach 1940 wurden die Stahlteile von der deutschen Besatzung ausgebaut und der Verschrottung zugeführt. Es befindet sich in einem relativ guten Zustand und ist im Besitz der französischen Armee. Ein Betreten ist nicht möglich.

→ siehe auch: Raymond Adolphe Séré de Rivières

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Benannt nach einem französischen General. Es ist nicht bekannt, welcher der beiden Generäle dieses Namens gemeint ist
  2. 23 Le Bermontour BERMONT (Version vom 1. Juni 2010 im Internet Archive)
  3. Die Originalbezeichnung „canon de révolver“ ist irreführend, da es sich um ein Mehrläufiges Geschütz nach dem System Gatling handelt. Dieses wird auch im französischen manchmal als Mitrailleuse angesprochen.
  4. Geschütze mit Verschluss, also keine Vorderlader mehr

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fort du Bois d'Oye – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Le Petit Larousse de l'histoire de France, Éditions Larousse
  • Alain Hohnadel et Philippe Bestetti: La Bataille des forts, Editions Heimdal, Bayeux 1995, ISBN 2-8404-8087-5

47.5738888888896.8433333333333Koordinaten: 47° 34′ 26″ N, 6° 50′ 36″ O