Foudre-Klasse

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Flagge
Foudre-Klasse
Foudre-01.jpg
Übersicht
Typ Docklandungsschiff
Einheiten 2
Bauwerft

DCN Brest

Dienstzeit

FrankreichFrankreich Frankreich seit 1990
ChileChile Chile seit 2011

Heimathafen Militärhafen Toulon
N.N., Chile
Technische Daten
Verdrängung

leer: 8200 ts
beladen: 12.000 ts

Länge

168 Meter

Breite

23,5 Meter

Tiefgang

5,2 Meter

Besatzung

224

Antrieb

2 Dieselmotoren
2 Verstellpropeller

Geschwindigkeit

20 kn (37 km/h)

Reichweite

11.000 sm (ca. 20.000 km) (bei 15 kn)

Bewaffnung
Hubschrauber
Landungsboote (Standardbeladung)
  • 1 x Typ CDIC (Chaland de Débarquement d'Infanterie et de Chars)
  • 4 x Typ CTM (Chaland de Transport de Matériel)
Dockraum

L: 122 m; B: 14 m; H: 7,7 m

Transportkapazität
  • 470 Personen dauerhaft;
    2000 Personen kurzzeitig (48-72 h)
  • 150 Fahrzeuge, davon bis zu 22 gepanzerte
  • 1880 t Material
Kennungen
  • ex-Foudre: L 9011
  • Siroco: L 9012
  • Sargento Aldea: LSDH-91

Die Foudre-Klasse ist eine Klasse von Docklandungsschiffen der französischen Marine. Die französische Bezeichnung ist Transport de chalands de débarquement (TCD), auf deutsch etwa Landungsboottransporter. Die NATO-Typenbezeichnung ist Landing Ship Dock (LSD).[1]

Die Foudre-Klasse bestand aus den zwei Schiffen Foudre und Siroco, die sich geringfügig unterscheiden. Beide gehörten zur Force d'action navale (FAN), dem Überwassereinsatzverband der französischen Marine. Die Namen bezeichnen meteorologische Erscheinungen (Foudre = Blitz; Siroco = Scirocco).

Die Foudre wurde 2011 an Chile verkauft und dient seitdem als Sargento Aldea (LSDH-91) in der chilenischen Marine.

Geschichte[Bearbeiten]

Foudre wurde 1986 auf Kiel gelegt, lief 1988 vom Stapel und wurde 1990 in Dienst gestellt. Siroco folgte mit acht Jahren Abstand.

Beide Schiffe haben an zahlreichen Operationen teilgenommen, darunter

  • Unterstützung der „Extraction Force“ (XFOR) in Mazedonien während des Kosovokriegs 1999 (Foudre)
  • Unterstützung der internationalen Schutztruppe INTERFET in Osttimor (Siroco 1999)
  • Überwachung der westafrikanischen Küste im Rahmen der Operation „Corymbe“ (Siroco 1999, 2004, 2006, 2007, 2009;Foudre 2000, 2003, 2006/7, 2009, 2010)
  • Evakuierung von ausländischen Staatsbürgern aus dem Libanon (Siroco 2006)
  • Unterstützung der Hilfsmaßnahmen nach dem Erdbeben in Haiti 2010 (Siroco)

Außerdem waren beide Schiffe für Präsenzaufgaben im Indischen Ozean unter Führung des dortigen Marinekommandos ALINDIEN eingesetzt.[2][3]

Verkauf an Chile[Bearbeiten]

2011 wurde die Foudre an Chile verkauft und am 22. Dezember 2011 von der französischen Marine außer Dienst gestellt. Einen Tag später wurde das Schiff an die chilenische Marine übergeben und von dieser als Sargento Aldea in Dienst gestellt.[4][5] Foudre wurde durch Zulauf des dritten Schiffes der Mistral-Klasse Dixmude ersetzt. Auch Siroco soll zum Verkauf angeboten werden.

Benannt wurde das Schiff nach Sargento Juan de Dios Aldea Fonseca, der an der Seite des chilenischen Seehelden Arturo Prat im Salpeterkrieg 1879 tödlich verwundet wurde.[6]

Aufgaben[Bearbeiten]

Aufgabe der Schiffe der Foudre-Klasse ist es, mit amphibischen Mitteln Truppen in Stärke eines mechanisierten Regiments [A 1] über unvorbereitete Strände und in unsicheren Gebieten anzulanden. Als Nebenaufgabe können sie logistische Unterstützung für die Flotte, für Evakuierungen und bei humanitären Hilfsoperationen leisten. Sie können zur Führung eines Verbandes eingesetzt werden.[7]

Technik[Bearbeiten]

Dock und Stauraum[Bearbeiten]

Landungsboot Rapiere des Typs CDIC

Das wesentliche Konstruktionsmerkmal der Foudre-Klasse ist das Welldeck mit einer Fläche von 1732 m², das sich über drei Viertel der Schiffslänge erstreckt. Dieses Dock dient der Aufnahme verschiedener Typen kleinerer Fahrzeuge. Gleichzeitig können acht bis zehn Landungsboote des Typs CTM oder zwei des Typs CDIC mitgeführt werden. Die Normalbeladung sind ein CDIC und vier CTM. Statt dieser Landungsfahrzeuge können auch andere Boote transportiert werden.[7]

Ein weiterer Stauraum von 1000 m² steht für die Aufnahme von Kraftfahrzeugen und Fracht zur Verfügung. Er kann über eine an der Backbordseite befindliche Laderampe beladen werden. Für den Transport zwischen den Decks gibt es einen Aufzug mit 52 t Tragkraft.[2]

Hubschraubereinrichtungen[Bearbeiten]

Hubschrauber des Typs Super Frelon

Die Schiffe können vier mittlere oder zwei größere Hubschrauber in einem Hangar mitführen. Auf dem Landedeck der Foudre sind zwei Landeplätze vorhanden. Ein dritter befindet sich etwas tiefer gelegen über dem hinteren, zu öffnenden Teil des Welldecks. Auf der Siroco ist das Landedeck etwas verlängert.[2]

Weitere Ausstattung[Bearbeiten]

Beide Schiffe sind für die Führung von Marineverbänden und amphibischen Operationen ausgestattet und können die dafür erforderlichen militärischen Stäbe aufnehmen.

Das Schiffslazarett ist ähnlich einem Marineeinsatzrettungszentrum auf die Versorgung einer größeren Zahl von Patienten eingerichtet. Es umfasst zwei Operationssäle, zwei Intensivbetten, davon eines für Brandverletzte, und mehrere Labors.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Siroco mit geöffnetem Dock, anlaufendem Landungsboot, Hubschrauber an Deck
 Commons: Foudre-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klassen- und Typbezeichnung gemäß STANAG 1166 Standard Ship Designator System
  2. a b c d Foudre bei netmarine (frz.)
  3. Siroco bei netmarine (frz.)
  4. BULLETIN OFFICIEL DES ARMEES (frz.)
  5. TCDFoudre mit Foto der Übergabe-Zeremonie (frz.)
  6. Sargento Aldea, offizielle Seite der Marine Chiles (span.)
  7. a b Foudre auf der offiziellen Seite der französischen Marine

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Regiment im französischen Verständnis