Frédéric Emile Baron d’Erlanger

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Frédéric Emile Baron d’Erlanger (* 19. Juni 1832 in Frankfurt am Main; † 22. Mai 1911 in Versailles) geboren als Friedrich Emil Erlanger, war ein deutscher Bankier und Konsul.

Familie[Bearbeiten]

Er ist der älteste Sohn aus erster Ehe von Raphael Freiherr von Erlanger (* 27. Juni 1806 Wetzlar; † 30. Januar 1878 Frankfurt am Main), der 1848 das Frankfurter Bankhaus Erlanger & Söhne gründete und der fünf Jahre älteren Margarethe Helene Albert (* 17. November 1800 Frankfurt am Main; † 1. Juli 1835 ebenda), seine Jugendliebe.

Susanne Adolphine (* 25. Dezember 1829 Frankfurt am Main; † 9. Mai 1873 Genf) war seine älteste, noch unehelich geborene Schwester seiner Eltern. Vor ihrer bevorstehenden Geburt war Raphael Erlanger seiner schwangeren Jugendliebe zuliebe am 15. August 1829 in Offenbach am Main zum christlichen Glauben übergetreten. Sie heiratete am 18. August 1849 den Frankfurter Kaufmann Franz Josef Carl Langenberger (* 6. August 1821 Frankfurt am Main; † 10. April 1878 ebenda).

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Emil Erlanger musste schon früh als ältester Sohn des Raphael Erlanger bei den immer umfangreicher werdenden Bankier- und Wechselgeschäften mitarbeiten. Bereits mit 19 Jahren wurde er für mündig erklärt und übernahm so erfolgreich von seinem Vater das Maklergeschäft, dass er von der Griechischen Regierung Ottos I. zum griechischen Generalkonsul ernannt wurde. Er besucht den Stockholmer Königshof und war in erfolgreiche schwedische und portugiesische staatliche Refinanzierungen eingebunden. Das portugiesische Königshaus mit Königin und Ehemann Ferdinand II. von Sachsen-Coburg und Gotha ernannte aus Dank seinen Vater Raphael und Friedrich Emil zum erblichen portugiesischen Baron. 1853 erkrankte Friedrich Emile und zog sich aus den Geschäften zurück. Zur Wiederherstellung seiner Gesundheit unternahm er Bildungsbürgerreisen nach Griechenland und Ägypten. Hier lernte er den Suez-Kanal-Planer Lesseps kennen und begeisterte sich an dessen Idee. Nach Genesung wurde er Teilhaber des väterlichen Frankfurter Bankhauses Erlanger & Söhne.

Erste Ehe[Bearbeiten]

Am 30. Juni 1858 heiratete sich Friedrich Emil Erlanger mit der acht Jahre jüngeren Französin Odette Louise Florence Lafiitte (* 20. Juni 1840 Paris; † 1931) in die Pariser Gesellschaft ein. Deren Großvater war Bankier, Gouverneur der Bank von Frankreich, Finanzminister und zeitweise Ministerpräsident von Frankreich. 1859 übernahm er offiziell die Geschäftes des Bankhauses in Paris. Er änderte seinen Namen und nannte sich fortan Frédéric Emile Baron d’Erlanger. Seine Ehe allerdings scheiterte. Sie blieb kinderlos und wurde am 5. Dezember 1862 aufgelöst.

1860 wurde sein Vater Raphael zunächst vom Herzog von Sachsen-Meiningen, später sogar vom österreichischen Kaiser in den erblichen Freiherrenstand erhoben und mit dem Großkreuz des Franz-Josefs-Ordens ausgezeichnet.

Zweite Ehe[Bearbeiten]

Am 3. Oktober 1864 heiratete Frédéric Emile Baron d’Erlanger die Amerikanerin Marguérite Mathilde Slidell (* 19. November 1842 New Orleans; † 18. Februar 1927 Paris). Sie war eine Tochter des einflussreichen amerikanischen Anwaltes, Unternehmers und Politikers John Slidell (* 1793 New York; † 1871 Cowes, Isle of Man), der zum Hochzeitstermin Botschafter der abgefallenen Südstaaten von Amerika am Hofe Kaiser Napoleons III. war, und der auch aus einflussreicher Südstaatlerfamilie stammenden Maria Mathilde Deslonde (* 1795 New Orleans; † 1870 Brighton England), deren Vorfahren im 17. Jahrhundert aus Brest, Frankreich in den auch französisch sprechenden Südteil der USA übersiedelte.

Seine zweite Ehefrau lernte Frédéric Emile Baron d’Erlanger bereits früherer anlässlich einer Amerikareise in New Orleans kennen. Sie wuchs als echte Südstaatenunionistin der späteren Konföderierten Staaten von Amerika auf einer florierenden Plantage 90 Meilen nördlich von New Orleans in Louisiana auf. Das war die Plantage Belle Pointe in Laplace in Louisiana. Später zog sie mit ihren Eltern, ihrem Bruder Alfred und Schwester Marie Rosine nach Paris, wo ihre Schwester und sie durch ihre außergewöhnliche Schönheit große Aufmerksamkeit schon bei ihrer Ankunft hervorriefen. Ihre Schwester Marie Rosine heiratete den Comte de Saint-Roman auf Villejuif, sie heiratete den erfolgreichen Frankfurter Bankiersohn Frédéric Emile Baron d’Erlanger. Im vornehmen 16. Arrondissement von Paris wurde eine noch heute existierende Villa gebaut, deren eine Anliegerstraße später ihm zu Ehren „rue erlanger“, die andere „avenue erlanger“ genannt wurde. Kurz vor Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 1870 siedelte er nach London um. Auch der Hauptsitz der Pariser Bankhauses zog an die Themse. Für die Familie wichtiger war jetzt die Villa in London, 139 Piccadilly, der früheren Bleibe von Lord Byron. Bald schon nahm der noch in Deutschland geborene Frédéric Emile Baron d’Erlanger, wie alle seine Familienmitglieder, die britische Staatsbürgerschaft an. Auch erhielt er die Berechtigung, seinen ausländischen Adelstitel, gegen starken Widerstand, weiter führen zu dürfen.

Das Ehepaar hatten vier Kinder. 1865 wurde Raphael Baron d’Erlanger geboren. Er wurde Zoologe und Professor in Heidelberg. 1866 kam Emile Beaumont Baron d’Erlanger zu Welt, der später die Bankleitung erfolgreich übernahm. Frédéric Alfred Baron d’Erlanger, genannt Freddy, wurde 1868 geboren und wurde ein Bankier, aber auch ein bekannter Komponist. 1872 wurde der spätere Musikwissenschaftler und Orientalist Francois Rodolphe Baron d’Erlanger geboren, dessen Palastbau Ennejma Ezzahra in Sidi Bou Saïd, Tunesien heute noch eindrucksvoll an ihn erinnert. Leo Frédéric Alfred Baron d’Erlanger, der Sohn von Francois Rodolphe Baron d’Erlanger führte dann später die Bankgeschäfte fort.

Karriere[Bearbeiten]

Das Erlanger Health System in Chattanooga, Tennessee

Er wurde eine der beherrschenden Bankiers des Finanzplatzes Paris in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er gilt als Erfinder der Anleihen mit hohem Risiko, besonders für Entwicklungsländer. Er investierte in Eisenbahnen und Minen in Afrika, Nord- und Südamerika und Europa, in russische und tunesische Staatsanleihen, Spekulationen mit amerikanischer Südstaaten-Baumwolle (Erlanger Loan)[1] während des Amerikanischen Bürgerkrieges, Finanzierung des Simplon-Tunnels, des damals größten Eisenbahntunnels in Europa zwischen dem Wallis und dem Aostatal.

Sein Bankhaus Erlanger Ltd. finanzierte 1869 zusammen mit Paul Julius Reuter (1816-1899), unter anderem Gründer der Nachrichtenagentur Reuters, den Bau eines transatlantische französischen Telefonkabels und es war seine Ehefrau Mathilde Baronesse d’Erlanger, die den historisch ersten Anruf tätigte.

1889 stiftete das Ehepaar d’Erlanger anlässlich einer Inspektionsreise ihrer amerikanischen Eisenbahn-Investitionen in Chattanooga (Tennessee) im US-Staat Tennessee ein Startkapital zum Bau eines Krankenhauses, das heute noch als Erlanger Medical Center an die Sponsoren erinnert.

Auch die Namensnennung von Erlanger City im US-Staat Kentucky resultiert auf finanziellen Zuwendungen des Ehepaares d’Erlanger.

Als einflussreiche Mitglieder des Großbürgertums, das persönliche Beziehungen zu Regierenden zahlreicher Staaten pflegte, förderten sie als Musikliebhaber auch Richard Wagner und seine Musik, so unter anderem die erste Tannhäuser Aufführung an der Pariser Oper nach dem deutsch-französischem Krieg. Auch spendete er diverse Kunstwerke, so die allegorischen Tapisserien mit der Darstellung Herzogs Albas als dem 17. Jahrhundert für den Hampton Court Palace der britischen Krone.

Auch finanzierte das Ehepaar d’Erlanger die Rettung der Wandbilder aus der „Quinta del Sordo“. Dieses Haus, das sie kauften, war zeitweise Wohnsitz von Goya. Seine „Pinturas negras“ von 1873 ließen sie aufwändig vor der Zerstörung retten. Sie ließen diese „Schwarzen Bilder“, die direkt von Goya auf den Verputz gemalt wurden, behutsam ablösen und auf Leinwand übertragen. Nach deren erfolglosen Vorführung auf der Pariser Weltausstellung von 1878, vermachte er diese Werke 1880 dem Prado in Madrid, wo sie dank dem Ehepaar d’Erlanger noch heute im sogenannten Neuen Prado zu bestaunen sind.

In Italien übernahm das Ehepaar d’Erlanger zeitweise die vom berühmten Andrea Palladio 1559/60 erbaute „Villa Foscari“ nahe dem Städtchen Malconlenta und ließen Restaurierungsarbeiten durchführen. Am 22. Mai 1911 starb Frédéric Emile Baron d’Erlanger in Versailles. Die Leitung der erfolgreichen Bank hatte bereits sein zweitältester Sohn Emile Beaumont Baron d’Erlanger übernommen.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erlanger Loan in: Encyclopædia Britannica

Weblinks[Bearbeiten]