Alte Kirche

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Alte Kirche (Begriffsklärung) aufgeführt.
Taufdarstellung aus der Calixtus-Katakombe in Rom

Der Ausdruck Alte Kirche bezeichnet die ersten Jahrhunderte der christlichen Kirchengeschichte, wobei diese Epoche unterschiedlich eingegrenzt wird. Üblicherweise fällt die Epochenabgrenzung faktisch zusammen mit der Abgrenzung der Gegenstandsbereiche der Lehrstühle für „Alte Kirchengeschichte“ und „Mittlere und Neuere Kirchengeschichte“.

Zeitliche Eingrenzung[Bearbeiten]

Altarraum im frühen Christentum (um 250 n. Chr.), in der Vorstellung der Organisatoren des Museumpark Orientalis.
Das Fisch-Symbol

Für die zeitliche Begrenzung des „Alte Kirche“ genannten historischen Zeitraums existieren unterschiedliche Vorschläge. Zumeist wird damit jedenfalls ein Zeitabschnitt vor der Abspaltung der altorientalischen Kirchen verstanden, also auch vor der theologischen Auseinanderentwicklung der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche. Die theologischen Entwicklungen, die ökumenischen Konzile, die Heiligen und Kirchenväter dieser Zeit werden mithin in allen großen christlichen Kirchen anerkannt.

Generell zur Epoche der Alten Kirche gerechnet werden die Zeit des Urchristentums, die Zeit der apostolischen Väter, der Apologeten, der frühchristlichen Märtyrer, der Kirchenväter, die Reichskirche nach der Konstantinischen Wende (siehe auch Spätantike) und die ersten vier Ökumenischen Konzile bis zum Konzil von Chalcedon 451.

Für die westliche Kirche wird die Epoche der Alten Kirche oft bis zum Untergang des Weströmischen Reichs gerechnet, nach manchen Autoren auch bis zu Gregor dem Großen (540–604), dem letzten Kirchenlehrer des Westens, der auch in der Ostkirche anerkannt wird.

Begriffe[Bearbeiten]

Für die christlichen Kirchen in der Zeit der Alten Kirche gibt es verschiedene Bezeichnungen, die sich teilweise überschneiden.

  • Die Jerusalemer Urgemeinde war die erste christliche Gemeinde, die sich nach Pfingsten in Jerusalem versammelte, in der Zeit von etwa 30 bis 70.
  • Urchristentum bezeichnet in der Christentumsgeschichte die Entstehungszeit des Christentums, vom Tod Jesu von Nazaret um 30 oder 33 bis zur Verschriftung der synoptischen Evangelien.
  • Die Zeit der apostolischen Väter bezeichnet die Zeit der Kirchenväter, die wahrscheinlich persönliche Beziehungen zu Aposteln gehabt haben oder stark von den Aposteln beeinflusst wurden, also Kirchenväter der zweiten und dritten Generation im späten ersten und der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts.
  • Die Zeit der lokalen und systematischen Christenverfolgungen im Römischen Reich begann etwa 49 und endete mit dem Mailänder Toleranzedikt von 313, endgültig mit der Anerkennung der christlichen Kirche als einziger Staatsreligion 391.
  • Wesentliche Schritte zur römischen Reichskirche waren das Dreikaiseredikt 380, das den römisch-alexandrinischen trinitarischen Glauben zur offiziellen Religion des Römischen Reichs erklärte, um die innerchristlichen Streitigkeiten zu beenden, und das Edikt von 391, mit dem Theodosius I. die heidnischen Kulte verbot. Nach heutiger Sicht vieler Forscher war es jedoch erst Justinian I., der in der Mitte des sechsten Jahrhunderts im Römischen Reich das Christentum tatsächlich gegen das Heidentum durchsetzte. Die römische Reichskirche hatte gegenüber dem Staat nie die Macht der römisch-katholischen Kirche im Mittelalter, sondern war besonders im Osten immer in einem prekären Gleichgewicht mit der staatlichen Macht des Kaisers.
  • Als Zeit der ökumenischen Konzilien wird die Zeit der sieben ökumenischen Konzile vom ersten Konzil von Nizäa 325 bis zum zweiten Konzil von Nizäa 787 bezeichnet.
  • Patristik ist die Wissenschaft, die sich mit der Zeit der Kirchenväter vom zweiten bis ins achte Jahrhundert befasst.
  • Als Pentarchie wird die Zeit der fünf ökumenischen Patriarchate bezeichnet. Diese Patriarchate existierten de facto seit dem ersten Konzil von Konstantinopel 381 und wurden 451 am Konzil von Chalcedon endgültig definiert. Die Pentarchie umfasste die Patriarchate von Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Die Pentarchie endete mit dem Morgenländischen Schisma etwa um die Jahrtausendwende.

Organisatorische Entwicklungen[Bearbeiten]

In die Zeit der Alten Kirche fällt die Entwicklung vom Urchristentum zur Bischofskirche und dann zu den fünf Patriarchaten Alexandria, Antiochia, Jerusalem, Konstantinopel und Rom.

Ebenfalls in die Zeit der Alten Kirche fallen die Anfänge des Mönchtums, die ersten Klöster in Ägypten, die Ordensregeln von Basilius von Caesarea und von Benedikt von Nursia.

Theologische Entwicklungen[Bearbeiten]

Theologisch und philosophisch entspricht die Zeit der Patristik.

In der Zeit der Alten Kirche entstanden der Kanon des Neuen Testaments und die allgemein anerkannten Glaubensbekenntnisse.

Wesentliche Konflikte dieser Zeit gibt es mit der Gnosis, mit dem „Hellenismus“ (Apologeten), bezüglich der Christologie (arianischer Streit, nestorianischer Streit) und bezüglich der Ekklesiologie (Donatismus).

Meilensteine der Epoche[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einführungen und Gesamtdarstellungen[Bearbeiten]

  • Norbert Brox: Das Frühchristentum. Schriften zur Historischen Theologie; hrsg. von Alfons Fürst, Franz Dünzl, Ferdinand R. Prostmeier; Frewiburg i. Br.: Herder, 2000.
  • Norbert Brox: Kirchengeschichte des Altertums; Düsseldorf: Patmos Paperbacks, 20023
  • Hans von Campenhausen, Griechische Kirchenväter; 8.Aufl., Stuttgart 1993
  • E. Dassmann: Kirchengeschichte I – II/2, Kohlhammer Studienbücher Theol. 10 – 11,2, Stuttgart 1991-1999; 2000.
  • Karl Suso Frank, Grundzüge der Geschichte der Alten Kirche; 3.Aufl., Darmstadt 1993.
  • Ders.: Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche, Paderborn 2. A. 1996, 3. A. 2002.
  • Gunther Gottlieb: Christentum und Kirche in den ersten drei Jahrhunderten, Heidelberger Studienhefte zur Altertumswissenschaft, Heidelberg 1991.
  • ders., Die abendländische Kirche im Zeitalter der Völkerwanderung; (= Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen, 1.5); 3. Aufl., Berlin 1987
  • S. Hausammann, Alte Kirche, Bde. 1 – 4, Neukirchen-Vluyn 2001-2004.
  • H.-J. Klauck: Die religiöse Umwelt des Urchristentums, Studienbücher Theol. 9, Stuttgart 1995.
  • Christoph Markschies, Das antike Christentum. Frömmigkeit, Lebensformen, Institutionen, München 2006.
  • Jean-Marie Mayeur / Luce Pietri / Andre Vauchez (Hgg.): Die Geschichte des Christentums, Altertum, 3 Bde., Sonderausgabe, Freiburg i.B. 2005, ISBN 3-451-29100-2.
  • Karen Piepenbrink, Antike und Christentum (Geschichte kompakt), Darmstadt 2007.
  • L. Pietri (Hg.), Die Geschichte des Christentums. Religion – Politik – Kultur, Bde. 1 – 3, Freiburg 2005.
  • Kurt Dietrich Schmidt, Grundriß der Kirchengeschichte; 9. durchges. Aufl., Göttingen 1990
  • Hans Georg Thümmel, Die Kirche des Ostens im 3. und 4. Jahrhundert; (= Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen, 1.4); Berlin 1988
  • Paul Veyne: Als unsere Welt christlich wurde. C. H. Beck, München 2008.

Theologie und Dogmengeschichte[Bearbeiten]

  • Bertold Altaner / Alfred Stuiber, Patrologie. Leben, Schriften und Lehre der Kirchenväter; 9.Aufl., Freiburg 1980
  • Otto Bardenhewer: Geschichte der altkirchlichen Literatur; 5 Bde., 1913-1932.
  • W. Bauer, Rechtgläubigkeit und Ketzerei im ältesten Christentum; (= Beiträge zur historischen Theologie, 10); Tübingen 1934.
  • M. Fiedrowicz: Apologie im frühen Christentum, Paderborn 2. A. 2001.
  • M. Fiedrowicz: Theologie der Kirchenväter. Grundlagen frühchristlicher Glaubensreflektion, Freiburg 2007.
  • W. Geerlings (Hg.), Theologen der christlichen Antike, Darmstadt 2002.
  • Bengt Hägglund, Geschichte der Theologie. Ein Abriß; 2. Aufl., München 1990
  • W.-D. Hauschild, Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte, Bd. 1, Gütersloh 3. A. 2007.
  • Bernhard Lohse, Epochen der Dogmengeschichte; (= Hamburger Theologische Studien, 8); 8. Aufl., Münster u. Hamburg 1994
  • Heiko A. Obermann u.a. (Hg.), Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Bd. 1: Alte Kirche; Neukirchen 1977.
  • Christopher Stead: Philosophie und Theologie, Bd. 1: Die Zeit der Alten Kirche; (= Theologische Wissenschaft, 14.4); Stuttgart u.a. 1990.
  • H. Auf der Maur, Die Osterfeier in der alten Kirche. Aus dem Nachlaß hg. von R. Meßner – W. G. Schöpf. Mit einem Beitr. von C. Leonhard (LitOen 2). Münster 2003.
  • Peter Stockmeier, Glaube und Religion in der frühen Kirche; Freiburg i.B. 1973.
  • Early Christianity, Zeitschrift

Weblinks[Bearbeiten]