Früherkennung von Krankheiten

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit den medizinischen Möglichkeiten der Früherkennung von Krankheiten. Diese Maßnahmen sind eine Form des Screenings.

Abgrenzung zum Begriff der Vorsorge[Bearbeiten]

Medizinische Früherkennungsmaßnahmen werden gelegentlich auch als Vorsorgeuntersuchung bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch sachlich nicht korrekt. Unter Vorsorge (auch Prävention genannt) versteht man Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Erkrankungen. Ein klassisches Fachgebiet der Medizin, welches sich fast ausschließlich mit Vorsorge und Vermeiden von Erkrankungen befasst, ist zum Beispiel die Arbeitsmedizin.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Wunsch nach besseren, erfolgreicheren Behandlungsmethoden im Mittelalter führte dazu, Kenntnisse über die Entstehung von Krankheiten zu gewinnen. Entsprechende Untersuchungen wurden (und werden) auf vielen Gebieten durchgeführt. Die medizinischen Grundlagenwissenschaften erlebten einen immensen Aufschwung, und die Entdeckungen auf diesem Gebiet wurden entsprechend geehrt, wie an der großen Anzahl von Genetikern in der Liste der Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin erkennbar ist. Begriffe wie Epidemiologie, medizinische Biochemie, medizinische Statistik mögen als weitere Stichworte dienen.

Heutige Möglichkeiten[Bearbeiten]

Mit diesem besseren Verständnis der Krankheiten war es nicht mehr nötig, auf den Ausbruch der Erkrankung zu warten. So lassen sich heute mittels Verfahren der Pränataldiagnostik schon während der Schwangerschaft einige Erkrankungen beim Ungeborenen feststellen. Ob ein im Mutterleib wachsendes Kind einer Patientin mit Phenylketonurie ebenfalls diese Erkrankung haben wird und sich die werdende Mutter deshalb noch genauer an ihren Diätplan (strikte Begrenzung der Eiweißaufnahme) halten muss, kann z. B. durch eine Amniozentese herausgefunden werden.

Insbesondere beim Einführen einer Untersuchung als Reihenuntersuchung sind jedoch alle Vor- und Nachteile der Methode sowie Möglichkeiten und Grenzen der Behandelbarkeit einer Erkrankung gründlich gegeneinander abzuwägen.

Im Bundesrat wurde am 1. März 2013 das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz abschließend beraten. Alle Daten über das Auftreten, die Behandlung und den Verlauf von Krebserkrankungen sollen zukünftig flächendeckend in klinischen Krebsregistern erfasst, ausgewertet und an die Leistungserbringer zurückgemeldet werden. Ziel ist es, die Behandlung der Patientinnen und Patienten qualitativ zu verbessern. Durch die Neuregelung wird auch die Krebsfrüherkennung ausgebaut. Bürgerinnen und Bürger sollen nach dem Vorbild des organisierten Mammographie-Screenings künftig auch gezielt zur Darmkrebs- und Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung eingeladen werden. Außerdem werden Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle der Krebsfrüherkennungsprogramme ausgebaut.[1]

Prinzipielle Erwägungen[Bearbeiten]

Ärztliche Untersuchungen zeichnen sich durch eine sehr unterschiedliche Invasivität aus. Prinzipiell muss bei allen ärztlichen Eingriffen das Verhältnis zwischen Nutzen und Gefahren gemeinsam mit dem Patienten abgewogen werden. Das Messen des Blutdruckes zur Früherkennung einer arteriellen Hypertonie ist ein Beispiel für eine risikofreie Untersuchung. Dem gegenüber liegt das Fehlgeburtsrisiko bei der Durchführung einer späten Amniozentese bei bis zu 2 % und bei einer Chorionzottenbiopsie bei bis zu 5 %.

Bei der Beurteilung der Erfolge der Früherkennung ist eine mögliche Schönfärbung von Erfolgsstatistiken zu berücksichtigen, die ihren Wert fälschlicherweise überbewerten kann:

Hierzu wird methodisch zumeist statt einer Lebensverlängerungs-Statistik die n-Jahres-Überlebensraten-Statistik herangezogen. Durch die Früherkennung wird der Zeitabstand von der (vorverlegten) Erstdiagnose bis zum Tod des Patienten erheblich verlängert (oftmals über die Messfrist von n Jahren hinaus) so dass von dieser Patientenuntergruppe auch solche, denen die Therapie gar nicht oder kaum hilft, jetzt unter „Erfolg“ verbucht werden. Dies obwohl sie nicht oder nur unwesentlich länger leben, als sie es ohne Früherkennung würden. Durch Früherkennung können so also auch unwirksame Therapien in einer Lebensverlängerungs-Statistik den Anschein von Wirksamkeit bekommen.

Empfohlene Untersuchungen[Bearbeiten]

In Deutschland sind Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten in den §§ 25 und 26 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch verankert.

Danach hat jeder gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren das Recht, sich auf Kosten der Krankenkasse alle zwei Jahre „auf Herz und Nieren“ prüfen zu lassen. Eine halboffizielle Bezeichnung ist Gesundheits-Check-up. Dazu gehören neben einer Anamnese die Ganzkörperuntersuchung (körperliche Untersuchung) durch den Arzt, eine Blutdruckmessung, eine Untersuchung des Blutzucker- und Cholesterinspiegels und eine Urinuntersuchung.

Dabei werden auffällige Befunde der weiteren diagnostischen Abklärung zugeführt, mit allen weiteren Konsequenzen (psychische Belastung, Biopsie).

Für Frauen ab dem 20. Lebensjahr und für Männer ab dem 45. ist jährlich eine Untersuchung zur Krebsfrüherkennung möglich, die von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert wird.

Nicht alle Krankheiten werden mit den Vorsorgeuntersuchungen erfasst (falsch-negativ). Außerdem gibt es Fehlalarme (falsch-positiv).

Nach § 11 Arbeitsschutzgesetz haben alle Arbeitgeber ihren Beschäftigten regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen zu ermöglichen, die sich an der Beurteilung der Arbeitsbedingungen orientieren müssen. Die Kosten dieser Untersuchungen trägt der Arbeitgeber. Neben der Früherkennung von Krankheiten sollen diese Untersuchungen vor allem dazu dienen, Gesundheitsgefahren bei der Arbeit zu erkennen und zu beheben.

Einzelne Krankheiten und Untersuchungen[Bearbeiten]

Die folgende Liste gibt einen (unvollständigen) Überblick über Erkrankungen und mögliche Untersuchungen zur Früherkennung. Sie ist keine Empfehlung für durchzuführende Untersuchungen. Bezüglich genereller Vor- und Nachteile von Früherkennungsuntersuchungen siehe oben. Spezielle Vor- und Nachteile werden im jeweiligen Artikel diskutiert.

Krebs[Bearbeiten]

Eine Maßnahme zur Früherkennung von Krebs ist keine Primärprophylaxe, so wie etwa das Zähneputzen Karies verhindert. Allerdings sind solche Maßnahmen einer der klassischen Bereiche der Vorsorgemedizin. Die Primärprophylaxe in der Krebsvorsorge findet unter anderem im Bereich der Lebensstiländerung statt, z. B. der Verzicht auf Tabakkonsum (Rauchen).

Einige Menschen glauben fälschlicherweise, ein Screening nach einem Krebs-Frühstadium sei eine Maßnahme der Vorsorge, da sie meinen, Krebs werde dadurch verhindert (Black et al. 1997). Mit Krebsvorsorge ist eigentlich das Screening nach Frühformen von Krebs gemeint, siehe Screening.[2] Eine Ausnahme stellt hier die Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung mittels Koloskopie (Darmspiegelung) dar. Hierbei werden gegebenenfalls gutartige Polypen entfernt. Erfahrungsgemäß würden diese gutartigen Tumore in den folgenden Jahren mit erhöhter Wahrscheinlichkeit maligne entarten. Durch eine solche Maßnahme kann somit bereits die Entstehung von Darmkrebs verhindert werden.

Eine diagnostische Methode kann zur Früherkennung bei scheinbar gesunden Personen dienen. Liegt schon ein Verdacht vor, kann nicht mehr von Früherkennung gesprochen werden; die (gleiche) Methode gilt dann als diagnostischer Test.

Die öffentliche Diskussion über Früherkennung gilt in Deutschland vor allem Krebserkrankungen. Die Deutsche Krebshilfe hat im August 2012 zeitgleich mit dem vom Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzentwurf für verbesserte Leistungen zur Krebsfrüherkennung fünf aktuelle Faltblätter zu gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen bei Brust-, Darm-, Haut-, Gebärmutterhals- und Prostatakrebs vorgelegt, die an Interessenten kostenlos abgegeben werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Black W.C, Nease R.F Jr. und Tosteson: Perception of Breast cancer risk and screening effectiveness in woman younger than 50 years of age (1995) In: Journal of the National Cancer Institute, 87: S. 720–731
  • Rolf Becker, Walter Fuhrmann, Wolfgang Holzgreve u.a.: Pränatale Diagnostik und Therapie – Humangenetische Beratung, Ätiologie und Pathogenese von Fehlbildungen, invasive, nichtinvasive und sonographische Diagnostik sowie Therapie in utero (1995)
  • Barbara Maier: Ethik in Gynäkologie und Geburtshilfe. Entscheidungen anhand klinischer Fallbeispiele, (2000) Verlag Springer ISBN 3-540-67304-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bundesgesundheitsministerium.de: Pressemitteilung
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatFrüherkennung. Abgerufen am 18. Mai 2009.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!