Frühjahrs-Giftlorchel

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Frühjahrs-Giftlorchel
Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta)

Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta)

Systematik
Unterabteilung: Echte Schlauchpilze (Pezizomycotina)
Klasse: Pezizomycetes
Ordnung: Becherlingsartige (Pezizales)
Familie: Lorchelverwandte (Helvellaceae)
Gattung: Giftlorcheln (Gyromitra)
Art: Frühjahrs-Giftlorchel
Wissenschaftlicher Name
Gyromitra esculenta
(Pers. : Fr.) Fr.

Die Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta, syn. Helvella esculenta), kurz auch Frühjahrslorchel, Frühlorchel oder einfach Giftlorchel genannt, ist eine Pilzart aus der Familie der Lorchelverwandten. Sie ist in Europa und Nordamerika verbreitet. Allgemeine Kennzeichen sind der hirnartig gewundene Hut, der neben braunen auch rötliche Töne aufweist, dessen mit dem Stiel verwachsener Rand und der relativ schmale Stiel. Der Pilz ist stark giftig, wird aber in verschiedenen Regionen nach entsprechender Zubereitung als Speisepilz verwendet. Vergiftungen sind allerdings auch dann nicht auszuschließen.

Merkmale[Bearbeiten]

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die Fruchtkörper der Frühjahrs-Giftlorchel werden 5 bis 12 cm hoch und 5 bis 15, manchmal 20 cm breit. Der Hut ist hirnartig gewunden und unregelmäßig abgeflacht geformt. Seine Färbung reicht je nach Standort von ocker-, rot- und kaffeebraun bis schwarzbraun. Die Wülste und der Rand des innerlich hohlen Hutes sind mit dem grauweißen bis blassgelblichen Stiel verbunden. Der kurze Stiel wird 3 bis 6 cm lang und 1,5 bis 3 cm dick.[1] Er besitzt damit eine Länge von einem Viertel bis einem Drittel der Höhe des Hutes. Er ist grauweiß bis blassgelblich-weiß gefärbt und die Oberfläche fein kleiig. Er ist starr und stark gefurcht. Innen ist er anfangs markig und später hohl und gekammert.[1] Der Fruchtkörper ist oftmals nicht klar in Hut und Stiel unterteilbar. Das Fleisch ist wachsartig und brüchig. Es besitzt keinen bestimmten Geruch und einen angenehmen Geschmack. Das Sporenpulver ist creme.[2]

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Sporen der Frühjahrs-Giftlorchel

Die Fruchtschicht (Hymenium) befindet sich auf der Oberfläche des Hutes. Die Sporen sind elliptisch, an den Enden breit abgerundet und messen (13–)16–22(–26) × (7–)8–11(–14) µm.[3][4] Sie sind hyalin und besitzen an beiden Enden je einen, seltener auch mehrere, gelblichen Öltropfen.[4] Ihre Oberfläche ist glatt. Die Asci sind bis zu 350 µm, meist 100 bis 150 mm lang und 15–20 µm breit. Sie sind inamyloid. In ihnen befinden sich jeweils 8 Sporen. Die Paraphysen sind zylindrisch geformt, verzweigt und an der Spitze 6–8 µm keulig verdickt.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Besonders alte und gedunkelte Exemplare der Riesen-Lorchel können der Frühjahrs-Giftlorchel ähnlich sehen. Ihr Hut ist jedoch meist etwas anders geformt und der Stiel deutlich dicker.
In Nordamerika ist die ähnliche Gyromitra caroliniana zu finden.

Versehentlich wurde die Frühjahrs-Giftlorchel schon für die Speisemorchel (Morchella esculenta) gehalten. Die Speisemorchel hat keinen hirnartig gewundenen sondern einen durch Längs- und Querleisten netzartig aufgeteilten Hut; die Struktur erinnert an Bienenwaben.

Daneben ist auch die Verwechslung mit kleinen oder dunklen Exemplaren der ebenfalls giftigen Riesen-Lorchel (G. gigas) möglich. Diese besitzt jedoch jung einen helleren, gelb-bräunlichen Hut, der meist weniger stark gewunden ist und weniger eckige Auswüchse aufweist. Der Stiel ist in der Regel gedrungener. Ihre Sporen sind größer, bei Reife fein warzig und weisen an den Enden stumpfe Anhängsel auf. Dieser Art ähnelt die Zipfel-Lorchel (G. fastigiata) mit stark lappigem Hut und ebenfalls breitem Stiel.

Gewisse Ähnlichkeit besitzt auch die Bischofsmütze (G. infula). Sie hat jedoch einen lappigen, nicht hirnartig gewundenen Hut, oft mit nach oben gebogenen Falten und helleren Farben. Ihr Stiel ist ebener, faltig. Die Fruchtkörper erscheinen im Herbst.

Besonders ähnlich ist auch die aus Südeuropa bekannte Tasmanische Lorchel (Gyromitra tasmanica). Ihr Hutrand ist wie bei der vorgenannten Art nicht mit dem Stiel verwachsen.[5] Gyromitra caroliniana ist zumindest in Nordamerika verbreitet. Sie besitzt einen deutlich massiveren Stiel (ähnlich der Riesen-Lorchel) und einen faltigen Hut mit oft engen, nach oben verlaufenden Falten.[6]

Verwechslungen sind auch mit der sehr seltenen Rundsporigen Lorchel (G. sphaerospora) möglich. Sie besitzt einen ebeneren, faltig verbogenen Hut, dessen Rand nicht am Stiel angewachsen ist. Dieser ist oft rosa oder lila überhaucht. Die runden Sporen kennzeichnen die Art eindeutig.[7] Dieser Art ähnelt Gyromitra californica, die einen vergleichbar faltig-welligen Hut besitzt.[8]

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Die Frühjahrs-Giftlorchel ist in sandigen Kiefernwäldern, auf Kahlschlägen und in jungen Schonungen zu finden. Außerdem ist sie auf Deponien mit Holzabfällen oder in Straßengräben anzutreffen. Sie wächst dabei um Stümpfe, bei aufgehäufter Borke oder von Holzabfällen und unter Reisig.[4] Durch gestörte Bodenverhältnisse wird das Wachstum offenbar begünstigt.[9] Der Pilz lebt als Saprobiont. Ob er auch eine Mykorrhiza mit Bäumen eingeht, ist derzeit unklar.[10] Möglicherweise zählen auch beide Ernährungsweisen zum Lebenszyklus, wie bei den Morcheln (Morchella).[10] Sie ist in der kollinen bis montanen Höhenstufe anzutreffen. Die Fruchtkörper werden recht früh im Jahr, von März bis Mai, mitunter bis Juni gebildet. Sie erscheinen damit meist einige Wochen vor den Morcheln[11] und treten einzeln bis gesellig auf.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Frühjahrs-Giftlorchel ist in der Holarktis anzutreffen. In Nordamerika ist sie in den nördlichen Regionen und montanen Gebieten weit verbreitet.[10] In Europa kommt sie in der Mitte und im Osten recht gleichmäßig vor,[12] in den östlichen Bereichen möglicherweise etwas häufiger.[13] In Mitteleuropa ist der Pilz lokal häufig[11] und vor allem in den Sandgebieten des Flachlandes anzutreffen.[14]

Systematik[Bearbeiten]

Es gibt eine var. alba, eine albinotische Form mit weißem Hut.[14] Die Glänzende Lorchel (G. splendida) besitzt Sporen mit abgerundeten Anhängseln. Es ist bisher ungeklärt, ob es sich um eine eigenständige Art handelt.[9] Sie ist aus Nord- und Nordosteuropa bekannt.[9]

Bedeutung[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der lateinische Gattungsname leitet sich ab von gŷros und gr. mítra für „Kopfbinde“ oder „Mitra“.[15] Er bezieht sich auf die mützenförmig ausladenden Hüte der Fruchtkörper.[15] Der Artname von lat. ēsculentus bedeutet „essbar“ und entstand durch die früher häufigere Verwendung als Speisepilz, als die Giftigkeit des Pilzes noch nicht bekannt war.[16] Die deutschen Bezeichnungen beziehen sich auf die frühe Erscheinungszeit im Jahr und den Giftgehalt der Fruchtkörper. Im englischsprachigen Raum wird der Pilz wie alle Arten der Lorcheln (Gyromitra) oft als false morel („Falsche Morchel“) bezeichnet. Der Name bezieht sich auf die Ähnlichkeit zu den echten Morcheln (Morchella).

Giftwirkung[Bearbeiten]

Allgemeine Eigenschaften[Bearbeiten]

Durch den Verzehr der Frühjahrs-Giftlorchel können starke oder sogar tödliche Vergiftungen entstehen. Die dabei auftretenden Symptome werden als Gyromitra-Syndrom bezeichnet und sind jenen bei einer Vergiftung mit Knollenblätterpilzen (Phalloides-Syndrom) sehr ähnlich. Gemeinsamkeiten bestehen auch in der verhältnismäßig langen Latenzzeit und dem zweiphasigen Erscheinungsverlauf der Symptome. Es treten Schädigungen der Leber, Funktionsstörungen der Nieren, eine Zersetzung der roten Blutkörperchen (Hämolyse) und Beeinträchtigungen des Zentralnervensystems auf. Möglicherweise sind zusätzlich allergische Reaktionen bei der Vergiftung beteiligt. Die Art der Vergiftung lässt sich durch eine Beschreibung des Aussehens der Fruchtkörper und die Erscheinungszeit eingrenzen.

Der Verzehr roher oder ungenügend erhitzer Fruchtkörper führt zu schweren Vergiftungen. Bei der Zubereitung der Pilze werden diese mehrmals, üblicherweise zweimal, abgekocht und das Kochwasser weggegossen. Sogar die dabei entstehenden Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden, da auch diese zu Vergiftungen führen können.[17] Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass ein Koch, der die Pilze zubereitet, sie selbst aber nicht verzehrt, eine Vergiftung erleidet, während Personen, die die Fruchtkörper verspeisen, anschließend keine Beschwerden haben.[16] Als genießbar gelten auch gut getrocknete Fruchtkörper. Gyromitrin ist flüchtig und instabil, so dass es bei längerem Kochen und Trocknen entweicht. Vergiftungen treten dann nur selten und meist nach dem Verzehr großer Mengen auf.[17] Dennoch sind schwere Vergiftungen nach dem Verzehr, insbesondere in Osteuropa, trotz entsprechender Behandlung bei der Zubereitung nicht selten. Aus diesem Grund wird die Frühjahrs-Giftlorchel im deutschsprachigen Raum als tödlich giftig eingestuft. Vergiftungen und auch tödliche Auswirkungen können beim Verzehr der Pilze nicht ausgeschlossen werden. Von dem Konsum ist daher bei allen Zubereitungsformen dringend abzuraten. Versuche mit Mäusen weisen zudem auf eine krebsfördernde Wirkung hin, mit der auch bei getrockneten Fruchtkörpern noch zu rechnen ist.>[18]

Der Pilz wird auch innerhalb einer Familie sehr unterschiedlich vertragen. So kann es zu Todesfällen kommen, während vergleichbare Mengen von anderen Personen ohne Beschwerden genossen werden können. Eine Ursache dafür sind möglicherweise auch variierende Mengen der Inhaltsstoffe der Fruchtkörper. Ein weiterer Grund kann auch eine ungleichmäßige Hitzeeinwirkung beim Kochen sein. Die sehr unterschiedlichen Folgen bei mehreren Personen, die etwa die gleiche Menge an Fruchtkörpern aufnehmen und derselben Person bei unterschiedlichen Mahlzeiten wird darin vermutet, dass die Menge an zubereiteten Pilzen, die keine Beschwerden hervorruft und die Menge, die eine tödliche Vergiftung zur Folge hat, sich nur sehr wenig unterscheiden.[16] Darüber hinaus besteht die Vermutung, dass es nach dem Verzehr, auch entsprechend vorbehandelter Pilze, zur Bildung von Antikörpern kommt, die eine komplexe allergische Reaktion hervorrufen.[19]

Verlauf[Bearbeiten]

Je nach Menge und Zubereitungsart der Pilze sowie der körperlichen Verfassung des Konsumenten verlaufen die Vergiftungen leicht bis hin zu Todesfällen. Die Latenzzeit beträgt etwa 6 bis 12 Stunden, mitunter bis zu einem Tag. Zu Beginn stehen Mattigkeit, Völlegefühl und Übelkeit sowie Kopf- und Bauchschmerzen. Es folgen starkes Erbrechen und wässrige Durchfälle. Infolge dessen kommt es zu einer leichten Austrocknung (Exsikkose), Blutdruckabfall und Krämpfen. Die Symptome klingen normalerweise nach 2 bis 6 Tagen ab. Bei schwerer verlaufenden Vergiftungen können wie beim Phalloides-Syndrom eine Zeitlang keine Beschwerden auftreten. Im Anschluss wirkt sich die zunehmende Schädigung der Leber aus. Mitunter tritt eine Hämolyse auf. Darüber hinaus kann es zu Störungen des Zentralnervensystems kommen. Dadurch verursacht sind Unruhe, Erregungszustände, Delirium, laute Schreie, Muskelzuckungen, tonisch-klonische Krampfanfälle und Pupillenerweiterung möglich. In schweren Vergiftungsfällen tritt der Tod durch Kreislaufzusammenbruch und Atemstillstand im Koma ein – häufig bereits 3 bis 4 Tage nach dem Verzehr der Pilze.

Gegenmaßnahmen[Bearbeiten]

Bis etwa 6 Stunden nach Aufnahme der Pilze ist eine Magen- und Darmentleerung mit anschließender Einnahme von Aktivkohle möglich.[17] Diese bindet zurückgebliebene Giftrückstände. Der Wasserverlust und die damit einher gehenden Ausscheidungen von Elektrolyten werden durch Infusionen ausgeglichen. Unterstützend wirken die Zugabe von Vitamin B6 und Folsäure. Darüber hinaus erfolgt eine Behandlung der Leber. Eine Gabe von Beruhigungsmitteln kann die nervlichen Beeinträchtigungen mildern.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühjahrs-Giftlorcheln auf dem Markt in Helsinki
Zubereitete Frühjahrs-Giftlorcheln
Briefmarke aus der DDR mit der Frühjahrs-Giftlorchel

Die Frühjahrs-Giftlorchel wurde lange Zeit nach entsprechender Vorbehandlung als Speisepilz verwendet. Daher rührt auch der lateinische Name der Art (esculenta = deutsch „essbar“). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden z. B. auf dem Münchner Viktualienmarkt jährlich rund 1,5 Tonnen der Frühjahrs-Giftlorchel verkauft.[20] Zu dieser Zeit wurden etwa 350 Tonnen dieses Pilzes aus Polen importiert.[20] Trotz des umfangreichen Konsums kam es nur verhältnismäßig selten zu Vergiftungen.[20]

Die Art und Weise der Giftwirkung war lange unklar. Nachdem mehrere Fälle von Krankheit bei der Arbeit an Raketen auftraten, konnten diese auf den Treibstoff Monomethylhydrazin zurückgeführt werden.[16] Die Symptome nach einer Vergiftung mit diesem Treibstoff ähneln jenen nach dem Verzehr von Giftlorcheln. Später wurde entdeckt, dass das in den Pilzen enthaltene Gyromitrin durch die Magensäure zu Monomethylhydrazin abgebaut wird.[16] Somit wurden die flüchtigen und instabilen Eigenschaften der in der Frühjahrslorchel enthaltenen Giftstoffe erkannt, wodurch der Hintergrund der bei der Zubereitung ablaufenden Prozesse deutlich wurde.

Obwohl die Giftwirkung des Pilzes seit Langem bekannt ist, wird er aufgrund seines Aromas von Einigen für den Verzehr sehr geschätzt. Bis heute wird die Frühjahrs-Giftlorchel beispielsweise in Finnland in großem Maße verzehrt. Allerdings entstehen in Osteuropa die Hälfte aller schweren Vergiftungen durch den Genuss dieses Pilzes, trotz entsprechender Vorbehandlung.[20] In West- und Südeuropa sind Vergiftungsfälle durch die Frühjahrs-Giftlorchel heute selten, da sie dort weniger häufig vorkommt und vor dem Verzehr gewarnt wird. In Deutschland ist der Handel mit dem Pilz verboten. Aufgrund des offenbar guten Aromas wird inzwischen versucht Pilzstämme mit möglichst geringem Gyromitringehalt zu finden und heranzuziehen.[20]

Trotz eines gefährlichen Übersetzungsfehlers ist in Finnland ein Kochbuch mit einem Rezept für einen Lorchel-Kartoffelsalat jahrelang verkauft worden. Im Buch fehlte der Hinweis auf das zum gefahrlosen Genuss notwendige zweimalige Abkochen und Spülen des Pilzfleisches, weil es sich im englischsprachigen Original um einen Morchel-Kartoffelsalat gehandelt hatte.[21]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Der Inhaltsstoff Gyromitrin ist für die Giftwirkung der Frühjahrslorchel verantwortlich.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine als „Helvellasäure“ bezeichnete ölige Substanz aus der Frühjahrs-Giftlorchel isoliert und für dessen Giftigkeit verantwortlich gemacht, was jedoch Ende der 1960er-Jahre widerlegt wurde.[20] 1967 wurde der für Vergiftungen zuständige Stoff Gyromitrin von zwei deutschen Wissenschaftlern entdeckt. Es handelt sich dabei um das Hydrazinderivat N-Methyl-N-formyl-acetaldehyd-hydrazon. Die Giftwirkung wird außerdem durch dessen Abbauprodukte, v. a. das Methylhydrazin hervorgerufen.[20]

Die letale Dosis für Gyromitrin beträgt beim Menschen etwa 20 bis 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht.[22] Die Giftigkeit von N-Methylhydrazin ist mit 5 bis 8 mg pro Kilogramm Körpergewicht höher.[22] Bei Kindern sind die Dosen etwa halb so groß, für Gyromitrin 10 bis 30 mg[19] pro Kilogramm Körpergewicht. Verschiedene Personen können sehr unterschiedlich auf bestimmte Mengen an Gyromitrin reagieren, wofür wahrscheinlich genetisch bedingte Stoffwechselunterschiede verantwortlich sind. Frühjahrs-Giftlorchel enthalten etwa 60 bis 320 mg Gyromitrin pro Kilogramm Frischpilz.[22] Die Angaben zum Gyromitringehalt in der älteren Literatur sind i. d. R. zu hoch, da zu dessen Ermittlung eine unspezifische Titrationsmethode angewandt wurde.[4] Gut getrocknete Fruchtkörper weisen pro Kilogramm bis zu 3 mg Gyromitrin auf.[22] Der Anteil an N-Methylhydrazin beträgt 0,1 bis 0,2 Prozent bei frisch getrockneten Pilzen und 0,03 Prozent nach 6 Monaten Lagerung.[22] Monomethylhydrazin ist wasserlöslich und hat seinen Siedepunkt bei 87 °C.[23] Es verflüchtigt sich beim Kochen zu etwa 99,5 Prozent durch Verdampfen.[23]

Am Aroma der Frühjahrs-Giftlorchel wesentlich beteiligt ist die Verbindung Octen-1-ol-3.[22] In ihr wird die Ursache des besonderen Geschmacks des Pilzes vermutet.[22]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Josef Breitenbach, Fred Kränzlin: Ascomyceten. In: Pilze der Schweiz. Band 1, Mykologia, Luzern 1981, ISBN 3-85604-011-0.
  •  Jürgen Guthmann, Christoph Hahn, Rainer Reichel: Taschenlexikon der Pilze Deutschlands. Ein kompetenter Begleiter zu den wichtigsten Arten. 1. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01449-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Rose Marie Dähncke: 1200 Pilze. Einfach und sicher bestimmen. Weltbild, Augsburg 2012, ISBN 978-3-8289-3112-1, S. 1106.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGyromitra esculenta (Pers.) Fr. - False Morel. In: First Nature. 2011–2013, abgerufen am 19. Mai 2013 (englisch).
  3. Breitenbach, Kränzlin: Pilze der Schweiz. S. 50.
  4. a b c d  Andreas Bresinsky, Helmut Besl: Giftpilze. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1985, ISBN 3-8047-0680-0, S. 67.
  5.  Rose Marie Dähncke: 1200 Pilze. Einfach und sicher bestimmen. Weltbild, Augsburg 2012, ISBN 978-3-8289-3112-1, S. 1102.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMichael Kuo: Gyromitra caroliniana. In: MushroomExpert.Com. Juni 2012, abgerufen am 17. Mai 2013 (englisch).
  7.  Svengunnar Ryman, Ingmar Holmåsen: Pilze. Über 1.500 Pilzarten ausführlich beschrieben und in natürlicher Umgebung fotografiert. Bernhard Thalacker, Braunschweig 1992, ISBN 3-87815-043-1, S. 612.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMichael Kuo: Gyromitra californica. In: MushroomExpert.Com. Juni 2012, abgerufen am 20. Mai 2013 (englisch).
  9. a b c  Svengunnar Ryman, Ingmar Holmåsen: Pilze. Über 1.500 Pilzarten ausführlich beschrieben und in natürlicher Umgebung fotografiert. Bernhard Thalacker, Braunschweig 1992, ISBN 3-87815-043-1, S. 611.
  10. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMichael Kuo: Gyromitra esculenta. In: MushroomExpert.Com. Juni 2012, abgerufen am 17. Mai 2013 (englisch).
  11. a b  Ewald Gerhardt: BLV-Handbuch Pilze. 4. Auflage. BLV, München 2006, ISBN 3-8354-0053-3, S. 608.
  12.  Ewald Gerhardt: BLV-Bestimmungsbuch Pilze. Weltbild, Augsburg 2003, ISBN 3-8289-1673-2, S. 180.
  13.  Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Kosmos, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-440-12408-6, S. 664.
  14. a b  Bruno Hennig, Hanns Kreisel, Edmund Michael: Die wichtigsten und häufigsten Pilze mit besonderer Berücksichtigung der Giftpilze. In: Handbuch für Pilzfreunde. 5. Auflage. 1, VEB Gustav Fischer, Jena 1983, S. 380.
  15. a b  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-149-9, S. 277 (Nachdruck von 1996).
  16. a b c d e Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTed Blackwell: But it’s not Rocket Science! The Tale of Gyromitra. In: News Sheet No 15. Herefordshire Fungus Survey Group, Frühjahr 2008, S. 13 f., abgerufen am 20. Mai 2013 (pdf, enlisch).
  17. a b c Guthmann et al.: Taschenlexikon der Pilze Deutschlands. S. 133.
  18.  René Flammer, Egon Horak: Giftpilze – Pilzgifte. Pilzvergiftungen. Ein Nachschlagewerk für Ärzte, Apotheker, Biologen, Mykologen, Pilzexperten und Pilzsammler. Schwabe, Basel 2003, ISBN 3-7965-2008-1, S. 150.
  19. a b  Lutz Roth, Hanns Frank, Kurt Kormann: Giftpilze, Pilzgifte. Schimmelpilze – Mykotoxine – Vorkommen – Inhaltsstoffe – Pilzallergien – Nahrungsmittelvergiftungen. Sonderdruck der Ausgabe von 1989. Nikol, Hamburg 2001, ISBN 3-933203-42-2, S. 71.
  20. a b c d e f g Guthmann et al.: Taschenlexikon der Pilze Deutschlands. S. 134.
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKochbuch mit giftigem Rezept jahrelang in Finnland verkauft. In: News auf Vorarlberg Online. 30. Juni 2010, abgerufen am 19. Mai 2013.
  22. a b c d e f g Guthmann et al.: Taschenlexikon der Pilze Deutschlands. S. 135.
  23. a b J. J. Kleber, Th. Zilker: Gyromitra-Syndrom. In: toxinfo.org. 2000, abgerufen am 22. Mai 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gyromitra esculenta – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien