Fractint

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Ein Mandelbrot-Fraktal mit Farbpaletten-Editor (Fractint Version 20.0 in DOSBOX 0.72 auf Windows Vista)

Fractint ist ein Fraktalgenerator, ein Programm zur Generierung von Abbildungen fraktaler Geometrie. In der Version für MS-DOS war es in den 1990er Jahren das populärste seiner Art, Portierungen auf andere Plattformen reichten hingegen nicht an die Funktionsvielfalt des Originals heran. Die aktuelle Version 20.04p12 datiert vom Februar 2012.

Die Stärken Fractints liegen in der Vielfalt der zur Verfügung stehenden Fraktaltypen und Einstellmöglichkeiten: Neben Fluchtzeitfraktalen wie dem Apfelmännchen gehören iterierte Funktionensysteme (IFS), Lindenmayer-Systeme (L-Systeme) und Seltsame Attraktoren zum Repertoire; selbsterdachte Formeln können ebenfalls verwendet werden. Auf der Ausgabeseite sticht die zu DOS-Zeiten wichtige Unterstützung seltener und undokumentierter Videomodi hervor, sowie die Möglichkeit der Speicherung von Grafikdateien unabhängig von der grafischen Leistungsfähigkeit des benutzten PCs. Vielfältige 3D-Transformationen und die Unterstützung von 3D-Brillen stellen Eigenschaften dar, die auch bei modernen Programmen nur selten zu finden sind.

Durch die Popularität des Programms entstanden zudem seitens Dritter diverse Hilfsprogramme, die beispielsweise die Generierung von „Zoomflügen“ durch das Apfelmännchen oder das Design von IFS vereinfachen.

Schwächen[Bearbeiten]

Das Programm stammt aus der Zeit, in der Fraktale in aller Munde waren. Das war Anfang der 1990er Jahre. Die Euphorie ist gewichen, das Programm wurde seitdem nicht grundlegend weiterentwickelt. Vor allem fällt folgendes auf:

  • Das Programm läuft seit Windows 7 nicht mehr unter Windows, es läuft letztmals unter Windows Vista 32 bit.
  • Die GUI der Windows-Oberfläche ist eine portierte MSDOS-Version; es fehlen übliche Funktionen von Windows-95-Programmen, wie beispielsweise das Verändern der Fenstergröße durch Ziehen am Rand.
  • Das Programm nutzt auf Mehrkern-Systemen nur einen Kern.
  • Das Programm nutzt nicht die Befehlssätze aktueller CPUs.

Messungen auf einem Vierkernprozessor aus dem Jahr 2011 (i5-2300) ergaben, dass FractInt etwa zwei Prozent der Gleitkomma-Rechenleistung des Prozessors nutzt (Julia-Menge). Optimiert könnte es etwa 50 Mal so schnell sein. Auf Workstations mit Doppel-CPU-Sockel und aktuellen Vielkern-CPUs liegt dieser Faktor noch mal knapp eine Größenordnung darüber.

Geschichte[Bearbeiten]

Fractint entstand 1988 als FRACT386, einem durch Verwendung von Ganzzahl-Arithmetik auch auf Intels meist nicht über einen Gleitkomma-Koprozessor verfügenden 80386er-Prozessor schnell laufenden Fraktalgenerator.[1] 1989 wurde durch Umbenennung in „Fractint“ der Bezug zum Prozessortyp entfernt und generell auf die Rechnung in ganzen Zahlen (engl. integer) verwiesen, dies wurde auch nach Implementierung der Möglichkeit von Gleitkomma-Berechnungen beibehalten.

Ursprünglicher Autor war der Mathematiker Bert Tyler, später als Kopf der sogenannten Stone Soup Group, welche allerdings den Quelltext verfügbar hielt und im Laufe der Zeit Beiträge von über 60 Programmierern aufnahm.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Noel Giffin: Fractint: A Little Code, Limitations of Integer Math (And How We Cope). Nahee Enterprises. Abgerufen am 8. Mai 2012.