Fraktus

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Filmdaten
Originaltitel Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 95 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Lars Jessen
Drehbuch Ingo Haeb
Lars Jessen
Heinz Strunk
Rocko Schamoni
Jacques Palminger
Sebastian Schultz
Produktion Klaus Maeck
Fatih Akın
Christian Springer
Jeanette Würl
Musik Carsten Meyer, Studio Braun
Kamera Oliver Schwabe
Schnitt Sebastian Schultz
Besetzung

Der Film Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte ist eine 2012 gedrehte Mockumentary von Lars Jessen über das angebliche Comeback der fiktiven 1980er-Jahre Band Fraktus. Der Film kam am 8. November 2012 in die deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten]

Bandgeschichte[Bearbeiten]

Bernd Wand (Jacques Palminger), Dirk Eberhard („Dickie“) Schubert (Rocko Schamoni) und Meinhard Gnom gründeten in den 1980er Jahren in Brunsbüttel eine Band namens Freakazzé. Ein Song besteht ausschließlich aus Hundegebell, das der Melodie des Stundenschlages von Big Ben (Westminsterschlag) folgt.

Freakazzé trifft auf den Produzenten Torsten Bage (Heinz Strunk), der bei Frikazzé einsteigt, aus Frikazzé wird Fraktus. Nach internen Streitereien wurde der Schlagzeuger Meinhard Gnom durch eine von Bernd Wand selbst gebaute elektronische Rhythmuseinheit ersetzt. Gnom agiert bis zur Auflösung der Band als Roadie.

Die Platte Tut Ench Amour gilt als Meilenstein in der Geschichte von Fraktus. Die Band ist damit ihrer Zeit voraus.

Während der Produktion zur LP Automate wurden Konflikte innerhalb der Band offenbar, worauf die Plattenfirma externe Produzenten und Komponisten einsetzte. Die Platte wirkt überproduziert und glatt. Fraktus wurde von eingefleischten Fans und Kritikern vorgeworfen, sich mit Automate an die Industrie verkauft zu haben.

Fraktus letzter Auftritt in der Turbine in Hamburg im November 1983 setzte den Schlusspunkt unter die kurze Karriere der Band. Während des Konzerts führte ein Kurzschluss an einem Theremin zu einem Feuer, das die Turbine bis auf die Grundmauern niederbrannte. Kurz darauf trennte sich die Band.

Comeback[Bearbeiten]

Da Fraktus im Nachhinein als Begründer des Techno angesehen wird, sucht Jahre später der Musikproduzent Roger Dettner (Devid Striesow) die ehemaligen Bandmitglieder zusammen: Er findet den immer noch in 1980er Jahre-Klamotten herumlaufenden ehemaligen Sänger Dickie in dessen Hamburger Internetcafé „Surf n'Schlurf“ und in Brunsbüttel den Soundtüftler Bernd im elterlichen Optikergeschäft – Bernd macht nun zusammen mit seinen Eltern Musik und nennt dies „Fraktus 2“. Torsten Bage ist mit kommerzieller Popmusik zu Geld gekommen und lebt auf Ibiza. Es ist nicht einfach, die drei für ein Comeback zu gewinnen: Roger vernachlässigt trotz hochschwangerer Freundin sein Privatleben und reist mit Dickie und Bernd nach Ibiza zu Torsten. Es gelingt ihm, einen ersten desaströs endenden Auftritt zu organisieren. Nachdem auch der Aufenthalt in einem angesagten Produktionsstudio erfolglos bleibt, torkelt Roger betrunken durch die Stadt.

Die Bandmitglieder von Fraktus organisieren sich ihre einst selbstgebauten Lo-Fi-Originalinstrumente zurück und legen dann doch noch einen erfolgreichen Auftritt in einem Hamburger Parkhaus (dem Ort, an dem früher die Turbine stand) hin.

Zusätzliche Glaubwürdigkeit erhält die Bandgeschichte durch zahlreiche Interviews über die Bedeutung von Fraktus mit Musikern und Experten wie Matthias Schuster, Jan Delay, Blixa Bargeld, H. P. Baxxter, Steve Blame, Peter Illmann, Alex Christensen, Jürgen Laarmann, Dieter Meier, Hans Nieswandt, Stephan Remmler, Marusha und Peter Urban.

Filmdiskografie[Bearbeiten]

(fiktive Veröffentlichungen)

  • 1980: 7353=057
  • 1982: Tut Ench Amour
  • 1983: Affe sucht Liebe
  • 1983: Automate

Diskografie[Bearbeiten]

Fraktus live im Beatpol in Dresden (2013)

(reale Veröffentlichungen)

  • 2006: Beitrag Affe, Sucht, Liebe auf der Compilation Operation Pudel 2006 (Pudel Produkte)
  • 2012: Millennium Edition (Album, Staatsakt / Rough Trade)
  • 2012: Affe sucht Liebe (7"-Single, Pudel Produkte)

Kritiken[Bearbeiten]

„Dieser Film ist so genial erstunken und erlogen, dass manche selbst auf die Kritiken reinfallen. ‚Spiegel Online‘ nannte ‚Fraktus‘ das ‚vielleicht lustigste Filmerlebnis, das das deutsche Kino dieses Jahr zu bieten hat‘.“[2]

Josef Engels hält den Film sogar für eine Parodie auf das Musikgeschäft:

„Gewiss, die Studio-Braun-Mitglieder Heinz Strunk, Rocko Schamoni, Jacques Palminger und ihr Schauspieler-Kollaborateur Devid Striesow persiflieren die verschiedensten Formate und Typen. Mal ist es der raunende Erzählton öffentlich-rechtlicher Jugendkultur-Erklärungssendungen wie "Pop 2000", mal der Scripted-Reality-Schmonzes von TV-Reihen wie "Goodbye Deutschland" oder "Die Geissens", der die Überzeichnungsschablone liefert.“

Josef Engels in Die Welt[3]

„Der ganze Film ist eine Art Heimatkomödie für Menschen, die in besseren Tagen im Hamburger Pudel Club herumstanden und sich an einer Knolle Astra wärmten, ja manchmal meint man sogar, es mit einem notdürftig kaschierten Selbstporträt zu tun zu haben: Wie Fraktus haben auch Palminger, Schamoni und Strunk ihre anarchischen Tage inzwischen hinter sich, was als Punkhumor begonnen hat, ist seit Jahren Teil des Mainstreams.“

Jürgen Ziemer: Die Zeit[4]

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Band Fraktus ist eine Erfindung der Künstlergruppe Studio Braun:[5] Bereits 2006 veröffentlichte das Studio-Braun-Mitglied Rocko Schamoni unter dem Namen Fraktus auf der Kompilation Operation Pudel 2006 ZD 50 das Stück Affe, Sucht, Liebe. Im darauf folgenden Jahr traten Studio Braun unter dem Namen Fraktus auf dem Melt!-Festival auf, wobei das Trio seinen Auftritt als Comeback der Band nach 25-jähriger Bühnenabstinenz inszenierte, um Ausschnitte davon im geplanten Film verwenden zu können.[6]
Zum Filmstart erschien das Musikalbum Millennium Edition von Studio Braun als Band Fraktus, im Rahmen einer sogenannten Comeback-Tour trat Studio Braun live auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fraktus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, abgerufen am 2. April 2013 (PDF; 34 kB).
  2. Matthias Lohr: Irrer Kino-Hit: Die erfundene Techno-Band „Fraktus“. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. 11. November 2012, abgerufen am 11. November 2012
  3. Josef Engels: Die Geschichte der Band, die es nie gab. In: Die Welt. 7. November 2012, abgerufen am 8. Oktober 2013
  4. Jürgen Ziemer: Arschgeweih im Volkstheater. In: Die Zeit. 30. Oktober 2012.
  5. Kritik auf Filmstarts.de, abgerufen am 22. Oktober 2012
  6. Melt: Es war live und ich war dabei auf der De:Bug-Webseite, abgerufen am 15. Juni 2011.