Fraktus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Originaltitel Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 95 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Lars Jessen
Drehbuch Ingo Haeb
Lars Jessen
Heinz Strunk
Rocko Schamoni
Jacques Palminger
Sebastian Schultz
Produktion Klaus Maeck
Fatih Akın
Christian Springer
Jeanette Würl
Musik Carsten Meyer, Studio Braun
Kamera Oliver Schwabe
Schnitt Sebastian Schultz
Besetzung

Der Film Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte ist eine 2012 gedrehte Mockumentary von Lars Jessen über das angebliche Comeback der fiktiven 1980er-Jahre-Band Fraktus. Der Film kam am 8. November 2012 in die deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten]

Bandgeschichte[Bearbeiten]

Bernd Wand (Jacques Palminger), Dirk Eberhard („Dickie“) Schubert (Rocko Schamoni) und der Schlagzeuger Meinhard Gnom gründeten in den 1980er Jahren in Brunsbüttel eine Band namens Freakazzé. Ein Song besteht ausschließlich aus Hundegebell, das der Melodie des Stundenschlages von Big Ben (Westminsterschlag) folgt.

Freakazzé trifft auf den Produzenten Torsten Bage (Heinz Strunk), der bei Freakazzé einsteigt, aus Freakazzé wird Fraktus. Meinard Gnom verlässt die Band, begleitet sie jedoch noch kurze Zeit als Roadie.

Die Platte Tut Ench Amour gilt als Meilenstein in der Geschichte von Fraktus. Die Band ist damit ihrer Zeit voraus und wechselt in der Folge vom Musiklabel Zickzack Records zu Ariola.

Während der Produktion zur LP Automate werden Konflikte innerhalb der Band offenbar, worauf die Plattenfirma externe Produzenten und Komponisten einsetzt. Die Platte wirkt überproduziert und glatt. Fraktus wird von eingefleischten Fans und Kritikern vorgeworfen, sich mit Automate an die Industrie verkauft zu haben.

Fraktus letzter Auftritt in der Turbine in Hamburg im November 1983 setzt den vorläufigen Schlusspunkt unter die kurze Karriere der Band. Während des Konzerts führt ein Kurzschluss an einem Theremin zu einem Feuer, das den Veranstaltungsort bis auf die Grundmauern niederbrennt. Kurz darauf trennt sich die Band.

Comeback[Bearbeiten]

Da Fraktus im Nachhinein als Begründer des Techno angesehen wird, sucht Jahre später der Musikproduzent Roger Dettner (Devid Striesow) die ehemaligen Bandmitglieder zusammen. Den ehemaligen Sänger Dickie findet er in dessen Hamburger Internetcafé „Surf n'Schlurf“, wo dieser immer noch in 1980er-Jahre-Klamotten herumläuft. Der hypochondrische Soundtüftler Bernd arbeitet in Brunsbüttel im elterlichen Optikergeschäft. Er macht nun zusammen mit seinen Eltern Musik und nennt dies Fraktus 2. Torsten Bage ist mit kommerzieller Popmusik zu Geld gekommen und lebt nun auf Ibiza. Es ist nicht einfach, die drei für ein Comeback zu gewinnen: Roger vernachlässigt trotz hochschwangerer Freundin sein Privatleben und reist mit Dickie und Bernd nach Ibiza zu Torsten. Es gelingt ihm, einen ersten desaströs endenden Auftritt zu organisieren. Nachdem auch der Aufenthalt in einem angesagten Produktionsstudio erfolglos bleibt, torkelt Roger betrunken durch die Stadt und attackiert wildfremde Menschen mit einem Dönerspieß.

Die Bandmitglieder von Fraktus organisieren sich ihre einst selbstgebauten Lo-Fi-Originalinstrumente zurück und legen dann doch noch einen erfolgreichen Auftritt in einem Hamburger Parkhaus (dem Ort, an dem früher die Turbine stand) hin.

Glaubwürdigkeit erhält die Bandgeschichte durch zahlreiche Interviews über die Bedeutung von Fraktus mit Musikern und Experten wie Matthias Schuster, Jan Delay, Blixa Bargeld, H.P. Baxxter, Steve Blame, Peter Illmann, Alex Christensen, Jürgen Laarmann, Dieter Meier, Hans Nieswandt, Stephan Remmler, Marusha und Peter Urban.

Im Jahr 2014 spielt Fraktus eine Rolle in der ARD-Serie Mord mit Aussicht (Folge 38).

Filmdiskografie (fiktive Veröffentlichungen)[Bearbeiten]

  • 1980: 7353=057
  • 1982: Tut Ench Amour
  • 1983: Affe sucht Liebe
  • 1983: Automate

Diskografie[Bearbeiten]

  • 2012: Fraktus – Millenium Edition
  • 2014: Freunde sind Friends

Hintergrund[Bearbeiten]

Fraktus live im Beatpol in Dresden, 2013

Die Band Fraktus ist eine Erfindung der Künstlergruppe Studio Braun:[2] Bereits 2006 veröffentlichte das Studio-Braun-Mitglied Rocko Schamoni unter dem Namen Fraktus auf der Kompilation Operation Pudel 2006 ZD 50 das Stück „Affe, Sucht, Liebe“. Im darauf folgenden Jahr traten Studio Braun als Fraktus auf dem Melt!-Festival auf, wobei das Trio seinen Auftritt als Comeback der Band nach 25-jähriger Bühnenabstinenz inszenierte, um Ausschnitte davon im geplanten Film verwenden zu können.[3]

Zum Filmstart 2012 veröffentlichte Studio Braun als Band Fraktus das Musikalbum Millennium Edition (Staatsakt), desgleichen wurde „Affe sucht Liebe“ als 7"-Single bei Pudel Produkte wiederveröffentlicht. Im Rahmen einer Comeback-Tour wurden in der Folge mehrere Fraktus-Konzerte gegeben.

Weiteres[Bearbeiten]

In Folge 38 der ARD-Krimiserie Mord mit Aussicht steht die Band im Mittelpunkt, denn Fraktus-Roadie Gonzo wird ermordet.[4][5] Das Drehbuch haben Fraktus-Regisseur Jessen, der in der Folge auch Regie führt, sowie Benjamin Hessler geschrieben.

Kritiken[Bearbeiten]

„Dieser Film ist so genial erstunken und erlogen, dass manche selbst auf die Kritiken reinfallen. ‚Spiegel Online‘ nannte ‚Fraktus‘ das ‚vielleicht lustigste Filmerlebnis, das das deutsche Kino dieses Jahr zu bieten hat‘.“[6]

„Gewiss, die Studio-Braun-Mitglieder Heinz Strunk, Rocko Schamoni, Jacques Palminger und ihr Schauspieler-Kollaborateur Devid Striesow persiflieren die verschiedensten Formate und Typen. Mal ist es der raunende Erzählton öffentlich-rechtlicher Jugendkultur-Erklärungssendungen wie ‚Pop 2000‘, mal der Scripted-Reality-Schmonzes von TV-Reihen wie ‚Goodbye Deutschland‘ oder ‚Die Geissens‘, der die Überzeichnungsschablone liefert.“

Josef Engels in Die Welt[7]

„Der ganze Film ist eine Art Heimatkomödie für Menschen, die in besseren Tagen im Hamburger Pudel Club herumstanden und sich an einer Knolle Astra wärmten, ja manchmal meint man sogar, es mit einem notdürftig kaschierten Selbstporträt zu tun zu haben: Wie Fraktus haben auch Palminger, Schamoni und Strunk ihre anarchischen Tage inzwischen hinter sich, was als Punkhumor begonnen hat, ist seit Jahren Teil des Mainstreams.“

Jürgen Ziemer: Die Zeit[8]

„Die Band ohne Gefühle revolutioniert das Genre und gilt bis heute als Vorreiter elektronischer Musik“

Timo Stein: Cicero Online[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fraktus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, abgerufen am 2. April 2013 (PDF; 34 kB).
  2. Kritik auf Filmstarts.de, abgerufen am 22. Oktober 2012
  3. Melt: Es war live und ich war dabei auf der De:Bug-Webseite, abgerufen am 15. Juni 2011.
  4. 6,40 Mio. sehen Fraktus bei “Mord mit Aussicht”, ZDF punktet mit “Aldi-Story”, Meedia, 10. Dezember 2014
  5. Gastauftritt in Krimi-Serie Fraktus in Mordfall verwickelt, Puls, 9. Dezember 2014
  6. Matthias Lohr: Irrer Kino-Hit: Die erfundene Techno-Band „Fraktus“. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 11. November 2012, abgerufen am 11. November 2012
  7. Josef Engels: Die Geschichte der Band, die es nie gab. In: Die Welt, 7. November 2012, abgerufen am 8. Oktober 2013
  8. Jürgen Ziemer: Arschgeweih im Volkstheater. In: Die Zeit, 30. Oktober 2012.
  9. Timo Stein: Bei uns ist Hass Alltag. In: Cicero Online, 7. November 2012.