Framus

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Kopfplatte einer Framus 12string (1969) mit dem typischen Logo

Framus ist ein deutscher Hersteller von Gitarren, Bässen und Verstärkern, der 1946 in Erlangen gegründet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Unternehmensgründer Fred Wilfer wurde 1917 in der Nähe der Musikstadt Schönbach geboren. Wilfer hörte nach dem Zweiten Weltkrieg von den Ansiedlungsplänen der Alliierten, worauf er Kontakt mit der bayerischen Staatsregierung aufnahm und über die Ansiedlung der Schönbacher Instrumentenbauer im Raum Erlangen verhandelte.

Framus Strato de Luxe (60er Jahre)

Wilfer gründete die "Fränkische Musikinstrumentenerzeugung Fred A. Wilfer K.G." am 1. Januar 1946. Und im März 1948 errichtete er die erste Werkstatt in Möhrendorf, ein paar Kilometer nördlich von Erlangen. Ende 1948 musste die Produktion bereits aus Platzmangel umziehen und nochmals im Jahre 1954. Die neue Fabrik in Bubenreuth, die 1954 eingeweiht wurde und fortan als "Framus-Werke" firmierte, war eine der modernsten dieser Zeit. Auf über 2200 m² Fläche produzierten 170 Instrumentenbauer um die 200 Instrumente pro Monat. Die anfängliche Dominanz der Geigenproduktion wurde schnell durch die Gitarrenproduktion abgelöst. Von 1967 bis 1977 bestand ein Zweigwerk in Pretzfeld, so dass Framus mit 300 Beschäftigten zur größten Gitarrenfabrik Europas avancierte. Ein weniger bekanntes Produkt waren die Konzertzithern, die teilweise (v. a. als Luftresonanzzither) in etwas ungewöhnlichen Bauformen hergestellt wurden: Der Resonanzkörper, normalerweise ca. 3 cm tief, erweitert sich nach hinten auf 5 cm. Dadurch erhielten die Instrumente einen sehr sonoren, von den Tiefen dominierten Klang.

Framus meldete Ende der 1970er Konkurs an. Die Produktion wurde Anfang der 1980er Jahre eingestellt. Die Gründe sind nicht klar überliefert, denn das komplette Unternehmensarchiv ist damals verloren gegangen. Man weiß nur von innerbetrieblichen und finanziellen Schwierigkeiten, die wahrscheinlich auch mit dem verstärkten Konkurrenzdruck aus Japan zu tun hatten. Während der Boomzeit von Framus habe es u.a. eine Besichtigung einer japanischen Besuchergruppe in dem Framus-Werk gegeben. Während der Werksbesichtigung sei eifrig fotografiert worden, wobei die während der Arbeit fotografierten Framus-Mitarbeiter sich gewundert hätten, dass ausschließlich deren Hände und Arbeitsvorgänge Ziel der fotografierenden Japaner gewesen seien. Da das Phänomen der Industriespionage und die Herstellung von Markenkopien in Fernost damals noch weitgehend unbekannt war, merkte die damalige Unternehmensleitung nicht, welches Ziel die Besuchergruppe aus dem fernen Japan wohl tatsächlich verfolgte. Dieser Besuch soll unter anderem zur Folge gehabt haben, dass später die ersten Fernost-Kopien deutscher Gitarren und Bässe auf den Instrumentenmarkt drängten, eine Tatsache, die den späteren Konkurs von Framus mit herbeiführte[1]. Historiker von der Universität Erlangen-Nürnberg versuchen zur Zeit über Zeitzeugen und alte Dokumente die Geschichte zu vervollständigen und zu rekonstruieren.

Kinderförderung[Bearbeiten]

Framus Jazzgitarre, ca. 1959

Schon mit dem Bau des Werkes in Bubenreuth war eine musikalische Früherziehung mit eingeplant. So lehrte Gertrude Fischer von 1954 an Kindern ab drei Jahren die verschiedensten Instrumente.

Wilfer war der Meinung, es reiche nicht aus, Instrumente zu produzieren. Man müsse auch die Kunden haben, die diese Produkte kaufen wollen. Daher engagierte sich Framus in den verschiedensten Projekten bis zur Einstellung der Produktion 1981.

Framus heute[Bearbeiten]

Framus wurde 1995 wiederbelebt und gehört heute zur Warwick GmbH & Co Music Equipment KG in Markneukirchen. Die heutige Produktion besteht aus mehreren Gitarrenserien, einer Bassserie und einer Verstärkerproduktion. Zusätzlich produziert Framus Gitarrensaiten. Die Hölzer für die Instrumente (Riegelahorn, Bergahorn, Mahagoni, Ebenholz usw.) werden aus den USA, Europa und Afrika von Framus direkt importiert. Das Holz wird einige Monate vor dem Eintritt in die Produktion in speziellen Klimakammern gelagert, um es zu „beruhigen“.

Framus Idolmaker-Modell, 2015

Das Unternehmen versucht seit dem Jahr 2005, eine Vorreiterrolle beim Umwelt- und Klimaschutz einzunehmen. Es arbeitet klimaneutral[2][3][4]. Strom und Wärme stammen vollständig aus firmeneigenen Energiequellen[5]. Dazu gehören eine Photovoltaik-, eine Windkraft- und eine Erdwärme-Anlage, eine Holzabfall- und eine Abluftheizung und ein ebenfalls firmeneigenes, erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk[6][7][8][9][10]. Das Holz für die Instrumente wird aus nachhaltiger Forstwirtschaft bezogen[11][12]. Eine eigens entwickelte, auf wasserlöslichen Lacken basierende Lackierungsmethode[13] ersetzt im Instrumentenbau sonst übliche, umwelt- und gesundheitsschädliche Verfahren wie Nitrozellulose- oder Polyurethanlackierungen. Seit dem Jahr 2011 arbeitet die Firma nach den Vorgaben des Eco Management and Audit Scheme, einem strengen und freiwilligen Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystem der Europäischen Union, das auf eine kontinuierliche Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes abzielt[14]. Seit 2012 ist das Unternehmen Mitglied der Umweltallianz Sachsen[15]. Im Jahr 2014 folgte die Aufnahme in die Initiative "Klimaschutz-Unternehmen" des Deutschen Industrie- und Handelskammertages[16], deren Mitgliedsunternehmen sich laut Selbstdarstellung "freiwillig zu messbaren und ambitionierten Zielen bei Klimaschutz und Energieeffizienz verpflichtet" und "bereits herausragende Leistungen betrieblicher Energieeffizienz bei Produkten, Dienstleistungen und Produktion erbracht" haben.

Framus hat einen Customshop, in dem sich die Kunden ihre Wunschinstrumente selbst zusammenstellen können.

Im Juli 2007 wurde in Markneukirchen das Framus-Museum eröffnet. In einer renovierten und umgebauten Gründerzeitvilla werden auf drei Etagen 200 Instrumente aus den Jahren zwischen 1946 und heute präsentiert. Seit August 2014 zählt das Museum zur „Route der Industriekultur“, einer vom Dresdner Wirtschaftsministerium getroffenen Auswahl "industriegeschichtlicher Sehenswürdigkeiten" des Bundeslandes Sachsen[17].

Unterstützte Künstler[Bearbeiten]

Framus Earl Slick Signature, 2013

Framus arbeitete im Lauf der Zeit mit vielen Musikern zusammen, bzw. wurde von vielen berühmten Musikern gespielt. Der erste unterstützte Künstler (Endorser) von Framus war in den späten 50er Jahren Billy Lorento[18] (später bekannt als Bill Lawrence). Zu den berühmtesten Künstlern, die mit einem Framus-Instrument Musik machten, gehörten John Lennon, der eine Framus Hootenanny von 1965 besaß, und Keith Richards[1]. Auch der damals sehr bekannte Attila Zoller, ein Jazzgitarrist, arbeitete mit Framus zusammen[19][20]. Bill Wyman von den Rolling Stones stand von 1964 an bei Framus unter Vertrag und spielte für mehr als drei Jahre auf dem Framus Star Bass. Gemeinsam mit Jan Akkerman entwickelte Framus eine von ihm gespielte Gitarre[21][22]. Für Peter Kraus, den „deutschen Elvis Presley“, wurde eine 4-saitige „Peter-Kraus-Schlager-Gitarre“ gebaut; eine Tenorgitarre, die sehr leicht zu spielen war. Auch Volker Kriegel arbeitete mit Framus zusammen und spielte in den 1960er und 70er Jahren verschiedene Framus-Modelle[23]. Präsent war Framus auch im Oberkrainer-Genre, ein Modell besaß und spielte der Gitarrist der originalen Oberkrainer, Leo Ponikvar.

Derzeit spielt Phil Campbell, der Gitarrist von Motörhead, einige Exemplare des Modells Panthera. Wolf Hoffmann (Accept), Earl Slick (David Bowie, New York Dolls), Phil X (Powder, Triumph, Bon Jovi) und Stevie Salas (Rod Stewart, Mick Jagger, George Clinton, Justin Timberlake) spielen mit ihnen entwickelte und nach ihnen benannte Framus-Modelle[24][25][26].

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Holtmann: Framus – Built In The Heart Of Bavaria. In: Stromgitarren, S. 100–110. Sonderheft der Zeitschrift Gitarre & Bass zur Geschichte der E-Gitarre. MM-Musik-Media-Verlag, Ulm 2004. ISSN 0934-7674
  • Christian Hoyer: Framus – Built In The Heart Of Bavaria. Die Geschichte eines deutschen Musikinstrumentenherstellers. 1946–1977. 1. Auflage. Framus Edition, Markneukirchen 2007, ISBN 978-3-940448-00-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Framus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ulrich Zwack: Audio: Built in the Heart of Bavaria - Stromgitarren aus Franken In: Bayern 2 (Bayerischer Rundfunk), Magazin "Bayerisches Feuilleton" vom 29. September 2012
  2. [1] ClimatePartner; Zertifikatsdokumentation
  3. Andreas Schulte: Heute handeln - morgen ernten. In: Handelsblatt vom 14. April 2015
  4. Jan Hauser/Thiemo Heeg: Die Jungen geben ihr Geld lieber für Smartphones aus In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. April 2013
  5. Dana Heide, Dirk Lindemann, Martin Neumeyer u. a.: Wie eine Katastrophe die Welt verbessert In: Handelsblatt vom 11. März 2014
  6. Jan Hromadko: Deutsche Unternehmen machen ihren Strom lieber selbst In: The Wall Street Journal vom 3. März 2014
  7. Martin Greive/Daniel Wetzel: In der Warteschleife In: Die Welt vom 29. März 2014
  8. Sarah Sommer: Gewappnet für das Blackout In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. Oktober 2013
  9. SMWA. Video: Markneukirchener Musikindustrie produziert klimaneutral. Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr; abgerufen am 26. April 2015
  10. Marc Brümmer: Praxisbeispiel für Energieautarkie in mittelständischen Betrieben: Framus & Warwick Music Equipment In: Wirtschaftsforum Mittelstand vom 23. Mai 2013
  11. [2] Forest Stewardship Council; Zertifikatsdatenbank
  12. Claudia Otto: E-Gitarren und E-Bässe klimaneutral herstellen In: Nachhaltige Produktion vom 12. Februar 2013
  13. Susanne Ladopoulos: Video: Instrumentenbauern über die Schulter geschaut In: MDR Fernsehen, Magazin "Einfach genial" vom 28. Januar 2014
  14. [3] Europäische Union/Eco Management and Audit Scheme; Zertifikatsdatenbank
  15. [4] Umweltallianz Sachsen; Teilnehmerverzeichnis
  16. [5] Klimaschutz-Unternehmen; Mitgliederverzeichnis
  17. [6] Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr; Pressemitteilung
  18. framus-vintage.de Billy Lorento. Framus Vintage-Archiv, abgerufen am 24. April 2015
  19. framus-vintage.de 5/67 AZ-10. Framus Vintage-Archiv, abgerufen am 24. April 2015
  20. Franz Holtmann: Masterpiece: Framus AZ-10 Custom Shop Edition. In: Gitarre & Bass, 12/2008, S. 114-116.
  21. framus-vintage.de 10950 Jan Akkerman. Framus Vintage-Archiv, abgerufen am 24. April 2015
  22. L. J. Eifel: Made in Germany: Framus Jan Akkerman. In: Gitarre & Bass, 1/2004, S. 184.
  23. framus-vintage.de Volker Kriegel. Framus Vintage-Archiv, abgerufen am 24. April 2015
  24. Heinz Rebellius: Framus Earl Slick Signature. In: Gitarre & Bass, 1/2012, S. 100-102.
  25. Thoralf Lange: Tieftöner von Weltruf. In: Frankenpost vom 19. Februar 2015
  26. Marian Menge: Stevie Salas: Star außer Dienst. In: Gitarre & Bass, 3/2015, S. 60-63.