François Cevert

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François Cevert
François Cevert (1973)
Automobil-/Formel-1-Weltmeisterschaft
Nation: FrankreichFrankreich Frankreich
Erster Start: Großer Preis von Deutschland 1969
Letzter Start: Großer Preis von Kanada 1973
Konstrukteure
1969 Tecno · 1970–1973 Tyrrell 
Statistik
WM-Bilanz: WM-Dritter (1971)
Starts Siege Poles SR
47 1 2
WM-Punkte: 89
Podestplätze: 13
Führungsrunden: 125 über 539 km
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François Albert Cevert[1] [fʀɑ̃ˈswa səvɛʁ] (* 25. Februar 1944 in Paris; † 6. Oktober 1973 in Watkins Glen, New York, USA) war ein französischer Automobilrennfahrer, der unter anderem an Formel-1- und Sportwagenrennen teilnahm. Cevert war französischer Formel-3-Meister und gewann einen Formel-1-Weltmeisterschaftslauf. Er galt zu Beginn der 1970er-Jahre als französische Hoffnung im internationalen Motorsport.[2] Abgesehen von seinen sportlichen Erfolgen erhielt er auch gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Cevert starb bei einem Unfall im Training zum Großen Preis der USA 1973.

Inhaltsverzeichnis

Familie und Privatleben [Bearbeiten]

François Ceverts Eltern waren Charles Goldenberg (1901–1985) und Huguette Cevert. Goldenberg wurde in der Ukraine geboren und lebte seit 1907 in Frankreich. 1921 eröffnete er auf dem Montmartre ein Geschäft für Modeschmuck und wurde in den 1930er-Jahren zu einem wohlhabenden Pariser Juwelier. François Ceverts Mutter kam aus Vaudelnay bei Saumur (Maine-et-Loire). Charles Goldenberg und Huguette Cevert waren nicht miteinander verheiratet. Goldenberg, der jüdischen Glaubens war, fürchtete für den Fall einer Eheschließung Nachteile für seine Partnerin und der gemeinsamen Kinder, die zu ihrem Schutz vor Verfolgung den Nachnamen der Mutter erhielten.[3] François Cevert hatte eine Schwester (Jacqueline, geboren 1947) und zwei Brüder (Elie und Charles). Jacqueline heiratete 1968 den französischen Rennfahrer Jean-Pierre Beltoise, mit dem François Cevert eine jahrelange Freundschaft verband. Beide bildeten von 1970 bis 1973 bei Sportwagenrennen ein Team.

François Cevert wuchs in dem bürgerlichen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine auf. Nach der Schulausbildung absolvierte er von November 1964 bis April 1966 den Militärdienst bei einem im deutschen Weingarten stationierten Kavallerieregiment.

Cevert galt als außergewöhnlich gut aussehend. Von Jo Schlesser ist die Frage nach Ceverts Apotheker überliefert: „Er soll mir auch die Tabletten geben, die so blaue Augen machen, damit ich die gleiche Wirkung bei den Mädchen erziele wie Du“.[4] Cevert umgab sich zeitweise mit Berühmtheiten aus dem Showbusiness wie Brigitte Bardot und Françoise Hardy.[5] Die Presse berichtete seit den späten 1960er-Jahren über Cevert nicht nur in sportlicher, sondern vielfach auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Magazine wie Paris Match beschrieben eingehend Ceverts Privatleben.[6] In den Medien wurde er gelegentlich als „der französische James Dean“ bezeichnet und erhielt den Beinamen „Le Prince“ (der Prinz).

Motorsport [Bearbeiten]

François Ceverts Mentor: Jackie Stewart

Bereits seit seiner Kindheit interessierte sich Cevert für Automobile und für Motorsport. Seit er 13 Jahre alt war, fuhr er die Autos seines Vaters,[7] drei Tage vor dem 18. Geburtstag legte er die Führerscheinprüfung ab.[8] 1963 nahm er zusammen mit Jean-Pierre Beltoise an einem Motorradrennen in Montlhéry teil. Im folgenden Jahr meldete er sich zur Coupe des Provinces, einem für Lotus-Seven-Piloten ausgeschriebenen Automobilrennen. Ceverts Vater, der mit dem Organisator des Rennens geschäftliche Beziehungen unterhielt, verhinderte allerdings die Teilnahme seines zu dieser Zeit noch minderjährigen[9] Sohnes.[10]

Unmittelbar nach der Entlassung aus der Militärdienst begann Cevert bei einer privaten Schule eine Ausbildung zum Automobilrennfahrer. Nach dem erfolgreichen Abschluss entwickelte sich seine Karriere in weniger als vier Jahren von der Französischen Formel-3-Meisterschaft, in der er 1969 die Meisterschaft gewann, über die Formel 2 bis in die Formel 1, in der er ab 1970 mit einem Werksavertrag antrat.

Von zentraler Bedeutung für Ceverts Motorsportkarriere war Jackie Stewart, von 1970 bis 1973 sein Teamkollege im Formel-1-Team von Ken Tyrrell. Stewart kannte Cevert seit dem Großen Preis von Reims 1969, einem Formel-2-Rennen, in dem Cevert den Schotten durch ein Überholmanöver in der letzten Kurve von Platz eins verdrängt hatte. Stewart setzte sich bei der Entscheidung über die Nachbesetzung eines Tyrrell-Cockpits für Cevert ein. Er wurde in der Folgezeit zu einem Mentor und Lehrmeister Ceverts.[11][12] Zwischen beide bestand zudem eine enge Freundschaft.[13]

Stewart brachte Cevert in der gemeinsamen Formel-1-Zeit die Besonderheiten einzelner Rennstrecken sowie Details der Fahrwerksabstimmung bei. Bei Ceverts erstem Formel-1-Rennen fuhr Stewart im Training vor Cevert fuhr und zeigte die Stellen, an denen Cevert vorsichtig sein sollte, durch leichtes Driften.[14] Drei Jahre lang war Cevert der Juniorpartner Jackie Stewarts. In französischen Medien wurde Cevert deshalb zeitweise auch auch als dessen Nebenbuhler oder Nacheiferer (émule) bezeichnet.[15] Ab Sommer 1973 war ein Rollenwechsel vorgesehen. Zu dieser Zeit entschloss sich Stewart, mit Ablauf dieser Saison 1973 seine Fahrerlaufbahn zu beenden. Ken Tyrrell wählte Cevert aus, um ab 1974 die Führungsrolle in seinem Team zu übernehmen. Stewart, der Cevert in fahrerischer Hinsicht für gereift hielt,[16] unterstützte Ken Tyrrell bei dieser Entscheidung.

Die einzelnen Stationen [Bearbeiten]

Shell Volant [Bearbeiten]

Nach der Entlassung aus der Militärdienst schrieb sich der inzwischen volljährige Cevert an der École de Pilotage Winfield (auch: Winfield Racing Driver School) in Magny Cours für einen Rennfahrerlehrgang ein. Der Kurs dauerte von April bis Oktober 1966. Sein Ausbilder war der Italiener Renato „Tico“ Martini, der in Magny Cours eine Rennwagenwerkstatt unterhielt. Das dazu nötige Geld verdiente Cevert als Vertreter. Die Ausbildung erfolgte auf Einheitschassis des britischen Konstrukteurs Merlyn. Zum Abschluss der Ausbildung organisierte die Winfield School zusammen mit der französischen Niederlassung des Mineralölkonzerns Shell ein Ausscheidungsrennen unter allen Schülern, das seit 1963 durchgeführt wurde und die Bezeichnung Shell Volant trug. Dem Sieger finanzierte Shell ein Formel-3-Cockpit für die kommende Saison. Cevert gewann das Shell Volant im Oktober 1966; er setzte sich dabei unter anderem gegen Patrick Depailler durch.[17]

Formel 3 [Bearbeiten]

1967 [Bearbeiten]

In seinem ersten Jahr musste er ohne direkte Unterstützung eines Rennwagenherstellers antreten. Während Patrick Depailler, den er beim Shell Volant geschlagen hatte, für 1967 einen Fahrervertrag bei dem französischen Renn- und Sportwagenhersteller Alpine erhielt, trat Cevert als Privatfahrer für das Team École Pilotage Winfield an. Er fuhr – ebenso wie Depailler – einen aktuellen A310.[18]

Die französische Formel-3-Saison 1967 wurde vom Matra-Werksteam dominiert, dessen Fahrer Henri Pescarolo und Jean-Pierre Jaussaud insgesamt neun Rennen gewannen und die Meisterschaft sowie die Vizemeisterschaft für sich entschieden. François Cevert konnte dem nichts entgegensetzen. Neben der fehlenden Rennerfahrung, die er im Laufe der Saison gegenüber Journalisten offen eingestand,[19] litt er unter den technischen Mängeln seines Autos. Der Alpine A310 war nach Ansicht von Beobachtern den zeitgenössischen Konkurrenzfahrzeugen von Matra in konstruktiver Hinsicht unterlegen. Hinzu kam, dass Alpines Vierzylindermotoren, die vom Renault 8 abgeleitet waren und in einer privaten Werkstatt namens Moteur Moderne in Paris vorbereitet wurden, etwa 20 PS weniger leisteten als die von Cosworth oder Holbay in Großbritannien betreuten Ford-Motoren der Konkurrenzteams.[20]

Zu den ersten beiden Formel-3-Rennen der französischen Meisterschaft 1967 in Pau und Montjuïc qualifizierte sich Cevert nicht. Die erste Qualifikation gelang ihm bei der Raymond Sommer Challenge in Montlhéry; hier kam er mit einer Runde Rückstand auf Jean-Pierre Jaussaud im Werks-Matra auf Platz acht ins Ziel. Eine Woche später wurde er beim Grand Prix Nivernais in Magny Cours Siebenter. Bei den folgenden Veranstaltungen in Dijon, Montlhéry und auf dem Circuit Bugatti fiel er jeweils technisch bedingt aus bzw. erlitt einen Unfall (Rouen). Erst beim Grand Prix de la Ville de Nevers in Magny Cours, der im Juli 1967 abgehalten wurde, kam Cevert wieder ins Ziel. Hier wurde er Vierter hinter den beiden Matra-Werksfahrern sowie dem privaten Konkurrenten Jean-Pierre Cassegrain, der einen Brabham BT21 einsetzte. Dieses Ergebnis wiederholte Cevert vier Wochen später beim Grand Prix de Nogaro. Im Oktober beendete er die Coupe du Salon in Montlhéry schließlich als Fünfter.

1968 [Bearbeiten]

Formel-3-Rennwagen von Tecno

1968 setzte Cevert sein Formel-3-Engagement in der französischen Serie fort. Er trat in diesem Jahr als Privatfahrer unter eigenem Namen an, denn mit Ablauf der Saison 1967 war die auf ein Jahr beschränkte Unterstützung durch die Winfield Racing School entfallen. Finanziert wurde Ceverts Motorsportengagement nunmehr von dem französischen Feuerlöscherhersteller Sicli, dessen Inhaber ein Nachbar seiner Eltern war.[21] Die Verbindung zu Sicli wurde durch die Entscheidung der Motorsport-Aufsichtsbehörde CSI ermöglicht, ab 1968 im Monopostosport das Anbringen von Werbung auf Rennwagen (Sponsoring) zu erlauben:[22] Im Gegenzug warb Sicli auf den Seitenflächen des Autos für seine Produkte.

Als Einsatzfahrzeug wählte Cevert ein Modell des italienischen Rennwagenherstellers Tecno, der auch zahlreiche Mitbewerber der französischen Formel-3-Meisterschaft – unter ihnen Ronnie Peterson, Jean-Pierre Jaussaud und François Mazet – ausrüstete. Als Antrieb diente ein Vierzylindermotor von Ford.

Die Auslieferung von Ceverts Auto verzögerte sich allerdings bis in den Mai 1968. Beim ersten Formel-3-Rennen des Jahres in Nogaro setzte Cevert daher einen Alpine A280 ein, ein veraltetes Rennauto, das bereits 1966 aufgebaut worden war.[23] Mit ihm kam er nicht ins Ziel. Zu den folgenden drei Rennen meldete er sich ebenfalls mit diesem Auto, trat aber jeweils nicht an.

Cevert übernahm seinen Tecno 68 am Morgen des 11. Mai 1968 in Bologna. Im Anschluss daran überführte er das Auto selbst nach Montlhéry, wo am folgenden Tag der XIII. Prix de Paris ausgetragen wurde. Cevert erschien rechtzeitig, um am sonntäglichen Zeittraining teilzunehmen. Mit dem ungetesteten Tecno qualifizierte er sich für den 18. Startplatz. In den ersten drei Runden fielen elf vorplatzierte Piloten durch Unfälle oder technische Defekte aus.[24] Nachdem Cevert fünf weitere Fahrer überholt hatte, lag er am Ende der vierten Runde auf Platz zwei. In der nächsten Runde überholte er seinen Rivalen Patrick Depailler und belegte mit dem neuen Tecno den ersten Platz, den er bis zum Rennende verteidigte.[25] Es war der erste Sieg Ceverts bei einem Formel-3-Rennen. Es folgten weitere Siege in La Châtre, Jarama, Nogaro und Albi sowie drei zweite und zwei dritte Plätze und je ein vierter und fünfter Rang.

Die Meisterschaft entwickelte sich im Sommer 1968 zu einem Zweikampf zwischen Cevert und dem Matra-Werksfahrer Jean-Pierre Jabouille. Die Entscheidung fiel erst beim letzten Rennen am 21. Oktober 1968 in Albi. Vor dem Rennen verpasste Cevert die technische Abnahme, da sein Tecno infolge einer defekten Sicherung zunächst nicht fahrbereit war. Mit Zustimmung aller Konkurrenten wurde er gleichwohl nachträglich zugelassen. Aus der zweiten Reihe gestartet, übernahm er in der zweiten Runde die Führung vor Jabouille, die er bis zum Rennende hielt. Cevert siegte mit einem Vorsprung von vier Sekunden auf Jabouille und gewann zugleich die französische Formel-3-Meisterschaft 1968. Er hatte 81,9 Punkte erzielt, sein Konkurrent Jabouille 79,8.

Formel 2 [Bearbeiten]

Der Erfolg des Jahres 1968 öffnete Cevert den Weg in die Formel-2-Meisterschaft. Von 1969 bis 1973 bestritt er regelmäßig Rennen dieser Serie. Er gewann einzelne Rennen, wurde aber nicht die Meisterschaft.

1969 [Bearbeiten]

Schauplatz des ersten Formel-2-Siegs von François Cevert: der Circuit de Reims-Gueux

Für die Saison 1969 gründete Tecno mit finanzieller Unterstützung von Shell ein Formel-2-Werksteam und verpflichtete Cevert sowie Nanni Galli als Werksfahrer. Bei einigen Rennen trat Clay Regazzoni als dritter Fahrer an, nachdem dessen bisheriges Team, die Scuderia Ferrari, sein Formel-2-Engagement kurzfristig beendet hatte. Das Team setzte Fahrzeuge vom Typ Tecno 68 ein, „einfach aufgebaute“ Rennwagen, die 1968 entwickelt worden waren und deutliche Ähnlichkeiten mit Tecnos Formel-3-Auto hatten.[26] Als Antrieb diente ein Vierzlinder-FVA-Motor von Cosworth. Ceverts Fahrzeug hatte die Chassisnummer T00 306 und war im Herbst 1968 bei einigen Rennen von Clay Regazzoni gefahren worden.[27]

Cevert trat zu sechs von sieben Meisterschaftsläufen des Jahres an. Er kam bei jedem Rennen ins Ziel. Sein bestes Ergebnis bei einem Meisterschaftslauf war der dritte Platz beim Gran Premio Méditerraneo im sizilianischen Enna. Insgesamt fuhr Cevert 21 Meisterschaftspunkte ein. Er belegte damit hinter dem Matra-Werksfahrer Johnny Servoz-Gavin (37 Punkte) und Hubert Hahne (28 Punkte), der mit einem Lola für BMW Motorsport antrat, Platz drei der Fahrerwertung.

Den größten Erfolg dieses Jahres erzielte Cevert am 29. Juni 1969 beim Grand Prix de Reims. Das Rennen hatte keinen Meisterschaftsstatus, erhielt aber zahlreiche Meldungen internationaler Piloten, die den 1925 eröffneten anspruchsvollen Traditionskurs von Reims-Gueux schätzten.[28] In Reims traten daher neben den Formel-2-Fahrern auch etablierte Formel-1-Piloten wie Jackie Stewart, Jochen Rindt, Jo Siffert und Graham Hill an. Sie waren sogenannte Graded Drivers, die zwar an Formel-2-Rennen teilnehmen durften, aber keine Meisterschaftspunkte erhielten.[29] Cevert ging in Reims von der dritten Startreihe aus in das über 35 Runden laufende Rennen. In der 10. Runde lag er auf Platz acht, in der 20. Runde auf Platz 6.[30] In der letzten Runde führte Stewart vor Cevert; der Schotte, der Franzose und die fünf folgenden Fahrer lagen in einem Zeitfenster von eineinhalb Sekunden. Am Ausgang der letzten Kurve überholte Cevert den bislang Führenden mit einem „königlichen Sprint“[31] und fuhr mit einem Vorsprung von einer Zehntelsekunde als Erster über die Ziellinie.[32] Durch dieses Rennen wurden Jackie Stewart und sein Teamchef Ken Tyrrell erstmals auf Cevert aufmerksam.[12]

Cevert debütierte am 3. August 1969 beim Großen Preis von Deutschland 1969 im Formel-1-Umfeld. Das Rennen auf dem Nürburgring war sowohl für Formel-1 als auch für Formel-2-Autos ausgeschrieben.[33] Zu dieser Veranstaltung meldeten sich 28 Piloten, elf von ihnen traten mit Formel-2-Autos an.[34] Cevert fuhr hier seinen Formel-2-Tecno. Er qualifizierte sich mit einem Rückstand von 31,8 Sekunden auf den Pole-Sitter Jackie Ickx (Brabham) für den Startplatz 14; er war damit der drittbeste Formel-2-Pilot. Im Rennen fiel er nach 10 Runden infolge eines Getriebedefekts aus.

1970 [Bearbeiten]

Tecno T70

Im Frühjahr 1970 wechselte Cevert in die Formel 1. Ungeachtet dessen nahm er in diesem Jahr für Tecno auch an allen acht Meisterschaftsläufen der Formel 2 teil; daneben bestritt er zwei Formel-2-Rennen, die keinen Meisterschaftsstatus hatten. Cevert fuhr bei jedem der Rennen den Tecno 70, bei dem es sich um eine Weiterentwicklung des Vorjahresmodells handelte. Sein Teamkollege war der Tessiner Clay Regazzoni, der bis zum Frühsommer den letztjährigen Tecno 69 einsetzte.

Cevert schloss die Formel-2-Meisterschaft des Jahres 1970 auf Platz sechs ab. Er erreichte nur neun Punkte, während Regazzoni die Meisterschaft mit deutlichem Vorsprung vor den Konkurrenten gewann. Cevert kam bei zehn Rennen nur dreimal ins Ziel; siebenmal fiel er wegen Technikdefekts oder infolge eines Unfalls aus. Sein bestes Ergebnis war der dritte Platz beim Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn in Wien. Hier kam er mit einem Rückstand von 30 Sekunden auf den Sieger Jackie Ickx, der für BMW Motorsport fuhr, ins Ziel.

1971 [Bearbeiten]

Parallel zu seinem Einsatz für Tyrrell nahm Cevert 1971 wiederum an der Formel-2-Meisterschaft teil. Er fuhr erneut für das Tecno-Werksteam, das nun von Elf unterstützt wurde. Sein Teamkollege war Patrick Depailler.In diesem Jahr war er ungeacht seines Formel-1-Engagements in dieser Serie weiterhin ein punkteberechtigt. Die französischen Medien sahen in Cevert zu Saisonbeginn einen der Anwärter auf den Meistertitel,[35][36] eine Rolle, die seinem Selbstverständnis entsprach.[37]

Cevert war von dem Verlauf der Saison enttäuscht.[38] Er bestritt zehn von elf Meisterschaftsläufen und zwei nicht zur Meisterschaft zählende Rennen, konnte aber nur in den ersten drei Rennen der Meisterschaft Punkte erzielen. Er gewann das erste Rennen des Jahres, die Deutschland-Trophäe auf dem Hockenheimring und einen Monat später das Internationale Eifelrennen auf dem Nürburgring, und bei der Jochen Rindt Memorial Trophy auf dem Thruxton Circuit in Andover wurde er Vierter. Einen weiteren Sieg erzielte er im Frühjahr beim Gran Premio Madunina in Vallelunga, der allerdings keinen Meisterschaftsstatus hatte.[39] Ab Mai kam Cevert nicht mehr in die Punkteränge. Mit Beginn des Sommers mehrten sich technisch bedingte Ausfälle, deren Ursache Cevert in erster Linie bei Tecno sah.[40] Insbesondere der in Italien vorbereitete Ford-Motor erlitt mehrere Defekte. So gewann Cevert zwar den ersten Lauf der Mantorp Trophy im Schwedischen Mantorp Park; zum zweiten Lauf konnte er aber wegen eines Ventilschadens nicht antreten, sodass er in der Gesamtwertung des Rennens als nicht klassifiziert geführt wurde.[41] Ähnlich verlief der Gran Premio di Roma im Oktober 1971 in Vallelunga.[42]

Cevert schloss die Formel-2-Saison 1971 mit 22 Punkten auf Platz fünf der Gesamtwertung ab.[43]

1972 [Bearbeiten]

1972 war Cevert ein Graded Driver, der zwar an den Rennen der Formel-2-Meisterschaft teilnehmen konnte, aber keine Meisterschaftspunkte erhielt. Cevert bestritt in der ersten Jahreshälfte fünf Meisterschaftsläufe in der Formel 2, danach konzentrierte er sich auf die Formel 1. Einsatzfahrzeug war ein March 722 mit Ford BDA-Motor, der von Hart Racing Engines vorbereitet wurde; sein Team hieß Elf Coombs Racing. Cevert wurde bei der Jochen Rindt Memorial Trophy in Thruxton Zweiter hinter Ronnie Peterson, und die London Trophy in Crystal Palace schloss er als Fünfter ab.

1973 [Bearbeiten]

1973 bestritt Cevert nur ein Formel-2-Rennen. Er trat als einer von drei Graded Drivers im Mai des Jahres für Elf Coombs Racing beim traditionsreichen Grand Prix de Pau an.[44] Einsatzfahrzeug war ein Elf F2, d.h. ein Alpine A367, der mit einem BWM-Motor ausgestattet war.[45] Cevert wurde im zweiten Lauf Zweiter und gewann das Finale vor Jean-Pierre Jarier im Werks-March.

Formel 1 [Bearbeiten]

Logo der Tyrrell Racing Organisation

In der Formel 1 startete François Cevert ausschließlich für die Tyrrell Racing Organisation, die 1960 gegründet wurde und sich seit 1968 (zunächst mit Matra-Chassis) im Grand-Prix-Sport beteiligte. Er bestritt 46 Weltmeisterschaftsläufe, erzielte 89 Punkte und siegte bei einem Rennen. In den dreieinhalb Jahren bei Tyrrell bestand eine enge Verbindung Ceverts zu Jackie Stewart.

Tyrrell hatte mit Jackie Stewart die Formel-1-Weltmeisterschaft 1969 gewonnen und begann die Saison 1970 mit Stewart und Johnny Servoz-Gavin. Beide Fahrer setzten einen March 701 ein. Servoz-Gavin bestritt die ersten drei Weltmeisterschaftsläufe für das britische Team. Beim Großen Preis von Monaco verpasste er die Qualifikation. Es war die erste Nichtqualifikation des Tyrrell-Teams seit 1968. Nach dieser Veranstaltung beendete Servoz-Gavin seine aktive Fahrerkarriere aus gesundheitlichen Gründen. Im Mai 1970 erklärte er, er habe bei einigen Rennen Angstgefühle gehabt und sehe sich nicht mehr in der Lage, risikoreich zu fahren.[12][46] Ken Tyrrell wollte Servoz-Gavins Cockpit zunächst mit Brian Redman wiederbesetzen.[47] Tyrrells Hauptsponsor, der Mineralölkonzern Elf, sprach sich allerdings für Cevert aus, obwohl der Franzose in der Formel 2 an das Konkurrenzunternehmen Motul und im Sportwagenbereich an Shell gebunden war. Jackie Stewart sowie Jack Brabham und Jean-Pierre Beltoise unterstützten diese Entscheidung.[48] Stewart wurde in der Folgezeit zu einem Mentor und engen Freund Ceverts.[49] Ken Tyrrell, der bereits seit den 1960er-Jahren immer wieder jungen Fahrern eine Chance gegeben hatte[50] und später den Ruf des Talentescouts erhielt, entschied sich daraufhin für Cevert.

1970 [Bearbeiten]

François Ceverts erstes Formel-1-Auto: Der March 701 der Tyrrell Racing Organisation

Tyrrells Entscheidung, Cevert zu verpflichten, fiel im Mai 1970. Das folgende Rennen, an dem Johnny Servoz-Gavin bereits nicht mehr teilnahm, war der Große Preis von Belgien in Spa-Francorchamps. Ken Tyrrell verzichtete darauf, Cevert bereits zu diesem Rennen als neuen Fahrer zu melden, da er den langen Kurs in den Ardennen für zu schwierig und zu riskant hielt, um ihn einem Anfänger zuzumuten.[12] Das Team erschien daher in Spa nur mit einem – Stewarts – Auto.

Cevert debütierte am 21. Juni 1970 beim Grand Prix der Niederlande in Zandvoort in Tyrrells March 701/7. In seinem ersten Formel-1-Weltmeisterschaftslauf qualifizierte er sich für den 15. Startplatz. Damit startete er vor Jo Siffert, Dan Gurney und dem zweifachen Weltmeister Graham Hill. In dem Rennen, in dem Piers Courage tödlich verunglückte und das Jochen Rindt gewann, schied Cevert nach 30 Runden infolge eines Motordefekts vorzeitig aus.[51]

Cevert fuhr 1970 bei acht weiteren Großen Preisen für Tyrrell. Bei seinem zweiten Rennen, dem Großen Preis von Frankreich, auf dem als „kleinem Nürburgring“[52] bezeichneten Circuit de Charade in Clermont-Ferrand kam er erstmals ins Ziel; er wurde mit einer Runde Rückstand au den Sieger Jochen Rindt Elfter. Insgesamt kam Cevert 1970 sechsmal ins Ziel. Sein bestes Ergebnis war der sechste Platz beim Großen Preis von Italien, mit dem er seinen ersten Weltmeisterschaftspunkt einfuhr. In der Fahrerwertung belegte Cevert am Jahresende mit einem Punkt Platz 22.

1971 [Bearbeiten]

1971 erstmals auch für Cevert: Tyrrells eigener Rennwagen (hier der baugleiche 001)

1971 blieb Cevert bei Tyrrell. Das britische Team trat nun nicht mehr mit Kundenfahrzeugen an, sondern setzte für beide Fahrer selbst konstruierte Rennwagen ein. Cevert fuhr den Tyrrell 002, der abgesehen von kleineren Verbesserungen im Detail technisch identisch war mit dem bereits im Vorjahr von Jackie Stewart gefahrenen Tyrrell 001.[53] Cevert und Stewart erhielten wie bereits im Vorjahr Achtzylindermotoren von Cosworth. Die DFV-Triebwerke waren die am weitesten verbreiteten Motoren des Jahres 1971,[54] allerdings befanden sich nicht alle Motoren auf dem gleichen Leistungsniveau. Die meisten DFV-Motoren leisteten etwa 435 PS; beiden Tyrrell-Fahrern standen demgegenüber speziell überarbeitete Versionen zur Verfügung, die etwa 10 PS mehr abgaben.[55]

Bei den ersten vier Weltmeisterschaftsläufen des Jahres 1971 fiel Cevert dreimal aus; lediglich auf dem spanischen Circuit de Montjuïc kam er als Siebter ins Ziel. Frankreich allerdings begann eine Tyrrell-Dominanz,[56] an der auch Cevert beteiligt war. Stewart ging auf dem Circuit Paul Ricard von der Pole Position aus ins Rennen, Cevert startete von Platz sieben. In der 28. Runde erreichte Cevert nach einigen Überholmanövern und Ausfällen mehrerer Konkurrenten Platz zwei hinter Stewart, den er bis zum Rennende behielt. Vier Wochen später in Deutschland liefen beide Tyrrell erneut auf den Plätzen eins und zwei ins Ziel. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Cevert mit dem Gewinn des Großen Preises der USA in Watkins Glen. Es war der erste Sieg eines Franzosen bei einem Formel-1-Weltmeisterschaftslauf seit Maurice Trintignant den Großen Preis von Monaco 1958 gewonnen hatte.[12]

Tyrrell gewann 1971 neben dem Fahrertitel (Stewart) auch die Konstrukteursmeisterschaft mit 73 Punkten. 26 davon hatte François Cevert beigesteuert, der damit Platz drei der Fahrermeisterschaft belegte.

1972 [Bearbeiten]

1972 war ein schwieriges Jahr für Cevert.[57] Er blieb bei Tyrrell und fuhr nach wie vor das 1970 konstruierte Modell 002, das dem bewährten und kontinuierlich zur D-Version weiterentwickelten Type 72 des Team Lotus technisch unterlegen war.[58]

Cevert konnte in seiner dritten Formel-1-Saison nicht an die Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Auf Ken Tyrrells Anraten beendete Cevert im Frühjahr 1972 sein bislang weiter betriebenes Engagement in der Formel 2, um sich ganz auf die Formel-1-Weltmeisterschaft zu konzentrieren; eine unmittelbare Verbesserung der Leistungen folgte daraus indes nicht, sodass Cevert im Sommer 1972 „begann, an sich zu zweifeln“.[59] In der Jahresendwertung fiel er auf den sechsten Platz der Fahrerwertung zurück, während sein Teamkollege Stewart Vizemeister hinter dem Lotus-Werksfahrer Emerson Fittipaldi wurde.

In den ersten vier Rennen des Jahres kam Cevert nicht in die Punkteränge. Erst beim Großen Preis von Belgien, den Stewart wegen eines Magengeschwürs auslassen musste, fuhr er erstmals Punkte ein. Er wurde Zweiter hinter Fittipaldi. Auf den vierten Platz beim anschließenden Rennen in Frankreich folgten fünf Rennen, bei denen Cevert wiederum nicht die Punkteränge sah. Der Große Preis von Österreich 1972 war aus Ceverts Sicht der Tiefpunkt: Er ging von Platz 20 aus ins Rennen; seine Qualifikationszeit war eine Sekunde langsamer als beim Vorjahresrennen, bei dem er an gleicher Stelle und mit identischem Material für Startplatz drei qualifiziert hatte.[60] Das Rennen beendete er mit einer Runde Rückstand auf Platz neun. Neben einigen Fahrfehlern war Ceverts schlechtes Abschneiden auch auf den Tyrrell 002 zurückzuführen, dessen Aufhängung problematisch war[61] und auf einigen Kursen für ein schwer berechenbares Fahrverhalten sorgte.[12] Erst der Große Preis der USA brachte wieder eine erfolgreiche Positionierung: Cevert wurde im letzten Rennen des Jahres Zweiter und fuhr zusammen mit Stewart den einzigen Doppelsieg des Jahres für Tyrrell ein. Insgesamt erreichte Cevert in dieser Saison 15 Weltmeisterschaftspunkte.

Mit Howden Ganley errang er zudem den zweiten Platz beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1972 in einem Matra MS670.

1973 [Bearbeiten]

François Cevert im Tyrrell 006 (Nr. 6) hinter Carlos Pace, Jackie Stewart im Tyrrell 005 und Ronnie Peterson beim Großen Preis der Niederlande 1973

1973 fuhr Cevert wiederum für Tyrrell. Seine Rolle war erneut die des Juniorpartners Jackie Stewarts, der 1973 seinen dritten Weltmeistertitel gewann. Cevert fuhr 1973 das erste, im Spätherbst 1972 aufgebaute Exemplar des Tyrrell 006,[62] das weitgehend mit Stewarts 005 identisch war. Als Antrieb diente weiterhin der Cosworth-DFV-Motor.

Cevert erfüllte Stewarts und Tyrrells Erwartungen. Er beendete 1973 sechs Weltmeisterschaftsläufe als Zweiter; in Monaco, den Niederlanden und in Deutschland lief er dabei hinter Stewart ein und sicherte seinem Team damit Doppelsiege.

Vor den beiden nordamerikanischen Rennen, die die Saison abschlossen, stand Ceverts Teamkollege Stewart bereits als Formel-1-Weltmeister fest, Cevert lag auf Rang vier der Zwischenwertung. Um neben dem Fahrer- auch den Konstrukteurstitel zu gewinnen, setzte Tyrrell für diese Rennen ein drittes Auto für Chris Amon ein. In Kanada ging Cavert von Platz sechs aus ins Rennen, drei Plätze vor Stewart. In Runde 33 wurde Cevert, auf Position vier liegend,[63] von Jody Scheckter von der Piste gestoßen. Beide Piloten fielen aus. Ihre Autos waren stark beschädigt, die Fahrer aber blieben unverletzt.[64] Beim Training zum anschließenden Großen Preis der USA verunglückte Cevert tödlich. Ken Tyrrell wollte seine Fahrer Stewart und Amon zunächst ungeachtet des Unfalls am Rennen teilnehmen lassen; Jackie Stewarts Ehefrau Helen veranlasste indes den Teamchef und die Fahrer zu einem Startverzicht.[65] Jackie Stewart beendete damit seine Fahrerkarriere nach 99 Großen Preisen, und Tyrrell begann die Formel-1-Saison 1974 mit einer gänzlich neuen Fahrerpaarung (Scheckter und Depailler).

Sportwagenrennen [Bearbeiten]

Ab 1970 nahm Cevert als Werksfahrer für Matra an ausgewählten Sportwagenrennen teil. Dazu gehörten auch die 24-Stunden-Rennen von Le Mans der Jahre 1970, 1972 und 1973. Hinzu kamen einige Rennen in der nordamerikanischen CanAm-Serie, bei denen er Wagen von McLaren fuhr. Sein bestes Ergebnis war der erste Platz bei einem Rennen auf dem Brainerd International Raceway.

Seinen ersten Renneinsatz hatte er beim 24-Stunden-Rennen von Daytona 1970, wo er auf einem Matra MS650 gemeinsam mit Jack Brabham den zehnten Rang in der Gesamtwertung erreichte.[66] Sechs Wochen später beendete er das 12-Stunden-Rennen von Sebring als Gesamtzwölfter.[67] Diesmal war der US-Amerikaner Dan Gurney sein Teampartner. Nach einer Rennzeit von zwölf Stunden hatte das Duo einen Rückstand von 35 Runden auf die Sieger Ignazio Giunti, Nino Vaccarella und Mario Andretti, die einen Werks-Ferrari 512S fuhren.

Der dritte Einsatz des Jahres, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, endete nach sieben Stunden Fahrzeit durch einem Motorschaden am Matra-12-Zylinder-Motor. Zum Zeitpunkt des Ausfall - hier war wieder der dreifache Formel-1-Weltmeister Jack Brabham der Teamkollege - lag der MS650 an der siebten Stelle der Gesamtwertung[68][69].

In der Sportwagen-Weltmeisterschaft 1973 bildete Cevert ein Team mit seinem Schwager Jean-Pierre Beltoise. Beide fuhren für das Matra-Werksteam. Beim 6-Stunden-Rennen von Vallelunga starteten Beltoise und Cevert aus der ersten Reihe, kamen aber wegen eines Motordefekts nicht ins Ziel.[70] Beim anschließenden 1000-km-Rennen von Dijon erreichten Beltoise und Cevert im Zeittraining die Pole-Position. Cevert fuhr den ersten Abschnitt, musste aber nach zwei Runden an die Box, weil er seinen Hörschutz vergessen hatte. Der Stop kostete eine Minute. Er fuhr zwei weitere Runden und hielt dann erneut, um den Heckflügel verstellen zu lassen. Im weiteren Verlauf des Rennens kam es zu einem Streit zwischen Cevert und Beltoise; Cevert warf Beltoise vor, ohne sein Wissen Flügeleinstellungen verändert zu haben. Cevert reiste vor dem Ende des Rennens ab; Beltoise fuhr den Matra MS670B schließlich auf den dritten Platz.[71] Beim 1000-km-Rennen von Monza standen Beltoise und Cevert erneut auf der Pole-Position; das Rennen beendeten sie auf Platz elf. In Zeltweg kamen sie noch einmal als Zweite ins Ziel. Matra gewann die Meisterschaft des Jahres.

Unfalltod in Watkins Glen [Bearbeiten]

Streckenverlauf des Kurses Watkins Glen International

Beim dritten Training zum Großen Preis der USA am 6. Oktober 1973 in Watkins Glen verunglückte Cevert tödlich, als er um 11.54 Uhr mit etwa 240 km/h gegen die rechten Leitplanken der Esses-Kurve raste. Der Tyrrell-Ford drehte sich, überschlug sich mehrfach und rutschte kopfüber entlang der gegenüberliegenden Leitplanke. Der Wagen wurde in Brusthöhe des Fahrers aufgeschlitzt, François Cevert hatte keinerlei Überlebenschancen und erlag noch vor Eintreffen der Rettungskräfte seinen Verletzungen.[12] Das Training wurde nicht abgebrochen. Jackie Stewart sagte später: „Sie (die Rettungskräfte) haben ihn dagelassen, da er eindeutig tot war“.

Die Ursache des Unfalls wurde nie abschließend geklärt. Niki Lauda, der an dem Rennen als Werksfahrer für das B.R.M.-Team teilnahm, führte das Ereignis auf einen Fahrfehler Ceverts zurück. Drei Jahre nach dem Rennen analysierte er den tödlichen Unfall dahingehend, dass Cevert in der Esses-Kure aufgrund zu hoher Geschwindigkeit zu weit außen gewesen sei. Sein Auto habe die Curbs berührt. Es sei dadurch auf die rechte Fahrbahnseite gestoßen worden. Dort sei es die Leitplanken zusammengestoßen, woraufhin es sich mehrfach überschlagen habe. Im Überschlag sei das Auto in einem Winkel von 90 Grad auf die gegenüber liegenden Leitplanken getroffen. Dort sei das Auto in der Mitte aufgerissen worden.[72]

Jackie Stewart äußerte sich zum Unfallhergang nicht. Vier Jahrzehnte nach dem Tod Ceverts verwies er auf die Schwierigkeit der Esses-Kurve und deutete an, dass er und Cevert sich wiederholt kontrovers darüber unterhalten hätten, ob die Kurve im vierten Gang mit niedrigen – so Stewart – oder im dritten Gang mit hohen Drehzahlen zu fahren sei.[73]

Postum wurde Cevert von der Sportzeitung L’Équipe in Frankreich zum „Champion des champions“ (etwa: Sportler des Jahres) gewählt.

Sonstiges [Bearbeiten]

Die Schilderungen seiner Erfahrungen im Rennsport wurden postum von seinem Mitautor Jean-Claude Hallé 1974 bei Éditions Flammarion, Paris, in der Reihe „J’ai lu“ („Ich habe gelesen“) unter dem Titel François Cevert – „La mort dans mon contrat“ (François Cevert – „Der Tod in meinem Vertrag“) veröffentlicht.

François Cevert ist in Vaudelnay, dem Geburtsort seiner Mutter, begraben.

Zitate [Bearbeiten]

  • „Wenn je ein französischer Pilot Formel-1-Weltmeister wird, dann ist es François Cevert“. Jean-Pierre Beltoise im Juni 1970[74]

Statistik [Bearbeiten]

Statistik in der Formel 1 [Bearbeiten]

Saison Team Chassis Motor Rennen Siege Zweiter Dritter Poles schn.
Rennrunden
Punkte WM-Pos.
1969 Tecno Racing Tecno 69 Cosworth FVA R4 1
1970 Tyrrell Racing Organisation March 701 Cosworth DFV V8 9 1 22.
1971 Elf Team Tyrrell Tyrrell 002 Cosworth DFV V8 11 1 2 1 26 3.
1972 Elf Team Tyrrell Tyrrell 002 Cosworth DFV V8 10 1 15 6.
Tyrrell 006 Cosworth DFV V8 2 1
1973 Elf Team Tyrrell Tyrrell 006 Cosworth DFV V8 13 6 1 47 4.
Tyrrell 005 Cosworth DFV V8 1
Gesamt 47 1 10 2 89

Grand-Prix-Siege [Bearbeiten]

Einzelergebnisse [Bearbeiten]

Saison 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
1969 Flag of South Africa 1928-1994.svg Flag of Spain (1945 - 1977).svg Flag of Monaco.svg Flag of the Netherlands.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Italy.svg Flag of Canada.svg Flag of the United States.svg Flag of Mexico.svg        
            DNF                
1970 Flag of South Africa 1928-1994.svg Flag of Spain (1945 - 1977).svg Flag of Monaco.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of the Netherlands.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Austria.svg Flag of Italy.svg Flag of Canada.svg Flag of the United States.svg Flag of Mexico.svg    
        DNF 11 7 7 DNF 6 9 DNF DNF    
1971 Flag of South Africa 1928-1994.svg Flag of Spain (1945 - 1977).svg Flag of Monaco.svg Flag of the Netherlands.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Austria.svg Flag of Italy.svg Flag of Canada.svg Flag of the United States.svg        
DNF 7 DNF DNF 2 10 2 DNF 3 6 1        
1972 Flag of Argentina.svg Flag of South Africa 1928-1994.svg Flag of Spain (1945 - 1977).svg Flag of Monaco.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Austria.svg Flag of Italy.svg Flag of Canada.svg Flag of the United States.svg      
DNF 9 DNF NC 2 4 DNF 10 9 DNF DNF 2      
1973 Flag of Argentina.svg Flag of Brazil (1968-1992).svg Flag of South Africa 1928-1994.svg Flag of Spain (1945 - 1977).svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Monaco.svg Flag of Sweden.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of the Netherlands.svg Flag of Germany.svg Flag of Austria.svg Flag of Italy.svg Flag of Canada.svg Flag of the United States.svg
2 10 NC 2 2 4 3 2 5 2 2 DNF 5 DNF DNS

Le-Mans-Ergebnisse [Bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1970 FrankreichFrankreich Équipe Matra Simca Matra MS650 AustralienAustralien Jack Brabham Ausfall Motorschaden
1972 FrankreichFrankreich Équipe Matra Simca Shell Matra-Simca MS670 NeuseelandNeuseeland Howden Ganley Rang 2
1973 FrankreichFrankreich Équipe Matra Simca Shell Matra-Simca MS670B FrankreichFrankreich Jean-Pierre Beltoise Ausfall Unfall

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Adam Cooper: A date with destiny? Motorsport, Heft 11/1998, S. 66 ff.
  • Xavier Chimits: Grand Prix Racers - Portraits of Speed, S. 144 f.
  • Jean-Claude Hallé: François Cevert - La mort dans mon contrat. Éditions Flammarion 1974
  • Jacqueline Cevert-Beltoise, Johnny Rives: François Cevert – Pilote de Legende. L'Autodrome Éditions, Saint-Cloud 2013, ISBN 978-2-910434-33-5.
  • Maurice Hamilton: Jon Nicholson: Racing with Stewart. The birth of a Grand Prix Team.
  • Ed McDonough: Matra Sports Cars MS 620, 630, 650, 660 & 670 – 1966–1974. Veloce Publishing, London 2010, ISBN 978-1-845842-61-1.
  • Olivier Merlin: 1971: Tout sourit à François Cevert - les victoires et l'Amour, Paris Match vom 12. August 1971
  • John Rives: François Cevert: „J'ai fait de ma passion mon métier“. In: L'Équipe vom 10. Juli 1972.
  • Roy Smith: Alpine & Renault. The development of the revolutionary Turbo F1 car 1968–1979.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: François Cevert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Einzelne Quellen geben Ceverts vollständigen Namen mit Albert François Cevert Goldberg an. Das findet in den offiziellen Unterlagen keine Bestätigung. Ceverts französischer Reisepass aus dem Jahr 1966 weist folgenden Eintrag auf: „CEVERT, François Albert“ (Abbildung in Cevert-Beltoise/Rives, S. 70). Auch Ceverts Schwester Jacqueline führt in der Biografie zu ihrem Bruder aus, dass der Familienname ausschließlich Cevert gewesen sei (Cevert-Beltoise/Rives, S. 19.
  2. Edouard Seidler: François Cevert - futur Gurney français. In: L'Équipe vom 1. Juli 1969. Der Vergleich bezieht sich auf den amerikanischen Rennfahrer Dan Gurney.
  3. Zum Ganzen: Cevert-Beltoise/Rives, S. 19 und 189.
  4. Zitiert nach Cevert-Beltoise/Rives, S. 65.
  5. Cevert-Beltoise/Rives, S. 116.
  6. Z.B. Olivier Merlin: 1971: Tout sourit à François Cevert - les victoires et l'Amour, Paris Match vom 12. August 1971.
  7. L'Équipe vom 10. Juli 1972.
  8. Cevert-Beltoise/Rives, S. 44.
  9. Bis 1974 trat die Volljährigkeit in Frankreich mit dem 21. Lebensjahr ein.
  10. Cevert-Beltoise/Rives, S. 28, 30.
  11. Cevert-Beltoise/Rives, S. 100.
  12. a b c d e f g Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 528 f.
  13. Jackie Stewart in einem Vorwort zur Cevert-Biografie von Jacqueline Cevert-Beltoise und Johnny Rives (2013).
  14. Cevert-Beltoise/Rives, S. 100.
  15. Zitiert nach Cevert-Beltoise/Rives, S. 176.
  16. Hamilton/Nicholson: Racing with Stewart, S.11.
  17. Johnny Rives: François Cevert plus mordant que Depaillers. In: L'Équipe vom 26. Otkober 1966.
  18. Donough: Matra Sports Cars, S. 61. In einigen Quellen wird das Auto auch als Alpine A330 bezeichnet.
  19. Cevert-Beltoise/Rives, S. 56.
  20. Hodges: Rennwagen von A-Z nach 1945, S. 15.
  21. Cevert-Beltoise/Rives,S.58.
  22. Zum Sponsoring: Cimarosti. Das Jahrhundert des Rennsports,S. 212.
  23. Smith: Alpine & Renault, S. 20.
  24. Statistik des Preises von Paris 1968 auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 11. Mai 2013).
  25. Cevert-Beltoise/Rives,S. 63 f.
  26. Hodges: Rennwagen von A-Z nach 1945, S. 244.
  27. Anmerkung zum Tecno 68 auf der Internetseite www.oldracingcars.com (abgerufen am 15. Mai 2013).
  28. Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 91.
  29. Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, S. 273.
  30. L'Équipe vom 30. Juni 1969.
  31. „Un Sprint Royal“: Edouard Seidler in der L'Équipe vom 30. Juni 1969.
  32. Statistik des Grand Prix de Reims 1969 auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 13. Mai 2013).
  33. Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, S. 225. Grund für die Öffnung des Starterfeldes war die außergewöhnliche Länge des Kurses. Angesichts einer Rundenlänge von mehr als 22 Kilometern wurden nur 14 Runden gefahren. Um den Zuschauern mehr Unterhaltungswert zu liefern, ließen die Organisatoren zusätzliche Autos zu.
  34. Meldeliste zum Großen Preis von Deutschland 1969 auf der Internetseite www.motorsport-total.com (abgerufen am 19. Mai 2013).
  35. N.N.: Formule 2 à la recherche d'un nouveau roi... In: L'Automobile Nr. 300 vom 1. Mai 1971, S. 90.
  36. Roger Jonquet: François Cevert: une ascension constante. In: L'Équipe vom 4. Mai 1971.
  37. Cevert-Beltoise/Rives, S. 142.
  38. Cevert-Beltoise/Rives,S. 138.
  39. Zum Abschluss der Saison wurde kurzfristig eine weitere Veranstaltung mit dieser Bezeichnung organisiert, die am 17. Oktober 1971 an gleicher Stelle ausgetragen wurde. Im Gegensatz zu dem Rennen im Juni 1971 hatte diese Veranstaltung Meisterschaftsstatus; Cevert nahm an dem Oktoberrennen allerdings nicht teil.
  40. Cevert-Beltoise/Rives, S. 138.
  41. Statistik der II. Mantorp Trophy auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 19. Mai 2013).
  42. Cevert-Beltoise/Rives, S. 103.
  43. Überblick über die Formel-2-Saison 1971 auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 19. Mai 2013).
  44. Cevert-Beltoise/Rives, S. 180.
  45. Sara/Labrouche/Vaillard: Alpine - La passion bleue, S. 101.
  46. S. Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, S. 228.
  47. Cevert-Beltoise/Rives, S. 98.
  48. Cevert-Beltoise/Rives, S. 94.
  49. Cevert-Beltoise/Rives, S. 100.
  50. John Surtees, Jean-Pierre Beltoise und Patrick Depailler debütierten bei Tyrrell im Automobilsport bzw. in der Formel 1.
  51. Statistik des Großen Preises der Niederlande auf der Internetseite www.motorsport-total.com (abgerufen am 17. Mai 2013).
  52. Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 91.
  53. Hodges: Rennwagen von A-Z nach 1945, S. 253.
  54. 20 von 23 Teams, die in dieser Saison an einem Weltmeisterschaftslauf teilnahmen, nutzten DFV-Motoren. Lediglich BRM, Ferrari und Matra verwendeten eigene Triebwerke, hinzu kamen Unikate wie der Alfa-Romeo-Motor und die Pratt & Whitney-Turbine, die von den Cosworth-Teams March bzw. Lotus zusätzlich bei einzelnen Rennen eingesetzt wurden.
  55. Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, S. 236.
  56. Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, S.233.
  57. Cevert-Beltoise/Rives, S. 156: „Une saison en dents de scie“ (wörtlich: Eine Saison in den Zähnen der Mühle).
  58. Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, S. 240.
  59. Hallé/Cevert: Le Mort dans ma contrat, S.67.
  60. Statistik des Großen Preises von Österreich 1972 und 1971 bei www.motorsport-total.com (abgerufen jeweils am 19.Mai 2013).
  61. Die Befestigung der Aufhängung war zu schwach dimensioniert und hielt den Belastungen unebener Strecken nur schwer stand. Vgl. Hodges: A-Z of Grand Prix Cars 1906-2001, S. 232.
  62. Modellgeschichte des Tyrrell 006/1 auf der Internetseite www.oldracingcars.com (abgerufen am 19. Mai 2013).
  63. Rennverlauf des Großen Preises von Kanada 1973 bei Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 700.
  64. Cevert-Beltoise/Rives, S. 15.
  65. Cevert-Beltoise/Rives, S. 203.
  66. 24-Stunden-Rennen von Daytona 1970
  67. 12-Stunden-Rennen von Sebring 1970
  68. 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1970
  69. José Rosinksi: Matra, La Saga. E.T.A.I., Boulogne 1997
  70. Statistik des 6-Stunden-Rennens von Vallelunga 1973 auf der Internetseite www.racingsportscars.com (abgerufen am 20. Mai 2013).
  71. Cevert-Beltoise/Rives, S. 179.
  72. Niki Lauda: The Art and Science of Grand Prix Driving, 1975.
  73. Cevert-Beltoise/Rives, S. 9.
  74. Cevert-Beltoise/Rives, S. 99.