François Poullain de La Barre

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François Poullain de La Barre (* 1647 in Paris; † 1723 in Genf[1]) war Schriftsteller, cartesianischer Philosoph und zeigte in seiner Philosophie für damalige Verhältnisse bereits fortschrittlich feministische Ansätze.

Leben[Bearbeiten]

Neben seinem Theologiestudium lernte François Poullain de la Barre die Philosophie Descartes kennen. Vor seinem Übertritt zum Protestantismus wurde er in der Champagne katholischer Pfarrer. Nach dem Widerruf des Edikts von Nantes ging er ins Exil nach Genf.

De La Barre prangerte die Ungleichheit der Geschlechter und die Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft an. Er übertrug das cartesische Leitbild auf das „Frauenproblem“ und verfasste zahlreiche sozial-philosophische Schriften. Darin verurteilte er jene sexistischen Vorurteile des 17. Jahrhunderts, die die Diskriminierung gegenüber Frauen förderten. Er wird deswegen auch als Vorreiter für die soziale Gleichheit zwischen Frauen und Männern und feministische Theorien gesehen.

Im Jahre 1673 brachte de La Barre anonym die Schrift „Über die Gleichheit der Geschlechter, physischer und moralischer Diskurs worin die Bedeutung der Abschaffung der Vorurteile betrachtet wird“ heraus[2], wo er die Vorstellung, die Natur sei für die Ungleichbehandlung verantwortlich, entkräftet und das Fundament in Gesellschaft und deren Vorurteilen sieht. De La Barre vertritt darin den Standpunkt, dass die Körper des Mannes und der Frau verschieden seien, weil die Fortpflanzung an sie verschiedene Anforderungen stelle, ihr Intellekt aber sei geschlechtslos und der der Frau dem des Mannes daher ebenbürtig.[3] Er fordert, dass Frauen „echte“ Bildung erhalten und ihnen alle Berufsmöglichkeiten offenstehen sollen – einschließlich der naturwissenschaftlichen Bereiche.

De La Barre arbeitete nicht immer stringent. Die im ebenfalls anonym veröffentlichten Werk „Über die Frauen-Bildung“ (De l’éducation des dames pour la conduite de l’esprit dans les sciences et dans les mœurs) genannten Argumente wurden in einer Veröffentlichung („De l’excellence des hommes contre l’égalité des sexes“) seinerseits ein paar Jahre später wieder total verworfen.

Bayle nahm an, Poullain habe seine eigenen Thesen unter Druck zurückgezogen. Denn die absurde Form, in der dies allerdings vorgenommen wurde, lasse an Poullains eigener „Überzeugung“ zweifeln. Poullain de La Barres Platz in der feministischen Philosophie ist deshalb umstritten.

Poullain wird auch der bekannte Ausspruch zugesprochen: „Der Geist hat kein Geschlecht.“

Werke[Bearbeiten]

  • De l'Égalité des deux sexes, discours physique et moral où l'on voit l'importance de se défaire des préjugés, Paris, Chez Jean du Puis, 1673 ; Fayard, 1984.
  • De l'Éducation des dames pour la conduite de l'esprit dans les sciences et dans les mœurs, entretiens, Paris, Chez Jean du Puis, 1674 ; Université de Toulouse Le Mirail, Toulouse, 1980, 1985.
  • De l'Excellence des hommes contre l'égalité des sexes, Paris, J. Du Puis, 1675.
  • La Doctrine des protestans sur la liberté de lire l'Ecriture sainte, le service divin en langue entenduë, l'invocation des saints, le sacrement de l'Eucharistie, Genève, 1720.
  • Three Cartesian Feminist Treaties, Chicago, University of Chicago press, 2002.

Werke online[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. François Poulain de la Barre: The equality of the sexes. Manchester University Press ND: New York 1990 – Ins Englische von Desmond M. Clarke, S. 4 – ISBN 0719032024
  2. François Poulain de la Barre: The equality of the sexes. Manchester University Press ND: New York 1990. Ins Englische übersetzt von Desmond M. Clarke, S. VIII. ISBN 0719032024
  3. Monique Frize: The Bold and the Brave. A History of Women in Science and Engineering. Ottawa: University of Ottawa Press, 2009, S. 22–23.