François Séverin Marceau

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François Desgraviers Marceau

François Séverin Desgraviers-Marceau (* 1. März 1769 in Chartres; † 21. September 1796 in Altenkirchen) war ein General der Ersten Französischen Republik während des Bürgerkrieges in der Vendée und des Ersten Koalitionskrieges.

Leben[Bearbeiten]

Marceau entstammte der zweiten Ehe seines Vaters Desgraviers (zumeist unter diesem Familiennamen überliefert. Sein Sohn führte den Familiennamen Marceau erst nach Eintritt in die Armee). Er hatte mehrere Geschwister. Seine ältere Schwester Emira wird in Biografien als enge Vertraute mit großem Einfluss auf seine Ausbildung und Karriere beschrieben.

Marceau sollte nach dem Willen seines Vaters, der in der Vogtei Chartres das Amt eines Prokurators (heute Staatsanwalt) ausübte, als clerc de procurateur (Kanzleischreiber) eine Berufslaufbahn in der Justiz beginnen, trat aber mit 16 Jahren in den Militärdienst ein und war als 23-Jähriger bereits im Generalsrang.

Sein Äußeres wird mit: « il était grand et bienfait […] les yeux grands et brun […] le teint pâle, la bouche […] couverte par une fine moustache rousse; de longs cheveux châtains […] l’ensemble de sa personne était plein de distinction et d’élégance » beschrieben.[1] Porträts, die vermutlich alle posthum entstanden, zeigen Marceau mit weichen, wenig männlichen Gesichtszügen, die nichts von seiner gerühmten soldatischen Härte verraten. Seine Persönlichkeit wird mit: « […] manières simple et le caractère de douceur, qui présentaient un contraste si frappant avec la guerre impitoyable qi’il avait à poursuivre. » beschrieben.[2]In britischen Beschreibungen wird er wegen seines jungenhaften Aussehens „the boygeneral“ genannt.

Marceau verlobte sich 24-jährig – während eines Hospitalaufenthalts in Châteaubriant, in der Zeit seines Einsatzes in der Vendée – im Januar 1794 mit der 17-jährigen Agathe aus der altadligen Familie Leprêtre de Chateaugiron. Diese Verbindung, wie auch sein vorausgegangenes Eintreten für die junge Adlige Angélique des Melliers (Kléber: « on ne vit de femme ni plus jolie, ni mieux faite, ni plus intéressante »), die er in einem Gefecht in der Vendée vor der Brutalität seiner eigenen Truppen geschützt haben soll (und sie doch nicht vor einer Verurteilung und Hinrichtung als „Aufständische“ retten konnte),[3] ließen radikale Republikaner ihn wegen staatsschädlichem Verhaltens anklagen.

Wie andere Generalskollegen auch hatte sich Marceau mit den Volksrepräsentanten und Kriegskommissaren auseinanderzusetzen, die seine Ausführung der Regierungsanweisungen und sein politisches Verhalten zu beurteilen hatten. Mehrfach wurde er wegen des Verdachts eigenmächtigen und gegenrevolutionären Handelns angeklagt – und auch zeitweilig inhaftiert. Dank seiner militärischen Erfolge und patriotischen Einstellung entlasteten ihn aber immer wieder einflussreiche Fürsprecher.

Folgt man den Biographien des 19. Jahrhunderts, muss Marceau eine Veranlagung zu Schwermut und Pessimismus gehabt haben, unter denen er in Waffenstillstandszeiten und besonders in seinen letzten Jahren 1795–96 litt. Nach der Eroberung der Maasregion und des Rheinlandes, waren die Auseinandersetzungen mit einem wiedererstarkten Österreich phasenweise zu einem Kleinkrieg um ausgeplünderte Dörfer und verwüstete Landstriche beiderseits des Rheins geworden.[4] Deprimiert über die ungewisse, politische Lage an der Front in Deutschland und seine eigene Situation nach vier Jahren Krieg, antwortete er 1796 seiner Schwester Emira wohl auf einen aufmunternden Brief: « …vous me parlez de mes lauriers […] ils vous feraient horreur; ils sont teints de sang humain. » Und an den Kriegskommissar M. Robert: « …je suis ruiné de fond en comble. Il me reste la cape et l’epée, l’honneur et la vie qui ma foi devient un fardeau… »[5][6] Tatsächlich konnte er einige Monate später, tödlich verwundet, nur wenige Ersparnisse seinen Geschwistern, und seine 6 Pferde seinen beiden Adjudanten und den Generälen Kléber und Jourdan testamentarisch hinterlassen.[7]

Bei der Überwachung (défilé) des Rückzugs seiner Division am 19. September nahe der Poststrasse Frankfurt-Köln bei Höchstenbach wurde Marceau durch einen Gewehrschuss tödlich verletzt

Der tödlich verletzte Marceau; Radierung von Matthias Gottfried Eichler aus dem Jahre 1817 nach einer Zeichnung von Abraham Girardet

[8] Marceau starb trotz sorgfältiger Versorgung zwei Tage darauf, am 21. September 1796 in Altenkirchen. Er war nur 27 Jahre alt geworden. Sein Leichnam wurde von österreichischen Truppen zuerst nach Neuwied gebracht, dann nach Koblenz, wo sich „Freund und Feind zu einer feierlichen Bestattung vereinigten“. « […] Ce jeune homme, regretté de deux armées, fut enseveli au bruit de leur double Artillerie ».[9]

Beerdigt wurde Marceau in dem später nach ihm benannten französischen Fort auf dem Petersberg in Koblenz-Lützel. Nach der Beisetzung seines ebenfalls jung verstorbenen Generalskollegen General Hoches ein Jahr später ebenfalls auf dem Petersberg wurden die Überreste Marceaus exhumiert und verbrannt; die Asche des Verstorbenen wurde in einer Marmorurne bestattet, die in Latein die Inschrift „Hic cineres, ubique nomen“ (Hier ist die Asche, der Name ist überall) trug. General Bernadotte soll als Koblenzer Stadtkommandant später die Urne entnommen und Marceaus Schwester Emira übergeben haben, die wiederum einen Teil der Asche an seine Verlobte Agathe de Châteaugiron und der Stadt Chartres gab. Das Grabmonument in Koblenz hatte die Form einer Pyramide auf einem Quadersockel und war auf Veranlassung seines Freundes Kléber und nach einem Entwurf des Architekten Krahe errichtet worden. 1815 musste es dem Bau der Bubenheimer Flesche weichen und wurde abgerissen. Erst durch die Intervention des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. wurde das Grabmal am Fuße des Berges in verkleinerter Form wiedererrichtet. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 entstand rund um dieses Denkmal ein Friedhof für die französischen Soldaten, welche im Kriegsgefangenenlager II auf dem Petersberg verstorben waren. Dass der so genannte Franzosenfriedhof in Koblenz-Lützel noch heute französisches Staatsgebiet sein soll, ist allerdings eine Legende. Der Friedhof befindet sich nur zum Teil im Eigentum des französischen Staates.

Neben dem gleichfalls früh verstorbenen General Hoche wurde Marceau in französischen Nachrufen und Biographien des 19. Jahrhunderts zu den patriotischen Verteidigern der Revolution und Helden der Nation gezählt. Im Deutschland der gleichen Zeit rühmt Meyers Konversations Lexikon seinen „edlen Charakter und hervorragendes Feldherrntalent“ als einen der „ausgezeichnetsten Generale der französischen Revolution“. Ein Gedenkstein nahe Höchstenbach, auf Veranlassung seines Adjudanten Souhait 1797 errichtet, bezeichnet die Stelle, wo er verwundet wurde: « …il mourut estimé pleuré du soldat, de l’habitant et de l’ennemi. » Von Napoleon III. wurde 1863 ein Denkmal in Form eines Obelisken gestiftet. Eine der vier Inschriften lautet: „Deutsches Volk! Dieses einem edlen Todten gesetzte Denkmal wird deinem Schutze empfohlen, schütze es wie Deine Väter die alte Denktafel geschützt haben.“

Das Marceau-Denkmal bei Höchstenbach im Westerwald

1941 ließ ein NSDAP-Kreisleiter aus dem nahen Westerburg das Denkmal sprengen. 1945 richtete die französische Besatzung das Denkmal in alter Form wieder auf. General de Gaulle nahm an der Einweihung teil. Es steht in der Nähe der Bundesstraße 8 bei Höchstenbach im Westerwald auf einer kleinen Waldlichtung. Ein Hinweisschild neben der Bundesstraße mit der Aufschrift „General Marceau“ zeigt auf den Waldweg, der zu dieser Lichtung führt (dazu auch Wikipedia Monument General Hoche Absatz: Denkmäler französischer Militärs im Westen Deutschlands).

Militärkarriere[Bearbeiten]

"Ich habe nie wieder einen General getroffen, der einen ursprünglichen Schlachtplan so kaltblütig und entschlossen noch in derselben Schlacht ändern konnte"[10] beschrieb General Kléber seinen 16 Jahre jüngeren Freund Marceau. Beide kämpften zusammen in der Vendée, in den habsburgischen Niederlanden (Belgien) und am Rhein.

Marceaus rasche Intelligenz und Entscheidungsfreudigkeit zeigt sich auch in seinem schnellen Aufstieg als Offizier der Armee: innerhalb des halben Jahres 1792 macht er im Krieg in der Vendée Karriere, vom einfachen Leutnant zum Divisionsgeneral bis zum Kommandeur einer ganzen Armee. Die besondere Situation eines Bürgerkriegs zwischen Kämpfern derselben Nation, aber Anhängern grundverschiedener Gesellschaftsordnungen, der Wechsel von Schlachten gedrillter Heeresverbände zu erbarmungslosem Partisanenkampf mit kleinen Einheiten, verlangte Kommandeure die, wie der Preuße Scharnhorst die Erfolgs der französischen Revolutionstruppen über die Heere des Ancien Régimes analysierte: "...Wir werden erst siegen, wenn wir gelernt haben, so wie die Jakobiner den Gemeingeist zu wecken. Wenn man mit derselben Tatkraft und Rücksichtslosigkeit alle Hilfsquellen der Nation mobil machen wird, ihre Leiber, ihr Vermögen, ihren Erfindungsgeist, ihre Hingabe zu dem Heimatboden und nicht zuletzt ihre Liebe zu den Ideen."[11]

Seine Militärlaufbahn begann Marceau im Dezember 1785 als 16-Jähriger in dem königlichen Regiment Angoulême (an anderer Stelle das Regiment Savoyen-Carignan). 1789 wurde es eine Einheit in der Nationalgarde des Generals La Fayette. Marceau soll bei der Erstürmung der Bastille am 14. Juli beteiligt gewesen sein. Im August 1790 wird er nicht mehr in den Listen der Garde geführt.

Im Sommer 1792 wurde Marceau in seiner Heimatstadt Chartres von den "Freiwilligen" der 2me compagnie du 1er bataillon des volontaires d’Eure-et-Loir zum Capitaine gewählt. Die volontaires verstärkten die regulären Truppen bei der Verteidigung Frankreichs gegen eine Invasion österreichisch-preußischer Armeen. Im August und September war Marceau mit der Einheit seines Heimatdepartements Eure-et-Loir bei der Verteidigung der Festung Verdun gegen die in Frankreich einmarschierten Preußen.

Als die Bürger von Verdun nach wochenlangem Beschuss ihrer Stadt die Kapitulation verlangten, tötete sich aus Scham der Festungskommandant General de Beaurepair.[12] Sein Nachfolger willigte in die Kapitulation ein (und wurde wenig später dafür guillotiniert). Capitain Marceau, der entschieden gegen die Aufgabe protestiert hatte, wurde als jüngster Offizier ausgewählt, um dem König von Preußen, Friedrich Wilhelm II., die Kapitulation zu überbringen; er soll auch die Übergabebedingungen und den Abzug der Truppen ausgehandelt haben. Vielleicht eine Legende, aber vorstellbar: Jeder Soldat durfte nur einen Gegenstand aus der Festung mitnehmen - Marceau wählte seinen Säbel. Alle Offiziere der Festungsverteidiger aber wurden, zurückgekehrt von der Front, von Revolutionsgerichten wegen Feigheit und Republikverrats angeklagt und bestraft - Marceau wurde als Einziger freigesprochen.[13]

Sein Gesuch, von dem ihn zu wenig fordernden Infanteriedienst zur Kavallerie versetzt zu werden, brachte ihn zu den Cuirassiers légères in der Légion germanique. Im November 1792 war Marceau Eskadronchef(lieutenant-premier) des Kürassierregiments. Diese circa 5.000 Mann starke Truppe waren überwiegend deutsche und österreichische Deserteure, die als Freiwillige unter dem elsässischen General Westermann[14] für das revolutionäre Frankreich in der Vendée kämpften.

Nach Auflösung der légion ist Marceau Oberstleutnant der chasseurs à cheval in der Armée Côtes de La Rochelle, als Nächstes 22-jährig Brigadegeneral, dann Divisionsgeneral der neuen Armée de l’Ouest in den Kämpfen gegen den Adel, die Bauern und die Bevölkerung der Pays de la Loire. Sein größter Erfolg ist die Schlacht und Einnahme der Stadt Le Mans am 12./13. Dezember 1793 und die anschließende Verfolgung und Vernichtung der Vendéer in den Sümpfen um Savenay. Er ist in dieser Zeit Oberkommandierender von vereinigten Armeen des Westens und der eingegliederten, sogenannten "Armée de Mayence", der ehemaligen Besatzung der Festung Mainz.

General Marceau mit seinen Truppen im Straßenkampf von Le Mans im Dezember 1793, Ölgemälde Jean Sorieul aus dem Jahr 1852

Zu Marceaus Heeresführung war es durch eine, für die 1793 in der von Jakobinern beherrschten Regierung typischen Inkompetenz und politischen Vetternwirtschaft bei der Besetzung von Posten gekommen. In der kritischen Phase eines militärischen Gleichgewichts in dem Aufstandsgebiet, hatte der Konvent nahezu alle Offiziere aus dem Adel und der ehemaligen königlichen Armee aus ihren Kommandos entfernt. Stattdessen erschienen in der Vendée Sansculotten und radikale Revolutionsanhänger, die man zu kommandierenden Generalen befördert hatte. Mit der damit einhergehenden chaotische Truppenführung mussten die Republikaner mehrere Treffen gegen die Vendéer verlustreich hinnehmen. Zwischen dem 22. Oktober (Laval) und dem 10. Dezember 1793 (Pontlieue) sollen sie neun Gefechte und Schlachten verloren haben. Der von allen Seiten respektierte General Kléber empfahl in dieser Situation seinen jüngeren Freund Marceau zum Oberkommandierenden zu machen, was vom Wohlfahrtsausschuss umgehend bestätigt wurde. Marceau bestand aber darauf, seinen Freund Kléber als Berater zur Seite zu haben. Überliefert dazu ist der Ausspruch von Marceau zu Kléber: Indem ich diesen Titel annehme, nehme ich auch alle Unannehmlichkeiten und die ganze Verantwortlichkeit auf mich, und lasse dir den eigentlichen Befehl und die Mittel, die Armee zu retten. Kléber soll erwidert haben: Sei ruhig mein Freund, wir wollen zusammen fechten und uns zusammen guillotinieren lassen. Die äußerst blutigen Siege der Republikaner in Le Mans und Savenay markierten ein vorläufiges Ende des Aufstandes der Vendée. Marceau und Kléber wurden dafür in Nantes mit der "Bürgerkrone" geehrt.[15]

Nach einer krankheitsbedingten Auszeit im Winter 1794 ist er im Sommer in den Niederlanden bei der Armee des Oberkommandierenden Generals Jourdan und führt den rechten Flügel mit zwei Divisionen in der entscheidenden Schlacht bei Fleurus gegen die österreichisch-englische Koalitionstruppen. Nach den verlustreichen Gefechten bei Aldenhoven und den Flussübergängen über die Ourthe, Rur u.a., wurde in wenigen Wochen die linke Rheinseite von Köln bis Koblenz (am 23. Oktober 1794) eingenommen und besetzt.

Die schlechte Ausrüstung seiner Truppen, ihr "abgerissener" Zustand und undiszipliniertes Auftreten verursachte bei der Bevölkerung ungläubiges Entsetzen: ‚"[…] staunet noch nicht, sondern dann, wann ihr diejenige gesehn habet, vor denen wir itzt laufen." rief ein über den Rhein flüchtender kaiserlicher Soldat einem fassungslosen Koblenzer Bürger zu.[16]

Marceau’s Besetzung von Koblenz war keine außergewöhnliche Operation; die Preußen waren bereits aus der Koalition ausgeschieden, und die sich auf die rechte Rheinseite zurückziehenden Österreicher fühlten sich in ihren strategischen Positionen durch die stark gesicherten Festungen Ehrenbreitstein, Mainz, Philippsburg und Mannheim vorerst genügend gesichert. Für Marceau’s Renommee im Mutterland aber war die Eroberung dieses Zentrums der (inzwischen von dort geflüchteten) verhaßten aristrokratischen Emigranten und damit eines Sieges über die Gegenrevolution der Prinzen und Fürsten, außerordentlich wichtig.

Nach der Einnahme von Koblenz besetzte Marceau mit dem rechten Flügel der Sambre- und Maas-Armee das Obere Mittelrheintal, den süd-östlichen Hunsrück und das westliche Mainzer Hinterland bis in die Nordpfalz. Im Oktober 1795 sprengten die kaiserliche Festungsbesatzung den Belagerungsring um Mainz und drängten die Truppen Marceau’s in den Hunsrück zurück. Nach einer Gegenoffensive mit einer auf 5 Divisionen verstärkten Armee konnten die Franzosen die kaiserlichen Truppe in mehreren verlustreichen Zusammenstößen am Oberen Mittelrhein, im südlichen Hunsrück und der unteren Nahe am weiteren Vordringen nach Westen hindern. Der einbrechende Winter und die unmögliche Versorgung der Truppen wegen der bereits vielerorts von mehrfachen Durchmärschen leer requirierten Region, ließen Marceau (ohne seinen Chefgeneral Jourdan konsultiert zu haben) und den österreichischen General Kray einen Waffenstillstandsvertrag aushandeln, der am 1. Januar 1796 von den beiden Oberkommandierenden Clerfait und Jourdan für die Dauer von 6 Monaten unterzeichnet wurde.[17]

Noch vor dem offiziellen Ende des Waffenstillstandes im Mai, wurden die kaiserlichen Reichstruppen von einer neuen Invasion der Generäle Jourdan und Moreau bis nach Nürnberg und München überrascht. Erst in Amberg am 24. August und Würzburg am 3. September konnte Erzherzog Karl von Österreich Jourdan deutlich schlagen und das Gros der Sambre-und-Maas-Armee in weiteren Kämpfen zu einem chaotischen Rückzug bis auf das linke Rheinufer zwingen.

Marceau hatte in diesen Wochen die Aufgabe, mit einem Corps von rund 40.000 Mann die kaiserlichen Festungen von Ehrenbreitstein bis Mannheim, jeweils auf beiden Rheinseiten zu blockieren. Die Besatzungen dieser Festungen, im Rücken der Armeen von Jourdan und Moreau, waren eine strategische Bedrohung, die für die zum Rhein zurückflutende Armee Jourdans Fakt werden sollte.[18]

Anfang September ging Marceau mit 16.000 Mann über den Rhein, stürmte die Festung Königstein im Taunus, besetzte Frankfurt am Main und zerstörte die Schiffsbrücken über den Main bei Rüsselsheim und über den Rhein bei Winkel im Rheingau. Entlang der unteren Lahn von Limburg bis Nassau bildete er eine Frontlinie, um als Nachhut die großen Chausseen Leipzig–Köln und Frankfurt–Köln für die zurückgehenden Armeeverbände zu decken.

Klassizistisches Relief von Philippe Joseph Henri Lemaire (1798–1880) am Arc de Triomphe in Paris. Titel: Les funérailles du général Marceau 20. September 1796

Tatsächlich konnte sich Jourdan in der Schlacht von Limburg von dem ihn verfolgenden Erzherzog Karl lösen und das Gros seiner Truppen zum Rhein führen. Dies konnte dank Marceaus verbissenen Widerstands gelingen. Die Stellungen am Stadtausgang von Limburg soll er dabei dreimal verloren und wieder zurückerobert haben. Die dringenden Forderungen nach Munition und Kavallerieunterstützung an Jourdan und dessen Bitten zum Durchhalten belegen in überlieferten Noten Marceaus „kühlen Kopf“ und seine Standhaftigkeit in kritischen Lagen.[19]

Die Rückzugskämpfe an der Lahn und im Westerwald im September 1796 waren Marceaus letzte bedeutende Leistungen, die sogar seine Gegner respektierten. Ihre außergewöhnliche Anteilnahme an seinem Tod am 21. September 1796 in Altenkirchen und ihre Ehrenbekundungen bei seiner Bestattung in Koblenz am 25. September[20] wurden von den Franzosen aufmerksam gewürdigt.[21]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Zu Lebzeiten zum Ehrenoffizier der österreichischen Armee ernannt (nach Adjudant Capitaine Souhait). Möglicherweise anlässlich des Waffenstillstands, den Marceau mit dem österreichischen General Kray zur beiderseitigen Schonung der Truppen im Winter 1796 vereinbarte.[22]
  • 1796 errichtetes Marceau-Denkmal in Koblenz-Lützel
  • In einer, zwischen 1812 und 1818 entstandenen spätromantischen Dichtung, widmet der englische Dichter Lord Byron Marceaus Grab in Koblenz und seinem Andenken zwei Verse, u. a.: "[…] Falling for France, whose rights he battled to resume. Brief, brave and glorious was his young career, - His mourns where two hosts, his friends and foes; […]"[23]
  • 1851 errichtete die Stadt Chartres ein Denkmal des Bildhauers Auguste Préault (1809–1879)
  • 1863 errichtetes Marceau-Denkmal bei Höchstenbach
  • 1889 fanden seine sterblichen Überreste im Pariser Panthéon einen Ehrenplatz.
  • 1910 wurde in die Nordfassade des Pariser Louvre/Rue Rivoli eine Statue Marceaus des Bildhauers Coutalpas integriert. (Zusammen mit anderen Generälen aus republikanischer und napoleonischer Zeit)
  • Sein Name ist am Triumphbogen in Paris in der 6. Spalte eingetragen. Ebenso dort eine Reliefdarstellung von Marceau auf dem Totenbett.
  • Die Avenue Marceau ist einer der großen Pariser Boulevards der zum Arc de Triomphe führt.
  • Das Collège Marceau in Koblenz war eine nach dem Zweiten Weltkrieg von der französischen Militärverwaltung erbaute Schule für die Kinder der französischen Garnisonsangehörigen. Seit 1957 das deutsche Max-von-Laue-Gymnasium.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Lavallée (1747 – 1816): Éloge historique du Gén. Marceau pour la sociétée philotechnique de Paris. An VI. www.gallica.bnf.fr
  • Adolphe Thiers, Geschichte der Französischen Revolution, herausgegeben ab 1823, 6 Bände, übers. ins Deutsche von A. Walthner, Verlag Heinrich Hoff Mannheim 1844
  • A. Hugo: France militaire. Histoire des armées de terre et de mer. 1792-1837. Tome 2, Paris 1838. www.gallica.bnf.fr
  • François J. Doublet de Boisthibault: Marceau. Chartres 1851. www.gallica.bnf.fr
  • Alain Pigeard: Les Ètoiles de Napoléon. Édition Quatuor, Paris 1996
  • Hippolyte Maze: Les généraux de la République. Kléber. Hoche, Marceau. Paris 1889, www.gallica.bnf.fr
  • Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon. 10. Auflage. Brockhaus, Leipzig 1853 (15 Bde., hier speziell 10. Bd.).
  • Wolfgang Schütz: Koblenzer Köpfe. Personen der Stadtgeschichte – Namensgeber für Straßen und Plätze. 2. überarb. u. erw. Auflage. Verlag für Anzeigenblätter, Mülheim-Kärlich 2005, OCLC 712343799.
  • Joseph Hansen: Quellen zur Geschichte des Rheinlandes im Zeitalter der Französischen Revolution 1780-1801. Bd. 2 und Bd. 3, Bonn 1931-1938.
  • Jürgen König: Der Hunsrück in französischer Zeit. Dissertation, Mainz 1995, ISBN 3-9804416-0-1.
  • Hansgeorg Molitor, Vom Untertan zum Administré. Institut für europäische Geschichte Mainz, Bd. 99, Wiesbaden 1980, ISBN 3-515-02972-9.
  • Thankmar v. Münchhausen, Aufruf zur Vernichtung, FAZ-Beilage Bilder und Zeiten vom 25. September 1993, Frankfurt 1993
  • Günter Schneider: 1794 - Die Franzosen auf dem Weg zum Rhein. Aachen 2006, ISBN 3-938208-24-4.
  • Detaillierte und quellenreiche Beschreibung des Koalitionskrieges im Westerwald und Tod Marceaus bei: Volker Ecker: General Marceaus letztes Gefecht bei Höchstenbach 19. Sept. 1796. in der Ortschronik der Gemeinde Höchstenbach von 1994, S. 219 ff.
  • Det. Beschreibung von Marceaus Trauerfeierlichkeiten von Prof. A. Minola in Die Franzosen in Coblenz 1794-1797, Hrsg. Dr. H. Cardauns, Koblenz 1916, S. 116 ff. Original online: www.dilibri.de
  • Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon. 10. Auflage. Brockhaus, Leipzig 1853 (15 Bde., hier speziell 10. Bd.).
  • Jean-Baptiste Jourdan, übersetzt von Johann Bachoven von Echt: Denkwürdigkeiten der Geschichte des Feldzugs von 1796. Coblenz 1823, online bei Google books

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: François Séverin Desgraviers-Marceau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maze, Les généraux…, S. 240.
  2. Pigeard, Les étoiles…, S. 470.
  3. Maze, Les généraux…, S. 277 ff.
  4. Jürgen König: Der Hunsrück in französischer Zeit. Dissertation, Mainz 1995, S. 25 ff.
  5. Maze, Les généraux…, S. 287 ff.
  6. An anderer Stelle soll er den Brief nach den Kämpfen bei Le Mans und Savenay geschrieben haben. Dazu. http://fr.wikipedia.org/wiki/Bataille_de_Savenay
  7. Doublet de Boisthibault, Marceau, Faksimiledruck eines handschriftlichen Testaments im Vorwort mit Marceaus Unterschrift
  8. Volker Ecker: General Marceaus letztes Gefecht bei Höchstenbach 19. Sept. 1796. Ortschronik der Gemeinde Höchstenbach von 1994, S. 219 ff.
  9. Adolphe Thiers, Histoire de la Révolution francaise, Paris 1823-27, Bd. 8, S. 420. Eine detaillierte, deutsche Beschreibung der Funeralien bei: www.dilibri.de, Die Franzosen in Koblenz 1794 bis 1797 nach Prof. Minola, um 1815, bearbeitet und herausgegeben von Dr. Hermann Cardauns, Koblenz 1916.
  10. inhaltl. übersetzt aus H. Maze, Kléber, Hoche, Marceau, S. 308.
  11. Zitat aus: Gerd Fesser, Preußische Mythen, Bremen 2012, S. 39.
  12. Der Tod von Beaurepaire wird unterschiedlich beschrieben: J. W. v. Goethe schreibt in seiner Kampagne in Frankreich, der General habe in der Sitzung mit der Munizipalität der Übergabe zugestimmt und sich daraufhin selbst erschossen. An anderer Stelle wird sein Tod als Folge eines Attentats beschrieben.
  13. Doublet de Boisthibault, Marceau, S. 5.
  14. François Joseph Westermann wurde im April 1794 wegen „Republikfeindlichkeit“ guillotiniert; bei Pigeard, Les Ètoiles …, S. 599.
  15. A. Thiers, Gesch. der Franz. Revolution, Bd. 3, S. 320 ff.
  16. Prof. Minola, Bonn um 1816,Die Franzosen in…, S. 38ff. bearbeitet und herausgegeben von Dr. Hermann Cardauns, Koblenz 1916.
  17. König, Der Hunsrück…, S. 39ff.
  18. Einsatz und Komunikation zwischen Marceau und Jourdan in Denkwürdigkeiten..., nach Jourdan ins Deutsche übers. 1823, Kap. III, ab S. 117
  19. Schriftliche Befehle und Noten zum Verlauf der Kämpfe in Jourdans Denkwürdigkeiten des Feldzugs von 1796, ab S. 92, deutsche Übersetzung von 1823 bei Google books
  20. Prof. Minola, Bonn um 1816, Die Franzosen in…, S. 116-117, bearbeitet und herausgegeben von Dr. Hermann Cardauns, Koblenz 1916.
  21. A. Hugo, France Militaire..., Bd. 2, S. 56.
  22. König, Der Hunsrück in..., S. 39ff.
  23. George Gordon Byron, Childe Harold’s Pilgrimage, Canto III, Vers 56-58