Francesca Caccini

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Francesca Caccini (* 18. September 1587 in Florenz; † 1640 ebenda) war eine italienische Sängerin, Komponistin und Instrumentalistin. Sie gehört zu den Pionieren der Gattung Oper. Ihre (Ballett)oper La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina gilt als früheste erhaltene Oper einer Komponistin.

Francesca Caccini

Leben[Bearbeiten]

Francesca Caccini erhielt ihre erste musikalische Ausbildung bei ihrem Vater Giulio Caccini (1551–1618) in Gesang und Laute. 1600, im Alter von 13 Jahren, trat sie in Florenz erstmals als Sängerin auf. Aufgeführt wurde die Oper Euridice von Jacopo Peri mit eingestreuten Teilen aus der Oper Euridice ihres Vaters.

Von September 1604 bis Juni 1605 machte die Familie Caccini auf Wunsch von Königin Maria de’ Medici eine Konzertreise an den Hof Heinrichs IV. nach Paris. Unterwegs sang das fünfstimmige Familienensemble Giulio und Margherita (Eltern), sowie Francesca, Settima und Pompeo (Geschwister) in Modena, Mailand, Turin und Lyon. Francesca wurde in Paris eine Dauerstellung angeboten, doch der Großherzog Ferdinando I. de’ Medici beorderte die Familie zurück nach Florenz. Florenz war zu dieser Zeit eines der wichtigsten Kulturzentren. Diese höfische Stellung behielt Francesca dann bis 1627.[1]

Francesca Caccini – genannt La Ceccina (Singvogel) – zählte zu den besten Sängerinnen ihrer Zeit. Sie begleitete sich selbst auf dem Cembalo oder auf der Laute. Als ihr Vater 1618 starb, war sie neben Jacopo Peri die wichtigste und bestbezahlte Musiker-Persönlichkeit am Hof der Medici in Florenz.

Das kompositorische Schaffen[Bearbeiten]

Der früheste Hinweis auf ihr kompositorisches Schaffen ist ein Brief vom 10. September 1606 an den Dichter Michelangelo Buonarroti. Darin bedankt sich Francesca für die Überlassung von Gedichten, die sie vertonen wollte, und bittet um weitere. Ihr Vater Giulio Caccini berichtet in dieser Zeit bereits von drei Bänden mit 300 Gesangsstücken seiner Tochter.[2] 1607 wurde ihr erstes Bühnenwerk La Stiava aufgeführt. Es folgten bis 1625 sieben weitere, darunter ein geistliches Werk – die meisten für den Karneval in Florenz geschrieben. Von Caccinis Werken haben sich nur die Erstdrucke von Il primo libro delle musiche a una e due voce, Florenz, Zanobi Pignoni (1618) erhalten, sowie der Ballettoper La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina. Florenz, Pietro Cecconcelli (1625). Diese Oper beinhaltet neben den Gesangspassagen instrumentale, getanzte Einlagen.

Bühnenwerke[Bearbeiten]

  • La Stiava, Text: Michelangelo Buonarroti d. J. (Karneval 1607, Florenz)
  • La mascherata delle ninfe di Senna, Text: Ottavio Rinuccini (Florenz 1611)
  • La Tancia , Text: Michelangelo Buonarroti d.J. (Florenz 1611)
  • Il passatempo Text: Buonarroti d. J. (11. Februar 1614, Florenz), eine Nummer erhalten
  • Il ballo delle Zigane, Ballett, Text: Ferdinando Saracinelli (24. Februar 1615, Florenz)
  • La fiera, Text: Buonarroti d. J. erhalten (11. Februar 1619, Florenz), Musik zusammen mit Marco da Gagliano
  • Il martirio di Sant’Agata, Intermedium, Text: Jacopo Cicognini (1622 Florenz), einzelne Teile
  • La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina, Ballettoper, Text: Ferdinando Saracinelli (3. Februar 1625, Florenz), Druck von 1625 erhalten

Werke für Gesang und Generalbass-Begleitung[Bearbeiten]

  • Il primo libro delle musiche a una e due voci (Florenz 1618), erhalten

Diese Sammlung gehört zu den frühesten und wichtigsten der damals neuartigen Monodien

zur Rezeption der Bellettoper La liberazione di Ruggiero[Bearbeiten]

Diese Oper ist die erste (erhaltene), die eine Frau komponierte. Das Libretto erstellte die Komponistin gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Saracinelli. Uraufführung war am 2. Februar 1625 im Komödiensaal der Villa Poggio Imperiale in Florenz vor der toscanischen Aristokratie.[3] Einen Eindruck von dieser neuen Art Gesamtkunstwerk gibt Eva Weissweiler in der Beschreibung des Prologes dieser Oper:

„Man feiert die Ankunft eines hohen Staatsgastes: Wladislaw Sigismund, Prinz von Polen und Schweden, ist tags zuvor mit seinem Gefolge am Hof der Medici eingetroffen. – Der Vorhang öffnet sich. Die Szene zeigt eine naturalistische Nachbildung des Hafens von Livorno. Aus den sich teilenden Wellen taucht der Wassergott Neptun auf, gefolgt von Göttern und Göttinnen europäischer Flüsse, unter ihnen auch die polnische „Vistola“, Weichsel. Drei Nympfen gruppieren sich malerisch auf einem Felsen. Sie singen Lieder im zeitgenössischen Stil: virtuose solistische Madrigale, die nur von einem Bassinstrument begleitet werden. Diese Nympfen werden von den besten Sängerinnen des toscanischen Hofes dargestellt: von Vittoria Archilei, Settima Caccini und ihrer Schwester Francesca. Jede Sängerin ist zugleich Komponistin ihres Madrigals. Zum Schluss vereinigen sie sich zu einer „Ottava“, die Francesca im „angenehmsten und leiblichsten Stil“ komponiert hat. […][4]

Noch im selben Jahr wurde die Partitur gedruckt (1625). Eine weitere Aufführung in Polen selbst fand wenige Jahre später statt.

Es gab zwei kontroverse Rezensionen über dieses Werk: Einmal die sehr positive Besprechung von 1878 durch August Wilhelm Ambros in seiner Geschichte der Musik,[5] die sich sogar zu dem Ausdruck „Genie“ für die Komponistin aufschwingt. Diese Ausführungen seines Vorgängers negativiert zu Beginn des 20. Jahrhunderts Hugo Goldschmidt in seinen Studien zur Geschichte der italienischen Oper des 17. Jahrhunderts[6] „mit einer Schärfe, die mit wissenschaftlicher Objektivität kaum noch etwas zu tun hat“ (Eva Weissweiler).[7]

Wiederaufführungen[Bearbeiten]

  • La liberazione di Ruggiero erlebte – nach 355 Jahren – eine Wiederaufführung anlässlich des Internationalen Komponistinnen Festivals im Jahr 1980 durch die Kölner Oper, Regie führte Andrea von Ramm. Mentorin der Aufführung war die Dirigentin Elke Mascha Blankenburg.
  • Im Oktober 1990 wurde die Ballettoper zum ersten Mal wieder als Gesamtkunstwerk aufgeführt. Die Ausführenden waren Julia Henning („Alcina“), Knut Schoch („Ruggiero“) u.a. Solisten, der Kammerchor Fontana d’Israel und ein Ensemble mit historischen Instrumenten. Musikalische Leitung: Isolde Kittel-Zerer, Inszenierung: Christa Leiffheidt, Bühnenbild: Matthias Moebius, Kostüme: Ralf Christmann. Aufführungsort: Eingangshalle und Treppenhaus des Museums für Hamburgische Geschichte, Holstenwall, Hamburg.

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • Rinaldo innamorato (nicht gedruckt);

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. *Danielle Roster: Francesca Caccini (1587 − 1645?). In: Annäherung IX - an sieben Komponistinnen. Hg. von Clara Mayer. Furore-Verlag, Kassel 1998, ISBN 3-927327-43-3, S. 7–20.
  2. John Walter Hill: Artikel Francesca Caccini. In: MGG 2, Bärenreiter Verlag Kassel, Personenteil, Bd. 3, 2000, Spalte 1536-1538, hier Sp. 1536.
  3. Eva Weissweiler: Francesca Caccini und die Komponistinnen des italienischen Frühbarock. In: Komponistinnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Bärenreiter, DTV, München 1999, ISBN 3-423-30726-9, S. 79-98, speziell S. 79 und 85/86.
  4. Weissweiler, S. 79.
  5. August Wilhelm Ambros: Geschichte der Musik Bd. IV, Leipzig 1878 (posthum), nach Weissweiler S. 408–412.
  6. Hugo Goldschmidt: Studien zur Geschichte der italienischen Oper im 17. Jahrhundert. Leipzig 1901–1904.
  7. Weissweiler, S. 88.