Francesco Foscari

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Porträt Francesco Foscaris von Lazzaro Bastiani

Francesco Foscari (* 19. Juni 1373 in Venedig[1]; † 1. November 1457 in Venedig) war von 1423 bis 1457 der 65. Doge von Venedig. Unter seiner Regierung wurde die territoriale Ausdehnung Venedigs und damit seine Position als Landmacht vorangetrieben. Die Kosten der dazu nötigen kriegerischen Unternehmungen brachten die Stadt an den Rand des Ruins. Gleichzeitig blühte jedoch der Handel, und die bauliche Entwicklung der Stadt wurde gefördert. Foscari regierte Venedig über 34 Jahre lang, länger als jeder Doge vor oder nach ihm.

Familie[Bearbeiten]

Wappen Foscaris

Francesco Foscari entstammte einer traditionsreichen Familie Venedigs. Er kam 1373 als Sohn Niccolò Foscaris des Jüngeren und dessen Frau Caterina Michiel in einem Palazzo am Canal Grande zur Welt.[1][2] Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Donato und Marco wuchs er in Ägypten auf, wohin sein Vater verbannt worden war.

In erster Ehe heiratete er 1395[3] Maria Priuli, eine Erbin aus reichem Hause. Mit ihr hatte er mehrere gemeinsame Kinder. Nach ihrem Tod um das Jahr 1414[3] nahm er 1415 die vermögende Venezianerin Marina Nani zur zweiten Frau. Mit ihr hatte er neun gemeinsame Kinder, fünf Töchter und vier Söhne, die jedoch alle – mit Ausnahme des Zweitgeborenen Jacopo – 1425 und 1427 an der Pest starben.[4]

Leben[Bearbeiten]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Mit 18 Jahren kam Francesco zum ersten Mal nach Venedig, er strebte schon früh eine politische Karriere an. Nach Aussagen von Zeitgenossen war er ein brillanter Redner mit einem hervorragenden Gedächtnis und von großer Überzeugungskraft. Ehrgeizig wie er zudem war, kletterte er die Karriereleiter beständig nach oben. Mit nur 27 Jahren wurde er 1401 zu einem der Vorsteher der Quarantia gewählt. 1405 war er bereits Mitglied des Zehnerrats und wurde 1416 Prokurator von San Marco, nach dem Dogen die angesehenste Position in Venedig[2]. Er vertrat als Botschafter die Republik 1408 in Parma, 1413 bei Kaiser Sigismund und im Jahr 1415 beim türkischen Sultan Mehmed I.[5]

Obwohl viele Mitglieder des Großen Rats schwere Bedenken gegen ihn hatten und Foscaris Vorgänger Tommaso Mocenigo Krieg prophezeit hatte, sollte Foscari sein Nachfolger werden, wurde Francesco im April 1423 in das Dogenamt gewählt, auf das er zielstrebig hingearbeitet hatte. Er hatte sich in einem letzten Wahlgang gegen seinen Mitbewerber, den Admiral Pietro Loredan, mit 26 zu 41 Stimmen[6] durchsetzen können. Loredan sollte zeit seines Lebens Foscaris entschiedenster Gegner bleiben.

Doge von Venedig[Bearbeiten]

Foscari setzte die Politik der territorialen Expansion fort, die bereits unter seinem Vorgänger, der angeblich auf dem Totenbett dagegen gewarnt haben soll, begonnen worden war. Insbesondere den Eroberungen der Visconti-Herzöge von Mailand an den Grenzen der Terraferma trat man entgegen.

In vier Kriegen gegen Mailand, die sich ab 1426 über Jahrzehnte hinwegzogen, wurden die Grenzen der Republik bis in die Lombardei, ins Friaul und bis nach Ravenna ausgedehnt. Foscari riet, zunächst im Bund mit Florenz gegen Filippo Maria Visconti kriegerisch vorzugehen. Gemeinsam mit dem Condottiere Francesco Bussone da Carmagnola bekriegten ihn venezianische Truppen und zwangen ihn 1427 zum Verzicht auf Bergamo, Cremona und Brescia.

1431 entbrannte der Krieg aufs Neue und brachte Venedig Niederlagen. Dennoch erhielt Foscari durch geschickte Verhandlungen die Adda als Grenze für Venedig. 1433 brach der Krieg erneut aus. Zunächst ging Niccolò Piccinino als Truppenführer des Mailänder Herzogs siegreich gegen Venedig vor, das sich mit Cosimo de’ Medici, Eugen IV., Genua und den Este verbündet hatte, wurde dann aber vom Condottiere der Venezianer, Francesco Sforza im Engpass von Tenno 1439 geschlagen. Im darauffolgenden Vertrag von Cavriano erhielt Venedig 1441 Lonato, Valeggio und Peschiera. Der Familie Da Polenta wurde außerdem Ravenna abgenommen.

1443 einte Foscari ganz Oberitalien zum Bund gegen die zunehmende Macht Alfons’ I. von Neapel, der vom Papst unterstützt wurde. Bereits 1445 trat Filippo Maria Visconti aber auf die Seite Neapels und des Papstes über. Sein Feldherr und Schwiegersohn Francesco Sforza bekämpfte jetzt Venedig mit Erfolg und usurpierte nach dem Aussterben der Visconti die Herrschaft in Mailand. Dennoch gelang es Foscari 1448 wieder, einen günstigen Frieden abzuschließen. Nach einem weiteren Krieg erreichte Venedig im Frieden von Lodi 1454 eine erneute Ausdehnung des venezianischen Gebietes auf dem Festland.

Inzwischen waren aber sowohl die Seeräuber der Adria als auch die Türken zu einer ernsthaften Bedrohung Venedigs herangewachsen.

Die Kriege verursachten enorme Kriegskosten. Dazu kamen hohe Kosten für die Baumaßnahmen in der Stadt, wie zum Beispiel die Umgestaltung des Dogenpalastes.

Innenpolitisch kam es wegen Francescos Politik und der damit verbundenen enormen Steuerlast für die Bürger zu versteckter und offener Opposition. 1430 überlebte er nur knapp einen Mordanschlag. Hinzu kam die dauerhafte Feindschaft mit Pietro Loredan, die Foscari in seinem politischen Wirken behinderte. Nachdem ihm während einer heftigen Senatsdebatte die Bemerkung herausgerutscht war, dass ihm ein ordentliches Regieren nicht möglich sei, solange „dieser Teufel von einem Loredan“[7] lebe, wurde beim Tod des Admirals 1438 das Gerücht kolportiert, der Doge habe ihn vergiften lassen – ebenso wie seinen Bruder Marco Loredan.

Die Vorkommnisse um Francescos einzigen überlebenden Sohn Jacopo beschädigten ebenfalls das Ansehen des Dogen. Unter Korruptionsverdacht geraten, floh Jacopo im Februar 1445 nach Triest und wurde in Abwesenheit zur Verbannung verurteilt, auf Intervention seiner Vaters aber bald wieder begnadigt. Die Intrigen der politischen Gegner Foscaris führten jedoch 1451 dazu, dass gegen Jacopo ein weiteres Verfahren eingeleitet wurde. Gemäß dubioser Zeugenaussagen soll er aus Rache den Mord an einem seiner früheren Richter angestiftet haben und wurde deshalb nach Kreta verbannt. Ein drittes Verfahren gegen ihn brachte ihm dort sogar Kerkerhaft ein, während der er im Januar 1457 starb.

Der greise Francesco verwand den Verlust seines Sohnes nicht und war mit den Amtsgeschäften immer mehr überfordert. Unter einem Vorwand setzte der Rat der Zehn – in eindeutiger Kompetenzüberschreitung, denn der Große Rat hätte zustimmen müssen – den Dogen am 21. Oktober 1457 eigenmächtig ab. Obwohl der Illegalität dieses Beschlusses bewusst, beugte sich Francesco Foscari. Er überlebte die Demütigung nur um wenige Tage und starb am 1. November 1457 in seinem Palazzo, der Ca’ Foscari.

Die Republik wollte ihm ein Staatsbegräbnis zuteilwerden lassen, als sei er im Dogenamt gestorben, doch Francescos verbitterte Witwe Marina verweigerte anfänglich die Herausgabe des Leichnams mit dem Hinweis darauf, dass ein solches Begräbnis pure Heuchelei sei. Schließlich lenkte sie jedoch ein. Foscari wurde am 3. November 1457 mit allen einem Dogen gebührenden Ehren unter außerordentlich großer Anteilnahme der Bevölkerung in der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari bestattet. Ab 1460 entstand dort an der Südwand der Chorkapelle sein heute noch erhaltenes Grabmal. Es ist ein nach venezianischer Tradition mit einem Baldachin bekröntes Wandgrab. Der Doge ruht in voller Amtstracht auf dem Sarkophag. Er ist umgeben von den vier Kardinaltugenden Mäßigung, Stärke, Klugheit und Gerechtigkeit. Der Vorhang des Baldachins wird von jugendlichen, antik gekleideten Kriegern gehalten. Grabmal und Skulpturen sind Werk der Brüder Paolo und Antonio Bregno.

Bautätigkeiten[Bearbeiten]

Während seiner langen Amtszeit stieß Foscari zahlreiche Bauvorhaben in Venedig an. Zum Beispiel wurde auf seine Initiative zum Schutz des Lido auf der Insel Vignole eine Festung erbaut.

Skulptur an der Porta della Carta

Außerdem beauftragte er mehrere Umgestaltungen und Ausbauten des Dogenpalastes. So ließ er die alte Westfront abtragen, um an deren Stelle von 1424 bis 1438 die Fassade zur Piazzetta neu errichten zu lassen. Ihr Herzstück wurde nach dem Bauherrn Loggia di Foscari genannt. Direkt im Anschluss daran ließ Francesco nach Plänen des Baumeisters Bartolomeo Buon die bauliche Lücke zwischen Dogenpalast und Markusdom mit dem Porta della carta genannten Torbau schließen. In einer Skulptur über dem Torbogen ließ sich Foscari verewigen. Sie zeigt den Dogen kniend vor dem Markuslöwen, als Sinnbild für den Evangelisten Markus, der wiederum das Symbol der Republik Venedig ist. Die Skulptur sagt in klarer Bildsprache aus, dass der Doge nicht Herr der Republik ist, sondern diese ihm nur die Macht verleiht und er der Republik untergeordnet bleibt. Das heute zu sehende Exemplar stammt aus dem Jahr 1885 und ist eine Nachbildung der 1797 auf Befehl des von Frankreich eingesetzten Revolutionsrates zerstörten Originals von Antonio Bregno. Im Hof des Palastes erinnert der Arco Foscari noch heute daran, dass dieser Doge die dritte und letzte Bauphase des Gebäudes initiierte.

Neben den aus öffentlichen Mitteln finanzierten Projekten, war Foscari auch privat als Bauherr aktiv. 1452 erwarb er einen alten Palast und ließ an dessen Stelle sukzessive die Ca’ Foscari errichten, einen prunkvollen Palazzo im Stil der Spätgotik. Das viergeschossige Gebäude besitzt aufwändig gestaltetes Maßwerk und Marmorsäulen und beherbergt heute die Universität Venedig.

Rezeption[Bearbeiten]

Francesco Hayez: Die beiden Foscari, Florenz

Die Geschichte Francesco Foscaris und seines Sohns Jacopo wurde mehrfach poetisch behandelt, unter anderem von Lord Byron in seinem 1821 erstmals publizierten Buch The two Foscari. Byrons Werk diente als Vorlage für das von Francesco Maria Piave geschriebene Libretto von Giuseppe Verdis Oper I due Foscari (Die beiden Foscari), die am 3. November 1844 im Teatro Argentina in Rom Uraufführung feierte.

Der italienische Maler Francesco Hayez schuf um die Mitte des 19. Jahrhunderts[8] angelehnt an das literarische Vorbild ein Ölgemälde mit dem Titel Die beiden Foscari, das den Dogen und seinen Sohn beim Abschiednehmen zeigt. Es befindet sich heute in der Galleria d’arte Moderna im florentinischen Palazzo Pitti.

Literatur[Bearbeiten]

  • Angela Caracciolo Aricò (Hrsg.): Marino Sanudo: Le vite dei dogi 1423-1474. Band 1. La Malcontenta, Venedig 1999, (online).
  • Giuseppe Gullino: Foscari. Francesco. In: Fiorella Bartoccini (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 49 (Forino–Francesco da Serino), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1997 (italienisch).
  • Reinhard Lebe: Erfolg und Tragik eines Dogen. In: Damals. Jg. 28, Nr.4, 1996, ISSN 0011-5908, S. 13–18.
  • Andrea da Mosto: I Dogi di Venezia. Martello-Giunti, Mailand 1977, S. 54–57.
  • Debra Pincus: The Arco Foscari. The Building of a Triumphal Gateway in Fifteenth Century Venice. Garland Publications, New York 1976.
  • Paolo Preto: Foscari, Francesco. In: Lexikon des Mittelalters. Band 4. dtv, München 2002, ISBN 3-423-59057-2, Sp. 670–671.
  • Dennis Romano: The Likeness of Venice. A Life of Doge Francesco Foscari 1373–1457. Yale University Press, New Haven 2007, ISBN 978-0-300-11202-3.
  • Hugh Trevor-Roper: The Doge Francesco Foscari. In: Hugh Trevor-Roper: Renaissance Essays. University of Chicago Press, Chicago 1985, ISBN 0-226-81225-1, S. 1–12 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Francesco Foscari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b A. Caracciolo Aricò: Marin Sanudo: Le vite dei dogi 1423–1474, S. 5.
  2. a b R. Lebe: Erfolg und Tragik eines Dogen, S. 13.
  3. a b Edgcumbe Staley: The dogaressas of Venice. The wifes of the doges. T. Werner Laurie, London 1910, S. 186 (online).
  4. Edgcumbe Staley: The dogaressas of Venice. The wifes of the doges. T. Werner Laurie, London 1910, S. 187 (online).
  5. Los dogos de Venecia, Zugriff am 23. Juni 2010.
  6. R. Lebe: Erfolg und Tragik eines Dogen, S. 14.
  7. R. Lebe: Erfolg und Tragik eines Dogen, S. 16.
  8. Die Angaben zum Entstehungsjahr schwanken und umspannen einen Zeitraum zwischen 1840 und 1854.


Vorgänger Amt Nachfolger
Tommaso Mocenigo Doge von Venedig
1423–1457
Pasquale Malipiero