Francis Channing Barlow

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Francis Channing Barlow

Francis Channing Barlow (* 19. Oktober 1834 in Brooklyn, New York; † 11. Januar 1896 in New York City) war ein US-amerikanischer Politiker und General der US-Heeres während des Sezessionskrieges.

Jugend[Bearbeiten]

Barlow wurde als Sohn eines unitarischen Priesters in Brooklyn geboren und wuchs in Brookline, Massachusetts auf. Er studierte an der Harvard University die Rechtswissenschaften und bestand 1855 das Examen mit Auszeichnung. Nach dem Studium wurde er Justiziar bei der Zeitung New York Tribune.

Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Eine Woche nach dem Angriff auf Fort Sumter und nur einen Tag nach der Hochzeit mit seiner Braut Arabella Wharton Griffith trat Barlow in das 12. New York Miliz Regiment ein und wurde bei der Offizierswahl Anfang Mai zum Oberleutnant gewählt. Die Dienstzeit der Regimentsangehörigen betrug 90 Tage. Am 1. August wurde es außer Dienst gestellt. Barlow bewarb sich daraufhin um ein Offizierspatent und wurde Anfang November stellvertretender Kommandeur des 61. New York Infanterie-Regiments. Zu Beginn des Halbinsel-Feldzuges im April 1862 wurde er zum Regimentskommandeur ernannt und zum Oberst befördert.

Barlow erlebte seinen ersten Einsatz während der Sieben-Tage-Schlacht bei Richmond, Virginia. Er zeichnete sich mehrfach durch ungewöhnliche Tapferkeit aus und konnte eine konföderierte Regimentsfahne erbeuten. In der Schlacht am Antietam am 17. September 1862 stürmte Barlows Regiment einen ausgefahrenen Feldweg, der später als Bloody Lane bezeichnet wurde, und brachte 300 Gefangene ein. Barlow selbst wurde durch einen Granatsplitter im Gesicht und durch ein Schrapnell an der Leiste schwer verwundet. Nachdem er im Bericht seines Vorgesetzten, General John C. Caldwell, besonders hervorgehoben worden war, erhielt er zwei Tage nach der Schlacht die Beförderung zum Brigadegeneral des Freiwilligenheeres.

General[Bearbeiten]

Nach einer langwierigen Genesung kehrte Barlow erst im April 1863 zur Potomac-Armee zurück und übernahm eine Brigade des vorwiegend aus deutschstämmigen Soldaten bestehenden XI. Korps. Dieses Korps wurde in der Schlacht bei Chancellorsville durch einen Flankenangriff Generalleutnant „Stonewall“ Jacksons zerschlagen und in die Flucht getrieben. Barlows Brigade war zu dieser Zeit jedoch zum benachbarten III. Korps abgestellt, so dass sie dem Zusammenbruch entging. Ende Mai wurde Barlow zum Divisionskommandeur ernannt und marschierte mit der Armee nach Norden, um Lees Invasion in Pennsylvania abzuwehren.

Am ersten Tag der Schlacht von Gettysburg spielte Barlow eine tragische Rolle bei einer abermaligen Niederlage des XI. Korps. Um sich in den Besitz eines kleinen Hügels zu setzen, der später unter dem Namen Barlow's Knoll bekannt wurde, ließ er seine Truppen gefährlich weit nach Norden vorstoßen und öffnete so seine rechte Flanke für den Angriff einer gegnerischen Division unter Generalmajor Jubal Anderson Early. Bei dem verzweifelten Versuch, seine flüchtenden Soldaten aufzuhalten, wurde Barlow durch einen Schuss in den linken Oberkörper schwer verwundet und fiel den Konföderierten in die Hände. Bei deren Ausweichen am 4. Juli mussten die Südstaatler ihren transportunfähigen Gefangenen zurücklassen und Barlow stand eine weitere lange Rekonvaleszenz bevor. Während er sich langsam erholte, leitete er das Rekrutierungsdepot in Springfield, Illinois.

Barlow (l.) mit seinem Vorgesetzten Winfield Scott Hancock (sitzend) sowie David B. Birney (m.) und John Gibbon (r.)

Rechtzeitig zum Beginn des Frühjahrsfeldzuges 1864 unter dem neuen Oberbefehlshaber Ulysses S. Grant kehrte Barlow in den Felddienst zurück. Er übernahm eine Division des II. Korps unter Generalmajor Winfield Scott Hancock, der ebenfalls bei Gettysburg schwer verwundet worden und eben erst genesen war. Während der Schlacht in der Wilderness wurde Hancocks Korps vorwiegend mit defensiven Aufgaben betraut, doch eine Woche später bei Spotsylvania erhielt Barlow eine schwierige Aufgabe: die Division bekam den Auftrag, einen schwer befestigten Frontvorsprung (bekannt als The Angle oder, wegen seiner Hufeisenform, als The Mule Shoe) im Zentrum der feindlichen Stellung zu erstürmen. Obwohl den Unionstruppen ein tiefer Einbruch in die konföderierten Gräben gelang, mussten sie nach einem Gegenangriff schließlich doch wieder in die Ausgangsstellungen ausweichen.

Barlow nahm an allen Gefechten des Sommers 1864 bis zum Beginn der Belagerung von Petersburg teil, ehe er – ähnlich wie General Hancock – infolge der pausenlosen Strapazen und der Auswirkungen seiner Verwundungen um seine Beurlaubung bitten musste. Wirksam vom 1. August 1864 wurde er zum Brevet-Generalmajor der Freiwilligen befördert. Drei Tage nach Lees Ausweichen aus den Stellungen um Petersburg und Richmond kehrte er auf Wunsch seines neuen Kommandierenden Generals Andrew Humphreys am 6. April 1865 an die Front zurück, um einen Divisionskommandeur abzulösen, der schlafend in seinem Dienstzelt angetroffen worden war. Wenige Wochen nach Kriegsende wurde Barlow am 25. Mai 1865 in den vollen Generalmajorsrang erhoben.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Barlow quittierte im November 1865 den Dienst und kehrte nach New York zurück. Seine Frau Arabella war 1864 während ihres Dienstes als Heereskrankenschwester an Typhus gestorben. Barlow eröffnete eine Anwaltspraxis, heiratete Ellen Shaw, die Schwester des gefallenen Kriegshelden Robert Gould Shaw, und diente 1869 zeitweilig als US Marshal für den südlichen Bezirk des Bundesstaates New York.[1] Zudem war er als Mitglied der Republikaner politisch aktiv: Er amtierte als Secretary of State und Attorney General des Staates New York. 1896 erlag er einem Nierenleiden und wurde in Brookline beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard F. Welch: The Boy General. The Life and Careers of Francis Channing Barlow. Fairleigh Dickinson University Press. Madison, NJ 2003, ISBN 0-8386-3957-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Francis Channing Barlow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auflistung der US Marshals im Bundesstaat New York (PDF; 246 kB), Internetseite des United States Marshals Service