Francis Crick

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Francis Crick, im Hintergrund ein Gehirnmodell, das ihm von Jacob Bronowski vermacht wurde

Francis Harry Compton Crick OM (* 8. Juni 1916 in Northampton, England; † 28. Juli 2004 in San Diego, USA)[1] war ein britischer Physiker und Biochemiker. Er entdeckte zusammen mit James Watson die Molekularstruktur der Desoxyribonukleinsäure (DNS).

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Modell der DNA-Doppelhelix

Crick hatte 1937 am University College in London ein Physikstudium abgeschlossen. Er war zwischenzeitlich für die britische Marine tätig und arbeitete an magnetischen und akustischen Seeminen.[1] Ab 1947 studierte er zusätzlich Biologie und widmete sich jahrelang, aber erfolglos am Cavendish-Laboratorium der Universität Cambridge seiner Promotion. Er beschäftigte sich mit der röntgenkristallographischen Untersuchung des Hämoglobinmoleküls, als 1951 der amerikanische Biochemiker James Watson zu ihm stieß und sich beide daran machten, die Struktur der DNA zu entschlüsseln. Am 28. Februar 1953 hatten es beide geschafft, ein räumliches Modell der DNA-Doppelhelix zu erstellen, das auf Röntgenbeugungsdaten von Rosalind Franklin und Maurice Wilkins beruhte. Dieses Modell, das sie in dem Artikel Molecular Structure of Nucleic Acids: A Structure for Deoxyribose Nucleic Acid in der Zeitschrift Nature am 25. April vorstellten, erlangte Weltberühmtheit und hat bis heute Gültigkeit. 1955 stellte Crick seine „adapter hypothesis“ vor, die besagt, dass eine bis dato unbekannte Struktur die Aminosäuren zu ihrem Zielort bringt und dort richtig verknüpft (heute wissen wir, dies ist die tRNA als Adaptermolekül). 1958 formulierte er das Zentrale Dogma der Molekularbiologie.

Crick war ab 1949 am MRC Laboratory of Molecular Biology (zuerst MRC Unit). 1960/61 war er Fellow des Churchill College in Cambridge. 1962 wurde er Leiter der Abteilung Molekulargenetik am MRC Laboratory und war mit Sydney Brenner ab 1963 Ko-Direktor. Gleichzeitig war er ab 1962 Non Resident Fellow des Salk Institute in La Jolla und zog 1975 ganz dorthin. Er war dort von 1977 bis 2004 J. W. Kieckhefer Distinguished Professor und 1994/95 Präsident. Außerdem war er Professor für Biologie, Chemie und Psychologie an der University of California, San Diego. Er starb an Darmkrebs.

1962 erhielten Crick, Wilkins und Watson für ihr räumliches Modell der DNA den Nobelpreis für Medizin. 1960 erhielt Crick den Albert Lasker Award for Basic Medical Research, 1961 den Prix Charles-Léopold Mayer, 1962 einen Gairdner Foundation International Award und 1972 die Royal Medal der Royal Society. Im Jahr 1969 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Crick war für unkonventionelle Ideen auf verschiedenen Gebieten bekannt. In den 1970er Jahren griff Crick die Panspermie-Hypothese auf (gerichtete Panspermie). Später wandte er sich den Neurowissenschaften und der Theorie des Bewußtseins zu.

Im hohen Alter versuchte sich Crick am Salk Institut im kalifornischen La Jolla an einer großen Herausforderung, dem Versuch, das Wesen des Geistes zu enträtseln und durch eine umfassende Theorie zu erklären. So postulierte er 1990, dass nun die Zeit reif wäre, das Rätsel des menschlichen Geistes naturwissenschaftlich in Angriff zu nehmen. Die Menschen, „ihre Freuden und Leiden, ihre Erinnerungen, ihre Ziele, ihr Sinn für ihre eigene Identität und Willensfreiheit – bei alldem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen“, formulierte er in seinem 1994 erschienenen Buch „Was die Seele wirklich ist“.

Watson, Wilkins und Crick sind später von manchen für Verletzung der Regeln für gute wissenschaftliche Praxis kritisiert worden, da die Veröffentlichung in Nature von 1953 auf bis dahin unpublizierten Forschungsergebnissen von Rosalind Franklin am King's College beruhte, deren röntgenkristallographische Aufnahmen ihr Kollege Maurice Wilkins Watson und Crick ohne ihre Kenntnis zugänglich machte.[2][3] Watson und Crick bedanken sich allerdings am Schluss in ihrer Nature-Veröffentlichung summarisch für die Beiträge von Franklin und Wilkins, ohne genauer darauf einzugehen.

Crick war der Eugenik positiv gegenüber eingestellt, äußerte seine Ansichten dazu vor allem in persönlicher Kommunikation. Er war der Ansicht, auf Dauer wäre die Gesellschaft gezwungen, sich um eine (genetische) Verbesserung der kommenden Generationen Gedanken zu machen. In der Gegenwart sah er aber aufgrund weit verbreiteter religiöser Vorbehalte wenig Aussichten dafür.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • James D. Watson: Die Doppelhelix, Rowohlt TB, 1997, ISBN 3-499-60255-5
  • Francis Crick: Was die Seele wirklich ist, Rowohlt TB, 1997, ISBN 3-499-60257-1 (englisches Original: The astonishing hypothesis: the scientific search for the soul, Scribner 1995)
  • Francis Crick: Of Molecules and Men, Prometheus Books, 2004 (zuerst 1967)
  • Francis Crick: What mad pursuit. A personal view of scientific discovery, Basic Books 1990
  • Francis Crick: Life itself. Its origin and its nature, Simon and Schuster 1981

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Francis Crick – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Nicholas Wade: Francis Crick, Co-Discoverer of DNA, Dies at 88. In: The New York Times. 30. Juli 2004, abgerufen am 21. Januar 2013 (englisch).
  2. eprint: Plagiate und unethische Autorenschaften Gerhard Fröhlich, Linz (Österreich) 2006
  3. Denis Grady: A Revolution at 50; 50 Years Later, Rosalind Franklin's X-Ray Fuels Debate New York Times, 25. Februar 2003 (engl.)
  4. Ridley, Matt (2006). Francis Crick: discoverer of the genetic code. Ashland, OH: Atlas Books. ISBN 0-06-082333-X.